Darkstars Fantasy News


1. Juni 2008

Tanya Huff Interview

Category: Interviews – Darkstar – 19:20

Huff 01Obwohl Tanya Huff vor allem für ihre Mystery-Romane hierzulande bekannt ist (u. a. „Blutzoll“ oder „Rauch und Asche„), habe ich sie vor Jahren als Autorin wirklich netter High Fantasy-Romane kennengelernt. Deshalb gehörte sie zu den ersten, die ich angeschrieben und um ein Interview gebeten habe, als klar wurde, dass ich Darkstars Fantasy News tatsächlich ins Leben rufen würde. Erfreulicherweise war sie auch bereit dazu.

Da damals bereits davon gesprochen wurde, dass die auf ihren Romanen basierende TV-Serie Blood Ties noch 2008 im deutschen Free-TV laufen würde und in diesem Zusammenhang der Verlag vgs die Bücher neu herausgeben wollte, beschlossen wir, mit der Interview-Veröffentlichung zu warten, bis es soweit sei. Da sowohl Sender als auch Verlag das Veröffentlichungsdatum aber konstant weiter nach hinten verschieben (derzeit ist soweit ich weiß von Oktober 2008 die Rede), habe ich beschlossen, das Interview nun doch endlich online zu posten. Viel Spaß!
Du schreibst High Fantasy, Mystery und Science Fiction. Fällt es dir so leicht, zwischen den Genres bzw. Sub-Genres hin und her zu springen?

Ich habe immer gesagt, ich erzähle nur die Geschichten, die ich erzählen muss und bestimmte Geschichten müssen auf eine bestimmte Art und Weise erzählt werden. Deshalb, ja, es fällt mir so leicht.

In den letzten Jahren hast du dich auf Mystery konzentriert. Gibt es auch Pläne für einen weiteren High Fantasy-Roman?

Tatsächlich sind die letzten beiden Bücher, die ich geschrieben habe – THE HEART OF VALOR und VALOR’S TRIAL – Military Science Fiction. Zur Zeit arbeite ich an einem neuen Mystery-Roman aber danach werde ich wahrscheinlich etwas schreiben, dass wieder eher in die Richtung High Fantasy geht.

Huff 03Du gehörst zu den wenigen Autoren, deren Arbeiten für das Fernsehen adaptiert wurden. Kannst du uns ein bisschen über deine Erfahrungen zu diesem Thema berichten? Und wie gefällt dir BLOOD TIES?

Um mit dem zweiten Teil zu beginnen – ich liebe BLOOD TIES. Ich glaube alle vor und hinter der Kamera haben Unglaubliches geleistet, um es auf den Bildschirm zu bringen. Was meine Erfahrungen damit angeht, die waren 100% positiv.
Obwohl Kalaidoscope Entertainment Ltd., die primäre Produktionsfirma, mir einfach einen Scheck hätte ausstellen und mich von da an ignorieren können, haben sie mich von Anfang bis Ende am Prozess teilhaben lassen und mich sogar gefragt, eine Episode zu schreiben. Man hat mir die Möglichkeit gegeben, talentierte Leute dabei zu beobachten, wie sie Magie gewirkt haben und ich habe jede einzelne Minute davon geliebt.

Welche Hauptunterschiede gibt es deiner Meinung nach zwischen den Büchern und der Serie?

Da gibt es den offensichtlichen Unterschied, dass Henry jetzt ein Comic-Künstler ist und kein Verfasser von Liebesromanen und dass Coreen nun Vickis Assistentin ist, aber darüber hinaus … Peter Mohan, der unglaubliche Serien-Verantwortliche, hat sich sehr behutsam bemüht, die Seele der Bücher einzufangen. Es gibt neue Geschichten, natürlich, weil sie nur drei der fünf Bücher verwenden konnten, aber die Beziehungen sind im Kern dieser Geschichten immer noch die gleiche.

Was kommt als nächstes von der Autorin Tanya Huff? Was ist mit neuen Romanen oder Kurzgeschichten?

Im Juli wird das vierte (und letzte) Torin Kerr-Buch erscheinen: VALOR’S TRIAL. Ich habe gerade eine Kurzgeschichte für die vierte Valdemar-Anthologie abgeliefert. Außerdem arbeite ich an einem Essay über SUPERNATURAL für BenBella Books. Und ich arbeite an einem neuen Mystery-Roman, der nächstes Jahr herauskommen soll.

Huff 05Gibt es auch Pläne, ein bekanntes Setting wieder zu besuchen? Zum Beispiel die High Fantasy-Welt der QUARTER-Romane? Oder einen neuen Band der CHRONIK DER HÜTER?

