Darkstars Fantasy News


28. September 2008

Anne Bishop Interview

Category: Interviews – Darkstar – 17:09

NachtGanz aktuell ist „Nacht“ bei Heyne erschienen, der neue Roman von Anne Bishop. „Tangled Webs„, wie der Roman im Original heißt, war erst im März diesen Jahres in den Staaten erschienen. Erwähnenswert finde ich das vor allem, weil Bishops Debüt-Trilogie bereits viele Jahre lang im englischsprachigen Raum ein Fantasy-Bestseller war, ehe sich ein deutscher Verlag an die Romane herangetraut hat. Anne hat sich im September Zeit genommen und zahlreiche Fragen rund um ihre Bücher, ihren Schreiballtag und was als Nächstes von ihr zu erwarten ist beantwortet. Außerdem bezieht sie Stellung und verrät, wer ihr persönlicher Favorit ist: Daemon Sadi oder Lucivar Yaslana.

Interview mit Anne Bishop

Der deutsche Markt hat jahrelang gezögert, deine Romane zu übersetzen. Interessanterweise sind sie dann, kurz nach ihrer Veröffentlichung, auch hierzulande zu Bestsellern avanciert. Inzwischen hast du eine große (und noch wachsende) Fangemeinde hier bei uns. Hast du Pläne, Deutschland innerhalb der nächsten Jahre zu besuchen (ob nun aus beruflichen Gründen oder einfach privat)?

Ich reise nicht viel, aber ich hoffe, Deutschland eines Tages mal einen Besuch abzustatten.

Gerade ist ein neuer Roman aus der Welt der Schwarzen Juwelen erschienen (“Nacht”). Ich nehme an, du willst nicht zu viel verraten, aber vielleicht kannst du uns erzählen, warum du dich dazu entschieden hast, diesem familiären Setting einen weiteren Besuch abzustatten. Und wie war es, einenTangled Webs (Australian Cover) neuen Jaenelle-Roman zu schreiben?

Ich mag diese Charaktere einfach und es gibt da immer noch ein paar Geschichten über sie, die ich erzählen will. Es hat mir Spaß gemacht, ein weiteres Buch über die SaDiablo-Familie zu schreiben. Es war wie alte Freunde zu besuchen. Dieses und nächstes Jahr schreibe ich weitere Geschichten aus dem Reich der Dunklen Juwelen, einige über die SaDiablo-Familie und einige („The Shadow Queen“ und deren Nachfolger) über eine Gruppe neuer Charaktere.

Nachdem sowohl deine Bücher um die Schwarzen Juwelen als auch deine Duologie um die Dunklen Welten hierzulande erschienen sind: Gibt es bereits Pläne, deine Tir Alainn-Trilogie zu übersetzen?

Bisher habe ich aber noch nichts davon gehört, dass man auch die „Tir Alainn“-Trilogie ins Deutsche übersetzen will.

Deine Bücher – vor allem die Juwelen-Serie – sind sowohl sinnlich als auch sehr brutal. Es gibt Passagen, die so düster und hart sind, dass ich mich selbst gefragt habe, wie es möglich sein kann, dass ein solches Buch mich auf solch intensive Art und Weise zu fesseln vermag. Deine Romane machen wirklich süchtig! Was glaubst du ist der Grund, weshalb das Reich der Dunkelheit so anziehend für so viele Leser rund um den Globus ist?

BelladonnaDie Sinnlichkeit und die Gewalt einer dunklen Welt sorgen für ein Setting, das Leser fasziniert, aber die eigentliche Anziehungskraft geht von den Charakteren aus – von ihren Stärken und Schwächen, ihrem Kampf an ihrem Ehrenkodex festzuhalten, ihren Beziehungen – den guten wie den schlechten, den Dingen, die sie bedauern und ihren Fehlern. Es ist das Spiel menschlicher Emotionen in einer gefährlichen Umgebung, was mich dazu bringt, diese Geschichten zu schreiben. Vielleicht fühlen sich Leser aus dem gleichen Grund zu ihnen hingezogen.

Hast du eine Lieblingsszene in all deinen Büchern oder eine, auf die du besonders stolz bist?

Eine meiner Lieblingsszenen stammt aus QUEEN OF THE DARKNESS (dt. „Schatten„), wenn Daemon und Jaenelle sich zum ersten mal lieben. Und dann gibt es da noch eine Szene, auf die ich sehr stolz bin, aus THE HOUSE OF GAIAN, wenn Ashk ihr Versprechen Morag gegenüber hält. Ich bin auf diese Szene stolz, weil sie so schmerzhaft schwer zu schreiben war.

War es auch schwer, solch graphische und brutale Szenen zu schreiben? Oder, Hand auf’s Herz, macht das Spaß?

