Darkstars Fantasy News


30. August 2009

Interview mit Timothy Sonderhüsken von PAN

Category: Interviews – Darkstar – 19:42

AlterraWie entsteht eigentlich ein Buch? Wie und wo sucht sich ein deutscher Verlag seine ausländischen Autoren aus? Was treibt überhaupt ein Lektor den ganzen Tag? Und wie möchte sich der neu gestartete PAN Verlag auf dem hiesigien Markt positionieren?

Das sind nur einige Fragen, die ich – in etwas anderer Form – Timothy Sonderhüsken gestellt habe, dem Programmverantwortlichen von PAN. Der Verlag präsentiert in diesen Tagen ja sein allererstes Programm. Die perfekte Gelegenheit, einen Fachmann auszuquetschen, was die Leser von dem neuen Label erwarten können. Timothy Sonderhüsken hat sich erfreulicherweise nicht nur zahlreichen Fragen gestellt, sondern die darüber hinaus noch sehr ausführlich und informativ beantwortet und so das heutige Verlags-Interview zu einem echten Highlight gemacht. Vielen Dank dafür!

Interview mit Timothy Sonderhüsken, Lektor bei Pan


Vielen Dank dafür, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Vielleicht können Sie uns eingangs ein bisschen darüber erzählen, was Ihre Aufgaben als Fantasy-Lektor für PAN sind?

Zu den allgemeinen Aufgaben eines Lektors gehören die Suche nach geeigneten Autoren und Buchprojekten für den Verlag, die Programmarbeit – vereinfacht gesagt: die Frage, in welchem Monat welches Buch zu welchem Preis erscheint – und die Abwicklung der Bücher. Das bedeutet: Der Lektor sucht den Übersetzer und Redakteur, wenn er das Buch nicht selbst redigiert, und überwacht deren Arbeit; er findet die deutschen Titel, schreibt die Texte für den Katalog und das Cover; er stellt Informationsmaterial über das Buch für alle Abteilungen des Verlags (Marketing, Werbung, Presse und natürlich Vertrieb) zusammen; und, und, und … Ich sage gerne scherzhaft: „Das Leben des Lektors ist hart und entbehrungsreich!“ Arbeitsreich ist es auf jeden Fall. Aber die Arbeit im Lektorat ist trotzdem mein absoluter Traumberuf.

Lamento - Im Bann der FeenköniginWie werden Sie auf neue Titel für den deutschen Markt aufmerksam?

Die Verlagsgruppe Droemer Knaur hat einen Literaturscout in New York und einen in London. Beide halten uns ununterbrochen darüber auf dem Laufenden, was in Amerika und England gerade von Agenturen und Verlagen angeboten wird. Darüber hinaus stehe ich natürlich auch mit den zahlreichen deutschen Literaturagenten in Kontakt und informiere mich auf entsprechenden Websites, was die Leser begeistert.

Kauft PAN hauptsächlich Buch-Pakete von ausländischen Verlagen oder sucht der Verlag auch einzelne Autoren direkt aus?

Ich kenne keinen Verlag, der tatsächlich Buchpakete kauft – es kann allerdings vorkommen, dass man mehrere Bücher eines Autors auf einmal unter Vertrag nimmt oder bei einem Agenten mehrere Projekte beziehungsweise Autoren zeitgleich kauft. Pakete – im Sinn von: Es gibt diese Projekte nur zusammen oder gar nicht – werden aber in der Regel nicht geschnürt.

Verraten Sie uns doch ein bisschen über den Prozess von der Entdeckung eines Buchs (oder Autors), das (den) Sie veröffentlichen wollen, bis hin zum publizierten Werk, bitte.

Zuerst landet das Manuskript, in welcher Form auch immer, auf meinem Tisch – das Manuskript als Datei, ein Ausdruck, manchmal auch schon ein fertiges Buch. Früher bedeutete dies, dass ich jeden Abend mit einem Berg Papier nach Hause gegangen bin; die Erfindung des Sony Readers ist für meine Bandscheiben ein echtes Gottesgeschenk.