Ich bezweifle sehr stark, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt in die QUARTER-Welt zurückkehren werde – dort war ich schon und ich habe das Gefühl, damit abgeschlossen zu haben. Und da sowohl der echte Sam als auch der echte Austin inzwischen tot sind werde ich wahrscheinlich nie wieder ein neues HÜTER-Buch schreiben. Es könnte sein, dass ich ein weiteres RAUCH-Buch schreibe, aber ich kann nichts versprechen.

Was magst du beim Erschaffen eines neuen Romans oder auch einer neuen Welt am liebsten – und was kannst du nicht ausstehen?

Ich liebe es, neue Welten zu erschaffen, die Geographie zu entwerfen und zu entdecken, wie sie Auswirkungen auf alle anderen Elemente der Geschichte hat. Es gibt nichts, was ich daran nicht ausstehen kann. Ich liebe meinen Job.

Vielleicht kannst du uns etwas darüber erzählen, wie du beim Schreiben eines Romans vorgehst? Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus? Hast du irgendwelche seltsamen Angewohnheiten, was das Schreiben angeht?

Ich entwickle eine Idee. Diese gebe ich meinem Agenten, der sie an meine Herausgeberin weiter leitet. Wenn sie daran interessiert ist, beginne ich mit der Recherche. Wenn ich die kritische Masse an Recherche erreicht habe (zwischen einem und drei Monaten, je nachdem wie komplex die Welt ist oder ob es Teil einer Serie ist), beginne ich mit dem Schreiben. Ich schreibe zwischen Eins und Sechs an den Nachmittagen – wenn auch nicht jeden Nachmittag und in der letzten Zeit habe ich auch öfter am Abend geschrieben. Ich fange am Anfang eines Buches an und schreibe bis zum Ende – und ich kenne für gewöhnlich meine Ende, wenn ich beginne. Ich schreibe ungefähr tausend Wörter am Tag und am nächsten Tag überarbeite ich die ersten tausend und mache dann weiter. Weil ich bereits überarbeite, während ich schreibe, sind meine Überarbeitungen minimal und mein erster Entwurf ist zu 95% mein endgültiger Entwurf. Manchmal ist der Prozentsatz sogar höher. Dafür brauche ich zwischen neun Monaten und einem Jahr.

Huff 04Wer ist dein bisheriger Lieblings-Protagonist? Und wer hat dir beim Schreiben die meisten Schwierigkeiten gemacht?

Meine Lieblings-Protagonistin war wahrscheinlich Vicki Nelson, wobei – Torin Kerr aus den VALOR-Büchern kommt auf einem sehr, sehr dichten zweiten Platz. Benidikt aus THE QUARTERED SEA hat mir wahrscheinlich die meisten Schwierigkeiten gemacht, weil er so kompliziert war.

Woran erkennst du, dass es eine Idee Wert ist, zu einem Roman ausgesponnten zu werden?

Zum heutigen Zeitpunkt: Erfahrung. *g*

Glaubst du, dass deine Leser in den verschiedenen Orten der Welt unterschiedlich sind?

Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Ich weiß, dass meine Bücher in viele Sprachen übersetzt wurden, aber ich bekomme nicht viel Feedback aus dem Ausland.

Hat dein Verleger dich jemals gebeten oder von dir verlangt, dramatische Veränderungen in deinen Romanen vorzunehmen? Gab es jemals Probleme, weil viele deiner Hauptfiguren lesbisch oder schwul sind?

Sheila Gilbert, meine Herausgeberin bei DAW Books, Inc., hat mich nie gefragt, irgend etwas zu ändern. Klarer herausarbeiten, ja. Ändern, nein.

Von Anfang an wurden deine Romane von DAW verlegt. Würde es dir etwas ausmachen, uns ein bisschen darüber zu erzählen, wie es dazu kam.

Mitte der 80er Jahre, ich hatte gerade das Manuskript für CHILD OF THE GROVE fertig gestellt, hatte ich die Möglichkeit, mit einem Freund nach New York City zu gehen. Eine anderer Freund, SM Stirling, hatte bereits ein Buch bei Sheila Gilbert publiziert, als sie noch bei Signet war, und er sagte, er würde sie anrufen und ihr erzählen, dass ich in die Stadt käme. Unglücklicherweise vergaß er es und als ich sie anrief, hatte sie noch nie von mir gehört.
Aber ich hatte sehr, sehr viel Glück und da gerade einer ihrer Termine abgesagt worden war, hatte sie Zeit, mich zu treffen. Wir unterhielten uns ungefähr zwanzig Minuten über das Buch, ich gab ihr das Manuskript und schließlich erzählte sie mir, was sie glaubte, dass es noch brauche, um es verkaufsfähig zu machen. (Kostenloser Ratschlag: Wenn du jemals ein Buch über einen Krieg schreibst, dann ist es wichtig, dass darin auch eine Kampfszene vorkommt). Ich fügte ungefähr hundert Seiten hinzu und sie kaufte es. Seitdem haben wir immer zusammengearbeitet und so ziemlich der einzige Grund, der mich dazu veranlassen würde, DAW zu verlassen, wäre wenn Sheila ginge.

