Darkstars Fantasy News


21. August 2010

Interview mit Susanne Gerdom

Category: Interviews – Darkstar – 08:31

Gerdom - Die Seele der ElbenDas erste Buch, das ich von Susanne Gerdom gelesen habe, ist „Ellorans Traum“ – und gar nicht unter ihrem richtigen Namen erschienen. Als es im Jahr 2000 bei Heyne erschien, galten die Werke deutscher Fantasyautoren noch größtenteils als unverkäuflich und so kam es, dass das Pseudonym Frances G. Hill das Cover ziert. Ich habe die besten Erinnerungen an diesen Roman und spätestens seit „Die Seele der Elben“ war mir klar, dass ich Susanne Gerdom unbedingt interviewen musste.

Da gerade mit „Der Nebelkönig“ ihr erster offizieller Jugendfantasy-Roman erschienen ist, schien die Zeit perfekt zu sein. Und ich war so begeistert, dass ich der armen Susanne so viele Fragen gestellt habe, dass sie wahrscheinlich heute noch Sehnenscheidenentzündung vom Tippen der Antworten hat. Andererseits dürfte sie als Autorin Tipp-technisch ja Übung haben.

Sei es, wie es will – im folgenden, ausführlichen Interview verrät Susanne Gerdom so manches über ihren Schreiballtag, über ihr Verhältnis zu Elben und Elfen, über anstehende Projekte – und natürlich auch über die Entstehung ihres aktuellen Romans, den „Nebelkönig“. Viel Spaß beim Lesen!

Interview mit Susanne Gerdom

 

Liebe Susanne, vielen Dank, dass Du dir Zeit für das Interview nimmst.

Ganz aktuell erscheint mit „Der Nebelkönig“ bei Ueberreuter dein erster, offizieller Jugendroman. Ohne zu viel zu verraten: Worauf dürfen sich die Leser freuen?

Auf ein, wie ich hoffe, spannendes Buch mit einem, wie ich hoffe, überraschenden Ende. Ich hatte sehr viel Vergnügen daran, es zu schreiben – vielleicht kommt ja etwas davon auch bei den Leserinnen an.

Wie sagt die Vorschau:

Der NebelkönigIn Sallies Welt geht alles seinen scheinbar gewohnten Gang: Sie ist Küchenmädchen in einem Herrenhaus, so groß, verwinkelt und weitläufig, dass Sallie nur einen winzigen Bruchteil davon kennt. Am liebsten hält sie sich ohnedies in der Bibliothek auf, um zu lesen. Denn die Geschichte vom ewigen Kampf des Nebelkönigs gegen die Katzenkönigin lässt sie nicht mehr los. Doch schon bald wird Sallie herausfinden, dass diese Geschichte viel mehr mit ihr zu tun hat, als sie sich auch nur vorstellen kann. Sie beginnt Türen zu öffnen und Fragen zu stellen derweil kriecht der Nebel unaufhörlich ins Haus

– Besser als meine Lektorin hätte ich das nicht formulieren können. *g*

Die Handlung des Buches basiert auf einem Plot, den du eigentlich bereits vor mehreren Jahren begraben hast. Wie kamst du darauf, diesen wiederzubeleben?

Ich gehöre zu den eher seltenen Exemplaren von Autorinnen, die ihre Projekte immer zu Ende schreiben. Es gab insgesamt nur zwei Romanprojekte, die ich angefangen in der Schublade liegen hatte, und das ältere davon ist der Nebelkönig. (Zu dem anderen bin ich einfach noch nicht gekommen, weil ich andere Projekte vorziehen musste.) Ich kann es nicht leiden, angefangene Manuskripte liegen zu lassen. Deshalb habe ich mich gefreut, dass Ueberreuter den Nebelkönig haben wollte. Und das andere Projekt bekomme ich auch noch in meinem Terminkalender unter!

Manche behaupten, ein verworfenes Manuskript umzuarbeiten sei anstrengender, als ein komplett neues Buch zu schreiben. Kannst du dem zustimmen?