Wenn mir das Manuskript gefällt und ich ein Verkaufspotential sehe, schreibe ich ein Gutachten, in dem ich den Inhalt zusammenfasse, meine Meinung darlege und Vorschläge zur möglichen Position in unserem Programm nenne. Nicht fehlen darf natürlich auch eine detaillierte Kalkulation, in die eine Auflagenprognose, Preise für Übersetzung und Redaktion, aber auch das Cover und so weiter einfließen.

Die Gutachten werden an meine Kolleginnen und Kollegen im Lektorat verschickt, mit denen ich das Projekt dann in unserer einmal in der Woche stattfindenden Lektoratskonferenz diskutiere. Sind die Kollegen so begeistert wie ich, mache ich danach ein Angebot für die Buchrechte. Daraus kann sich oft eine Auktion entwickeln, wenn mehrere Verlage an dem Projekt Interesse haben.

HimmelsaugeWenn das Projekt eingekauft ist, suche ich nach einem Übersetzer und meist auch schon nach dem Redakteur, der die Übersetzung bearbeiten wird. Und dann wird es irgendwann in eins unserer Programme eingeplant. Sobald dies geschieht, schreibe ich Informationstexte für sämtliche Abteilungen im Haus, die sogenannten „Factsheets“, bereite das Coverbriefing vor und schreibe die Texte für unsere Vorschau – also den Katalog, mit dem das Programm später im Buchhandel vorgestellt wird.

Wie in den meisten Verlagen gibt es auch bei PAN zwei Programme, eins für das Frühjahr und eins für den Herbst. Diese Programme stellen wir, ebenfalls zweimal im Jahr, im Rahmen von verschiedenen Präsentationen den Kollegen im Verlag und den Kollegen im Außendienst vor. Die Vertreter gehen dann jeweils ab Juni beziehungsweise ab Januar auf die Reise durch den Buchhandel, stellen unsere neuen Bücher dort vor und sammeln die Vorbestellungen ein, auf deren Grundlage dann später die Höhe der ersten Auflage festgelegt wird. Parallel dazu gebe ich das übersetzte und redigierte Manuskript in die Herstellung und schreibe die Rückseiten- und Klappentexte.

Zugegeben, das hört sich nach Routine an. Und dankenswerterweise ist es ein Teil davon auch. Aber: Jedes Projekt ist anders … und natürlich klappt bei keinem Buch alles so reibungslos und einfach, wie es sich jetzt hier anhört.

Werden Bestseller gemacht? Was braucht ein Buch, um erfolgreich zu sein? Und woran liegt es, ob sich Erfolg einstellt oder nicht?

„Willy Droemer hat in den siebziger Jahren das Bestseller machen erfunden“ – diese Aussage findet sich immer wieder, wenn man die Geschichte der deutschen Verlagsbranche recherchiert. Richtiger wäre es zu sagen, dass Willy Droemer dem Marketing und der Werbung große Bedeutung beigemessen hat und dadurch zu einem der erfolgreichsten Verleger Deutschlands wurde. Bestseller kann man nicht machen – man kann nur dafür sorgen, dass das Buch stärker wahrgenommen wird, sowohl von den Buchhändlern (unserer „vorgelagerten“ Zielgruppe), als auch später von den Lesern. Dafür sorgen zum Beispiel große Werbekampagnen. So kann man dafür sorgen, dass das Buch in großer Stückzahl im Buchhandel liegt – also „sichtbarer“ ist – und der Leser erfährt, dass es das Buch gibt. Aber leider bedeutet dies noch lange nicht, dass er es dann auch kauft.Tochter der Träume

Natürlich braucht ein Buch einen tollen Titel, einen tollen Umschlag, tolle Texte auf der Rückseite und auf den Klappen des Umschlags und vor allen Dingen eine tolle Geschichte. Doch das allein sorgt leider auch noch lange nicht dafür, dass ein Buch ein Bestseller wird – ganz abgesehen davon, dass immer wieder Bücher auf die vordersten Plätze der Bestsellerliste springen, bei denen die Qualität vielleicht doch deutlich niedriger ist als bei anderen.

