Darkstars Fantasy News


9. März 2013

Marissa Meyer: The Lunar Chronicles (1) Cinder

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 14:32

Cinder (Lunar Chronicles #1)Dass Märchen aus dem fantastischen Es war einmal-Zeitalter in unsere Wirklichkeit geholt werden, ist mittlerweile ein gängiges Erfolgsrezept. US-Autorin Marissa Meyer geht sogar noch einen Schritt weiter: Ihr Aschenputtel ist ein als Mechanikerin arbeitender Cyborg im Teenager-Alter, der in einem fernöstlichen Kaiserreich aufgezogen wird, das von der Königin des Mondes mit Krieg bedroht wird. Rotkäppchens Großmutter arbeitete als Raumschiffpilotin für das französische Militär. Und ihr Rapunzel wird nicht in einem hohen Turm gefangen gehalten, sondern in einem Satelliten.

Der Auftaktband:

Cinder lebt als Mechanikerin bei ihrer Stiefmutter und ihren beiden Stiefschwestern in New Bejing. Ihr Stiefvater ist vor einigen Jahren gestorben und ihre Familie macht ihr das Leben nicht gerade leicht – sieht man einmal von Peonie ab, der jüngeren ihrer beiden Stiefschwestern, die zu Cinder ein herzliches Verhältnis pflegt. Sie begegnet Cinder nicht mit Abscheu und scheint vor ihren Cyborg-Implantaten nicht abgeschreckt. (Als Kind hat Cinder einen schrecklichen Unfall erlebt und konnte nur dadurch gerettet werden, dass man ihr künstliche Körperteile, Kabel und Gehirn-Chips einsetzte).

Ebenfalls Cinders Vertraute ist Iko, die Androidin, die den Haushalt führt und die ebenso wie Penoie von dem wunderhübschen Prinzen Ki schwärmt, der eines Tages den Kaiserthron des Östlichen Königreichs besteigen soll. Ausgerechnet dieser taucht zu Beginn des Romans inkognito an Cinders kleinem Marktstand auf, wo sie als Mechanikerin Geld für die Familie verdient. Er übergibt ihr einen kleinen Roboter mit der dringenden Bitte, diesen zu reparieren – und ist sichtlich von dem jungen Mädchen angetan, das vor ihm verborgen hält, dass es ein Cyborg ist. Ki ist darauf angewiesen, den Roboter möglichst schnell funktionstüchtig zurück zu erhalten, da er in ihm eine geheime Botschaft vermutet, die ihm beim Lösen seiner Probleme helfen könnte.

Und seine Probleme sind groß: In New Bejing wütet eine schreckliche Krankheit, die das Leben schon zahlreicher Menschen gekostet hat. Die verzweifelte Suche nach einem Gegenmittel verläuft erfolglos. Auch Kis Vater, der Kaiser, ist erkrankt. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt stellt Levanna, die Königin von Lunar, ein empörendes Ultimatum: Wenn Ki sie nicht heiratet und sie damit zu einer der mächtigsten Frauen der Erde macht, will sie mit ihren Truppen das Östliche Königreich mit Waffengewalt erobern und danach den Planeten mit Krieg überziehen. Und aufgrund der Fähigkeiten der Lunaraner, Menschen mittels Gedankenkontrolle zu beeinflussen, stehen die Chancen für die Menschen nicht gut.

Cinder ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ihr im Konflikt mit Luna eine Schlüsselrolle zugedacht ist …

Cinderella als turbulente Science Fiction-Version …

… zunächst war ich mir nicht sicher, ob das funktionieren kann. Aber bereits mit dem ersten Kapitel von „Cinder„, dem Auftaktband ihres Vierteilers, hatte mich Meyer am Haken. Das liegt vermutlich daran, dass sie erstens die Märchen, die sie zu den Romanen inspiriert haben, sehr gut kennt und es ihr dadurch gelingt, die ikonischen Momente verfremdet, aber sehr gelungen in die Geschichte einzubauen, sich zweitens das Science Fiction-Setting als wunderbar frisch und nicht aufdringlich gestaltet und sie drittens sehr süffig und unterhaltsam schreiben kann.

Was das Setting angeht, so geht Marissa Meyer nicht zu sehr in die Tiefe, sondern benutzt ihr Zukunftszenario als gelungenes Kolorit. Mir kam das sehr entgegen. Sie erzählt so lebhaft und munter, dass man gar nicht versucht ist, nach Logiklöchern in Plot oder Setting Ausschau zu halten, sondern einfach nur erfreut die Reise der höchst sympathischen Charaktere zu begleiten. Und auch, wenn der Leser so manche Plotwendung schnell durchschaut (Cinders wahre Identität, beispielsweise) und wenn sich die Autorin vom Verlauf der Originalgeschichten mitunter etwas weiter entfernt, so sind die Märchenwurzeln immer deutlich erkennbar: So fährt Cinder natürlich nicht in einer verzauberten Kürbis-Kutsche zum Ball, sondern in einem schrottreifen Auto, dass sie selbst heimlich wieder fahrtüchtig gemacht hat. Und auf den Stufen des Palastes verliert sie nicht etwa ihren Schuh, sondern gleich ihren Cyborg-Fuß. Trotz all der Freiheiten, die sich die Autorin erlaubt, ist die Saga eindeutig eine Fairy Tale-Fantasy!

Dass die Prinzessin von Lunar (dem Mond) Selene heißt, ist eine nette Referenz an Sailor Moon, auch wenn der Name natürlich in beiden Fällen auf die griechische Göttin des Mondes zurückgeht. Marissa Meyer bekennt, dass sie ein großer Anime- und Sailor Moon-Fan ist und über das Verfassen von Fanfictions zum Schreiben gekommen ist. Auch wenn in ihren „Lunar Chronicles“ diese Liebe erkennbar ist, ist es Meyer gelungen, eine eigene Geschichte nicht nur gelungen zu konstruieren, sondern auch höchst unterhaltsam zu erzählen.

Auch für Fairy Tale-Fantasy-Fans, die bereits viel gelesen haben, sind die „Lunar Chronicles“ eine Offenbarung!

Das Buch bei Amazon bestellen: Kindle oder Print!

Morgen geht ein Interview mit Marissa Meyer bei mir online!

2 Comments »

  1. […] Meyers Lunar Chronicles, in der sie alte Märchenplots in ein SciFi-Setting umlagert. Nach “Cinder” (Aschenputtel) und “Scarlet” (Rotkäppchen) erscheint im kommenden Februar im […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Titelbild & Verlagsbeschreibung von Cress | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 1. September 2013 @ 20:02

  2. […] Deutschland sind ihre ungewöhnlichen SciFi-Märchenromane “Cinder” und “Scarlet” noch gar nicht erschienen. Auf ihrem Blog verrät Marissa Meyer […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Marissa Meyer schreibt über die Herzkönigin | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 3. Oktober 2013 @ 11:00

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