Uneingeschränkt ja. Und deshalb habe ich das auch gar nicht erst versucht. Ich habe ungefähr vierhundert bereits geschriebene Seiten in den Müll geworfen und nur drei der Hauptfiguren behalten. Die Geschichte ist komplett neu gestrickt, und das wiederum hat sehr viel Spaß gemacht.

Im „Nebelkönig“ spielt ein großes Geheimnis, das nur nach und nach enthüllt wird, eine wichtige Rolle. Wie schwer war es, dieses Geheimnis für den Leser und die Hauptfigur Sallie erst nach und nach zu entblättern und nicht zu früh zu viel zu verraten? Hast du das aus dem Bauch heraus gemacht?

Ich bin ja generell eine Bauchschreiberin. Meine Figuren leiten mich durch die Geschichte, und sehr oft weiß ich nicht, was hinter der nächsten Biegung auf mich wartet. Aber im Fall des Nebelkönigs habe ich dem doch mal Zügel anlegen müssen, weil ich weder zu viel noch zu wenig verraten wollte. Es war eine interessante Erfahrung, mit mehr Kalkül in die Entwicklung der Geschichte zu gehen, und glücklicherweise waren beim Schreiben trotzdem immer noch ein paar schöne Bonbons versteckt, mit denen ich mich selbst überraschen konnte.

Das Schwierigste war eigentlich die Balance: Wann sage ich zu wenig, wann verrate ich mehr, als nötig ist? Das ist sehr schwer zu entscheiden, wenn man die Lösung selbst schon kennt. Aber ich hatte eine Betaleserin, eine Kollegin, die ich schon während des Prozesses habe mitlesen lassen, und ihre Fragen und Vermutungen haben mir dabei wirklich gut geholfen.

Bist du beim Schreiben für Jugendliche anders vorgegangen als beim Schreiben für ein erwachsenes Publikum? Immerhin gibt es auch im „Nebelkönig“ ein paar richtig heftige Szenen.

Oh, dabei ist das schon die entschärfte Fassung *g*. Na ja, sagen wir es so: „All Age“ wendet sich ja an ein Publikum, das schon etwas älter ist – ab 14, 15. Und wenn ich mir da ansehe, was an Filmen und Computerspielen konsumiert wird, ist der Nebelkönig immer noch ganz schön harmlos. Ich habe im Prinzip nicht anders geschrieben, als ich es auch für ein Erwachsenenpublikum getan hätte. Nur die Protagonistin ist eben ein junges Mädchen. Zumindest denkt sie das.

Wo verläuft Deiner Meinung nach die Grenze zwischen Jugendbuch und Erwachsenenbuch im Genre Fantasy? Und was hältst Du vom All Age-Label?

Gerdom - Anidas ProphezeiungAch ja. Es gibt viele Erwachsene, die wie ich immer noch gerne Kinder- und Jugenbücher lesen. Damit habe ich nie aufgehört. Und es gibt viele Kinder und Jugendliche, die wie ich damals, auch immer schon nach Erwachsenenbüchern gegriffen haben – vor allem, wenn es fantastische Bücher waren! Gerade in der Fantasy verläuft die Grenze nämlich eher unscharf, und es gibt einen breiten Streifen Niemandsland dazwischen, in dem sich eine Menge guter Bücher tummeln. Das Etikett ist ein Hilfsmittel. Die Buchhändlerinnen wissen dann, wem sie das Buch anbieten können, Erwachsene kommen sich nicht blöd vor, weil sie ein Jugendbuch lesen (was ich persönlich ganz schön albern finde!) und Jugendliche freuen sich, weil sie wieder etwas zu lesen haben, das „erwachsenentauglich“ ist. Auch ein schönes Gefühl. ;-)

Wirst Du nun erstmal der Jugendliteratur treu bleiben, war „Der Nebelkönig“ ein einmaliges Erlebnis oder möchtest Du zwischen den Gattungen wechseln?

