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10. November 2012

Interview mit Janette Rallison

Category: Interviews – Darkstar – 16:16

FeensommerWer Märchen und Romantic Comedies liebt, kommt an Janette Rallisons „Echte Feen, falsche Prinzen“ nicht vorbei, denn die Autorin trifft damit voll ins Schwarze. Worum es in dem Buch geht, darüber habe ich hier bereits ausführlich berichtet. Nachdem im Sommer bei Arena die in sich abgeschlossene Fortsetzung „Feensommer – Dreimal verwünscht, verliebt für immer“ erschienen ist, habe ich die Autorin um ein Interview gebeten. Darin erzählt sie u. a. was sie zu ihrer Buchreihe um Teenager, die ins Märchenmittelalter versetzt werden inspiriert hat und was das Verrückteste war, dass sie jemals erlebt hat.

Interview mit Janette Rallison

In „Echte Feen, falsche Prinzen“ durchlebte die Hauptfigur Savannah teilweise die Märchen Aschenputtel, Schneewittchen und einige andere. Was steht Tansy bevor, der Heldin deines zweiten Feenromans?

Da erneut Felicitas Everstar als nicht unbedingt kompetente Gute Fee involviert ist, könnt ihr davon ausgehen, dass die Dinge für Tansy nicht gerade wie geschmiert laufen. Durch ihre Wünsche bekommt sie es mit Robin Hood (der zwar sexy, aber nicht annähernd so gutherzig ist, wie ihn die Filme immer darstellen), König John (der genau so boshaft ist, wie ihn die Filme immer darstellen) und Rumpelstilzchen (dessen Motive in meinem Buch mehr Sinn machen als in der ursprünglichen Märchenvorlage) zu tun.

Inwiefern unterscheidet sich Tansy von Savannah?

Savannah ist im Grunde genommen ein glücklicher Teenager, der vermutlich nicht sein ganzes Potential ausschöpft, weil er die Schule als gesellschaftlichen Event sieht anstatt eines Platzes, um zu lernen. Ihr Leben verlief großartig bis zu dem Zeitpunkt, an dem ihr ihre eigene Schwester den festen Freund ausspannte. Tansy andererseits trägt eine große Last auf ihrer Schulter. Sie hat ihrem Vater nie dafür vergeben, sich von ihrer Mutter scheiden zu lassen und die Familie zu verlassen. Als sie deshalb zu ihm geschickt wird, um bei ihm zu leben, ist sie ziemlich unglücklich. Sie ist gut in der Schule, mal abgesehen von Englisch. Dort fällt sie absichtlich durch, um ihrem Vater eins auszuwischen.

Abgesehen davon haben aber beide Mädchen ein gutes Herz und lieben ihre Familien, trotz der ganzen Probleme.

Was hat Dich zu deinen Romanen um deine verkorkste Märchenfee inspiriert?

Ich wurde gebeten, etwas für die Kirchengruppe meiner Tochter zu schreiben. Das Thema war Märchen mit einem Twist. Ich schrieb ein Theaterstück über ein Mädchen, das seine Gute Fee um einen Prinzen bat und dann in Cinderella und Schneewittchen verwandelt wurde – was, wie ihr inzwischen wisst, nicht so viel Spaß macht, wie es auf den ersten Blick erscheint, weil beide Rollen viel Hausarbeit verlangen.

Meine Tochter spielte die ursprüngliche Felicity Everstar. Ich hatte sie als extrem beschäftigte, überarbeitete Fee entworfen, aber meine Tochter spielte sie als oberflächlichen Feenteenager und so ist sie bis heute geblieben.

My Unfair GodmotherMir persönlich gefällt besonders, wie du in Deinen Büchern Märchendetails auseinandernimmst, wie zum Beispiel Deine Erklärung, dass es tiefer Winter war, als Schneewittchen der Apfel angeboten wird, weil sie diesen sonst nicht so verlockend gefunden hätte. Du scheinst Dir sehr viele Gedanken darüber gemacht zu haben. Bist Du selbst Märchenfan?

Als Kind liebte ich Märchen. Wenn mich Erwachsene fragten, was ich sein wollte, wenn ich groß bin, antwortete ich immer „Prinzessin“. Ich bin immer noch etwas traurig darüber, dass aus dieser Karriereplanung nichts geworden ist. Ich könnte eine Tiara gebrauchen.

Zudem bin ich jene Art Person, der es wichtig ist, dass eine Geschichte Sinn macht. Ich habe mich immer gefragt, warum Schneewittchen so dämlich war, was die Geschenke der bösen Königin anging. Ich musste Gründe für Schneewittchens Handlungen finden – der Größte davon ist, dass sie nicht gerade die Hellste ist.

Hast Du ein Lieblingsmärchen?

Das ist schwierig zu beantworten, weil ich so viele Märchen mag. Ich liebe die Moral in „Die Schöne und das Biest“, das Geheimnisvolle in „Die Zertanzten Schuhe“ und die Moral von „Die Prinzessin auf der Erbse“. (Ich brauche eine komfortable Matratze, um gut schlafen zu können. Das beweißt, dass ich insgeheim eine Prinzessin bin).