Es ist immer hart für mich, Gewaltszenen zu schreiben. Spaß macht das Schreiben dann, wenn ich die Freundschafts- und Familienszenen schreiben und der Umgang von Saetan/Daemon/Lucivar mit Jaenelle. Auf diese Szenen freue ich mich immer schon im Voraus.

Über wen zu schreiben macht mehr Spaß: den Helden oder den Gegner? Und – wen würdest du bevorzugen: Lucivar oder Daemon?

Definitiv die Helden! Es macht mir keinen Spaß, die Szenen zu schreiben, die aus der Sicht der Bösewichte erzählt werden.
Lucivar und Daemon mag ich aus verschiedenen Gründen – Lucivar wegen seiner derben Direktheit und Daemon aufgrund seiner eleganten Sinnlichkeit. Aber wenn ich mich für einen von beiden entscheiden müsste, dann würde meine Wahl auf Daemon fallen.

Bishop 7Es ist interessant, zu beobachten, wie du bestimmte Namen und Worte (wie „Saetan“ oder „Lady of the Moon“) in deinen Romanen verwendest und so mit den Erwartungen des Lesers spielst! Dadurch, dass du Namen verwendest, die wir alle aus der Religion und der Mythologie kennen, erschaffst du eine spezielle Atmosphäre – und dann gibst du dem ganzen einen eigenen Dreh. Wie bist du auf diese spezielle Idee gekommen?

Beim Entwickeln von Geschichten und Welten geht es immer darum, mit dem Familiären zu spielen und daraus etwas Neues zu machen. Meine Inspiration ziehe ich aus Archetypen und der Mythologie und nutze Dinge, die wir aus unserer Welt kennen, als Bausteine. Aber meine Romane spielen nicht auf der Erde, deshalb streiche ich alle Facetten dieser Bausteine, die nicht in die Welt oder zu den Charakteren, die ich entworfen habe, passen. Was dann übrig bleibt ist meist eine Art Resonanz oder Atmosphäre, die ich gegen den Strich bürsten kann. Ich weiß nicht, ob das eine spezielle Idee ist oder nicht. Es ist einfach die Art, wie ich Geschichten aufbaue.

Beim Planen eines neuen Buches und / oder einer neuen Welt: Was macht dir am meisten Spaß und was kannst du nicht ausstehen?

Der Spaß daran, eine neue Welt zu erschaffen, liegt im Potential, einen Ort oder eine Kultur zu erfinden, die beinahe alles sein oder tun kann. Es ist eine Herausforderung, viele kleine Ideen zu sammeln und sie zu etwas zu verweben, was anders und fantastisch ist und sich trotzdem so anfühlt, als ob es Wirklichkeit sein könnte. Am schwierigsten ist es, die richtigen Namen für die Hauptfiguren zu finden und dann Namen für all die Nebenfiguren, die zu den Hauptcharakteren passen.

Vielleicht könntest du uns ein bisschen darüber erzählen, wie du beim Schreiben vorgehst? Wie sieht ein ganz normaler Tag der Autorin Anne Bishop aus?

Bishop 1Meine Geschichten entwickeln sich sehr organisch. Sie finden ihren Ursprung in einer einzigen Idee oder einem Bild oder Gedanke, und dann hängen sich andere Bilder oder Gedanken und Ideen an diese erste, gewinnen an Kontur und werden größer, wenn die Einzelteile anfangen, aufeinander einzuwirken. Die Geschichte wächst, neue Details und Strukturen tun sich auf – ein Prozess, der manchmal Jahre dauert, bis sich das letzte Stück findet und das ganze [Projekt] ins Rollen bringt. Dann habe ich den Anfang einer Geschichte und wenigstens ein paar der Figuren im ersten, noch groben Stadium ihrer Entwicklung. Das alles findet statt noch ehe ich mich an meine Tastatur setze und beginne, die Handlung zu planen. Von diesem Moment an schreibe ich vier Tage die Woche und setze mir eine bestimmte Anzahl Wörter als Ziel, die ich am Ende jeder Woche erreichen muss, damit ich meine Deadline halten kann.
An den anderen Tagen kümmere ich mich um alltägliche Dinge und um die beruflichen Aspekte meines Schriftsteller-Berufs und sammle Informationen, die ich für die Szenen, die ich als nächstes schreiben will, brauchen werde. Im Prinzip bin ich – habe ich erst einmal mit dem Schreiben einer Geschichte angefangen – zu einem gewissen Masse immer in der Geschichte, auch wenn ich nicht vor meiner Tastatur sitze.

Sieht man einmal von NACHT ab – was ist sonst noch so geplant von dir als Autorin? Irgendwelche Kurzgeschichten oder ähnliches? Denkst du darüber nach, einen Ausflug in ein anderes Genre zu machen? Mir hat auch THE INVISIBLE RING (dt. „Finsternis„) sehr gut gefallen, das im Umfeld der Juwelen-Trilogie angesiedelt ist, aber ein für sich stehender Roman mit einem fast vollständig neuen Figuren-Ensemble ist. Wird es noch mehr solcher Romane geben?