Ich habe schon ein zweites Jugendbuch geschrieben (dieses Mal für die etwas Jüngeren, also nicht „All Age“ ;-)), das erscheint im Frühjahr bei ArsEdition. Es heißt „Sturm im Elfenland“. Dann ist jetzt ein zweites Buch für Ueberreuter in Arbeit (Das Zaubertheater), ein zweites für ArsEdition ist in der Planung – und dazwischen werde ich noch mal einen Erwachsenentitel einschieben, „Projekt Armageddon“ für meinen Hausverlag Piper. Also – ich kann mich ganz klar nicht entscheiden. Wenn’s nach mir geht, mache ich beides weiter.

Seit deinem Debütroman „Ellorans Traum“ sind inzwischen über zehn Jahre vergangen. Wodurch unterscheidet sich deine Arbeit als Autorin heute von der damaligen?

Ich darf meistens unter meinem eigenen Namen schreiben ;-))) Ich weiß meistens, dass das, was ich schreibe, gekauft, gedruckt und gelesen wird. Ich bin wesentlich besser organisiert und strukturiert. Ich kann verdammt schnell tippen.

Und wie hat sich deiner Meinung nach das Genre in Deutschland seither verändert?

Oh, in den letzten zehn Jahren ist das Genre explodiert! Damals musste ich noch ein englischklingendes Pseudonym auf dem Cover ertragen, weil „deutsche AutorInnen sich nicht verkaufen“. Heute ist es fast schon ein Gütesiegel, eine deutsche Autorin in diesem Genre zu sein, und die allermeisten Verlage (bis auf ein paar eiserne Bastionen) haben deutsche AutorInnen im Programm.

Vor zehn Jahren gab es nur eine Handvoll tapferer Verlage, die überhaupt Fantasy verlegt haben – heute gibt es kaum einen Verlag, der nicht wenigstens ein paar Titel im Programm haben, und einen Haufen neuer Verlage, die ausschließlich phantastische Literatur machen. Es ist toll – auch wenn natürlich in all dieser Masse zwangsläufig auch viel Schrott produziert wird. Aber das ist im Mainstream ja nicht anders.

Jedenfalls ist die Fantasy inzwischen ihr Schmuddelkind-Image los und sogar Literaturwissenschaftler beschäftigen sich damit. Es wurden auch schon Rezensionen im klassischen Feuilleton gesichtet – das war vor zehn Jahren absolut undenkbar!

Beobachtest du als Autorin den Markt und die Konkurrenz? Und versuchst du, bei der Planung deiner nächsten Projekte bewusst ein Trendthema zu bedienen?

Aua, böse Frage … ;-))) Ja, natürlich beobachte ich den Markt und meine KollegInnen. Wobei ich anmerken möchte, dass man nicht von Konkurrenz sprechen darf. In der Regel ist man sich unter Fantasy-AutorInnen freundlich zugetan. Keine Ahnung, ob das für andere Genres auch gilt, aber ich glaube, schon. AutorInnen sind sich durchaus bewusst, dass jede ihren Kram alleine produzieren und verkaufen muss. Da hilft keine andere – aber es nimmt einem auch keine andere was weg. Ich freue mich jedenfalls über jede Kollegin, die Erfolg hat. (Damit sind selbstverständlich auch männliche Kolleginnen gemeint. *veg*)

Und was die Trendthemen angeht – so schnell kann ich nicht schreiben und so schnell produziert in der Regel auch ein Verlag nicht. Bis ich was geschrieben und die es gedruckt haben, ist der Trend wahrscheinlich schon vorüber. Also – puh, was für ein Glück! – muss ich nicht nach solchen Themen schielen.

Natürlich werde ich aber auch von Strömungen beeinflusst. Es gibt Themen, die tauchen auf und bringen etwas zum Klingen – aber das geht beinahe allen AutorInnen so. Man lebt ja nicht in einem Elfenbeinturm ohne Anschluss an die Welt.

