Darkstars Fantasy News


7. Juli 2012

George R. R. Martin: Der Sohn des Greifen
Das Lied von Eis und Feuer (Band 9)

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 12:00

Der Sohn des GreifenDer Kampf um den Eisernen Thron dauert unvermindert an:

Während sich in Westeros weiterhin unterschiedliche Adelshäuser im Kampf um die Krone bekriegen, kämpft Daenerys Targaryen jenseits des Meeres darum, die Herrschaft über die Sklavenbucht, die sie erst vor kurzem erobert hat, nicht zu verlieren. Die reichen Bürger der Stadt Meeren sind von ihrer Politik, die Sklaverei abzuschaffen, wenig begeistert und aufständige Rebellen ziehen mordend durch die Straßen. Hinzu kommt, dass ihre Drachen immer größer und damit immer schwerer zu kontrollieren werden. Als der jungen Königin das Gerücht zu Ohren kommt, ihre Drachen haben ein Kind gerissen, weiß sie, dass sie zu drastischen Maßnahmen greifen muss, um die wunderschönen Bestien zu zähmen.

Ebenfalls mit politischen Herausforderungen zu kämpfen hat Jon Schnee, neuer Kommandant der Nachtwache. Es fällt ihm sichtlich schwer, sich in seine neue Rolle einzufügen und zu lernen, wie er nun mit seinen einstigen Freunden umgehen soll. Zudem verlangt Stannis Baratheon, der sich mit der Priesterin Melisandra an die Mauer zurückgezogen und die Wildlinge von jenseits der Mauer zu unterjochen gedenkt, die Unterstützung der Nachtwache, die sich eigentlich politisch neutral verhalten sollte.

Tyrion Lennister hingegen, der sich nach dem Mord an seinem eigenen Vater auf der Flucht befindet, macht sich auf die Suche nach Daenerys. Er ist einer von mehreren Männern, die sich auf den Weg zur Königin jenseits des Meeres, unter ihnen ein Prinz aus aus Dorne, der ihr seine Unterstützung anbieten will, und der Sohn des Greifen …

Hat sich das jahrelange Warten gelohnt?

Zunächst einmal das Positive: Abgesehen davon, dass es erfreulich ist, dass es endlich weitergeht mit George R. R. Martins großem Epos, ist der neue Band optisch ein kleiner Hingucker. Obwohl er nicht bei Blanvalet, sondern bei Penhaligon erscheint, passt sich das Buch layouttechnisch komplett an die Neuauflage an, was sich im Regal sehr schön macht. Auch die Gestaltung des Buches selbst und die sepiafarbene Karte von Westeros im Inneren fallen positiv auf. Und, um es gleich vorweg zu nehmen, der eine oder andere Moment im Buch hat mir wirklich gut gefallen. Einige wenige Handlungsstränge (z. B. der von Bran) machen endlich einen (kleinen) Schritt nach Vorne. Das war’s dann aber auch leider schon mit den gelungenen Punkten.

Ist die Übersetzung wirklich so schlecht?

Viel wird im Internet die Übersetzung beklagt, die das Buch angeblich ruiniert. In diesen Trauergesang kann ich mich nicht einreihen; ich fand die Übersetzung nicht sonderlich geschliffen, aber auch nicht wesentlich schlechter als vieles anderes, was es derzeit auf dem Buchmarkt gibt. Ein paar Schnitzer sind vorhanden, da hätte das Lektorat sorgfältiger sein können. Und zugegeben, einige eingedeutschte Namen muten etwas seltsam an (warum wird aus Byron im Deutschen Beyron oder aus Dudley ein Daniel?), aber beim Lesefluss hat mich das nicht wirklich gestört.

Dass das Buch beklagenswert ist, hat George R. R. Martin schon ganz allein geschafft:

War es im Vorgängerroman zumindest nur Brienne, die planlos durch die Lande ritt, so irren hier eine Vielzahl der Charaktere ziel- oder zumindest trostlos durch die Gegend. Sie bewegen sich von Punkt A nach B, ohne dass die eigentliche Handlung voranschreitet und verströmen gähnende Langeweile. Statt über etwas interessantes zu berichten, ergehen sich die Figuren in Gedankenkonstrukte und der Autor in ausführliche Beschreibungen der Personen, des Essens, das sie zu sich nehmen und ähnliches. Das trifft leider sogar (oder vor allem?) auf Fan-Favorites wie etwa Tyrion Lennister zu.

Die Reisen seiner Figuren stehen fatalerweise sinnbildlich für das Problem, mit dem der Autor selbst zu kämpfen hat: Anstatt seinem Millionenpublikum eine dichte Story zu bieten und sich aus der offensichtlichen Sackgasse herauszuschreiben, in die er sich plotmäßig augenscheinlich begeben hat, versucht Martin, sich durch neue Point of View-Charaktere zu retten. Ein Vorhaben, das von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist. Denn dadurch präsentiert er neue Figuren, für die der Leser sich (noch) nicht interessiert, ignoriert aber die geliebten Charaktere, die er über mehrere Bücher großartig aufgebaut hat.

