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27. Juli 2011

Juliet Marillier: Die Erben von Sevenwaters

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 13:00

Die Erben von SevenwatersAls 1999 mit „Tochter der Wälder“ der Debütroman der australischen Autorin Juliet Marillier erschien, hätte vermutlich niemand mit dem überwältigenden Erfolg gerechnet, der ihr und ihrer „Sevenwaters“-Trilogie beschieden war. Nach „Kind der Stürme“ (2001) wandte sie sich von den irischen Wäldern ab und bereiste in ihren Folgeromanen andere faszinierende Settings.

Nach Sevenwaters kehrte sie erst viele Jahre später mit „Heir to Sevenwaters“ zurück. Dieser Roman ist gerade bei Knaur unter dem Titel „Die Erben von Sevenwaters“ auf Deutsch erschienen.

Rückkehr nach Sevenwaters

Während zwischen den ursprünglichen Sevenwaters-Bänden jeweils ca. 20 Jahre liegen, macht „Die Erben von Sevenwaters“ keinen Sprung in die nächste Generation, sondern spielt rund drei Jahre nach „Kind der Stürme“. Das erlaubt es Juliet Marillier, diverse Figuren auftreten zu lassen, die man bereits aus den vorangegangenen Büchern kennt. Clodagh, die Heldin des aktuellen Romans, ist eine der Töchter von Liadans Bruder Sean. Im Verlauf des Buches wagt sie sich tiefer in das Reich der Feen hinein als je eine Tochter von Sevenwaters vor ihr.

Clodaghs Quest

Anders als ihre Tante Liadan, eine berühmte Heilerin, oder ihre Schwester Sibeal, eine talentierte Seherin, scheint Clodagh ein ganz gewöhnliches Leben vorherbestimmt. Ihre Talente liegen in alltäglichen Dingen wie im Nähen, im Kochen und der Führung eines Haushalts. Dennoch sind es diese Fähigkeiten, die in Sevenwaters gerade dringend gebraucht werden, denn ihre Mutter kann ihre Rolle als Herrin von Sevenwaters nicht ausfüllen. Obwohl sie eigentlich dafür bereits zu alt ist, kämpft Aisling mit eisernem Willen darum, eine schwierige Schwangerschaft durchzustehen, um nach sechs Töchtern endlich einen ersehnten männlichen Stammhalter zur Welt zu bringen.

Die Situation wird dadurch verkompliziert, dass Lord Sean eigentlich bereits seinen Neffen Bran zu seinem Erben erklärt hat. Dieser befindet sich mit einem Teil seiner Männer – Bran ist der Anführer einer Gemeinschaft von Kriegern – in Sevenwaters, als das Kind zur Welt kommt. Unter seinen Begleitern befindet sich auch der geheimnisvolle Cathal. Er ist raubeinig und leichtsinnig, schwer zu durchschauen und hat in das Innenfutter seines Mantels seltsame Gegenstände eingenäht. Zunächst weiß Clodagh nicht, was sie von dem gefährlichen Fremden halten soll. Gerade, als sie ihm zu Vertrauen beginnt, verschwindet er mit einer seltsamen Warnung auf den Lippen. Schlimmer noch, in der gleichen Nacht wie er verschwindet auch Clodaghs neugeborener Bruder. In seiner Wiege liegt ein Wechselbalg, ein mageres Etwas aus Zweigen, Moos, Wurzen und Stein …

Ein wildromantisches Fantasy-Abenteuer

Als ich „Die Erben von Sevenwaters“ endlich in den Händen hielt, war ich zugegebenermaßen ein bisschen nervös. Ich bin ein großer Fan der ersten drei Bände, und auf den neuen Roman hatte ich sowohl mit viel Vorfreude und Spannung als auch mit etwas Skepsis gewartet. Die große Frage war, ob sich „Die Erben von Sevenwaters“ mit seinen Vorgängern messen konnte. Die erfreuliche Antwort: Ja!

Clodagh erweist sich als sympathische und überzeugende Heldin (ein wenig hat sie mich an Liadan erinnert, auch eine sehr gewöhnliche Frau, die aufgrund der Aufgabe, die sich ihr stellt, über sich hinaus wächst) und bereits auf der ersten Seite hat mich der Sog, der von Juliet Marilliers Art zu Schreiben ausgeht, wieder erfasst und mit nach Sevenwaters gezogen.