Wie lange brauchst du ungefähr, um ein Buch zu schreiben?

Gerdom - Das Herz der WeltDas ist wie die Frage „was kostet ein Auto“. Eh, das kommt ganz auf Marke, Modell und Ausstattung an. ;-)

Für einen Erwachsenenschinken brauche ich ein halbes Jahr reine Schreibzeit. (Mal mehr, mal weniger, das hängt von meinem Brotjob ab, und wieviel Zeit der schluckt.)

Jugendbücher sind etwas weniger umfangreich, dafür brauche ich ungefähr vier Monate.

Die Planung läuft aber vorher – und das ist sehr unterschiedlich. Eine Idee zu entwickeln und den Plot zu entwerfen kann sehr unterschiedlich lange dauern. Das Zaubertheater habe ich an einem langen Wochenende entwickelt, das lief wie von selbst. Für „Sturm im Elfenland“ habe ich bestimmt zwei Monate gebraucht (in der Zeit habe ich aber noch am Nebelkönig gearbeitet.)

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Ich stehe auf, füttere die Katzen, koch mir eine Kanne Kaffee, schmeiß den Computer an und beantworte Mails. Oder schiebe sie in den Ordner für unbeantwortete Mails und lasse sie da verschimmeln. (Kategorie A: geschäftlich, Kategorie B: privat. Sehr beschämend, das.)

Dann lese ich online ein bisschen Zeitung, schau mal bei Facebook rein, und dann, wenn mein Brotjob es zulässt (ich bin freiberufliche Redenschreiberin), setze ich mich ans Schreiben.

Dann gibt es eine schöne Pause (in der dann Alltagsdinge, ein bisschen Büroarbeit, ein Spaziergang oder ein Schläfchen passieren) und abends schreibe ich dann die zweite Runde (manchmal bis in die Nacht. Das ist eine schöne Zeit, weil kein Telefon klingelt und niemand etwas von mir will.)

Du hast nach einer Buchhändlerlehre lange Zeit auf der Bühne und im Theaterbereich gearbeitet. Helfen Dir diese Erfahrungen in der darstellenden Kunst beim Schreiben?

Nö. Ich glaube nicht. Außer, dass ich vielleicht Szenerien sehr deutlich vor dem inneren Auge habe und supergerne Dialoge schreibe. Und ich genieße es, dass meine Akteure im Großen und Ganzen das tun, was ich von ihnen will. Das ist bei Schauspielern IRL nicht immer der Fall.

Was fällt dir bei der Arbeit an einem Buch am schwersten?

Hm. Das Schreiben des Exposés – obwohl ich langsam Übung darin bekomme. Einen gescheiten Titel zu finden (da bin ich immer sehr dankbar, wenn das Lektorat das übernimmt …). Der Mittelteil. Ich liebe Anfänge. Ich mag Schlüsse. Aber ich verliere regelmäßig beim Mittelteil die Lust und wünsche mir einen Dschinn, der’s für mich weiterschreibt. Keine Ahnung, woran das liegt.

Inwiefern ist Recherche für dich ein Thema?

Ich liebe Recherche. Was hat man an „Feuerzeug“ mit sich getragen, bevor es Streichhölzer gab? Wie leben Wüstenvölker? Wann blüht ein Quittenbaum und wann trägt er Früchte? Was für Gangarten hat ein Pferd? Wie warden chinesische Namen gebildet? Was gibt es für Fachausdrücke im Bergbau? Wie haben Wanderschauspieler gelebt? Es gibt so viel, was man sogar für Fantasyromane in Erfahrung bringen muss, und es ist ein Heidenglück, dass es das Internet und Wikipedia gibt. Oder nette Leute im Netz, die man fragen kann.

Im Zuge der vor einigen Jahren sehr beliebten Völker-Romane hast Du zwei Romane über Elben geschrieben. Wie kam es dazu?

