Darkstars Fantasy News


8. Oktober 2012

Interview mit T. (&) S. Orgel zu „Orks vs. Zwerge“

Category: Interviews – Darkstar – 07:30

Orks vs ZwergeMit dem neuen Hobbit-Film kehren im Winter die Halblinge und Zwerge Mittelerdes wieder auf die Kinoleinwand zurück – und neben zahlreichen Tolkien-Neuauflagen und Hobbit-Anthologien werden sich auch die sogenannten „Völkerromane“ wieder großer Beliebtheit erfreuen. Mit ihrem gemeinsamen Roman liefern die Brüder Tom und Stephan Orgel Nachschub – in „Orks vs. Zwerge“ prallen die beiden verfeindeten Völker in einer brachialen Schlacht aufeinander.

Ob sie in „Orks vs. Zwerge“ die von Tolkien geschaffenen Archetypen umarmen oder eher vermeiden, verraten die beiden im Interview:

Wenn ihr euer Buch mit drei Schlagworten beschreiben müsstet, welche wären das?

Tom: grim, gritty, Mistwetter

Stephan: Orks, vs. , Zwerge (was sonst?)

Dank Tolkien und auch den Peter Jackson-Verfilmungen haben viele Fantasy-Leser ganz bestimmte Bilder vor Augen, wenn es um Zwerge bzw. Orks geht. Entspricht eure Völker-Zeichnung diesem Bild?

Tom: Jein. Natürlich arbeiten wir mit den gängigen Bildern der beiden Völker (sonst hätten wir ja gleich neue erfinden können). Stereotypen und Klischees sorgen dafür, dass der Leser auf Liebgewordenes, Bekanntes trifft, sich also sich „zuhause“ fühlen kann. Für uns als Autoren hat das den Vorteil, dass wir nicht viel Zeit mit der Einführung von Rassen und Kulturen verbringen müssen, sondern gleich zur Geschichte kommen können. Aber wir gehen darüber hinaus.

Stephan: Da wir die Geschichte aus zwei entgegengesetzten Blickwinkeln geschrieben haben, wird man relativ schnell bemerken, dass viele der bemühten Klischees eben nur Schablonen sind, die den jeweils anderen übergestülpt werden, ob sie passen oder nicht. In „Wirklichkeit“  ist nicht jeder Zwerg ein bärbeißiger, trinkfester Axtschwinger und nicht jeder Ork eine blutrünstige, dumpfe Vernichtungsmaschine. Tom hatte in dem Zusammenhang letztens das Bild von den Indianern und den Siedlern im Wilden Westen gebracht. Das passt eigentlich ganz gut. Beide Seiten hatten sich im Recht gefühlt, aber die Wahrheit lag irgendwo dazwischen.

Stephan, der Titel und das Cover suggerieren eine sehr blutige, kampflastige Geschichte …

Stephan: Wenn zwei so kriegerische Völker wie Orks und Zwerge aufeinandertreffen, wird es zwangsläufig recht blutig zur Sache gehen. Aber natürlich beschreiben wir keine 500 Seiten lang das Kampfgeschehen. Das würde ja auch ziemlich schnell langweilig werden. Die Schlacht ist im Prinzip nur der Hintergrund für die Geschichten unserer Protagonisten, die sich im Chaos der belagerten Stadt irgendwann begegnen – aber davon abgesehen auch noch ganz andere Sorgen haben.

Verratet ihr uns bitte etwas über die Hauptfiguren eures Romans?

Tom: Auf Seite der Orks haben wir die Protagonisten Ragroth und Krendar. Ragroth ist ein alter, desillusionierter Orkveteran mit Hang zum Zynismus, für den der Krieg eben ein Job ist, bei dem es auf’s Überleben und persönlichen Gewinn ankommt. Krendar ist ein junger Ork auf seinem ersten Kriegszug. Er weiß noch nicht so recht, auf was er sich da eingelassen hat und träumt von Ruhm, Ehre und großen Taten.