Wenn ich mich aber für ein einziges Märchen entscheiden müsste, dann wäre das „Cinderella“. Ich mag den Gedanken, dass, wenn jemand gutherzig ist und hart arbeitet, er auf den Ball gehen und den Prinzen heiraten darf.

Deine ganzen Analysen könnten Dir auch dabei helfen, eine tatsächliche Märchennacherzählung zu schreiben.

My Fair GodmotherEs ist lustig: Während ich „Echte Feen, Falsche Prinzen“ schrieb, bekam ich eine Idee für eine Romanversion von Cinderella, und als ich „Feensommer – Dreimal verwünscht, verliebt für immer“ schreib, bekam ich eine Idee für eine Rumpelstilzchen-Romanadaption.

Aber ich habe gerade so viel mit anderen Büchern zu tun (ich schreibe auch unter dem Pseudonym C. J. Hill), dass ich noch nicht dazu gekommen bin, eines dieser potentiellen Büchern zu schreiben. Aber ich will das eines Tages tun.

Und wie sieht es mit einem dritten Roman über Felicitas Everstar aus?

Ich habe noch nicht mit der Arbeit daran begonnen, aber ich habe über den Plot bereits nachgedacht und arbeite ihn gerade aus. Hoffentlich beginne ich mit dem Schreiben noch Ende diesen Jahres. Das mag sich noch ändern, aber derzeit plane ich, darin „Die Kleine Meerjungfrau“ und „Die Zertanzten Schuhe“ zu verwenden.

Märchen sind in der TV- und Filmindustrie momentan total in. Mit „Grimm“ und „Once Upon A Time“ laufen gleich zwei Märchen-Serien parallel im Hauptprogramm und im Sommer hatten wir nicht nur ein, sondern gleich zwei Schneewittchen-Kinofilme. Woran liegt diese gestiegene Popularität derzeit deiner Meinung nach?

Mit Märchen sind wir vertraut. Die Leute kennen die Grundgeschichten bereits und mögen sie. Dadurch bekommt man leichter ein Publikum. Aber es ist auch schwerer, eine gute Geschichte zu schreiben. Man muss sich innerhalb der etablierten Parameter der Geschichte bewegen, aber man muss sie auch andersartig genug gestalten, so dass sie sich für das Publikum frisch und interessant anfühlt.

Ich glaube wirklich „Echte Feen, falsche Prinzen“ würde eine tolle Hollywood-Comedy-Romanze abgeben. Bestehen da Chancen?

Derzeit gibt es keine Pläne, aber wer weiß. Vielleicht will Hollywood eines Tages Felicitas auf die Leinwand zaubern.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Tatsächlich begann ich mit dem Geschichtenschreiben bereits, bevor ich lesen konnte. Ich diktierte sie meinen Eltern und später meinem älteren Bruder, als meine Eltern auf diesen Job keine Lust mehr hatten. Unglücklicherweise verkannte mein Bruder das Genie in mir. Ich sagte z. B. zu ihm: „Mary ging in die Küche“ und er schrieb „Janette ist eine Iditotin“.

Meine Lehrer in der Schule erzählten mir immer, dass ich Talent fürs Schreiben hätte. Vor einigen Jahren habe ich noch einmal das Romanmanuskript gelesen, das ich als Teenager geschrieben habe. Dabei habe ich festgestellt, dass meine Lehrer bezüglich ihres Lobes sehr nett waren. Gott sei Dank war mir das damals nicht bewusst und so übte ich weiter, bis ich irgendwann tatsächlich gut darin wurde.

Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag bei Dir aus?

Echte Feen, falsche PrinzenIch stehe auf, bringe meine jüngste Tochter in die Schule, höre mir Inspirations-Gespräche an, während ich die Küche putze und nehme mir vor, dass ich eine halbe Stunde lang darauf verwende, emails zu beantworten. Zwei Stunden später stelle ich fest, dass ich noch ganz schön viel Arbeit vor mir habe und ich schreibe, bis die Kinder von der Schule kommen. (Ich habe immer noch vier Kinder, die zu Hause leben).

Ich versuche, mit dem Schreiben aufzuhören, wenn sie von der Schule kommen, und dann nur noch Mutter zu sein. Wenn ich eine Deadline halten muss, bleibe ich oft, so lang ich kann, im Schlafzimmer und arbeite. In letzter Zeit schreibe ich auch am frühen Morgen.
Hast Du irgendwelche seltsamen Angewohnheiten beim Schreiben?

Mir fällt gerade nichts Seltsames ein. Ich hatte mich daran gewöhnt, zu allen möglichen Hintergrundgeräuschen zu arbeiten: Während meine Kinder Fussball spielen zum Beispiel. Mittlerweile brauche ich aber absolute Ruhe, wenn ich schreibe. Ich bin nicht mehr so gut darin, Ablenkungen auszublenden, wie ich es einmal war.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, in erster Linie für Jugendliche zu schreiben?