Mein Verlag – in Person von Friedel Wahren – hat sich ein Elbenbuch von mir gewünscht. Ich habe erstmal geschluckt, weil ich gar nicht mal so eine High-Fantasy-Elfen-Tolkien-Nase bin. Ich lese selbst viel lieber die etwas schrägeren Sachen (Neil Gaiman zum Beispiel.)Gerdom - Elbenzorn (PB)

Elfen waren also nicht wirklich mein Thema, aber es hat mich trotzdem sehr gereizt, sie dazu zu machen. Und es hat sich für mich auch auf ganz seltsame Art gelohnt, denn erstens habe ich inzwischen ein entspanntes, beinahe vertrautes Verhältnis zu nichtvulkanischen Spitzohren entwickelt und zweitens habe ich entdecken dürfen, dass eins der anderen Völker wirklich zu meinen ganz persönlichen Lieblingen gehört: Die Zwerge. Die ja als Thema leider schon fest in männlicher Autorenhand sind.

Hast du für den ersten Elben-Roman extra einen Plot entwickelt oder hast Du auf eine Idee zurückgegriffen, die du ohnehin schon hattest, und diese einfach auf „elbisch“ getrimmt?

Ich entwickele immer neue Plots – vor allem deshalb, weil ich keine Plots in der Schublade oder im Kopf habe, sondern die Geschichten sich aus den Figuren entwickeln. Immer. Deshalb habe ich mir meine Elben ausgedacht und daraus hat sich die Geschichte ergeben.

Deine Elben unterscheiden sich doch stark von denen Tolkiens (was ich übrigens als Kompliment meine!). Ich könnte mir vorstellen, dass du dadurch bei den Tolkien-Jüngern etwas angeeckt bist? Wie sahen die Reaktionen aus?

Gerdom - Elbenzorn (TB)Oh, sehr geteilt. Ich habe aus der Hardcore-Tolkien-Elben-Ecke kräftig Dresche bezogen, aber auch genauso viel Zuspruch von anderen Leserinnen. (Bei denen durchaus auch Elfenfans zu finden waren.) Also bin ich zufrieden. Ich bin nicht Tolkien, will es auch nicht sein und hatte nie vor, ihn zu kopieren. Und die Elben/Elfen hat er auch nicht erfunden, sondern sich ebenfalls bei Vorbildern bedient und was Eigenständiges draus gemacht. (Ist das vielleicht der Grund, warum nur die Hobbits nie „gecovert“ werden? Weil die wirklich ganz und gar Tolkiens Geschöpfe sind?)

Und da aller guten Dinge doch gerade in der Fantasy Drei sind: Wird es in absehbarer Zukunft einen weiteren Elben-Roman geben?

Nein, die Zeit der Elben ist wohl vorüber. Wenn ich die Drei vollmachen wollen würde, dann mit Trurre. Dem Zwerg.

Woran erkennst du, dass eine Idee sich dazu eignet, zu einem Romanplot ausgesponnen zu werden?

Wenn eine Konstellation von Figuren und Schauplätzen in meiner Imagination beginnt, eigene Beine zu entwickeln und loszumarschieren. Aber eigentlich taugt jede Idee, wenn man lange genug darauf herumbrütet. Irgendwann schlüpft etwas aus.

Hast du einen Lieblingsprotagonist unter all deinen Geisteskindern?

Das ist schwer zu beantworten. Ich mag natürlich immer die Protagonisten besonders gerne, mit denen ich gerade arbeite, lebe, zu Bett gehe und aufstehe. *grinzt*

Also, meine Lieblinge:

Sallie ist eine Figur, die ich sehr mag. (Nebelkönig). Und Korben, denn der begleitet mich schon sehr lange und hat einiges an Veränderungen durchmachen müssen, der Arme. Er war bei der Urfassung des Nebelkönigs schon am Start, als zwielichtiger Schurke (oder nicht?) und Giftmischer. Dann habe ich ein bisschen von seiner Vorgeschichte im dritten Anida-Band erzählt. Und jetzt hat er endlich die Rolle bekommen, die ihm zusteht.

