Darkstars Fantasy News


29. Juni 2008

Interview mit Michael Krug vom Otherworld Verlag

Category: Interviews – Darkstar – 19:31

Otherworld 02Werden Bestseller gemacht? Wie wichtig ist die Cover-Gestaltung? Ist der Erfolg deutschsprachiger Autoren nur ein Strohfeuer? Und warum werden Titel nicht Eins zu Eins übersetzt?

Wer sich solche – oder ähnliche – Fragen auch schon gestellt hat, dem empfehle ich dringend ein Blick auf das folgende Interview. Auf Darkstars Fantasy News gab es ja nun bereits das eine oder andere Autoren-Q&A. Da ich mir über die oben aufgezählten Fragen aber tatsächlich immer mal wieder meine Gedanken gemacht habe, habe ich beschlossen, bei einem Fachmann nachzuhören. Michael Krug vom Otherworld Verlag war nicht nur sofort bereit, ein Interview zu geben, sondern dabei noch extrem freundlich und – was ihr beim Lesen seiner Antworten ggf. bemerken werdet – recht scharfsinnig. Ich hoffe, es macht euch ebenso viel Spaß, seine Antworten auf meine Fragen zu lesen. Außerdem verrät er hier, mit welchen Highlights Otherworld in den nächsten Monaten aufwarten wird.

Interview mit Michael Krug vom Otherworld Verlag

Vielen Dank dafür, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Vielleicht kannst du uns eingangs ein bisschen darüber erzählen, was deine Aufgaben bei OTHERWORLD sind?

Da wir ein noch sehr kleines Team sind, umfassen meine Aufgaben so ziemlich alles, was anfällt, ausgenommen den technischen Bereich, sprich die Aufbereitung der Druckunterlagen und die Wartung unserer Website.

Wie wirst du auf neue Titel für den deutschsprachigen Markt aufmerksam?

Unterschiedlich. Anfangs ausschließlich durch Recherche im Internet auf verschiedenen einschlägigen Plattformen, die über englischsprache Neuerscheinungen berichten, teilweise auch durch Hinweise von Lesern selbst, insbesondere, was abgebrochene Reihen betrifft. In letzter Zeit werden uns auch zunehmend von Agenturen Titel angeboten, und zu guter Letzt rühren einige unserer Autoren bei ihren Schriftstellerkolleg/innen kräftig die Werbetrommel für uns, sodass wir speziell aus den USA etliche Titelangebote von dort bereits recht renommierten Autor/innen bekommen.

GrendlKauft ihr hauptsächlich Buch-Pakete von Verlagen oder sucht ihr euch auch einzelne Autoren direkt aus?

Wir suchen uns sehr genau aus, welche Autor/innen wir gerne hätten, und prüfen dann, ob der- oder diejenige für uns leistbar ist.

Verrate uns doch ein bisschen über den Prozess von der Entdeckung eines Buchs, das ihr veröffentlichen wollt, bis hin zum publizierten Werk, bitte.

Wenn wir auf einen Titel aufmerksam werden, der uns interessiert, recherchieren wir zunächst mal, wer die Rechte daran besitzt bzw. vertritt. Sofern die Möglichkeit besteht, wenden wir uns dabei zunächst direkt an den Autor, der uns in den meisten Fällen an seinen Agenten verweist, dieser wiederum zumeist an seine Subagentur in Deutschland.
Ist letztlich der richtige Ansprechpartner gefunden, versuchen wir, eine für beide Seiten zufriedenstellende Vereinbarung auszuverhandeln und uns die Rechte zu sichern. Ist das geglückt – was nicht immer klappt – freuen wir uns zuerst mal, danach machen wir uns Gedanken über die deutsche Covergestaltung.

Zeitgleich oder davor oder danach, je nachdem, wann die Veröffentlichung geplant ist, beginne ich mit der Übersetzung. Die geht anschließend ab zum Lektorat und Korrektorat, insgesamt durchlaufen die Texte bei uns inzwischen mindestens drei Lektorats-/Korrektoratsstufen. Zu guter Letzt wird die Endfassung gesetzt, und die gesamten Druckunterlagen werden aufbereitet. Dann geht’s ab in die Druckerei.

Ist es deiner Meinung nach notwendig, bestimmte Stellen des Romans bei der Übersetzung unter den Tisch fallen zu lassen?