Entscheidend ist, dass das Buch einen Nerv trifft. Dass die Leser anfangen, darüber zu sprechen und es ihren Freunden zu empfehlen. Mundpropaganda ist wertvoller als jede Kampagne, die der Verlag starten kann. Daher kann man eher sagen: Der Verlag macht Bücher – die Leser machen Bestseller.

Welche Highlights erwarten uns in den nächsten Monaten?

Wir starten das erste PAN-Programm direkt mit zwei besonders schönen Büchern, mit Maxime Chattams ALTERRA und Maggie Stiefvaters LAMENTO.

In ALTERRA zieht ein merkwürdiges Unwetter über New York auf – und als die Teenager Matt und Tobias am nächsten Morgen erwachen, ist nichts mehr so, wie sie es kennen: Sämtliche Technik ist verschwunden, die Natur hat die Welt zurückerobert, nirgendwo finden sich Spuren von Erwachsenen. Stattdessen durchstreifen merkwürdige Kreaturen die Straßen und sind auf der Suche nach etwas … oder nach jemandem? Matt und Tobias gelangt die Flucht aus New York. Auf einer Insel finden sie Verbündete, eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die sich die „Pans“ nennen und gemeinsam für ihr Überleben kämpfen. Viel mehr möchte ich nicht verraten – denn ALTERRA ist ein (Lese)Abenteuer, das man sich selbst nicht entgehen lassen darf.

Romantischer geht es zu in Maggie Stiefvaters LAMENTO: Darin lernt die schüchterne Deidre den geheimnisvollen Luke kennen und verliebt sich zum ersten Mal in ihrem Leben. Sie ahnt noch nicht, dass Luke im Bann einer Feenkönigin steht und einen Auftrag von ihr hat: Er soll Deidre töten …

In drei Tagen bist du wieder totInsgesamt werden bei PAN im ersten Programm neun Bücher erscheinen. Zu den besonderen Highlights gehören neben ALTERRA und LAMENTO auch MERIDIAN von Amber Kizer, IM KÖNIGREICH DER KÄLTE von Nick Lake und IN DREI TAGEN BIST DU WIEDER TOT von Kelly Meding. Für die jüngeren Leser ist Melissa Fairchilds HIMMELSAUGE sicher eine ganz besondere Entdeckung. Wer auf der Suche nach Liebesgeschichten mit einem prickelnden übernatürlichen Element ist, wird sich über KISMET KNIGHT, VAMPIRPSYCHOLOGIN von Lynda Hilburn und TOCHTER DER TRÄUME von Kathryn Smith freuen. Und auch die neue Serie des bei uns im Knaur Taschenbuch bereits sehr erfolgreichen Joseph Nassise soll nicht unerwähnt bleiben: In DIE HUNT-CHRONIKEN: DER SCHATTENSEHER dreht sich alles um einen Mann, der auf der Suche nach seiner verschwundenen Tochter ist. Als die Polizei die Ermittlungen einstellt, unterzieht er sich einem geheimnisvollen Ritual – dieses raubt ihm zwar seine normale Sehkraft, verleiht ihm dafür aber neue, ungeahnte Fähigkeiten, die ihn bald schon in größte Gefahr bringen.

Sie merken es schon: Für mich als begeisterten Lektor und Programmleiter sind alle unsere Bücher Highlights. Wer sich sein eigenes Bild machen möchte, der soll einfach einen Blick auf unsere Website werfen und sein persönliches Lieblingsbuch finden.

Ist der Eindruck richtig, dass sich PAN hauptsächlich der Urban Fantasy und der Romantasy verschrieben hat?