The Shadow QueenIm September ist eine Kurzgeschichte von mir namens “Stands a God Within the Shadows” (dt. „Stand ein Gott inmitten der Schatten“) hier in den Vereinigten Staaten erschienen. Sie ist zu finden in einer Anthologie mit dem Titel IMAGINARY FRIENDS, die von DAW Books herausgegeben wird.

Ein anderes Genre? Ich hab einmal eine Geschichte geschrieben außerhalb des Fantasy/Science Fiction Genres, und das hat Spaß gemacht, weil ich die Buchreihe, zu der sie gehörte, gerne mag. Aber ich genieße es eben Fantasy zu schreiben. Mein nächster Roman, THE SHADOW QUEEN, hat eine Verbindung zu den Figuren aus THE INVISIBLE RING (Finsternis) und ist der erste Teil in einer neuen SCHWARZEN JUWELEN-Duologie mit euen Charakteren, aber Mitglieder der SaDiablo-Familie werden auch auftauchen.

Aber warum eigentlich Fantasy? Deine ganz persönliche Meinung: Was macht dieses Genre so attraktiv für Leser wie Autoren gleichermaßen?

SebastianFantasy bietet grenzenlose Möglichkeiten. Sie beschäftigt sich mit den Freuden – und den Ängsten – der Dinge, die anders sind. Innerhalb einer Umgebung, in der alles passieren kann, können die Dinge, die wir fürchten, konkrete Gestalt annehmen – und besiegt werden (manchmal). Uns wird außerdem erlaubt, das menschliche Herz zu ergründen, ohne uns mit den Beschränkungen und dem Schmerz der realen Welt zu beschäftigen. Innerhalb der Grenzen des Genres gibt es Wunder, und das macht den Spaß daran aus.

Wirst du eines Tages in die Dunklen Welten zurückkehren, in denen deine Duologie „Sebastian“/’Belladonna“ spielt? Ich fand den Zweiteiler faszinierend!

Ich glaube, eines Tages werde ich nach Ephemera zurückkehren, um neue Geschichten zu erzählen. Aber ich weiß noch nicht wann und auch nicht, welche Landschaft mich rufen wird.

Ab und an kommt es vor, dass Leser einen bestimmten Roman eines Autors (oder einen bestimmten Charakter) mehr lieben als all die anderen. Und ich nehme an, die Leute lassen dich das auch wissen. Ist es manchmal schwer, damit umzugehen?

Ja, manchmal ist das schon hart, weil ich bei jeder Geschichte, die ich schreibe, mein Bestes gebe. Andererseits mag ich selbst auch nicht jede Serie von anderen Autoren, deren Bücher mir gefallen. Die Rückmeldungen, die ich zu bestimmten Serien bekomme, balancieren sich schlussendlich gegenseitig aus, denn das Buch, das eine Person nicht mag ist das Buch, welches einer anderen Person am besten gefallen hat.

Wenn du eine fiktive Person deiner Wahl treffen könntest (ob nun aus einem deiner Bücher oder aus den Arbeiten anderer): Wer wäre das und weshalb?

Bishop 2Ich würde gerne mal Aragorn aus dem HERRN DER RINGE treffen, weil er ein starker, ehrenhafter Mann ist. Und ich würde gern Daemon Sadi treffen – aus offensichtlichen Gründen.

Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit für die Beantwortung der Fragen genommen hast! Vielleicht können wir das eines Tages wiederholen.
Alles Gute sowohl für deinen neuen Roman als auch für dein Berufs- und Privatleben!

Anne Bishops Website findet ihr hier.

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3 Comments »

  1. Das liest sich toll. Meine Ausgabe von ‚Nacht‘ ist heute angekommen und jetzt bin ich noch neugieriger darauf, als vorher schon! Wann geht die Leserunde los? :D

    Comment by Nina — 4. Oktober 2008 @ 12:00

  2. sorry bout my english ,
    hello ms. bishop ,
    ive got 6 books from black jewels
    and 2 from ephemera , they are all great and im
    waiting 4 more like them , maybe like invisible ring.
    some storys around dark familys or also only life following last war.

    thank you for first 8 books
    and hope 4 more ,

    best regards
    jockel ( from germany)

    Comment by jockel — 26. Februar 2009 @ 12:33

  3. […] Interview mit Anne Bishop aus dem Jahr 2008 findet ihr übrigens hier! Tags: « Interview mit Jürgen Pirner von der […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Die Schwarze Juwelen als Hörbuch | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy — 15. Mai 2010 @ 16:04

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