Da du mit einer anderen Autorin zusammen lebst: Könntest du dir vorstellen, einen Roman mit ihr (oder jemandem anderen) zusammen zu schreiben? Oder ist das gar nicht dein Ding?

Huff 02Ernsthaft: Ich spiele nicht gut mit anderen zusammen. Wir lesen noch nicht einmal die Arbeit der jeweils Anderen, bevor sie veröffentlicht ist.

Weißt du noch, worum es in deiner ersten Geschichte (bzw. Roman) ging? Und woran hast du gemerkt, Talent für das Schreiben zu besitzen?

Ich besitze die Kopie eines Briefes, den meine Großmutter meinem Vater geschrieben hat, als ich drei Jahre alt war (er war in der Navy und auf See). In ihm wiederholte sie eine lange und komplizierte Geschichte über eine Spinne. Das Ganze habe ich dann illustriert. Schrecklich! Wofür ich ein Talent habe, ist das Geschichtenerzählen. Das Schreiben kommt mit der Praxis.

Wenn du einen fiktiven Charakter treffen könntest (aus deinen Werken oder denen eines anderen) – wer wäre es und warum?

Weißt du, das ist eine wirklich gute Frage. Ich habe keine Ahnung. *g*
Keinen aus meinen eigenen Arbeiten, das ist klar. Ich bin sicher, sie hätten mir da einiges zu erzählen darüber, was ich sie habe alles durchleiden lassen. Und das Schwierige ist: Fiktive Charaktere sind in der Regel nicht so interessant außerhalb ihrer jeweiligen Geschichten … hmmmm. Ich werde definitiv mal darüber nachdenken.

Ich weiß, dass das jetzt eine ziemlich geekige Frage ist, aber nichtsdestotrotz: Da ich ein riesiger Joss Whedon-Fan bin, habe ich natürlich bemerkt, dass in deinen Romanen recht viele Referenzen auf seine Arbeiten zu finden sind (wie zum Beispiel die Firefly-CDs unter Tony’s Bett). Deshalb: Wie stehst du zu den Arbeiten von Joss Whedon? Und: Liest du die BUFFY STAFFEL 8-Comics von ihm und, wenn ja, was hälst du von ihnen?

Ich liebe die Arbeiten von Joss Whedon! Ich würde alles dafür geben, für eine seiner Serien schreiben zu dürfen – größtenteils weil es dann einfacher wäre, von ihm bemerkt zu werden. Ich besitze die ersten vier Staffel 8-Comics und werde mir die anderen holen, sobald ich das nächste Mal in der Stadt bin.

Ich weiß nicht, ob du selbst noch Zeit zum Lesen findest, aber falls ja, welche Art Bücher magst du? Welche Autoren kannst du empfehlen? Und wie suchst du dir einen Roman in der Buchhandlung aus? Einfach durch einen Blick aufs Cover?

Rauch und Asche (Cover)Ich bewundere Terry Pratchett, Charles de Lint und Diana Wynne Jones. Ich habe einen Dauer-Auftrag bei Bakka-Phoenix Books in Toronto aufgegeben, so dass man mir alle Bücher, die von diesen Dreien neu veröffentlicht werden, zugeschickt werden, ohne mich vorher zu fragen. Glücklicherweise lese ich sehr schnell, so dass ich immer wieder dazu komme, das zu lesen, worauf ich gerade Lust habe. Kürzlich habe ich Charles Stross gelesen, etwas von Charlaine Harris und ich habe die Watchman-Graphic Novel nochmal gelesen.

Gibt es eine Frage, die du während eines Interviews schon immer mal gefragt werden wolltest, die aber bis heute nicht aufgetaucht ist? Welche Frage wäre das und bitte gib uns auch die Antwort darauf.

Weißt du, inzwischen fällt mir ehrlich nichts ein, was ich nicht zumindest einmal gefragt worden wäre. *grinz*

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1 Kommentar »

  1. […] ich Tanya Huff 2008 in einem Interview fragte, ob sie sich vorstellen könnte, schreibtechnisch noch einmal in die High Fantasy-Welt ihrer […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Tanya Huff kehrt in die Quarters-Welt zurück | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 19. Juli 2012 @ 18:01

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