Der Eindruck täuscht, jedenfalls dann, wenn man die Genreregeln streng auslegt. Neben der Urban und Romantic Fantasy erscheinen bei PAN im gleichen Mengenverhältnis auch phantastische Romane, die sich jeder Einordnung in irgendeine enge Definition entziehen.

Inwiefern möchten Sie sich, falls überhaupt, von anderen Verlagen mit ähnlicher Programmschiene – z.B. Lyx – abgrenzen?

Wir wollen nicht versuchen, auf allen Hochzeiten zu tanzen und alle Bereiche der Fantasy zu bedienen. Bei PAN werden ausschließlich phantastische Romane erscheinen, die in unserer ganz normalen Alltagsrealität angesiedelt sind, in die sich dann ein übernatürliches Element mischt – High Fantasy wird es bei PAN also nicht geben. Innerhalb dieses Rahmens wollen wir uns, im Gegensatz zu manchem hochgeschätzten Konkurrenten, auf eine primäre Zielgruppe festlegen: Bei uns erscheinen Bücher für Teenager und Erwachsene beiderlei Geschlechts – und, wie erwähnt, Romantic Fantasy, Urban Fantasy und phantastische Romane, die sich in keine Genre-Schublade pressen lassen..

Ist PAN mutig, auch Neues zu probieren, oder muss man sich in der heutigen Verlagswelt an gewisse Regeln halten, um nicht unter zu gehen?

Einen neuen Verlag zu starten ist immer ein Abenteuer und erfordert Mut. Natürlich hört das auch bei der Programmarbeit nicht auf. Wir sind immer auf der Suche nach ganz neuen Ideen und Themen, nach neuen Stimmen und nach Büchern, die so ungewöhnlich sind, dass wir einfach nicht „Nein“ sagen können.

MeridianEin gutes Beispiel dafür ist unsere Autorin Amber Kizer, die wir bewusst an die zweite Stelle des Programms gesetzt haben. In den Mittelpunkt ihres Romans MERIDIAN hat Amber die Fenestras gestellt, ein Engelsgeschlecht, das die Aufgabe hat, den Seelen der Verstorbenen ein Fenster in die Unendlichkeit zu öffnen. Es hat zuerst Stimmen hier im Verlag gegeben, dass es besser wäre, einen Vampirroman auf diesem Programmplatz zu positionieren, denn Vampire sind bekanntermaßen gerade sehr beliebt. Meine Lektoratskollegen und ich haben aber von Anfang an gesagt: Nein, wir wollen nicht den vermeintlich sicheren, weil einfachen Weg gehen. Wir müssen das Buch nach vorne stellen, das uns komplett begeistert, auch wenn die Fenestras eine ganz neue und daher auch riskante Idee sind. Die ersten begeisterten Rückmeldungen von Testlesern, die sich genau so in MERDIAN verliebt haben wie wir, geben uns Recht – und machen uns noch mehr Mut für die Zukunft und die nächsten PAN-Programme.

Besteht dennoch die Möglichkeit, bei PAN einige Reihen wieder aufleben zu lassen, die seinerzeit in der inzwischen leider eingestellten Fantasy-Linie von Knaur veröffentlicht worden waren? Juliet Marillier hat beispielsweise einen neuen Sevenwaters-Roman geschrieben und viele Fans hoffen auf eine Neuauflage und Fortsetzung von J. V. Jones großartigem „Schwert der Schatten“-Zyklus.

Derzeit ist nicht geplant, alte Reihen bei PAN noch einmal neu zu veröffentlichen, auch wenn ich das in Einzelfällen sehr bedauere. Um auf die beiden Autorinnen einzugehen, die Sie ansprechen: Juliet Marillier und ihr Agent haben sich vor einigen Jahren entschieden, Knaur zu verlassen, um ein höheres Angebot von einem anderen Verlag anzunehmen; J.V. Jones und ihr High-Fantasy-Zyklus SCHWERT DER SCHATTEN passt leider nicht in das PAN-Programmkonzept.

