Darkstars Fantasy News


9. März 2013

Marissa Meyer: The Lunar Chronicles (2) Scarlet

Category: Hörbücher,Rezensionen – Darkstar – 15:15

Scarlet (Lunar Chronicles 2)Ein Mädchen mit einem roten Hoodie, eine verschwundene Großmutter, ein Straßenkämpfer namens Wolf – und eine Alien-Prinzessin, die mit einem selbstverliebten Raumschiff-Dieb aus dem Gefängnis flieht – die „Lunar Chronicles“ gehen weiter (Achtung, Spoiler!):

Nach der Eskalation auf dem Ball des Prinzen wurde Cinder als Verräterin ins Gefängnis von New Bejing geworfen. Levanna, die Königin von Lunar, verlangt ihre Auslieferung. Sie ahnt nicht, dass sie damit jenes Mädchen in ihre Gewalt bekommen würde, nachdem sie jahrelang hat suchen lassen! Denn Cinder ist in Wirklichkeit ihre Nichte Selene, die wahre Thronerbin von Luna, die vor Jahren das Attentat auf ihre Familie überlebt hat und auf der Erde versteckt wurde. Cinder kennt erst seit kurzem ihre eigentliche Identität und weiß, sie muss dem Gefängnis entkommen, ehe der Kaiser sie an Levanna übergibt. Gemeinsam mit dem draufgängerischen Mitgefangenen Caswell Thornton, der nur wenig älter ist als sie selbst und sich sehr selbstgefällig gibt, gelingt ihr die Flucht aus den kaiserlichen Verliesen und zu Thorntons vom amerikanischen Militär gestohlenen Raumschiff. Ohne sich ihm zu offenbaren, überzeugt sie ihn, mit ihr nach einer Frau zu suchen, die ihr mehr über ihre eigene Vergangenheit verraten könnte: Michelle Benoit aus Frankreich.

Cinder ahnt nicht, dass die ehemalige Militärfliegerin vor wenigen Wochen spurlos verschwunden ist. Zurückgeblieben ist nur ihr ID-Chip, die Polizei hat die Suche nach ihr bereits aufgegeben und glaubt an Selbstmord. Eine Meinung, die Michelles Enkelin Scarlet nicht teilt. Sie ist davon überzeugt, dass ihre Großmutter Opfer eines Verbrechens wurde, auch wenn sie keine Ahnung hat, wer an ihr interessiert sein könnte – und warum.

In ihrer Verzweiflung nimmt sie die Hilfe des mysteriösen, aber charismatischen Straßenkämpfers Wolf an, der ihr verspricht, ihr bei der Suche nach ihrer Großmutter behilflich zu sein …

Wenn sich Aschenputtel auf die Suche nach Rotkäppchen macht …

Mit „Scarlet“ setzt Marissa Meyer ihre auf vier Teile angelegte Science Fiction meets Fairy Tale-Saga fort. Obwohl Cinder und ihr Storystrang fortgeführt werden, führt die Autorin mit Scarlet eine weitere Heldin ein, aus deren Sicht etwas mehr als die Hälfte des Romans geschildert werden. Scarlet ist eine junge Französin, die gemeinsam mit ihrer Großmutter auf einem Bauernhof lebt und sich ihre Brötchen durch den Verkauf von Gemüse verdient – zumindest, bis die geliebte Großmutter spurlos verschwindet. Da Scarlet ein echter Heißsporn ist, stürzt sie sich schnell kopflos in eine Suche, die lebensgefährlich zu werden droht. Denn Scarlets Großmutter hütet ein gefährliches Geheimnis – ebenso wie Scarlets mysteriöser Weggefährte Wolf. Zu Aschenputtel gesellt sich also Rotkäppchen, und auch, wenn Scarlets Storyline nicht ganz so viel Spaß macht wie die Cinders, so wiederholt Marissa Meyer das Kunststück des ersten Bandes:

All die ikonischen Momente der Märchenvorlge sind in „Scarlet“ vorhanden, wenn auch teils in stark verfremdeter Form: Scarlets Reise durch den Wald abseits des Weges; das Aufeinandertreffen von Wolf und Jäger (clever gelungen: Hunter ist der Name eines anderen Straßenkämpfers, mit dem Wolf sich anlegt) sowie die Szene, in der Rotkäppchen glaubt, ihre Großmutter vor sich zu haben, aber durch einen Verräter getäuscht wird – all diese Momente spielen auch in „Scarlet“ eine Rolle. Vor allem die letztgenannte Szene, die im Märchen bei genauerem Nachdenken Fragen aufwirft – wie kann die Enkelin den Wolf im Schafspelz nicht erkennen?! – ist hier wunderbar und absolut glaubhaft gelöst.

Schön ist auch, dass lange Zeit nicht klar ist, ob Meyer dem Märchen folgt, was (den) Wolf angeht: Ist er ein Übeltäter, der Scarlet betrügt und verführt, oder will er ihr wirklich helfen?

So rund die Geschichte um Scarlet aber auch gelungen ist, so kann sie dennoch nicht mit der Geschichte um Cinder und Caswell mithalten. Ihre Flucht aus dem Gefängnis und mit Caswells Raumschiff ist um einiges spritziger und spannender als die Passagen um Scarlet und Wolf – zumindest zunächst. Das liegt vor allem an der wunderbaren Figurendynamik der beiden, Caswells Selbstgefälligkeit und Cinders Hang zum Sarkasmus. Die beiden bilden – gemeinsam mit einer dritten Persion, die wir bereits im ersten Band kennen gelernt haben – eine der ungewöhnlichsten und dennoch liebenswertesten Raumschiffs-Crews, denen ich bisher begegnet bin. Fast wünscht man sich, dass Cinder und Cas auch noch lange nach den auf vier Bänden angelegten „Lunar Chronicles“ gemeinsam mit einigen neuen Gefährten im Raumschiff weitere Abenteuer erleben. Wenn sich Meyer in „Cinder“ von Sailor Moon hat inspirieren lassen, so tat sie das diesmal auf sehr charmante und nicht unangenehme Weise von „Firefly“. Und auch, wenn es zwischen Cinder und Cas nicht funkt (schließlich gehört Cinders Herz immer noch Prinz Ki), so sorgen die beiden dennoch für irre viel Lesespaß – da können Scarlet und Wolf einfach nicht mithalten. Erst, als der Leser im letzten Drittel des Romans erfährt, wie Scarlets und Cinders Schicksale miteinander verwoben sind, wird es auch in Scarlets Strang wesentlich interessanter …

Sehr gelungen gerät allerdings in beiden Handlungsbögen die Leistung der Hörbuch-Sprecherin Rebecca Soler: Sie trifft sowohl die sarkastische/zynische Art Cinders als auch den Ton der hitzköpfigen Scarlet und überzeugt nicht nur in humorvollen, sondern auch in emotionalen Momenten. Eine klasse Leistung. Die elfeinhalb Stunden Hörbuch machen Spaß!

Trotz einiger kleiner Schwachpunkte ist „Scarlet“ eine sehr gelungene Fortsetzung von „Cinder„, die viel Lust macht auf „Cress“, den dritten Teil der Reihe, der für 2014 angekündigt ist.

Eine Hörprobe gibt’s hier; das Hörbuch kann man bei Audible als Download bestellen.

Morgen erscheint bei mir ein Interview mit Marissa Meyer.

Die Rezension zum ersten Teil der Lunar Chronicles: hier!

2 Comments »

  1. […] Märchenplots in ein SciFi-Setting umlagert. Nach “Cinder” (Aschenputtel) und “Scarlet” (Rotkäppchen) erscheint im kommenden Februar im US-Original der dritte Band […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Titelbild & Verlagsbeschreibung von Cress | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 1. September 2013 @ 20:02

  2. […] Deutschland sind ihre ungewöhnlichen SciFi-Märchenromane “Cinder” und “Scarlet” noch gar nicht erschienen. Auf ihrem Blog verrät Marissa Meyer allerdings bereits, welchen […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Marissa Meyer schreibt über die Herzkönigin | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 4. Oktober 2013 @ 10:29

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