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26. November 2011

Interview mit Barbara Büchner

Category: Interviews – Darkstar – 17:21

Die WeihnachtsbrautDie in Wien geborene Autorin Barbara Büchner hat sich unter Fantasy-Fans zunächst durch ihre Romane zur Spielwelt „Das Schwarze Auge“ einen Namen gemacht. Das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe, war jedoch ein eigenständiger Roman: „Blaubarts Schloß“ – ein phantastisches, ungewöhnliches (und absolut empfehlenswertes) Buch wie ein düsteres, verzaubertes Märchen.

Jetzt ist im Rahmen von Alisha Biondas Scream-Reihe bei Voodoo-Press ihr düsterer Phantastik-Roman „Die Weihnachtsbraut“ erschienen. Über das neue Buch sowie ihre Erfahrungen als Autorin in den letzten zwanzig Jahren hat sich Barbara Büchner mit mir unterhalten:

Interview mit Barbara Büchner

Was erwartet den Leser in „Die Weihnachtsbraut“ – und wie würdest Du die Atmosphäre von deinem neuen Roman beschreiben?

Die „Weihnachtsbraut“ ist eine „dark love fantasy“ von ziemlich unterkühlter Art. Es geht um ein spätes Mädchen, das eine über eine Annonce einen sehr seltsamen, halbmenschlichen Mann kennen lernt – und beide versuchen, einander in ihrem Anders-Sein zu akzeptieren und zu lieben.

Ein bisschen wie Bella und ihr Vampir, aber man merkt natürlich, dass ich kein Teenie mehr bin und Teenies auch nicht vorrangig als meine Zielgruppe sehe.

Die Atmosphäre ist Lovecraftig – ein altes Stadtviertel, Kapitänshäuser, ein dunkler Fluss, eine uralte, übel beleumundete Familie.

Der PestarztWas hat Dich zu dieser Geschichte inspiriert?

Mich hat immer die Vorstellung gereizt, ein Wesen zu lieben, mit ihm intim zu werden, das nicht ganz menschlich ist. Mich hat schon als Kind die alte Verfilmung von „La belle et la bete“ fasziniert. So ein Ungeheuer hätte ich gerne geheiratet. Dann waren es Werwölfe, dann Mr. Spock, dann Androiden wie in „Künstliche Intelligenz“. Immer irgendjemand, der einen ganz großen Teil Fremdheit in sich hat.

Gab es etwas an deinem neuen Roman, was Dir besonders schwer gefallen ist und / oder was Du besonders gemocht hast?

Liebesszenen fallen mir schwer. Ich weiß echt nie, was ich da schreiben soll. Die vorbereitende Spannung, das Kennenlernen, der erste Stich inniger Zuneigung – das ja. Aber Sex? Weiß ja eh jeder, wies geht. Ich hab die einzige Sex-Szene in einen sehr mystischen erotischen Traum verpackt.

Was ich besonders mochte, war die Schilderung von dem abscheulichen Weihnachtsfest der „Alten Wesen“. Ich will jetzt nichts verraten, aber das zu beschreiben war stark.

Im Genre hast Du Dich durch Deine Romane zum Schwarzen Auge seinerzeit etabliert. Unterscheidet sich das Schreiben einer Geschichte, die in einer Rollenspielwelt angesiedelt ist, vom Schreiben einer Geschichte in einem völlig frei erfundenen Universum?

Das GalgenschloßJa, absolut. Ich habe deshalb auch beim „Schwarzen Auge“ nicht weitergemacht.

Ich kann keine Geschichte schreiben, bei der ich dauernd im Regelwerk nachschauen muss und dann böse Leserbriefe bekomme, weil der Zauberer blaue Stiefel anhatte („Aber beim Firibundus Firifax muss er doch rote Pantoffeln anhaben!!“).

Seit deinem ersten phantastischen Roman sind inzwischen über fünfzehn Jahre vergangen. Wodurch unterscheidet sich deine Arbeit als Autorin heute von der damaligen? Und wie hat sich deiner Meinung nach das Genre in Deutschland seither verändert?

Wie sich das Genre verändert hat, dazu kann ich nichts sagen, ich leb nicht in der Öffentlichkeit, auch nicht in der Öffentlichkeit der Szene.

