Darkstars Fantasy News


15. Dezember 2013

Preview ARD-Märchen 2013 (Teil 1)
Von selbstsüchtigen Frauen und selbstlosen Mädchen

Category: News – Darkstar – 15:37

Vom Fischer und seiner Frau (DVD)In die mittlerweile sechste (!) Staffel geht an den Weihnachtsfeiertagen 2013 die ARD-Märchenfilmreihe „Sechs auf einen Streich“. Mit den vier in diesem Jahr produzierten Filmen wächst die Reihe auf stolze 30 Titel an, die sowohl berühmte Klassiker wie „Dornröschen“ und „Der Froschkönig“ neu interpretierten, als auch weniger bekannte Stoffe wie etwa „Das blaue Licht“ oder „Der Meisterdieb„.

Egal aber welcher Vorlage man sich annahm, das bewährte Konzept ist immer gleich: Hochwertig und aufwändig produziert, behutsam modernisiert, an tollen Schauplätzen in Schlössern und Burgern inszeniert und mit jungen Talenten und deutschen Filmstars besetzt erzählen die Filme sehr vorlagengetreu alte Geschichten für die heutige Generation neu.

Das gilt auch für die vier Märchenfilme, die in diesem Jahr am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag erstmals ausgestrahlt werden. Neben der Verfilmung von zwei Grimms Märchen wurden 2013 auch zwei Erzählungen des dänischen Dichters Hans Christian Andersen umgesetzt.

Was erwartet uns am ersten Weihnachtsfeiertag:

Nach der Ausstrahlung von zwei Produktionen aus früheren Jahren („Frau Holle“ aus 2008 und „Aschenputtel“ aus 2011) läuft am 25. Dezember 2013 ab 14:10 Uhr „Vom Fischer und seiner Frau“ und im Anschluss um 15:10 Uhr „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern

Vom Fischer und seiner Frau

Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See,
myne Frau de Ilsebill, will nicht so, als ick wohl will

Vom Fischer und seiner Frau 003Wenn auch vielleicht nicht so berühmt wie „Aschenputtel“ oder „Schneewittchen“, so zählt „Vom Fischer und seiner Frau“ dennoch zu den bekannteren Märchen der Brüder Grimm. Es handelt von einem Fischer und seiner Frau, die gemeinsam in ärmlichen Verhältnissen „in einem alten Topfe“ (schön umgesetzt in dieser Verfilmung) leben. Eines Tages fängt der Mann beim Fischen im Meer einen Butt, der sprechen kann und behauptet, ein verzauberter Prinz zu sein. Der Fischer entlässt das Tier daraufhin zurück in die Freiheit.

Als er später seiner Frau diese skurrile Geschichte erzählt, drängt diese ihn, zurück an den Strand zu gehen, den Butt zu rufen und sich im Austausch für seine Freiheit etwas von ihm zu wünschen: eine schöne Hütte, in der sie künftig gemeinsam leben können. Tatsächlich geht der Plan auf und der Fisch erfüllt den Wunsch. Doch schon bald zeigt sich Ilsebill damit nicht mehr zufrieden. Immer wieder drängt sie ihren Mann, den Butt zu rufen und ihn dazu zu bewegen, immer herrschaftlichere Dinge für sie zu schaffen. Doch der plötzliche Reichtum machen weder Hein, noch Ilsebill glücklich …

Vom Fischer und seiner Frau 001Vom Fischer und seiner Frau wurde von Christian Theede inszeniert, nach einem Drehbuch von Dieter und Leonie Bongartz. Die drei haben bereits mehrfach zusammen an ARD-Märchen gearbeitet; von ihnen stammen z. B. auch die Verfilmungen „Das tapfere Schneiderlein“, „Der gestiefelte Kater“ und „Allerleirauh“.

Weil ich im letzten Jahr von „Allerleirauh“ leider recht enttäuscht war, war ich dieses Jahr umso überraschter, dass mir „Vom Fischer und seiner Frau“ außerordentlich gut gefallen hat. Obwohl es nicht zu meinen Lieblingsmärchen gehört, gelingt es Cast & Crew, aus der Fabel um ein gieriges, unsympathisches Weib einen spannenden, nachvollziehbaren Kinder- und Familienfilm mit moralischer Botschaft zu machen, der gut unterhält. Schön, dass Ilsebills Motivation hier – zumindest teilweise – nachvollziehbar gerät, auch wenn sie sich immer mehr in einen Größenwahn hineinsteigert, der in einer opulenten, großartig inszenierten, aber auch beklemmenden Szenen gipfelt.