Nein, ganz im Gegenteil. Ich persönlich bin der Auffassung, dass die Übersetzung dem Original sowohl inhaltlich als auch stilistisch so nah wie menschenmöglich kommen muss. Das ist der Übersetzer meines Erachtens dem Autor, der ihm ja zumeist „hilflos ausgeliefert“ ist, einfach schuldig. Für meinen Teil halte ich es so, dass ich beim Übersetzen bei Stellen, wo ich unsicher bin, was der Autor damit gemeint haben könnte, direkt an der Quelle, also beim Autor nachfrage. Dafür sind Internet und E-Mail natürlich ein Segen.

Werden Bestseller gemacht? Was braucht ein Buch, um erfolgreich zu sein? Und woran liegt es, ob sich Erfolg einstellt oder nicht?

Bis zu einem gewissen Grad lässt sich ein Bestseller planen bzw. machen. Man kann zum Beispiel aktiv nach einem Titel suchen oder gar einen Titel in Auftrag geben, der einen gerade aktuellen Trend bedient, wie es ja bei einigen Titeln aus dem Tolkien’schen Umfeld der Fall war und ist. Natürlich reicht das allein noch lange nicht, aber es erhöht schon mal die Chancen für gute Verkaufszahlen.

Otherworld 05Dann kann man natürlich die potenziellen Leser mit Werbung so erschlagen, dass sie an einem Titel gar nicht vorbeikommen – was sich einerseits natürlich nur die ganz Großen der Branche leisten können und andererseits auch für sie ein Risiko darstellt, schließlich muss der ganze Werbeaufwand auch erst mal wieder durch Verkäufe eingespielt werden, und je höher die Aufwendungen, desto mehr Bücher müssen klarerweise verkauft werden, bis man überhaupt mal die schwarze Null erreicht.
Ein ganz entscheidender Faktor, ja beinah eine Grundvoraussetzung, um einen wirklichen Bestseller zu landen, ist auch die Präsenz im stationären Buchhandel. Die Bedeutung des Internets als Absatzschiene für Bücher wird meiner Meinung nach momentan noch überschätzt – natürlich kann man über das Internet nette Verkaufszahlen erreichen, aber die meisten Leser wollen ein Buch nach wie vor in der Hand halten, darin schmökern, es aufblättern, bevor Sie sich zum Kauf entscheiden.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist selbstverständlich auch die Covergestaltung, weil das Cover das Erste ist, was dem potenziellen Käufer ins Auge springt.

Auch der Name des Autors kann natürlich ganz entscheidend zum Erfolg eines Titels beitragen – literarische „Megastars“ wie Stephen King, John Grisham, James Patterson und andere in dieser Liga haben eine so riesige Fangemeinde, dass Bestseller allein dadurch quasi vorprogrammiert sind. Was aber für den Verlag nicht automatisch bedeuten muss, dass er mit solchen Titeln ein Vermögen verdient, weil natürlich die Kosten, um die Rechte dafür zu erhalten, entsprechend gewaltig sind.
Erwähnenswert sind außerdem Verfilmungen – wird ein Titel verfilmt, auch wenn der Name des Autors nicht allzu bekannt ist, kann das dem Verkauf enormen Vorschub leisten.

Und zu guter Letzt, was sich eigentlich von selbst versteht, muss natürlich auch die inhaltliche Qualität gegeben sein.
Spielt all das bei einem Titel harmonisch zusammen, kann man eigentlich davon ausgehen, dass es ein Bestseller wird. Was natürlich bei den wenigsten Titeln der Fall ist. Für solide Verkaufszahlen müssen zumindest Werbung, Vertriebsnetz, Cover und inhaltliche Qualität passen.

Und natürlich gibt es zusätzlich noch etwas, das man nicht wirklich beeinflussen kann, nämlich, in Ermangelung eines besseren Wortes, Glück. Mega-Erfolge wie „Harry Potter“, „Das Parfum“ oder vor einiger Zeit „Schlafes Bruder“, um nur einige Beispiele zu nennen, waren keine „geplanten“ Bestseller und haben alle überrascht.

Hattet ihr seit eurer Gründung einen Überraschungserfolg – ein Roman, der sich zum Bestseller gemausert hat, obwohl eigentlich niemand mit einem solch durchschlagenden Erfolg gerechnet hatte? Und gab es umgekehrt ein Buch, das weit unter euren Erwartungen blieb, obwohl es eigentlich das Otherworld 04Potential hätte, ein Kassenschlager zu werden?

Ja, wir hatten beides. Als sehr erfreulicher Überraschungserfolg hat sich HERBST – BEGINN entpuppt, der erste Teil der (vorläufig) fünfbändigen HERBST-Reihe. Umgekehrt ist DAS GRAB DES SALOMON, ein okkulter Mystery-Thriller, bisher doch deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, obwohl der Titel meines Erachtens wesentlich mehr Potenzial hätte.

