Darkstars Fantasy News


25. Mai 2012

Interview mit Heike Eva Schmidt

Category: Interviews – Darkstar – 15:00

PurpurmondEin verfluchter Halsreif. Eine verbotene Liebe. Eine Zeitreise ins 16. Jahrhundert …

Heike Eva Schmidts phantastischer Jugendroman „Purpurmond“ um eine kesse 17jährige aus der Gegenwart, die durch einen unglücklichen Zwischenfall im Bamberg zur Zeit der Hexenverfolgung strandet, trifft den Nerv der (nicht nur) jungen Leser. Davon habe ich mich jüngst auch auf einer Lesung der Autorin in Berlin überzeugen können. Heike Eva Schmidt verkomplettiert zudem das Trio der Autorinnen, die auf dem Literaturfest Meißen auf der Droemer Knaur-Fantasylesebühne auftreten werden. Bevor ich sie dort mit Fragen löchere, habe ich sie für den Blog um ein Interview gebeten, in dem sie davon berichtet, wie und warum sie selbst zum Schreiben gekommen ist und was die Leser in ihrem ersten phantastischen Roman erwartet:

Interview mit Heike Eva Schmidt

Was erwartet den Leser in “Purpurmond” – und wie würdest Du die Atmosphäre deines Romans beschreiben?

Es geht um die 17-jährige Caitlin, genannt Cat. Die ist neu nach Bamberg gezogen und wird von einer boshaften Mitschülerin bei einer Party im alten Hexengefängnis Bambergs eingesperrt. Dort findet Cat zufällig in einer Mauernische einen alten Halsreif und legt ihn sich neugierig um. Dumm nur, dass der Schmuck mit einem Fluch belegt ist und sie geradewegs in die Vergangenheit befördert – und zwar in die Zeit der Hexenverbrennungen 1630.

Zu allem Überfluss lässt sich der Kupferreif auch nicht mehr von ihrem Hals entfernen. Wären da nicht die kräuterkundige Dorothea und deren Bruder Jakob, der Cats Herz schneller schlagen lässt, würde sie wohl verzweifeln, vor allem, da der Halsreif sich immer enger zusammenzieht und sie zu töten droht, wenn Cat nicht schnell die Hexe findet, die den Schmuck mit einem Fluch belegt hat.

Die Atmosphäre ist durch das Thema „Hexenverfolgung“ zwar gruselig, aber es gibt auch ein – naja, eigentlich zwei herzzereißende Liebesgeschichten und Spannung pur. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz, denn Cat mit ihrem losen Mundwerk aus dem Jahr 2012 setzt sich bei ihrer Zeitreise ins 17. Jahrhundert natürlich mehr als einmal ordentlich in die Nesseln!

Was hat Dich zu dieser Geschichte inspiriert?

Meine Geburtsstadt Bamberg. Seit ich in der Schule ein Referat über die Hexenverfolgungen gehalten habe, hat mich dieses Thema nicht mehr losgelassen. Ich habe damals, obwohl ich schon längst den Schulstoff zusammen hatte, immer weiter im Bamberger Stadtarchiv recherchiert. Ich konnte nicht fassen, was damals Menschen – vor allem heilkundigen Frauen – angetan wurde. Aber auch Männer, selbst der Bamberger Bürgermeister Johannes Junius, fielen der Anklage zum Opfer – aus purer Willkür, Grausamkeit oder der Gier nach Macht und Geld.

Heike Eva Schmidt (c) privatMit dem Roman wollte ich von der Zeit der Hexenverbrennungen, diesem sehr düsteren und grausamen Zeitalter, einen Bogen zur Jetztzeit schlagen. Denunziation, Verrat, aber auch tiefe Freundschaft sowie eine eigentlich unmögliche Liebe sind ja Themen, die damals genau wie heute noch aktuell sein können. Das ist quasi die Botschaft des Romans. Und mich hat der Gedanke gereizt, ein Mädchen aus dem Jahr 2012 in die Vergangenheit zu schicken und sie auf diese Weise hautnah erleben zu lassen, wie das Leben damals war. Bei allem Drama entsteht daraus nämlich auch eine ziemliche Komik. Und ich muss gestehen, dass ich es einfach toll fand, meine Heldin durch die Zeit reisen zu lassen.

Verrätst du uns ein wenig über die Hauptfiguren des Buches?