Stephan: Die beiden wichtigsten Charaktere auf Zwergenseite sind Glond, der zum Tod verurteilt wurde, weil er aus der Schlacht geflohen ist, und Axt, die sich als Frau gegen einen Haufen dickschädliger Zwergenkrieger behaupten muss. Beide sind auf ihre Art ziemliche Außenseiter in einer von Clantraditionen geprägten Gesellschaft. Sie müssen sich also nicht nur mit Orks herumschlagen sondern gleichzeitig auch noch eine Menge dicker Bretter bohren.

Tom, in einem Interview zu „Steamtown“ hast Du vor ein paar Jahren gesagt: „Fantasy schon. Aber bitte nichts mit Elfen, Zwergen, Orks oder den sonstigen, üblichen Verdächtigen! Kann ich echt gerade nicht mehr sehen.“ Was hat Deine Meinung geändert?

Tom: Autsch. Alte Interviews sind wohl so eine Sache. *g* Aber im Grunde nichts. Die Aussage bezog sich lediglich auf dieses Projekt, das wir zusammen mit Kollege Carsten Steenbergen als 3-Autoren-Team in Angriff nehmen wollten. Damals hatten Stephan und ich gerade ein humoristisches Fantasymanuskript fertig geschrieben (es kam übrigens ein Zwerg darin vor, der sich weigerte, „Glond, die Axt“ genannt zu werden) und ich brauchte wohl dringend mal eine Pause.

Und nach unserem Ausflug ins pseudoviktorianische Steamtown hatten wir eben wieder Spaß an den klassischen Fantasygestalten.

Wie funktioniert das, wenn zwei Menschen ein Buch zusammen schreiben? Wie sieht eure Arbeitsteilung aus? Und was macht ihr, wenn ihr euch mal über ein Detail in der Geschichte nicht einig seid?

Stephan: Unser Motto könnte lauten: Vereint plotten, getrennt schreiben und uns dann wieder zusammenraufen.

Jedenfalls setzen wir uns normalerweise irgendwann mit einer Idee zusammen, basteln daraus eine grobe Geschichte und schlagen uns ein paar Wochen gegenseitig die Köpfe ein (meist telefonisch oder per Mail), bis etwas herausgekommen ist, das Hand und Fuß hat und in ein Exposé verpackt werden kann.

Meistens hat die Geschichte schon von vorneherein mindestens zwei größere Handlungsstränge von denen sich dann jeder einen vornimmt und sozusagen mit Leben füllt. Solange sich die Handlungen nicht direkt überschneiden, haben wir relativ viele Freiheiten beim Schreiben. Erst wenn die Geschichten zusammengeführt werden, wird es wieder kniffliger und es ist hektische Telefoniererei angesagt.

Tom: Stimmt. In diesen Bereichen gingen die Szenen schon mal 10 mal per mail hin und her, bis sie ineinander gefügt waren, da der eine die Reaktionen und Aktionen der anderen Partei nur grob erraten konnte. Der zweite hat dann seinen Blickwinkel eingefügt, der andere das wiederum mit den Reaktionen seiner Protagonisten abgeglichen und so weiter. Da wurde dann auch schon mal über Details gestritten.

Ansonsten ist der wichtigste Punkt wohl das Timing der Erzählstränge, damit an den festgelegten Punkten alle Leute auf ihren Positionen stehen. Hier haben wir bis zum Schluss an Wegstrecken, an Zeit, die in und zwischen Szenen vergeht und an Details, die beide Stränge betreffen (Tageszeit, Wetter, Sichtverhältnisse, etc.) gefeilt. Das hat aber den unschlagbaren Vorteil, dass das Manuskript, als es fertig war, schon von zwei Leuten mehrfach gegengelesen und überarbeitet war.

Worldbuilding oder Charakterentwicklung – was haltet ihr für wichtiger? Und was macht euch mehr Spaß?