Sie scheinen erfreulicherweise auf hochwertige Ausgaben, u. a. auch mit Klappbroschur zu setzen. Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach das Äußere eines Romans heutzutage?

Wir haben uns für PAN ganz bewusst gegen eine Standardausstattung entschieden – jedes Buch soll den Einband und die Ausstattung bekommen, die am besten zum Inhalt und zum Cover passen. Außerdem wollen wir unseren Lesern ganz bewusst etwas für ihr Geld bieten, weswegen wir die reinen Romantic- und Urban-Fantasy-Romane allesamt als Klappenbroschuren zu einem günstigen Preis anbieten werden. Auf der einen Seite wissen wir natürlich auch, dass ein schönes, wertiges Buch bei unseren Kunden auf großen Anklang stößt – auf der anderen Seite ist es uns aber auch ein Anliegen, dass die PAN-Bücher einfach schön aussehen.

Der SchattenseherViele Fans wundern sich, weshalb ausländische Cover nicht auch für deutsche Veröffentlichungen verwendet werden …

Zum einen eignet sich die ausländische Optik oft nicht für den deutschen Markt, zum anderen sind die Honorarwünsche von amerikanischen Illustratoren oft so hoch, dass sie jede Kalkulation für ein Buch sprengen.

Und warum werden Titel so oft nicht wortwörtlich übersetzt?

Im Gegensatz zu Amerika gibt es in Deutschland den gesetzlichen Titelschutz – zwei Bücher dürfen nicht denselben Titel tragen (Ausnahmen bestätigen die Regel und sind individuelle Verhandlungssache zwischen den beteiligten Verlagen). Oft klingen die Übersetzungen von amerikanischen Titeln auf Deutsch aber auch einfach nicht gut. Titelfindung ist ein großes Thema, auf das wir hier im Verlag sehr viel Zeit verwenden.

Wie findet man für ein Buch den idealen Übersetzer?

Ich arbeite seit über 16 Jahren im Lektorat – daher kenne ich natürlich eine Menge Übersetzer und weiß sehr genau, wem welches Projekt und welcher Stil besonders liegt. Darüber hinaus lernt man natürlich immer wieder neue Übersetzer kennen, mit denen man ein gewisses Wagnis eingeht, aber das muss man natürlich eingehen. Manchmal entscheidet man sich leider doch für den falschen Übersetzer – dann stehen der Redakteur und der Lektor selbst in der Verantwortung, den Text noch einmal sehr gründlich zu bearbeiten.

Wie hat sich das Fantasy-Genre Ihrer Meinung nach in den letzten zehn Jahren verändert? Und wie denken Sie, wird es sich in den nächsten Jahren noch verändern?

Vor zehn Jahren spielten die Urban Fantasy und die Romantic Fantasy noch keine große Rolle – nun sind sie ausgesprochen erfolgreich. Wie es weiter gehen wird? Nun, ich habe einige Ideen … aber die möchte ich hier noch nicht verraten, um keine schlafenden Hunde zu wecken. Nennen wir es ein Betriebsgeheimnis!

Deutsche Fantasy ist momentan in gewisser Weise „in“. Ist das trotz der zurückliegenden erfolgreichen Jahre ein Strohfeuer oder glauben Sie, deutsche Autoren können sich auch im Fantasy-Bereich hierzulande weiter behaupten?

Ich bin sicher, dass wir in Zukunft sogar noch deutlich mehr Fantasy von deutschen Autoren lesen werden, und freue mich darauf. Insbesondere dann, wenn die deutschen Autoren nicht den – wie ich finde fatalen – Fehler machen, ihre Geschichten unbedingt im Ausland ansiedeln zu wollen, weil sie der Meinung sind, dass das „cooler“ ist. Ich wünsche mir Romantic Fantasy, die in Hamburg die Herzen höher schlagen und Urban Fantasy, die es in Köln krachen lässt.

Sind Hörbücher eine echte Alternative zu einem Roman?