Welche Highlights erwarten uns in den nächsten Monaten?

Unsere nächsten Spitzentitel, von denen wir uns einiges erwarten, sind Lynn Flewellings meisterliches Fantasy-Epos „Tamír Triad„, einer Trilogie, mit der wir im August beginnen, außerdem „Das Allheilmittel„, ein packender Thriller mit übernatürlichen und religiösen Elementen von Jennifer Valoppi. Außerdem setzen wir im Herbst die Reihen „Herbst“ und „Runlandsaga“ fort. Nicht unerwähnt möchte ich in diesem Zusammenhang auch „Amandus Greif … und die Spur der Prinzen“ lassen, unheimlich lustige Fantasy mit einem skurill-witzigen Helden, den man einfach mögen muss. Und wir bringen mit Mark Del Francos „Unschöne Dinge“ den Auftakt einer Urban-Fantasy-Reihe um den Druidenermittler Connor Grey, von der wir uns ebenfalls einiges erwarten. In den USA hat sich der Titel zu einem ziemlichen Überraschungshit entwickelt. Für Frühjahr 2009 kann ich noch den Beginn der vierteiligen Fantasy-Reihe „Die Bücher des Kataklysmus“ von Sean Williams ankündigen – fantastisch in jeder Hinsicht und anders als alles, was ich bisher kenne.

Wie findet man für ein Buch den idealen Übersetzer?

Puh, da muss ich aus Sicht unseres Verlags passen, weil sich die Frage nicht stellt – alle Titel werden von mir übersetzt.

Warum werden Titel so oft nicht wortwörtlich übersetzt, sondern ein neuer wird erfunden?

Tamir 01Auch das ist eine Frage, die ich nicht wirklich beantworten kann, weil ich es oft selbst nicht verstehe, wenn ich mir ansehe, wie die Originaltitel teilweise auf Deutsch umgestaltet werden. Natürlich lässt sich nicht jeder Titel wortwörtlich übersetzen, weil er auf Deutsch sehr holprig klingen würde. Ein gutes Beispiel ist der erste Band der „Tamír Triad„-Reihe, der im Original „The Bone Doll’s Twin“ heißt, wörtlich „Der Zwilling der Knochenpuppe“. Wir haben daraus „Der verwunschene Zwilling“ gemacht, was meines Erachtens noch relativ nahe am Originaltitel ist und auch dem Inhalt des Buches gerecht wird. Warum aber beispielsweise Lübbe bei deren ursprünglicher Ausgabe „Das Orakel von Skala“ verwendet hat, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Generell versuchen wir, möglichst nah am Originaltitel zu bleiben.

Viele Fans wundern sich, weshalb ausländische Cover nicht auch für deutsche Veröffentlichungen verwendet werden. Hat dies nur finanzielle Gründe?

Nein, obwohl die Preisvorstellungen von insbesondere amerikanischen und britischen Illustratoren teilweise erheblich über jenen ihrer Kollegen in unseren Gefilden liegen. Der Hauptgrund ist dennoch, dass Cover, abgesehen davon, dass sie eine Wissenschaft für sich darstellen, marktspezifisch unterschiedlichen Trends unterliegen. Wenn man sich die derzeitigen Cover von Fantasy-Titeln auf dem deutschen Markt ansieht, wird man auf sehr, sehr vielen davon sich wiederholende Symboliken und Elemente finden. Ich sage nur „Schwert“ oder „Drache“. Generell will der Buchhandel – so berichtet unser Vertrieb – momentan eher schlichte Cover, bloß nicht zu szenisch oder detailliert. Das muss auf anderen Märkten so nicht unbedingt gelten, und natürlich versucht jeder Verlag, die Covergestaltung bestmöglich an das anzupassen, was sein Markt im Augenblick haben will, weil das Cover nicht für alle, aber für sehr viele Leser ein entscheidendes Kriterium dafür ist, ob ein Buch gekauft wird oder nicht.

Wie hat sich das Fantasy-Genre deiner Meinung nach in den letzten zehn Jahren verändert? Und wie denkst du, wird es sich in den nächsten Jahren noch verändern?

Ich denke, in den letzten zehn Jahren waren insbesondere zwei Reihen prägend für das Genre. Zum einen HERR DER RINGE, zum anderen HARRY POTTER. Den Herrn der Ringe gab es natürlich schon länger, aber die großartige Verfilmung von Peter Jackson hat einen neuerlichen Boom losgetreten, aus dem etliche Ableger entstanden sind und noch entstehen, mittlerweile gibt es ja für so gut wie jedes Volk aus Tolkiens Welt eine eigene Reihe. HARRY POTTER hatte diesen Effekt zumindest im kommerziellen Bereich nicht, sondern war eher ein Einzelphänomen, aber deshalb nicht weniger Aufsehen erregend.