Jinqx und Marten, aus der Anida-Reihe.

Die Raumschiffcrew aus „Ellorans Traum„.

Trurre – der Zwerg, der beinahe die Elbenbände übernommen hätte.

Nein, ich kann mich nicht wirklich entscheiden. Wirklich nicht.

Über wen zu schreiben ist dir am leichtesten, über wen am schwersten gefallen und warum?

Die Elben waren am Anfang schwer. Siehe oben. Superleicht waren die ersten Bücher, die ich je in meinem Leben geschrieben habe: Elloran und Anida. Die gingen ganz von alleine. Diesen Flow hatte ich jetzt fast auch mit dem Nebelkönig. Aber Schreiben ist immer auch schwer und zäh und steinig. Wenn’s nicht so wäre, hätte man ja nichts von den Passagen, die dann auch mal von selbst rutschen …

Für „Ellorans Traum“ hast Du eine sehr ungewöhnliche Hauptfigur geschaffen und auch das für die Fantasy relativ untypische, sehr gehaltvolle Transgender-Thema beleuchtet. Darf man fragen, was Dich zur Handlung dieses Buches bewegt hat?

Gerdom - Ellorans TraumHm. Zu viel Darkover gelesen? ;-)))

Ehrlich, ich weiß es nicht mehr.

Elloran“ ist mir irgendwie passiert, da hab ich gar nichts gesteuert, sondern nur versucht, atemlos hinter der Geschichte herzuhecheln und den Anschluss nicht zu verlieren. Die Hauptfigur war als erste da, und sie war halt weder Mann noch Frau. Die Begründung dafür habe ich während des Schreibens erst finden müssen.

Aber ich gebe zu, dass ich das Thema mag – bei Anida gibt es die beiden Schwestern, die auch mehr oder weniger zwischen den Stühlen sitzen und sich dann ganz unterschiedlich entscheiden, und Jinqx, die ich als Mann einführe, die aber eine Frau ist (o je, das war für manche Leserin so schwer zu schlucken, dass sie dem Verlag und mir totale Unfähigkeit vorgeworfen haben. Als wüsste ich nicht, was ich schreibe, also wirklich! Aber das Experiment war wahrscheinlich wirklich zu kompliziert für einen schlichten Fantasyroman …) Ich mag solche verwirrenden Rollenspiele. Zu einfach gestrickte Figuren sind langweilig.

Realistische und sympathische Darstellung homosexueller oder transgender Charaktere sind inzwischen Gott sei Dank in der Fantasy-Literatur kein Tabu mehr, aber dennoch eher Mangelware. Woran glaubst Du liegt das? Wovor haben die Verlage Angst?

Davor, dass die Buchhändler nicht wissen, in welches Regal sie das dann stellen sollen? Oder vor dem „Minderheitenpublikum“? Keine Ahnung. Das müsstest du die Verlage fragen. Ich weiß zumindest aus Leserinnenrückmeldungen, dass solche Themen sehr gerne gelesen werden. Auch und gerade von ganz „langweilig“ heterosexuellen Menschen J Aber es ist ein zweischneidiges Schwert, in der Fantasy komplizierte Strukturen und Figuren und gebrochene Charaktere unterzubringen, weil die meisten LeserInnen gerne simpel gestrickte Plots und Figuren haben. Glücklicherweise aber nicht alle – und für die anderen zu schreiben macht viel mehr Spaß!

Wenn du eine fiktive Person deiner Wahl (aus deinen eigenen Werken oder denen eines anderen) treffen könntest – wer wäre das und warum?

Oh, Mann, die Liste wäre wahrscheinlich irre lang. Die aus meinen Büchern hab ich ja getroffen, da ist das Bedürfnis relativ gering. Aus den Werken anderer – oh, ja. Lord Peter und Harriet Vane. Ich glaube, mit den beiden kann man sich sehr gut und amüsant unterhalten! Tom Bombadil, der leider im Film gefehlt hat. Esme Wetterwachs. Die Muminmutter.