Erschwerend hinzu kommt, dass das Buch ungefähr zeitgleich mit den beiden vorangehenden Romanen spielt, auch wenn das Geschehen nun aus der Sicht anderer Personen geschildert wird. So kommt es, dass Ereignisse, die für den Leser bereits lange stattgefunden haben, noch einmal aufgegriffen und durchgekaut werden und es zudem anfangs schwer fällt, sich in der komplexen Story zurecht zu finden, weil ab und an nicht klar ist, wer jetzt was genau schon weiß und was nicht.

Der Sohn des Greifen“ wird zu einer harten Geduldsprobe; die einzelnen Geschichten der jeweiligen Charakter hätten in wesentlich weniger Kapiteln erzählt werden können, die dann auch dichter gewesen wären. Insofern verstehe ich die Notwendigkeit von Martin nicht, aus „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ zwei Bücher zu machen. Statt zwei (auf Deutsch sogar vier) mittelmäßigen bis langweiligen Büchern hätte er ein (bzw. zwei) spannende machen können.

Fazit:

Was soll’s: Wer dem Lied von Eis und Feuer verfallen ist, kommt auch an diesem Buch nicht vorbei. Die Hoffnung des Lesers stirbt zuletzt und so oder so ist man bereit, sich durch das Buch zu quälen, weil man wissen will, wie die Geschichte weiter- und vor allem ausgeht. Immerhin präsentiert der Autor einige wirklich klasse Momente, die an den alten Glanz der Reihe erinnern und einem das Gefühl vermitteln, dass noch nicht alles verloren ist. Jetzt heißt es, sich durchbeißen, die Flaute zu überstehen, bis George R. R. Martin storytechnisch das Tempo wieder anzieht.

Müsste man es für sich stehend betrachten, ist ihm mit „Der Sohn des Greifen“ weder eine würdige Fortsetzung der ersten Bände, noch ein gutes Buch gelungen. Als Teil einer Serie bringt es die Haupthandlung nur schleppend voran und glänzt nur in seltenen Momenten. Bleibt zu hoffen, dass „Ein Tanz mit Drachen“ besser ist als die erste Hälfte des US-Originals, die hier vorliegt.

Fakten:

Titel: Der Sohn des Greifen
Autorin: George R. R. Martin
Originaltitel: A Dance With Dragons (1. Hälfte)
Reihe: Das Lied von Eis und Feuer (Band 9)
Übersetzung: Andreas Helweg
Aufmachung: 830 Seiten, Taschenbuch mit Klappbroschur
Verlag: Penhaligon
Preis: 16,00 €

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6 Comments »

  1. Ich hätte es nicht besser beschreiben können!

    Comment by Shae — 8. Juli 2012 @ 09:38

  2. Wie schön, dass du das ähnlich siehst und das zugibst. Auf Amazon wimmelt es ja von Rezensionen, die das Buch in den Himmel loben (und allenfalls die Übersetzung bemängeln). Ich frage mich, ob sie den gleichen Roman gelesen haben?

    Es hat mir weh getan, die Kritik so harsch zu äußern, da ich die Serie so gern mag; aber es war halt leider, wie es war.

    Comment by Darkstar — 8. Juli 2012 @ 13:38

  3. Ich liebe die Serie auch, war aber ziemlich enttäuscht vom neuen Band. Ich hoffe nur, dass sich GRRM wieder fängt und das nächste Buch wieder richtig gut wird – wie die ersten Bände.

    Comment by Shae — 8. Juli 2012 @ 22:35

  4. Kommentar von Blanvalet zu den bemängelten Tippfehlern:

    „Leider ist in der Korrekturphase bei diesem Buch ein Malheur passiert. Es ist für unseren Verlag sehr unangenehm, dass das bei einem so wichtigen Epos passiert ist, aber wir können es für die ausgelieferten Bücher leider nicht rückgängig machen – so gern wir das täten, da es uns selbst sehr ärgert und peinlich ist.

    Unser Lektorat korrigiert das gesamte Buch komplett neu, um somit zumindest bei den Nachauflagen die Qualität zu liefern, die wir gewohnt sind und die unsere Leser auch erwarten dürfen.“

    Comment by Darkstar — 15. Juli 2012 @ 13:16

  5. Naja, es sind ganz klar nicht nur Tippfehler in diesem Buch. Dass es mal Buchstabendreher oder (wie hier zuhaus) vergessene Anführungszeichen gibt, ist ärgerlich, kann aber mal vorkommen und wird auch irgendwie verziehen.
    Aber sinnentstellende Fehler, die einfach dadurch entstehen, dass anscheinend überhaupt niemand dieses Buch gelesen hat, bevor es in Druck ging… Das geht einfach nicht. Vor allem nicht bei einem riesigen Verlag wie Penhaligon, der unterm Dach von Randomhouse wohnt.
    „Hungrige Kinder mit aufgelähten Bäumen gingen an ihr vorbei…“ Ich tippe hier auf „Bäuche“ statt Bäume.
    „Die Mutter musste dem Vater versprechen, dass sie dem Jungen niemals erzählt, wer sein Junge ist…“. Ah ja.
    „Daeron, mit vierzehn der Dorne erobert hatte, …“

    Für solche Fehler braucht man nicht einmal einen Korrekturleser, ein Schülerpraktikant aus der achten Klasse schafft das auch ;)

    Comment by Carmen — 6. Oktober 2012 @ 14:03

  6. Und trotzdem liegts nicht an den Tippfehlern, dass das Buch selbst eher mäßig ist ,-)

    Comment by Darkstar — 8. Oktober 2012 @ 07:43

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