Tom: Ich bin ein geheilter Worldbuilder. Was für diesen Roman gar nicht schlecht war, denn wir konnten auf einen großen Haufen schon fertiger Vorarbeit aus Rollenspielzeiten zurückgreifen, von Rassenbeschreibungen bis hin zu Karten. Aber inzwischen ist mir das Erschaffen markanter Charaktere deutlich wichtiger. Eine Welt entsteht beim Schreiben meist ohnehin von selbst.

Stephan: Worldbuilding war noch nie so mein Fall, Charaktere sind für mich eindeutig die interessantere Sache. Wie Tom schon sagte, entsteht die Welt beim Schreiben meist von selbst. Da berichtet z.B. ein Zwerg von seinem Geburtsort Ebenfurth weiter flußabwärts, das ein ziemlich schlammiges Dreckloch ist und schon ist eine neue Stadt entstanden.

Da wir meistens aus der Sichtweise unserer Charaktere schreiben, kann man Unstimmigkeiten in deren Aussagen später auf mangelnde geografische Kenntnisse oder schlicht zuviel Alkohol schieben (klar muss man dabei aber auch aufpassen, dass man sich nicht verzettelt. Es bleibt also nicht aus, dass man solche Aussagen sammelt und daraus irgendwann auch eine objektiv logische Welt bastelt).

Ist „Orks vs Zwerge“ der Auftakt einer Reihe? Woran arbeitet ihr gerade?

Stephan: Gerade eben haben wir eine nicht ganz vegetarische Kurzgeschichte für „Die Köche II“ aus dem Ulrich Burger Verlag fertig geschrieben. Das zugrundeliegende Kochrezept ist garantiert kampferprobt.

Tom: Und im Moment arbeiten wir wieder an einem Fantasyroman, den wir zugunsten von OvZ zurückgestellt hatten. Er dreht sich um eine Söldnertruppe und eine große Verschwörung und kommt (fast) ohne Zwerge und Orks aus. Wann genau er erscheinen wird, können wir aber noch nicht sagen – aber ebenfalls bei Heyne. Ob aus OvZ tatsächlich eine Reihe wird, steht noch nicht fest. Wenn es den Lesern gefällt – wir haben auf jeden Fall noch mehr als genug Ideen, was wir mit unseren Orks und Zwergen anstellen könnten.

Vielen Dank!

Den Autorenblog von T. S. Orgel findet ihr hier!

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4 Comments »

  1. […] plötzlich wieder überflutet wird mit Völkerromanen. Heyne schickt neben T. S. Orgels “Orks vs. Zwerge” und Bernhard Hennens “Drachenelfen” noch einen weiteren Roman in’s Rennen: […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Trolle, Drachen, ZwergeChristoph Hardebuschs Troll-Saga geht in die vierte Runde | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 14. November 2012 @ 17:00

  2. Stimmt genau. Es kommt viel Altbekanntes auf den Markt. Zeit wird es mal für ganz neue Ideen. „Iron Sky“ hat im Bereich Film von der Idee her für neue Elemente gesorgt, jedoch bei der Umsetzung noch einiges an Luft nach oben gelassen. Im Fantasiereich ist „Mission Herodes“ von Patzrick R. Ullrich ein ganz klarer Anwärter auf meinen persönlichen „Preis für Neubelebung des Genre“. Man fühlt sich unter den bekannten Völkern wohl, und wird auf ganz neue Pfade geführt, die mit einem wirklichen „Finale Grande“ enden.

    Comment by Bensonmam — 13. März 2013 @ 23:15

  3. […] Interview mit Tom & Stephan Orgel zum Buch gibt’s hier! Tags: Blogtour, Orks vs. Zwerge, T.S. Orgel, Völkerroman, Werkstattbericht « Interview mit […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Orks vs Zwerge BlogtourWerkstattbericht von T. S. Orgel | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 29. Mai 2013 @ 12:01

  4. […] wurden unter anderem Tom & Stephan Orgel für ihr Debüt “Orks vs. Zwerge” ausgezeichnet und Arndt Drechsler wurde zum besten Künstler gekürt. Die “Nautilus – […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Deutscher Phantastik Preis verliehen | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 14. Oktober 2013 @ 20:56

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