Gibt es ein Buch eines anderen Autors, dass du selbst gern geschrieben hättest?

Antwort A: Nein. Es gibt viele Bücher, die ich bewundere. Viele, bei deren Lektüre ich gelb bin vor Neid über das schriftstellerische Können und mir wünsche, ich könnte so mit Sprache umgehen. Aber ein existierendes Buch, das ich gerne geschrieben hätte? Nein, das ist absurd. Dann wäre es entweder nicht mein Buch oder es wäre ganz anders ausgefallen.

Antwort B: Ja. Harry Potter. Die Zwerge. Die Flut. Shining. Den DaVinci-Code. Oder warum nicht gleich die Bibel oder den Duden? *grinz* Ich hätte jedenfalls ausgesorgt.

Auf deiner Website verrätst du, dass du an einem Elfenroman für die ARS Edition arbeitest. Darfst du uns schon ein bisschen mehr darüber verraten?

Gerdom - Die schwarze ZitadelleJa und nein. Das Buch wird unter meinem alten „Frances G. Hill“-Pseudonym erscheinen, damit meine beiden Jugendbuchverlage keinen Streit miteinander bekommen.

„Sturm im Elfenland“ ist ein Elfenbuch – obwohl ich ja nie wieder was mit Elfen oder Elben schreiben wollte. Aber bei dem Buch konnte ich endlich einen Traum verwirklichen und Oberon, DEN Elfenkönig, auftreten lassen. Ein bisschen versteckt, allerdings – ich habe die französische Variante seines Namens gewählt, damit es nicht gleich so auffällt.

Das ist wahrscheinlich mein letztes Elfenbuch überhaupt (aber wer weiß …), es hat sehr viel Spaß gemacht, es zu schreiben, es ist sehr verwickelt und meine fleißige, schrecklich kluge Lektorin hat mir keinen noch so kleinen Logikklopfer durchgehen lassen. Ich bin übrigens katastrophal schlecht darin, den Inhalt eines meiner Bücher in vier oder fünf Sätzen zusammenzufassen. Glücklicherweise macht das Lektorat immer die Vorschautexte …

Welche Pläne hat die Schriftstellerin Susanne Gerdom darüber hinaus?

Oh, ich hab die nächsten drei Projekte schon in Planung bzw. in Arbeit. Und vielleicht nehme ich mir danach ein Jahr frei, schreibe meine Voynich-Verschwörung endlich fertig und schau mal, ob sie jemand haben will. Wenn nicht, dann habe ich sie wenigstens geschrieben und aus dem Kopf. Ich ärgere mich sowieso ein bisschen, weil ich das Projekt schon ein paar Jahre angefangen herumliegen habe und in der Zwischenzeit ein ganz ähnlich gelagertes (aber im Detail natürlich vollkommen anders geartetes) Buch rausgekommen ist: „Des Teufels Maskerade“ von Victoria Schlederer.

Also war ich meiner Zeit voraus, hab aber trotzdem den Zug verpasst. Das muss man erst mal schaffen.

Vielen Dank dafür, dass Du dir die Zeit für das Interview genommen hast! Alles Liebe und Gute für deine berufliche wie private Zukunft!

Susanne Gerdoms Website findet ihr hier!

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2 Comments »

  1. […] Mein Interview mit Susanne Gerdom findet ihr hier! […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Jahresvorschau 2011: Susanne Gerdom | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy — 30. Dezember 2010 @ 18:00

  2. […] Susanne, in meinem Interview mit Dir im vergangenen Jahr hast du behauptet, du seist katastrophal schlecht darin, den Inhalt deiner […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Acht Fragen zu “Sturm im Elfenland”Kurzinterview mit Susanne Gerdom aka Frances G. Hill | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy — 8. April 2011 @ 21:38

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