Die „Tolkien-Peripherie“ dürfte wohl in den nächsten zwei bis drei Jahren endgültig verebben, da man sich allmählich denn doch daran satt liest. Hingegen werden zwei weitere aktuelle Trends vermutlich in den nächsten Jahren noch einen deutlichen weiteren Aufschwung erleben: einerseits Fantasy, deren spezielles Zielpublikum eine weibliche Leserschaft ist, andererseits die unterschiedlich definierte All-Age-Fantasy.

Otherworld 01Muss man sich in der heutigen Verlagswelt an gewisse Regeln halten, um nicht unter zu gehen?

Ja, zweifellos. Ein Beispiel dafür, das mir spontan einfällt, weil es unlängst bei uns ein Thema war, ist das Format. Wir haben versucht, einige Fantasy-Titel als, so denke ich, sehr hochwertig ausgestattete Hardcover-Ausgaben auf den Markt zu bringen, mit allem Drum und Dran inklusive Lesebändchen, goldgeprägtem Einband und Innenillustrationen. Um das Ganze zusätzlich aufzuwerten, waren zwei dieser Titel obendrein Sammelbände, konkret DES KÖNIGS DOLCHE und OMAR, DER GESCHICHTENHÄNDLER von Dave Duncan, ein auch nicht ganz unbekannter Autor. Die Rechnung ging nicht auf. Das beherrschende Format der Spitzentitel im Fantasy-Bereich für erwachsene Leser sind derzeit so genannte Trade Paperbacks, also Broschuren. Dagegen hat man mit Hardcover-Ausgaben keine Chance. Diese Lektion haben wir gelernt und werden uns dieser Regel künftig beugen, auch wenn ich persönlich kein Fan des Formats bin, weil es weder die edle Aufmachung eines Hardcovers noch den günstigen Preis und die Handlichkeit eines Taschenbuchs bietet. Ähnlich gibt es gewisse Regeln, was die Covergestaltung angeht, die Preisgestaltung und etliches mehr.

Immer wieder tauchen erfreulicherweise auch die Namen deutschsprachiger (Nachwuchs)-Autoren in eurem Programm auf. Deutschsprachige Fantasy ist momentan in gewisser Weise sogar “in”. Ist das trotz der paar zurückliegenden erfolgreichen Jahre ein Strohfeuer oder glaubst du, deutsche Autoren können sich auch im Fantasy-Bereich hierzulande weiter behaupten?

In einigen Fällen bleibt das noch abzuwarten, weil sehr viele Autoren dieser „deutschen Welle“ im Zuge des oben erwähnten Tolkien-Booms die Bühne betreten haben. Manche haben die Chance, die sich ihnen dadurch geboten hat, bereits genützt, indem sie bewiesen haben, dass sie auch außerhalb dieses vorgefassten Rahmens hervorragende, eigenständige Werke vorlegen können, andere müssen das erst noch. In Summe dürfte es aber doch einigen gelingen, sich dauerhaft zu etablieren.

Otherworld 07Deutschsprachige Fantasy-Romane mussten sich in der letzten Zeit gefallen lassen, als stereotyp und zu sehr an den “Herrn der Ringe” angelehnt zu sein. Ist das eine Meinung, die du teilst? Worin glaubst du liegt das begründet?

Da spielt teilweise meine vorige Antwort herein. Sehr viele Reihen aus dem Umfeld von „Herr der Ringe“ waren ja halbe Auftragsarbeiten – die Verlage haben den Trend erkannt, wollten darauf aufspringen und haben dafür Autoren gesucht. Auch wenn die Autoren dann in der Gestaltung der Charaktere und Geschichten an sich unterschiedlich freie Hand hatten, ergibt sich trotzdem ein vorgefasster Gesamtrahmen und zwangsläufig die Anlehnung an Tolkien und gewisse, damit verbundene Klischees. Was jedoch, und das möchte ich betonen, nichts Schlechtes sein muss – es wird damit lediglich ein Bedürfnis der Leserschaft befriedigt.

Warum gibt es vergleichsweise wenig Fantasy-Kurzgeschichten-Anthologien? Oder nehme ich das falsch wahr?

Das ist relativ einfach beantwortet – weil sich Anthologien generell nicht annähernd so gut verkaufen wie Romane oder, noch besser, Reihen.

Das Unterhaltungsmedium “Buch” – so glauben Schwarz-Seher – gehört zur aussterbenden Gattung? Wie ist da deine Einschätzung?