Am Anfang lässt sich die Autorin viel Zeit, den Leser mit der Situation auf Sevenwaters vertraut zu machen. Das dürfte neue Leser, die die vorangegangenen Bücher nicht kennen, auf die Geduldsprobe stellen; Leser, die – wie ich – gern an den mystischen Ort in den irischen Wäldern zurückkehren, wird das weniger stören. Wir begegnen alten und neuen Figuren, erfahren von dem verwickelten politischen Geflecht, das Sean und Bran zu knüpfen gedenken und beobachten das Annähern von Clodagh und Cathal. Erst nach etwa einem Viertel des Buches nimmt die Handlung Fahrt auf: Wenn Clodagh sich auf den Weg in die Anderswelt macht, um ihren verschwundenen Bruder zu retten.

Eine gefährliche Quest in das Reich der Feen

Was folgt ist ein hoch spannender, phantastischer Trip in das Reich unter dem Hügel, die magische Welt der Feen. Man merkt, dass ihre Arbeit an ihrem Jugendroman „Wildwood Dancing“, Juliet Marillier dazu inspiriert hat, eine sowohl verzauberte als auch sehr düstere Anderswelt zu entwerfen, wo alles und jeder zu einer potentiellen Gefahr werden kann. Die Reise verlangt Clodagh psychisch und körperlich viel ab und die Autorin kurbelt kräftig das Kopfkino für den Leser an: Sie arbeitet mit großen Bildern und phantastischen Momenten, die das Lesen zu einer wahren Freude machen! Das Band, das Clodagh auf ihrer Quest zu dem Wechselbalg aufbaut, ist glaubhaft und sorgt für emotionale Momente. Übrigens ebenso wie ihre Beziehung zu Cathal. Der geheimnisvolle Krieger begleitet die junge Frau auf ihrer Mission; es dauert jedoch, bis er sich ihr anvertraut.

Das Anderswelt-Setting ist neu für einen Sevenwaters-Roman. In den vorangegangenen Büchern haben wir nur kurze Einblicke in die Welt der Feen erhalten, nicht ihre Heimat bereist. Dadurch wirkt „Die Erben von Sevenwaters“ etwas phantastischer als die ursprüngliche Trilogie. Da Marillier ihre Erzählungen aber tief in alten Mythen verwurzelt und wie immer traditionelle Elemente alter Märchen und Sagen verwebt, schlägt die verzauberte Atmosphäre den Leser erneut in Bann.

Fazit:

Obwohl Marillier ihre Geschichte nicht überhastet beendet und obwohl der Roman über 550 Seiten umfasst, kommt das unausweichliche Ende des Lesevergnügens dann doch zu früh. Gern wäre ich länger in Sevenwaters verweilt. Juliet Marillier hat bewiesen, dass sie auch nach mehrjähriger Pause über die Familie von Sevenwaters noch so einiges zu erzählen hat. Bleibt zu hoffen, dass bei Knaur auch bald der fünfte Sevenwaters-Roman, „Seer of Sevenwaters“, auf Deutsch erscheint!

Fakten:

Titel: Die Erben von Sevenwaters
Autorin: Juliet Marillier
Originaltitel: Heir to Sevenwaters
Übersetzung: Sabine Schilasky
Aufmachung: Taschenbuch mit Klappbroschur, 557 Seiten
Bonusmaterial: Stammbäume, Personenregister und Landkarten
Preis: 14,99 €

Bei Amazon bestellen: hier!

Randnotiz:

Dies ist der erste Roman von Juliet Marillier, in dem eine homosexuelle Figur auftaucht. Ein Mitglied der Sevenwaters-Familie ist dem eigenen Geschlecht zugeneigt. Obwohl dies im Verlauf des Romans nur kurz erwähnt wird, bin ich angenehm angetan davon, dass Marillier Homosexualität in „Die Erben von Sevenwaters“ positiv thematisiert und hoffe, das man der gleichgeschlechtlichen Liebesbeziehung, die hier angedeutet wird, im Folgeband mehr Raum gibt.

2 Comments »

  1. Ja ich hoffe auch dass man noch mehr von den beiden männlichen Protagonisten erfährt und wie es mit Ihnen weitergeht

    Comment by Rapunzel — 27. Juli 2011 @ 17:02

  2. Grinz – also wenn du die beiden meinst, an die ich jetzt denke, bin ich auch sehr gespannt

    Comment by Darkstar — 30. Juli 2011 @ 19:39

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