Darkstars Fantasy News


11. Oktober 2008

Interview mit Stephan Askani von Klett Cotta

Category: Interviews – Darkstar – 15:00

ShadowmarchWie bereits Mitte der Woche angekündigt hat sich Stephan Askani – Fantasy-Lektor für Klett Cotta – Zeit genommen und zahlreiche Fragen rund um den Verlag, sein Programm und Fantasy-Literatur generell zu beantworten. Wer wissen will, auf welche Titel Klett Cotta in den nächsten Monaten setzt, was nach der professionellen Meinung von Hr. Askani ein gutes Fantasy-Buch ausmacht und ob die Osten Ard-Saga von Tad Williams bald ein neues Zuhause findet, klickt am besten gleich auf „weiterlesen“. Viel Spaß!

Interview

Vielen Dank dafür, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Vielleicht können Sie uns eingangs ein bisschen darüber erzählen, was Ihre Aufgaben bei Klett Cotta sind?

Die Aufgabe ist, zusammen mit dem verlegerischen Geschäftsleiter Michael Zöllner ein Fantasy-Programm zu entwickeln und zu verwirklichen – von der Titelauswahl bis zum fertigen Buch.

HurinKlett Cotta gilt ja als „der hiesige Tolkien-Verlag“. Ist dieser Ruf ausschließlich vorteilhaft oder manchmal auch hinderlich?

Dies als Nachteil aufzufassen, läge mir ziemlich fern. Tolkien ist eben der Größte. Schon in den achtziger Jahren konnte man an der Hobbit Presse sehen, dass man um Tolkien herum ein sehr vielseitiges Programm gestalten kann, mit „Die Brautprinzessin“ von W. Goldman, den „Borribles“ von M. de Larrabeiti, mit T.H. Whites „König auf Camelot“. Tolkien hat keineswegs andere großartige Autoren erdrückt.

Wie werden Sie auf neue Titel für den deutschsprachigen Markt aufmerksam?

Da braucht man ein Netzwerk … natürlich auch Kontakt zu den Agenturen, aber auch sonst Leute, die einem Tipps geben; ein freier Berater, der in Berlin eine einschlägige Buchhandlung betreibt, hat uns auf manch außergewöhnliches Buch hingewiesen.

Verraten Sie uns doch ein bisschen über den Prozess von der Entdeckung eines Buchs, das Sie veröffentlichen wollen, bis hin zum publizierten Werk, bitte.

Das ist viel Arbeit: Projektplanungen, Lizenzangebote, Verträge aushandeln, Terminabläufe im Griff haben, Übersetzer quälen, sich von anderen quälen lassen, Redigieren, Korrekturen machen, Korrekturen abgleichen, Vorschautexte schreiben, Coverbriefing …

König auf Camelot Ist es Ihrer Meinung nach notwendig, gewisse Stellen des Romans bei der Übersetzung unter den Tisch fallen zu lassen?

Dazu kann man pauschal keine Aussage machen.

Werden Bestseller gemacht? Was braucht ein Buch, um erfolgreich zu sein? Und woran liegt es, ob sich Erfolg einstellt oder nicht?

Den Erfolg bestimmen verschiedene Dinge, die man nicht alle im Griff haben kann, also muss man das, worauf man Einfluss hat, möglichst gut machen.
Als Anbieter in diesem Segment, der nur vier bis fünf Novitäten pro Halbjahr macht, sollten jedes Buch von seiner erzählerischen Qualität überzeugen. Wichtig ist natürlich auch das Cover und auf welche Weise das Buch von Marketing und Vertrieb genau richtig beworben wird.

Und – bewusst im Unterschied zum „Bestseller“: Was macht einen guten Fantasy-Roman aus?

OtherlandEs liegt viel daran, wie ein Autor, das was er an Vorstellungskraft in seine Fantasy hineinlegt, auch erzählerisch beherrscht. Das gilt auch für Bestseller: Tad Williams zeigt zum Beispiel in Otherland oder jetzt in Shadowmarch, dass er absolut souverän mit komplexen Stoffen umgehen kann, seine Figuren Briony und Barrick in Shadowmarch geben quasi das Interesse des Lesers einfach nicht mehr frei. An dem Ausnahmeautor Tad Williams kann man auch sehr gut sehen, wie er Perspektiven „von unten“ auf das Geschehen entwickelt. Im „Drachenbeinthron“ ist der wichtigste Ort der Burg die Küche …Das nimmt den Leser mitten hinein und er verfolgt die dramatische Handlung an der Seite des Küchenjungen Simon Mondkalb.

Welche Highlights erwarten uns in den nächsten Monaten?

Das letzte Einhorn“ von Peter S. Beagle mit einer spannenden Fortsetzungsgeschichte, Ein Urban Fantasyroman „Die geheime Geschichte Moskaus“ von Ekaterina Sedia, und eine Neuausgabe der „Brautprinzessin“ von W. Goldman, und … als Höhepunkt zum 40jährigen Jubiläum der Hobbit Presse eine von Alan Lee illustrierte Ausgabe des Hobbit … ; wir haben spannende Programme vor uns.

Inzwischen scheinen Sie zum exklusiven deutschsprachigen Verlag für Tad Williams geworden zu sein. Haben Sie deshalb vielleicht auch Pläne, seine „Osten Ard“-Saga neu aufzulegen?