Meine „Heldin“ Cat ist ein echtes Kind des 3. Jahrtausends. Sie versucht, ihre Schüchternheit als „Neue“ in der Klasse und ihre Verletzlichkeit hinter einer großen Klappe zu verbergen. Außerdem neigt sie dazu, erst zu reden – und dann zu denken. Damit und durch ihr – für damalige Verhältnisse völlig unangemessenes – Verhalten, tritt sie im Jahr 1630 häufig ins Fettnäpfchen. Andererseits ist sie ein durch und durch loyales Mädchen und hält zu ihrer neugewonnenen Freundin Dorothea, auch wenn beide in Gefahr laufen, diese Freundschaft mit dem Tod zu bezahlen. Dass sie sich in 1630 auch noch verliebt, macht die Sache für Cat nicht einfacher…

Dorothea dagegen ist ruhiger, erwachsener – weil die Mädchen im 17. Jahrhundert eben schon in diesem Alter oft auf sich gestellt waren. Trotzdem ist auch Dorothea „anders“ als die normalen Frauen damals: Sie ist nämlich ein Freigeist und will sich nicht vorschreiben lassen wen sie zu lieben hat – und heiraten will sie nur den Mann, den sie auch wirklich liebt. Für die damalige Zeit kein selbstverständliches Verhalten!

Gab es einen Moment beim Schreiben, an dem du das Buch am liebsten an die Wand geklatscht hättest?

Nein, gar nicht! Im Gegenteil – ich habe am Schluss alle möglichen Ausreden gefunden, um nicht die 10 letzten Seiten schreiben zu müssen. Ich mochte mich gar nicht von Cat, Dorothea und den anderen Figuren trennen, so sehr waren sie mir ans Herz gewachsen. Noch nie war die Wohnung so gründlich geputzt, alle Bücher im Regal sortiert und sogar der Keller aufgeräumt worden…  Aber irgendwann musste ich ran – und es ist mir richtig schwer gefallen, das Wort „Ende“ zu tippen, so traurig war ich.

Deine Hauptfigur Cat kann mit Hilfe eines verfluchten Halsreifs durch die Zeit reisen. Wenn Du – vielleicht mit weniger schrecklichen Nebenwirkungen wie bei Cat – durch die Zeit reisen könntest: In welches Jahrhundert würdest Du gern mal einen Ausflug machen?

Die 20-er Jahre! Und dann unbedingt nach Paris! Mich fasziniert dieses Zeitalter total: Abgesehen von dem tollen Kleiderstil war es eine Atmosphäre des künstlerischen Auf- und Umbruchs. Maler und Schriftsteller kreierten einen neuen Kunst-Stil, sie waren unglaublich kreativ, aber auch „partywütig“. Die Aussicht, Hemingway, Dali, den Filmemacher Bunuel aber auch die legendäre Verlegerin und Schriftstellerin Gertrude Stein persönlich zu treffen, wäre für mich nicht zu toppen! Und ich würde wahrscheinlich mit einem ganzen Kleiderschrank voller 20-Jahre-Klamotten in meine Zeit zurückkehren!

Wie kommt es, dass eine Schulpsychologin einen Fantasy-Roman schreibt, oder anders gefragt: Wann – und wie – hast Du festgestellt, dass Du Schriftstellerin werden wolltest?

SchlehenherzSchriftstellerin wollte ich eigentlich schon mit 6 Jahren werden, das hat mir mein Vater neulich erst wieder erzählt. Aber ich habe mich nie so recht getraut, meine Geschichten „öffentlich“ zu machen. Also dachte ich, gehe ich den sicheren Weg und studiere was Ordentliches. Aber Pustekuchen – das Psychologiestudium war zwar sehr interessant – aber irgendwie war ich nur glücklich, wenn ich kreativ sein und schreiben konnte. Also habe ich mich nach meinem Abschluss erst dem Journalismus verschrieben, dann erhielt ich ein Stipendium an der Drehbuchwerkstatt München und nach einigen Jahren als Drehbuchautorin hatte ich endlich den Mut, bestärkt durch meine wunderbare Literaturagentin, den Verlagen meine Bücher anzubieten. So hat sich nun für mich ein langgehegter Kindheitstraum erfüllt.

Seit 2007 schreibst Du Drehbücher und Outlines für Fernsehserien. Inwiefern wirkt sich Deine Erfahrung daraus auf Deine Arbeit als Romanautorin aus?

Die Erfahrungen, die ich beim Drehbuchschreiben sammeln konnte, waren sehr hilfreich und wichtig für meine Romane. Spannung aufbauen und halten, Charaktere entwickeln und die Dramaturgie im Allgemeinen sind sowohl im Drehbuch als auch im Roman ja essenziell. Auch bei den Dialogen der Figuren und wie verschieden die einzelnen Charaktere nicht nur sind, sondern auch sprechen, kam mir die Erfahrung aus der Arbeit beim Film sehr zugute. Ich habe also alles in allem sehr gutes Handwerkszeug aus meiner Drehbucharbeit fürs Romaneschreiben „mitnehmen“ können.

Worum ging es in der ersten Geschichte, die du je geschrieben hast?

