Darkstars Fantasy News


7. Februar 2011

Seanan McGuire: Nebelbann
Ein October Daye-Roman (2)

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 13:30

NebelbannIn den letzten Wochen hat es die Halbfee Toby Daye tunlichst vermieden, am Hof ihres Lehnsherrn vorbeizuschauen. Stattdessen vergräbt sie sich in ihrem Apartment in San Francisco und stürzt sich in unspektakuläre Dedektiv-Fälle. Dann bittet sie Silvester jedoch um einen Gefallen – und Toby weiß, das Wort ihres Herzogs ist ihr Befehl. Zusammen mit dem halbwüchsigen Quentin soll sie eine Stipvisite in die Grafschaft Zahmblitz unternehmen, um herauszufinden, warum Sylvesters Nichte January nicht auf die Anrufe ihres Onkels reagiert.

Was als unspektakulärer Auftrag beginnt, eskaliert schnell:
Ganz untypisch für eine Vollblut-Fee ist January ein Computerfreak; mit ihrer Software-Firma sucht sie nach Wegen, Feenmagie und Technik miteinander zu kreuzen. Dieses Vorhaben scheint jemandem ein Dorn im Auge zu sein, denn nach und nach werden Januarys Angestellte auf mysteriöse Art und Weise umgebracht. Während Toby und Quentin versuchen, gleichzeitig herauszufinden, welchem Projekt January in Wirklichkeit nachgeht und den Mörder zu entlarven, geraten sie selbst Visier des skrupellosen Killers …

Leider nur eine Füller-Folge

Wer meine Rezension zu „Winterfluch“ gelesen hat, weiß wie begeistert ich vom Auftakt von Seanan McGuires Urban Fantasy-Serie um Wechselbalg October Daye bin. Sowohl Figuren als auch Setting fand ich spitze; die Art und Weise, wie die Autorin die Welt der Feen ins moderne Amerika integriert, fand ich sowohl ansprechend als auch faszinierend. Meine Erwartungen an „Nebelbann“ waren dementsprechend hoch. Leider hat der zweite Band der Reihe diese nicht befriedigen können. Wäre „Toby Daye“ eine TV-Serie, würde ich die Erzählung als Füller-Folge bezeichnen, die episodenübergreifende Handlungsstränge (Tobys Verhältnis zu Tybalt, zu den Höflingen an Sylvester Torquills Hof und natürlich zu ihrem Ex und ihrer Tochter) nicht oder nur ein kleines bisschen voran treibt. „Nebelbann“ selbst hat mich nur mäßig unterhalten.

Zu urban für Urban Fantasy?

Das mag daran liegen, dass ein Großteil der Handlung diesmal in den Gebäuden der IT-Firma von Sylvesters Nichte spielt – ein Setting, dass mir selbst für einen Urban Fantasy-Roman etwas zu urban war. Zwar war z. B. die Idee, eine Dryade in die virtuelle Welt zu integrieren, sehr originell und gut ausgeführt, auf Dauer boten mir aber kleine Büros, Serverräume und die Cafeteria nicht genügend Colorit.

Auch war das auftretende Ensemble zwar nicht uninteressant, aber bei weitem nicht so farbenfroh wie noch in „Winterfluch“. Und bereits in diesem Roman hatte McGuire bewiesen, dass weniger die Krimihandlung denn Charakter- und Weltvorstellung ihre Stärke sind.

Dementsprechend dümpelt die Handlung – vor allem im zweiten Drittel – ziemlich vor sich hin. Der Krimiplot selbst war für mich nicht so durchschaubar wie das andere Rezensionen behaupten (klar, natürlich stellen sich manche Vermutungen, die man bereits früh entwickelt, als wahr heraus, aber das finde ich sogar wichtig, denn gerade dadurch macht das Mit-Raten Spaß; da durchaus mehrere Täter als Mörder in Frage kommen, hat mich das hier nicht gestört – und zumindest die Motivation des Mörders bleibt bis kurz vor dem Finale unklar). Andererseits war er von sich aus bereits nicht ganz so interessant. Spannung kommt nur in einzelnen Szenen zwischendurch auf.

Hoffnungsvoller Ausblick

Erst zum Schluss nimmt die Handlung wieder Fahrt auf und deutet an, dass wir von der Welt der Feen noch längst nicht alles gesehen haben. Das letzte Kapitel scheint wie ein Versprechen der Autorin, sich im Verlauf der Serie noch mit einigen sowohl emotionalen als auch hochinteressanten Themen auseinanderzusetzen.

Fazit

Alles in allem bin ich bei „Nebelbann“ vor allem deswegen am Ball geblieben, weil ich Toby mag und weil mich der Auftaktband der Reihe sehr überzeugt hat. Ich hoffe, dass Seanan McGuire in „Nachtmahr“, dem dritten Band der Reihe, wieder mit den Bestandteilen aufwartet, die mich in „Winterfluch“ so begeistert haben.

Meine Rezension zu „Winterfluch“ findet ihr hier!

Das Buch bei Amazon bestellen: hier!

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3 Comments »

  1. Wow! Was für ein umfangreicher Blog. Danke für die vielen Rezensionen!

    Comment by Rob Randall — 12. Februar 2011 @ 20:37

  2. Danke!

    Und ich bin gerade ganz begeistert von deinem – sich bzw. einen Blog auf das Thema Dystopien zu spezialisieren, das hat was!

    Comment by Darkstar — 12. Februar 2011 @ 23:46

  3. […] Daye-Serie sind auf Deutsch bei Lyx erschienen unter den Titeln “Winterfluch“, “Nebelbann” und “Nachtmahr“. Wer die Reihe um die Halbfee noch nicht kennt, dem sei sie […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Seanan McGuire und die Welt der Unterwasser-FeenDer sechste Toby Daye-Roman ist in den USA erschienen! | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy — 8. September 2011 @ 19:40

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