Das sehe ich nicht so. Meiner Ansicht nach genießt das Buch trotz unserer heutigen, schnelllebigen Zeit mit immer neuen Technologien und Medien eine Ausnahmestellung, die es sich mit dem Kino teilt. Es gibt kein Medium, das in der Lage ist, dasselbe Erlebnis zu vermitteln wie das Lesen eines Buchs. Ebenso vermittelt zumindest mir die hochwertigste DVD selbst auf einer Heimkinoanlage mit Surround-Sound und was weiß ich noch alles nicht dasselbe Gefühl wie ein Kinobesuch. Beides – Buch und Kino – mag die Konkurrenz moderner Medien und Unterhaltungsformen spüren, aber aussterben werden beide nicht.

Otherworld 06Hat das Internet deiner Meinung nach Einfluss auf (Fantasy)-Literatur und wenn ja, ist das eher positiv oder eher negativ?

In gewisser Weise schon. Das Internet ist für Kleinverlage eine hervorragende Plattform, um kostengünstigst auf sich aufmerksam zu machen und teilweise auch Bücher zu verkaufen. Insofern trägt das Internet erheblich zur Existenz etlicher Kleinverlage bei, die Titel auf den Markt bringen, die es vermutlich nie in die Programme der großen Publikumsverlage schaffen würden. Den echten Fans wird somit mehr Vielfalt geboten.

Außerdem gibt es heute durch das Internet eine Transparenz des gesamten Buchmarkts, die früher in der Form nicht existierte. Wollte man sich über das aktuelle Buchangebot informieren, war man auf das Sortiment seiner Buchhandlung sowie auf Werbeinserate und Fachzeitschriften angewiesen, wobei jede dieser Möglichkeiten zwangsläufig nur einen geringen Teil des Gesamtangebots abdecken konnte und kann. Heute hat man über das Internet einfach und schnell de facto Zugriff auf das Angebot aller Verlage, inklusive Rezensionen.

Beides halte ich für positive Einflüsse, zumal, wie erwähnt, Kleinverlage, die für Vielfalt auf dem Markt sorgen, deutlich mehr davon profitieren als die Großen der Branche.

Wenn du eine fiktive Figur aus einem Roman treffen könntest: Wer sollte es sein und warum?

Da fällt mir auf Anhieb Omar, der Geschichtenhändler aus unserem gleichnamigen Sammelband ein. Mit ihm ist Dave Duncan ein wirklich einzigartiger Protagonist gelungen – schelmisch, wortgewandt, charmant, liebenswert, schlagfertig. Sich von ihm die eine oder andere Geschichte erzählen zu lassen und sich mit ihm zu unterhalten, wäre sicher unheimlich lustig.

Hast du selbst einen persönlichen Favoriten unter den Fantasy-Autoren? Und, Hand auf’s Herz, würdest du selbst gern einen Roman veröffentlichen?

Wenn es um Fantasy-Autor/innen geht, muss ich zwangsläufig zwei nennen, die ich sehr schätze. Einerseits Dave Duncan wegen seines augenzwinkernden, feinsinnigen Humors, andererseits Lynn Flewelling, die ein unheimliches Gespür für Charakterentwicklung besitzt.

Und Hand aufs Herz, nein, nicht unbedingt. Zwar habe ich vor Jahren auch mal gemeint, ich könnte neben dem Übersetzen versuchen, selbst etwas zu schreiben, das ist aber nie über das Experimentierstadium hinausgekommen, und ich verspüre auch nicht den Drang dazu. Ich fühle mich in der Rolle des Übersetzers und Verlegers rundum wohl und bin zufrieden damit.

Vielen herzlichen Dank für deine Zeit und dafür, dass du so nett warst, meine Fragen zu beantworten. Vielleicht können wir das ja eines Tages wiederholen. Alles Gute für deine anstehenden Romane und sowohl für dein Arbeits- als auch dein Privatleben!

Website: Otherworld

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3 Comments »

  1. Schönes Interview, auch die Neuerscheinungen klingen sehr vielversprechend!

    Anderes Thema:
    Bei der vierten Frage fehlt der Fettdruck und ein Absatz.

    Gruß,
    Ralf

    Comment by Ralf — 1. Juli 2008 @ 19:52

  2. Ups. Danke für den Tipp .-)
    Schon korrigiert…

    Comment by admin — 1. Juli 2008 @ 21:35

  3. Schönes und informatives Interview!
    Schade,das Otherworld keine Fantasy Bücher im Hardcover veröffentlicht(zum glück noch Horror).

    Comment by Van — 31. Juli 2008 @ 13:00

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