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1. August 2013

Kerstin Gier: Silber – Das erste Buch der Träume

Category: Hörbücher,Rezensionen – Darkstar – 13:00

SilberMit ihrem Umzug nach England geht für Liv Silber und ihre kleine Schwester Mia ein Traum in Erfüllung: Endlich hat ihre Mutter, eine Professorin, eine längerfristige Lehrstelle in Oxford ergattert und das ewige Herumziehen von Land zu Land hat endlich ein Ende. Liv sieht einer rosigen Zukunft in einem lauschigen Cottage und jeder Menge Picknicks im Park entgegen – bis sie auf dem Flughafen in London landet und erfährt, dass aus einem beschaulichen Landleben nichts wird und ihre Mutter, ihre Schwester, sie selbst und ihr deutschstämmiges Kindermädchen in der Großstadt London leben werden; ganz in der Nähe vom neuen Freund ihrer Mutter. Einem Freund, von dem die beiden Mädchen bis dahin noch nicht einmal etwas ahnten.

Dass sich der auch noch als Vater von zwei ihrer neuen Mitschüler auf der elitären Frognal Academy entpuppt, macht die Sache auch nicht besser. Ziemlich angefressen beschließt Liv, es ihrer Mutter für die nächste Zeit nicht zu leicht zu machen. Doch dann hat sie bald andere Probleme: Im Traum begegnet sie mehreren ihrer neuen Mitschüler auf einem Friedhof bei Nacht und beobachtet sie dabei, wie sie ein seltsames Ritual vollziehen. Ein Ritual, in das sie hineinplatzt – und schon ist sie mittendrinn in einer unglaublichen, unheimlichen Geschichte, in der es um mehr zu gehen scheint als um die Frage, wer mit wem auf dem nächsten Schulball tanzt.

Nach dem großen Erfolg ihrer Rubinrot-Reihe wurde Kerstin Giers neuer, phantastischer Jugendroman „Silber – Das erste Buch der Träume“ mit immenser Spannung erwartet. Auch von mir, wie ich gern zugebe, denn von Rubinrot, Saphirblau und Smaragdgrün war ich wirklich begeistert!

Lesung

Vielleicht zuerst ein paar Worte zur Lesung: Das Hörbuch ist – erfreulicherweise – ungekürzt und dank Kerstin Giers flottem, sympathischen Schreibstil funktioniert das auch in diesem Medium sehr gut. Es gibt kaum Längen, wenn auch gerade im zweiten Drittel die Geschichte ein wenig vor sich hin plätschert. Sprecherin Simona Pahl trifft den Ton der jugendlichen Ich-Erzählerin perfekt. Stimmlich und von ihrer Art zu lesen erinnert sie mich sehr stark an eine etwas jüngere Nana Spier. Und auch die hätte es vermutlich nicht besser gemacht als Simona Pahl. Rein akkustisch gibt’s von mir die volle Punktzahl.

Inhaltlich

Allerdings kann ich von der Handlung selbst nicht das gleiche behaupten:

Um mit der Tür ins Haus zu fallen: „Silber – Das erste Buch der Träume“ hat es mir nicht ganz so angetan wie die Geschichte der zeitreisenden Gwendolyn. Das mag auch daran liegen, dass meine Erwartungshaltung an den neuen Roman immens hoch war. Zunächst hat mich Kerstin Gier auch komplett überzeugt: Ich mag ihre neue Protagonistin und deren familiäres Umfeld und gerade die ersten Kapitel sind so spritzig, lustig und lebensecht geschrieben, wie man das von der Autorin gewohnt ist. Die Idee, dass Liv – und einige ihrer Freunde – sich gegenseitig in ihren Traumwelten besuchen können, ist wunderbar und auch gut ausgeführt. Der Handlungsstrang um einen Dämonen, den die Traumbruderschaft beschwören wollte, wurde für meinen Geschmack aber etwas zu fix abgehandelt. Hier hatte ich auch mit Livs Einstellung Schwierigkeiten: Einerseits glaubt sie daran, dass sie Traumwandeln kann. Andererseits kann sie sich keinesfalls vorstellen, dass es wirklich Dämonen gibt. Das passt für mich nicht ganz zusammen.