Stell dir vor, ich hause in einem immer verschlossenen Gewölbe, aus dem nur die Internetleitung ans Tageslicht führt, und lese auch keine Buch-News oder Fanzines. So gesehen unterscheidet sich auch meine Arbeit nicht von der damaligen, abgesehen davon, dass ich routinierter geworden bin und es auch viel mehr Spaß macht, mit einem Word 2010 zu schreiben als sich auf einer alten Reiseschreibmaschine die Finger wund zu hauen, wie ich das in den Anfängen meiner Laufbahn getan habe.

Das Haus am WaldrandÜbrigens sind seit meinem ersten veröffentlichten phantastischen Roman schon sechsundzwanzig Jahre vergangen – das war „Das Institut“ und erschien in Deutschland, leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit. (Kein Wunder bei dem knalligen Titel, auf den der Verlag bestand.) Und seit dem ersten, den ich geschrieben habe, 54 Jahre. Der war neun Seiten lang und in Blockschrift geschrieben weil ich gerade erst schreiben gelernt hatte.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Ich bin ständig am Werken, das heißt, ich befasse mich ständig damit, was ich schreiben will, aber ich sitze nicht jeden Tag am Computer. Das geht eher so schubweise. Drei Tage lang wilde Arbeit und dann wieder nix. Ich muss mich ja sehr viel um meine drei Hunde kümmern, und da ich allein stehend bin auch um alle andere Arbeit, die eben so anfällt.

Du schreibst in unterschiedlichen Genres. Dennoch: Wie würdest du jemandem, der noch nichts von dir gelesen hat, beschreiben, worum es in deinen Büchern geht?

Dark LadiesDie Genres mögen unterschiedlich sein, aber ob ich jetzt Fantasy oder einen historischen Roman schreibe, das Grundgefühl, das Grundthema ist immer dasselbe.

Es ist letztendlich gleichgültig, ob die Bedrohung jetzt ein Hurrikan oder ein „dark lord“ oder ein Serienkiller ist, sie lösen alle dasselbe Gefühl aus. Ich und meine Heldinnen fühlen uns nicht zuhause in der Welt, wir fühlen uns von dunklen Mächten bedroht und suchen nach Beistand, manchmal bei jemand, der sich dann als die schlimmste Bedrohung von allen erweist.

Verstoßen zu werden, verraten zu werden, das sind die großen Ängste, die mich quälen – ich leide ja auch schubweise an schweren Depressionen – und die ich im Schreiben zu bewältigen suche. Ich glaube, ohne die Fähigkeit und die Möglichkeit zu schreiben wäre ich längst zugrunde gegangen.

Wenn Du eine fiktive Persönlichkeit treffen könntest – ob aus Deinen Büchern oder denen eines anderen – wer wäre das und warum?

Blaubarts SchlossAus meinen Büchern? Ich würde gerne Herrn Marnion treffen oder Onkel Abelard, beides Gestalten aus „Blaubarts Schloß„, das bei Heyne erschien. Beide sind für die Heldin, die neunjährige Merle, Helfer und Beschützer, die sie auf ihrem Weg durch die unheimliche Parallelwelt, in die sie mit ihrem Besuch im Wächterhaus eintritt, belehren und beschützen.

Aus den Büchern anderer? Gandalf aus dem „Herr der Ringe“. Und Sherlock Holmes. Er fasziniert mich, weil sein scharfer Intellekt alle Lügen durchschaut und weil er sich für die Schwachen einsetzt. Das ist für mich die wichtigste Eigenschaft eines Helden. Deshalb habe ich auch mit Vergnügen an Alisha Biondas Sherlock Holmes-Anthologie mitgearbeitet.

Sherlock Holmes-AnthologieWoran arbeitest Du gerade?

An der Neufassung eines düster-phantastischen Romans in derselben Art wie „Die Weihnachtsbraut“: „Das Familienritual“. Demnächst in diesem Theater!

Vielen Dank und alles Liebe und Gute für Dich & Deine Bücher!

„Die Weihnachtsbraut“ bei Amazon bestellen: hier!

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