Ich habe Töchter, die das Lesen lieben und ich wollte die Art von Büchern schreiben, die sie gern lesen würden. Ich liebe das Genre zudem, weil Komödien hier gut funktionieren. Teenager fühlen sich durch alles peinlich berührt. Zum Beispiel berührt es sie bereits peinlich, Eltern zu haben. Es ist völlig egal, dass auch ihre Freunde Eltern haben. Sie sind extrem geschockt, wenn es dir – ob im Einkaufszentrum, im Geschäft oder auf dem Schulparkplatz – herausrutscht, dass du ihre Mutter bist. Der absolute Horror! Die Schande ist überwältigend. Man kann also über Dinge schreiben wie über ein Mädchen, das im Einkaufszentrum einen BH kaufen will und ihre Mutter sie dabei erwischt. Es braucht nicht viel, daraus ein lustiges Szenario aufzubauen. Das würde in Komödien für Erwachsene Leser nicht funktionieren.

Und wie kam es dazu, dass Du dich in letzter Zeit dem phantastischen Genre zugewendet hast?

Ich habe Romane mit phantastischen Elementen schon immer geliebt.Tatsächlich wollte ich den Roman „Slayers“ (den ich unter dem Pseudonym C. J. Hill geschrieben habe) schon vor Jahren schreiben. Es geht um eine Gruppe Teenager, die Nachfahren von einer Gruppe Mittelalterlicher Ritter sind. Deshalb besitzen sie Superkräfte, mit denen Sie Drachen bekämpfen. Die Drachen kommen zurück in die Welt, und es handelt sich dabei nicht um freundliche Wesen. Sie sind von dem Schlag Drachen, der dich gerne fressen würde.

Ich lese regelmäßig Deinen Blog und ich mag es, wie Du über Deinen (Schreib-)Alltag berichtest. Wie kommt es, dass Du so lustig bist?

Man kann das Leben betrachten und sich von vielen Dingen stressen lassen, oder man lacht über sie. Ich glaube, es ist besser, darüber zu lachen. Deshalb versuche ich für gewöhnlich, den Humor in bestimmten Situationen zu erkennen.

Was war das Verrückteste, das Du jemals getan hast?

Als Teenager habe ich ein paar verrückte Sachen gemacht – und die meisten würde ich nicht weiter empfehlen. Ich erinnere mich, dass ich mich einmal vom Flughafen abholen ließ (ungefähr eineinhalb Stunden von mir entfernt) – von einem Typen, den ich kaum kannte. Noch viel verrückter war die Tatsache, dass es eine Winternacht war. Es schneite und das Auto hatte keine Heizung. Wir haben uns in Decken gehüllt und er hat auf das Amaturenbrett Kerzen gestellt, die das Eis der Windschutzscheibe schmelzen sollten, damit er sehen konnte, wohin er fuhr.

Wie ihr euch vorstellen könnt, erwärmen Kerzen die Windschutzscheibe nicht sonderlich, deshalb hatten wir nur ein paar Zentimeter Sicht. Das war einer der Momente, bei denen ich glaube, dass ich einen Schutzengel habe.

Wenn Du eine fiktive Figur – aus Deinen eigenen Romanen oder denen eines anderen – treffen könntest, wer wäre das und warum?

Eine interessante Frage. Ich würde gern Dumbledore treffen. Dann könnte ich ihm sagen, dass der Horcrux im „Halbblut-Prinzen“ eine Fälschung wäre. Das würde ihm nicht nur das Leben retten, sondern er wäre vermutlich so dankbar, dass er mir magische Fähigkeiten verleihen würde oder so was. Ich würde mich für einen Haus-Elfen entscheiden. So einen könnte ich echt gebrauchen.

Und wenn Felicitas vor Deiner Haustür stehen und Dir erzählen würde, Deine Gute Fee zu sein – was würdest Du Dir wünschen? Schließlich würde sie nicht gehen, ehe Du deine Wünsche äußerst.

Da ich Felicitas kenne, würde ich mir etwas wirklich, wirklich einfaches wünschen, wie etwa ein Stückchen Kuchen. Es würde selbst ihr schwer fallen, das zu versauen. Aber ich kenne mich, und vermutlich würde ich mir so etwas wünschen wie mehr Zeit zu haben und dann würde ich im Mittelalter landen. SlayersFeli liebt es, Leute dorthin zu schicken.

Erzähl uns bitte etwas über Dein aktuelles Projekt.

Derzeit arbeite ich an der Fortsetzung von „Slayers“. Meine Figuren kämpfen gegen die Männer des Gegners und einen Drachen. Ich musste sehr viel über Schusswaffen und Blendgranaten recherchieren und über die Baupläne des Weißen Hauses. Manchmal fürchte ich, dass das FBI sich über mich wundert und mich auf seine Beobachtungsliste setzt. Oh, die Opfer, die ein Autor für die Kunst bringt …

Vielen Dank!

Linktipps:

Exklusive Leseprobe zu „Echte Feen, falsche Prinzen“: hier!

Website von Janette Rallison: hier!
Blog von Janette Rallison: hier!
Website von C. J. Hill: hier!

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