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16. November 2013

Interview mit Björn Springorum zu „Herbstbringer“

Category: Interviews – Darkstar – 17:00

HerbstbringerVor ein paar Wochen – rechtzeitig zum Verfärben der Blätter an den Bäumen draußen – ist „Herbstbringer“ erschienen, der Debüt-Roman von Björn Springorum. Im Mittelpunkt steht die 15jährige Emily, die weder weiß, woher sie kommt, noch wer ihre Eltern sind.

Sie wurde eines Nachts an einem Flussufer gefunden, vollkommen ausgekühlt und ohne Kleider. Und bald geschehen noch mehr merkwürdige Dinge um sie herum:

Was hat es mit dem frühen Herbst in diesem Jahr auf sich? Warum scheint der Herbstwind ihr etwas zuzuflüstern? Langsam kommt Emily dem Geheimnis um ihre Herkunft auf die Spur – und das ist etwas ganz anderes, als sie jemals gedacht hätte …

Ein bisschen mehr über Emily und über den Roman verrät der Autor im folgenden Interview:

Interview mit Björn Springorum

Lieber Björn, kannst Du Deinen Roman in drei Schlagworten und einer Farbe beschreiben?

Was die Farbe angeht, ist es einfach: Es ist die Farbe des Herbstes.

Mit den Schlagworten bringst du mich gleich zu Anfang dieses Gesprächs in die Bredouille, aber ich will es besten Wissens und Gewissens versuchen: Ein Mädchen ohne Vergangenheit, ein ewiger Herbst, ein uralter Fluch.

Klingt das jetzt einigermaßen geheimnisvoll? Ja? Gut.

Verrätst Du uns etwas über Emily, das nicht im Klappentext steht?

Gerne. Sie liebt klassische Musik, liest für ihr Leben gern Bücher aus dem viktorianischen Zeitalter, findet James Bond-Filme albern und ist bildhübsch. Wem das nicht reicht, dem sei die Lektüre ans Herz gelegt. Sie wird euch überraschen!

Was macht sie zu einer perfekten Protagonistin für Dein Debüt?

Ein Autor kann sich seine Protagonisten nicht immer aussuchen. Das mag paradox klingen, ist aber so. Emily entwickelte sich nach und nach mit der Geschichte, bis ich feststellen musste, dass sie ein Eigenleben führt und gar nicht mit allem einverstanden ist, was ich mir so für sie vorgestellt hatte. Also ließ ich sie gewähren. Und das, denke ich, machte sie erst perfekt.

Was hat Dich zu „Herbstbringer“ inspiriert?

Der Herbst in all seiner melancholischen Schönheit. Ich liebe das Farbenspiel, den würzigen Duft in der Luft, den auffrischenden Wind und die frühe Dämmerung.

Ganz am Anfang der Geschichte stand jedoch zunächst die Vorstellung, wie furchtbar es für einen Unsterblichen sein muss, lebendig begraben zu werden.

Und gewiss passt da der Herbst mit seiner einhergehenden Memento Mori-Attitüde und dem Bewusstwerden der eigenen Vergänglichkeit ganz gut zu einem zugegeben morbiden Thema wie diesem…

Wie bist Du zum Schreiben gekommen? Und erinnerst Du Dich noch, worum es in Deiner ersten Geschichte ging?

Wie viele hier, bin ich durch High Fantasy sozialisiert worden. Tolkien, Drachenlanze, frühe Wolfgang Hohlbein-Bücher – und vor allem klassisches DSA-Rollenspiel.

Meine erste Geschichte war ein Abenteuer für DSA, hoffnungslos klischeeüberladen natürlich. Darin ging es um sieben Runensteine, die gefunden werden mussten, bevor unsagbar großes Unglück geschieht. Ich war 14 oder 15…

Du bist ein deutscher Autor, aber Dein Roman spielt in London. Warum nicht in München oder Erfurt?

Ländergrenzen sind letztlich unbedeutend. Und im Prinzip kann man sagen, dass „Herbstbringer“ drei Hauptrollen hat: Emily, den Herbst – und London. In keiner anderen Stadt würde der Roman funktionieren, außerdem passt die Gesellschaftsstruktur der Vampire einfach zu gut zum viktorianischen Adel.

Welche Art Recherche war für die Geschichte notwendig?

Vor allem wollte ich sicherstellen, dass der Roman glaubhaft in London spielt. Dem kam zugute, dass ich mittlerweile sehr oft in dieser Stadt zugegen war, sie sowieso seit 15 Jahren zu meinen absoluten Lieblingsstädten zählt.

Im Entstehungsprozess des Buches war ich noch zweimal dort, um mir wirklich ganz genau anzuschauen, ob man sich nachts auf den Highgate-Friedhof schleichen kann oder wie gewisse Gassen, Plätze oder Pubs aussehen.

Außerdem finde ich es wichtig, eine Stadt wirklich zu kennen, bevor man über sie schreibt. Man muss wissen, wie sie riecht, welche Geräusche sie macht, wie die Menschen in ihr Leben, wie das Wetter ist Da ich englische Literatur studiert habe, fiel es mir zudem leicht, die viktorianischen Passagen zu beschreiben. Ich habe allerdings noch mit keinem meiner damaligen Dozenten darüber gesprochen.

Was hat Dir beim Schreiben die meisten Schwierigkeiten bereitet?

Ich hoffe, das klingt jetzt nicht abgebrüht, aber wirkliche Schwierigkeiten gab es eigentlich gar nicht. Gut, ich brauchte einige Zeit, um mich in Emily hineinzudenken, aber da wir uns gar nicht so unähnlich sind, ging das doch recht flott. Außerdem bereitete mir das Ende einige schlaflose Nächte, weil ich mit dem einen oder anderen wirklich drastischen Einfall geliebäugelt habe, doch letztlich hat sich alles wie von selbst zusammengefügt.

Das ist wohl keine Selbstverständlichkeit, weshalb ich hoffe, dass das auch bei weiteren Projekten der Fall sein wird. Ich klopfe mal eben dreimal auf Holz…

Gibt es Klischees, die der Roman bewusst bedient, weil das Publikum sie liebt? Oder gab es ein Klischee, dass Du um jeden Preis vermeiden wolltest?

Meine Vampire glitzern nicht, wenn du das meinst.

Allerdings habe ich versucht, eine Gratwanderung zwischen klassischen Vampirmythen und meiner eigenen Mythologie aufzubauen. So können Vampire fürchterlich anziehend sein, sind aber bei mir von Grund auf gefühlskalt und arrogant. Nix mit Romantik! Gut, die meisten zumindest. Auch was ihre Herkunft angeht, habe ich mir etwas überlegt, was es meines Wissens in der Form noch nie gab. Das will ich aber nicht verraten.

Wenn Du eine fiktive Figur auf einen Tee oder Kaffee trinken könntest: Wer wäre das und warum?

Oh, nur eine? Das ist fies!

Dumbledore wäre ziemlich cool.

Oder doch lieber Peter Pan? Vielleicht könnte er mich mit Glöckchen bekannt machen…

Die müsstest du dann schön von mir grüßen! Vielen Dank für das Interview.

„Herbstbringer“ bei Amazon bestellen: Print, ebook.

2 Comments »

  1. Danke für das interessante Interview!

    Comment by Olga A. Krouk — 16. November 2013 @ 21:08

  2. […] Interview […]

    Pingback by Björn Springorum: Der Ruf des Henkers [Rezension] | Tintenhain — 6. April 2016 @ 08:01

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