KismetEs gibt toll gemachte Hörbücher, keine Frage. Für viele Menschen sind Hörbücher sowohl eine Ergänzung zum Lesen als auch ein Ersatz geworden – für mich nicht. Ich fahre keine langen Strecken im Auto, ich bügle nicht, ich lege mich auch nicht für eine Stunde in die pralle Sonne. Mir fehlen also die Gelegenheiten, Hörbücher zu konsumieren. Manchmal bedauere ich das, denn es gibt tolle Sprecher, deren Stimmen eine gute Geschichte zu einem noch größeren Genuss machen können.

Das Unterhaltungsmedium „Buch“ – so glauben Schwarz-Seher – gehört zur aussterbenden Gattung. Wie ist da Ihre Einschätzung?

Das Buch als Unterhaltungsmedium ist vielleicht keine aussterbende Gattung, aber durchaus eine gefährdete. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass es heute viele Kinder gibt, die ohne Bücher aufwachsen – ihre Eltern parken sie vor dem Fernseher oder dem Computer und bringen ihnen nicht bei, wie schön es ist, ein Buch zu lesen, eine Geschichte zu entdecken. Gleichzeit glaube ich aber auch, dass es immer Menschen geben wird, die Bücher lieben – und es ist die Verantwortung der Verlage, ihnen den richtigen Lesestoff anzubieten.

Hat das Internet Ihrer Meinung nach Einfluss auf (Fantasy)-Literatur und wenn ja, ist das eher positiv oder eher negativ?

Als ich ein Teenager war und angefangen habe, Fantasy zu lesen, kannte ich lange Zeit niemanden, der sich ebenfalls dafür begeistern konnte. Das hat sich zum Glück sehr geändert. Im Internet finden Fantasyleser heute mit nur wenigen Mausklicks Gleichgesinnte und Foren, in denen sie sich austauschen und über Bücher informieren können – das ist für ein Genre, das jahrzehntelang eine Art Schattendasein geführt hat und auch oft von Buchhändlern unter Wert verkauft wurde, ein absoluter Glückfall.

Es ist auch spannend zu beobachten, wie die Möglichkeiten des Internets die Arbeit der Autoren verändert hat. Maggie Stiefvater hat in einem Interview erzählt, dass ihr erster Roman LAMENTO wohl kaum so gut geworden wäre, wenn sie nicht über ein Autorenforum ein paar professionelle Testleser gefunden hätte (denn: Freunde und Verwandte eignen sich dafür in den seltensten Fällen – ihr Urteil sagt mehr über die persönliche Beziehung zum Autor aus, weniger über die Qualität seines Manuskripts). Außerdem bietet das Internet viele Möglichkeiten, um als Autor mit seinen Lesern direkt in Kontakt zu treten – besonders begeistert bin ich immer wieder, wie beispielsweise unsere Autorinnen Yasmine Galenorn (hier) und Jackson Pearce (hier) die Leser an ihrem Leben teilhaben lassen.

Wenn Sie eine fiktive Figur aus einem Roman treffen könnten: Wer sollte das sein und warum?

Ja, es gibt eine Romanfigur, in die ich seit vielen Jahren heimlich verliebt bin – und so soll es auch bleiben: heimlich!

Vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit und dafür, dass Sie so nett waren, meine Fragen zu beantworten. Vielleicht können wir das eines Tages wiederholen. Alles Gute für die anstehenden Romane und sowohl für Ihr Arbeits- als auch Ihr Privatleben!

Website: Pan

Zur Person:

Timothy Sonderhüsken, Jahrgang 1970, arbeitet nach Stationen bei Econ und Heyne seit 1998 als Lektor in der Verlagsgruppe Droemer Knaur, wo er unter anderem die phantastische Unterhaltung im Knaur Taschenbuch und seit Neuestem als Programmleiter den neuen Verlag PAN betreut.

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1 Kommentar »

  1. Wow, ein tolles Interview! Spannende Fragen und hochinteressante Antworten!

    Comment by Corry — 30. August 2009 @ 20:05

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