Es war eine Kurzgeschichte – im wahrsten Sinn des Wortes. Sie bestand nämlich nur aus einem Satz: „Ein Ferd mus fersorgt werden“. Man sehe mir nach, dass ich damals erst fünf Jahre alt war und meine dramaturgische Fähigkeit noch nicht sehr ausgeprägt waren …

Dein Roman spielt im heutigen und im historischen Bamberg. Wie viel Recherche war nötig, um den Romanschauplätzen ein authentisches Feeling zu verleihen – und wie sah diese aus?

Die Schauplätze, an denen „Purpurmond“ spielt, musste ich nicht recherchieren: Da ich bis nach dem Studium in Bamberg gelebt habe, kannte ich natürlich die Orte wie meine Westentasche. Viel von den historischen Fakten war mir aus meinen o.g. Referaten für die Schule noch im Gedächtnis, aber natürlich habe ich im Internet und auch in der Bamberger Universitätsbibliothek nochmals gründlich in alten Aufzeichnungen und Büchern geforscht.

Ich bin mit meinen Rechercheanfragen auf sehr viel Hilfsbereitschaft gestoßen, so haben mir u.a. zwei Historiker und eine Kostümforscherin geholfen, die damaligen Gepflogenheiten besser kennenzulernen. Ob Fragen nach dem Kleidungsstil, dem alten Bamberger Stadtplan von 1600 oder der Einrichtung und Bauweise der Häuser – ich habe sehr viele wichtige und hilfreiche Antworten bekommen, aber auch viele Stunden in Museumsbibliotheken, Stadtarchiven und Staatsbibliotheken zugebracht…

Hast du irgendwelche seltsamen Angewohnheiten beim Schreiben?

Amerika liegt im OstenIch setze mich am Morgen an den Rechner und nehme mir fest vor, sofort mit dem Schreiben anzufangen. Doch dann muss ich erstmal alle möglichen Nachrichten im Internet ansehen (man will ja informiert sein). Danach fühle ich mich schlecht und undiszipliniert und rufe eine gute Freundin an, die mich diesbezüglich aufbauen muss. Natürlich gibt es dann immer noch unheimlich viel zu bereden. Dann brauche ich erst mal einen Kaffee. Der macht mich hungrig. Danach fühle ich mich träge und faul und gehe erstmal zu Yoga. Irgendwann um 16 Uhr setze ich mich dann endlich doch auf den Hosenboden – und auf einmal läuft’s mit dem Schreiben. Ich glaube, ich bin einfach eher der Typ „Eule“, der ziemlich spät erst in die Hufe kommt, dafür dann aber die halbe Nacht in die Tasten haut…!

Aber: ohne Schokolade geht gar nichts! Sonst ist mein armes Hirn unterzuckert und ich kann keinen einzigen Satz schreiben!

Wenn Du eine fiktiven oder historischen Figur Deiner Wahl auf einen Kaffee treffen könntest, für wen würdest Du Dich entscheiden und warum?

Franz Marc und die Künstlergruppe „Der blaue Reiter“, um ihn herum. Ich finde Marcs Bilder einfach wunderschön, sie berühren mich auf einer Ebene, die ich rational gar nicht begründen kann. Vielleicht sind es diese leuchtenden Farben und die Absolutheit, mit der er gemalt hat. Zu gerne würde ich ihn um eine kleine Skizze eines seiner blauen Pferde bitten 🙂

Woran arbeitest Du gerade?

An meinem neuen Thriller, der im Frühjahr 2013 erscheint und parallel am Prolog meines neuen Fantasyromans, der im darauffolgenden Herbst herauskommen wird. Und ich weiß schon jetzt, dass ich mich genauso schwer von meinen neuen Figuren trennen werde, wie es bei „Purpurmond“ der Fall war!

Vielen Dank!

Die Website von Heike Eva Schmidt findet ihr: hier!

„Purpurmond“ bei Amazon bestellen: hier!

Eine Leseprobe findet ihr auf der Website des Verlags!

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3 Comments »

  1. Und wieder so ein schönes Interview! Danke schön!

    Das Buch hab ich auch noch im Hinterkopf abgespeichert, mal sehen, ob ichs mir ertauschen kann 🙂

    Liebe Grüße
    Bine II

    Comment by Bine II — 29. Mai 2012 @ 08:51

  2. Danke dafür!

    Comment by Schimmel entfernen — 24. März 2013 @ 02:56

  3. […] Interview mit der Autorin aus dem letzten Jahr gibt es hier! Tags: 80er Jahre, Die gestohlene Zeit, Heike Eva Schmidt, Knaur, Laurin, Mittelalter, Purpurmond, […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Liebe Heike: Hast du ein Zeitproblem?Auf ein Wort mit Heike Eva Schmidt | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 18. Oktober 2013 @ 12:01

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