Was ich an diesem Buch vor allem vermisst habe ist ein größeres Mysterium hinter der vordergründigen Geschichte, dass sich erst nach und nach entblättert. In der Rubinrot-Trilogie entstand sehr viel Reiz dadurch, dass man als Leser lange nicht wusste, wer in der Loge der Zeitreisenden auf welcher Seite steht und welche Ziele der Graf von St. Germain wirklich verfolgte. Zwar gehe ich davon aus, dass es mit der Traumwelt mehr auf sich hat, als wir das bis dato mitbekommen haben. Aber schlussendlich hat mich Kerstin Gier diesmal nicht angefixt, dass ich unbedingt wissen will, welches Geheimnis sich nun genau dahinter verbirgt.

Auf der Loveletter Convention in Berlin hat sie berichtet, dass sie sich bemüht hat, in „Silber – Das erste Buch der Träume“ eine abgeschlossene Geschichte zu erzählen, auch wenn der Roman Teil einer Reihe ist. Das ist ihr sehr gut gelungen und damit ist sie sicher dem Wunsch vieler LeserInnen entgegen gekommen. Ich hätte mir trotzdem etwas mehr gewünscht. Der neue Roman unterhält nicht schlecht, im Gegenteil: Es hat sympathische Protagonisten, witzige Momente und ein bisschen Herzschmerz. Aber es hat mich nicht umgehauen. Und das ist schade.

Dennoch: Wer nach einer lockeren, augenzwinkernden Hörbuch für den Sommer auf dem Balkon oder im Park sucht, für den ist „Silber“ genau richtig.

Eine Hörprobe gibt es auf der Verlags-Website.

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6 Comments »

  1. Spannend. Ich habe „Rubinrot“ und „Silber“ gelesen, und fand „Silber“ besser, sowohl was die Handlung, als auch was die Figuren und den Stil angeht. Ich kannte aber vor „Silber“ noch kein Buch der Autorin, weswegen ich recht unvoreingenommen rangegangen bin.

    Comment by Olga A. Krouk — 3. August 2013 @ 11:34

  2. Ach, das finde ich interessant. Jetzt, echt? Vielleicht liegt es daran, dass ich das Hörbuch gehört habe, statt das Buch zu lesen?

    Comment by Darkstar — 5. August 2013 @ 18:38

  3. Das kann ich nicht beurteilen. „Rubinrot“ fand ich echt dünn, was Figuren und die Handlung angeht. Da hat „Silber“ um einiges mehr zu bieten. Auch wenn das Phantastische in diesem Band auf dem Minimum ist. (Gibt’s da überhaupt Phantastisches? *g* Alles die Sache der Interpretation, was?)
    Wobei ich zugeben muss, nach „Silber“ waren meine Erwartungen auch sehr groß, was „Rubinrot“ angeht.

    Comment by Olga A. Krouk — 5. August 2013 @ 19:54

  4. Schöne Besprechung – da war mein Eindruck ganz ähnlich wie deiner: hätte noch etwas mysteriöser sein koennen. Wird aber vielleicht noch im nächsten Band. Daf ür mochte ich einige der Charaktere sehr gern, besonders Livkleine Schwester Mia.

    Ich bin ja so ein Schaf. Habe bis zum Ende des Buchs gebraucht bis mir klar wurde, dass wir Kerstin Gier auf der Loveletter gesehen haben!

    Comment by kathrin — 10. August 2013 @ 18:07

  5. @Kathrin: Ich hätte gar nicht gedacht, dass du das Buch lesen würdest? Kennst du denn Rubinrot? Mia mochte übrigens auch sehr gern!

    Comment by Darkstar — 11. August 2013 @ 19:17

  6. Hat mich von der Idee her angesprochen – und dank kindl kann ich ja jetzt immer die ersten paar Seiten Probelesen. Der Schreibstil hat mich überzeugt!

    Auch wenn mir die Teenieromanze dann mitunter doch etwas gegen den Strich gegangen ist. Ich wäre wahrscheinlich so eine Mia, die den Leuten Apfelstücke an den Kopf wirft und Määäääh ruft ;-)

    Comment by Kathrin — 12. August 2013 @ 14:34

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