Ja, für das vierbändige Werk „Gehemnis der Großen Schwerter“ schließen wir gerade eine Lizenz für den deutschsprachigen Raum ab, näheres dazu verrate ich aber erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Wicked - Die Hexen von Oz Mit „Wicked“ von Gregory Maguire haben Sie dieses Frühjahr einen Roman hierzulande veröffentlicht, der einerseits aufgrund der Beliebtheit des Musicals mit Spannung erwartet wurde, andererseits – wenn man die Rezensionen liest – die Meinung der Leserschaft spaltet. Mir persönlich hat der Roman sehr gut gefallen. Gibt es Pläne, auch andere Romane von Maguire (beispielsweise die „Wicked“-Fortsetzung „Son of a Witch“) auf Deutsch herauszubringen?

Diese Romane liegen uns zur Prüfung vor, allerdings ist noch nichts entschieden.

Wie findet man für ein Buch den idealen Übersetzer?

Dazu braucht man Erfahrung, muss die Eigenheiten, Stärken und Schwächen der Übersetzer kennen.

Viele Fans wundern sich, weshalb ausländische Cover nicht auch für deutsche Veröffentlichungen verwendet werden. Hat dies nur finanzielle Gründe?

Nein, das hat eher mit unterschiedlichen Sehgewohnheiten zu tun. Bei Robin Hobbs Nevaretrilogie haben wir zum Beispiel durchaus die Cover der englischen Ausgabe von John Howe verwendet. Howe ist wie Alan Lee ein Künstler, der sozusagen eine internationale Bildsprache gefunden hat.

Wie hat sich das Fantasy-Genre Ihrer Meinung nach in den letzten zehn Jahren verändert? Und wie denken Sie, wird es sich in den nächsten Jahren noch verändern?

Der Name des WindesDie Überschreitung der einzelnen Subgenres (SF, High Fantasy usw.) nimmt zu, und Fantasy wird immer mehr auch von Leuten, die bisher kein Genre gelesen haben, wahrgenommen; eine Entwicklung, die nicht nur mit Harry Potter zu tun hat, sondern an der auch Autoren wie Tad Williams und Patrick Rothfuss mit „Der Name des Windes“ teilhaben bzw. sie sogar vorantreiben.

Muss man sich in der heutigen Verlagswelt an gewisse Regeln halten, um nicht unter zu gehen?

Da ich diese Regeln wohl schon völlig internalisiert habe, kann ich dazu schlecht Auskunft geben.

Deutschsprachige Fantasy ist momentan in gewisser Weise “in”. Trotzdem veröffentlicht Klett Cotta eigentlich ausschließlich ausländische Autoren. Woran liegt das? Bleiben die Werke deutscher Schriftsteller qualitativ hinter denen der ausländischen Konkurrenz zurück?

Wir werden demnächst auch mit dem Buch eines jungen vielverspechenden deutschsprachigen Autors auf den Markt kommen, es ist aber noch zu früh, um mehr darüber zu verraten.

Hobbit Das Unterhaltungsmedium “Buch” – so glauben Schwarz-Seher – gehört zur aussterbenden Gattung? Wie ist da Ihre Einschätzung?

Diese pessimistische Einschätzung kann ich nicht teilen, ganz im Gegenteil, das Buch ist auch auf lange Sicht das Medium, das der Mensch am freiesten nutzen kann, bzw. das Medium, das der Freiheit des Menschen am ehesten entspricht. Ein hommes de lettres ist ja schließlich jemand, der die Dinge nicht nur so sieht, wie sie sind, sondern so, wie sie geschrieben sind.

Hat das Internet Ihrer Meinung nach Einfluss auf (Fantasy)-Literatur und wenn ja, ist das eher positiv oder eher negativ?

Ja, ich sehe das aber durchaus positiv und sogar befruchtend.

Wenn Sie eine fiktive Figur aus einem Roman treffen könntest: Wer sollte es sein und warum?

BrautprinzessinIch würde liebend gerne Kvothe aus „Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss auf seiner Laute spielen hören, und ich würde aber noch lieber dem schönen Mädchen Butterblume aus Goldmans „Brautprinzessin“ einmal übers Haar streichen.

Haben Sie selbst einen persönlichen Favoriten unter den Fantasy-Autoren? Und, Hand aufs Herz, würden Sie selbst gern einen Roman veröffentlichen?

Tolkien, Rothfuss, Goldman, Jeff VanderMeer, Neal Gaiman, Tad Williams …
Der zweite Teil der Frage ist nicht zu beantworten: Man kann nicht gleichzeitig die Hand aufs Herz legen und die Feder in der Hand halten.

Vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit und dafür, dass Sie so nett waren, meine Fragen zu beantworten. Alles Gute sowohl für Ihre Arbeit und natürlich für Klett Cotta.

Das Fantasy-Programm von Klett-Cotta (Hobbit Presse) findet ihr hier.

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3 Comments »

  1. Ich mag den Typen nicht…zu knappe Antworten.
    Aber ich bin schon auf den vielversprechenden Autoren gespannt…

    Comment by Van — 12. Oktober 2008 @ 10:38

  2. Ein paar erklärende Worte:

    Herr Askani scheint momentan sehr in Zeitdruck zu sein, hat es aber trotzdem geschafft, in beeindruckend kurzer Zeit meine Fragen zu beantworten (herzlichen Dank hierfür). Ich denke, aus diesem Zeitfaktor heraus klingen manche Antworten so knapp.

    Comment by Darkstar — 12. Oktober 2008 @ 19:17

  3. […] neu auflegen will (mit überarbeiteter Übersetzung), hat der Lektor Stefan Askani ja bereits im Interview auf Darkstars Fantasy News Ende 2008 verraten. Dass die Bände wohl ab Frühjahr 2010 erscheinen […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Die neuen Cover der Osten Ard-Saga | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy — 3. Dezember 2009 @ 13:12

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