Vom Fischer und seiner Frau 002Nicht ganz unschuldig daran ist natürlich Katharina Schüttler, der es gelingt, die schwierige Figur Ilsebill nachvollziehbar darzustellen. Ebenfalls sehr glaubhaft spielt ihr Gegenüber Fabian Busch ihren Ehemann, den Fischer Hein. Gemeinsam geben sie ein einfaches Ehepaar, dass sich im Film emotional immer stärker voneinander entfernt, ehe die beiden nach Ilsebills letztem Wunsch Erlösung finden. Denn so viel sei verraten: Auch wenn der Film der Vorlage treu bleibt, gelingt es den Autoren, das Ende des Märchens viel versöhnlicher und hoffnungsfroher zu gestalten, als das im Original der Fall ist.

Den wundertätigen Butt spricht übrigens Jan Fedder. Die Figur ist per Computer animiert; die Szenen mit dem Zauberfisch entsprechen Fernsehniveau und sind vielleicht die einzige Schwachstelle des Films, da die magische Aura hier für meinen Geschmack nach etwas zu plakativ inszeniert wurde. Ansonsten ist der Film jedoch sehr rund und schön gelungen, mit einem romantischen Score unterlegt und auf jeden Fall sehenswert!

Das Mädchen mit den Schwefelhölzern

Das Mädchen mit den SchwefelhölzernDie kleine Inga (toll besetzt mit Lea Müller) und der ein paar Jahre jüngere Emil (ebenfalls sehr sympathisch: Maximilian Ehrenreich) leben im trostlosen Waisenhaus der kaltherzigen Frau Landfried. Jeden Tag heißt es Hungern und in der im Haus versteckten Fabrik buckeln und selbst am Weihnachtsabend gibt es für sie keine Gnade.

Obwohl es draußen bitter kalt ist, schickt die hartherzige Frau die Kinder in die nah gelegene Stadt, wo sie auf dem Markt Schwefelhölzer verkaufen sollen. Doch dort geht es hektisch zu und kaum einer hat Zeit, sich um ein paar arme Waisenkinder zu kümmern, die um Groschen betteln. Als der Abend anbricht, steckt Inga Emil all das Geld zu, dass sie eingenommen hat, um ihn vor Schlägen zu bewahren, und schickt ihn zurück ins Waisenhaus. Obwohl es immer kälter wird, bleibt sie selbst auf dem Markt und sucht verzweifelt nach einigen Kunden in letzter Minute. Doch der einzige, dem sie begegnet, ist ein geheimnisvoller, fremder Mann mit traurigen Augen …

Das Problem mit vielen von Hans Christian Andersen-Märchen ist, dass sie ein trauriges Ende besitzen. Das Mädchen mit den Schwefelhölzern zählt vermutlich sogar zu den tragischsten, die aus seiner Feder stammen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Verfilmung ganz von Melancholie durchdrungen ist. Es gelingt den Produzenten aber, auch Werte wie Freundschaft, Nächstenliebe und Hoffnung in den Mittelpunkt der Handlung zu rücken, die so ein Gegengewicht zu der traurigen Geschichte bilden.

Schwefelhölzer 002Ich verrate jetzt nicht, wie die Märchenverfilmung ausgeht. Aber ich verspreche, dass die Produzenten begriffen haben, dass sie sich nicht allzu weit von der Originalhandlung entfernen dürfen. Sie müssen die Tragik und die Trauer der Vorlage aufgreifen, wenn sie das Märchen richtig interpretieren wollen. Und genau das haben sie gemacht.

Um den Film nicht zu depressiv werden zu lassen, wurde eine Rahmen- und Parallelhandlung zum kurzen Märchen dazu erfunden, dass die eigentliche Handlung in einen neuen Kontext giesst, der ein willkommenes Gegengewicht zur tragischen Kernhandlung bildet. Frau Landfried, die Leiterin des Waisenhauses (gespielt von Nina Kunzendorf), ist herrlich hassenswert; der Gendarm (Oliver Korittke) hingegen trägt das Herz am rechten Fleck und vor allem die Figur des Fremden (dezent, und dadurch eindringlich gespielt von Jörg Hartmann) ist wunderbar mystisch und geheimnisvoll. Ich bin mir sicher, dass der Streifen Kinder berühren wird.

Schwefelhölzer 001Das Mädchen mit den Schwefelhölzern ist ein ein ungewöhnlicher Märchenfilm: Er ist melancholisch, er schwelgt in düsteren Bildern voll dunkler Gassen, trostloser Räume und klirrendkalter Schneelandschaften. Und er kommt ohne magische Wunderlampen oder gute Patenfeen aus. Er dreht sich um Kinder, um den Mut und die Hoffnungen eines kleinen, tapferen Mädchens und um Freundschaft. Dadurch ist der Film erdiger, realistischer und ein wenig trauriger. Und trotzdem – oder vielleicht auch gerade deshalb – sticht er aus den „Sechs auf einen Streich“-Produktionen wohltuend heraus und zählt zu den gelungensten Filmen der Reihe.

Beide Filme gibt es übrigens bereits auf DVDhier bzw. hier.

(c) Fotos:

Vom Fischer und seiner Frau – Bild 1 (c) NDR/Felix Cramer; Bild 2 & 3 (c) NDR/Marion von der Mehden

Das Mädchen mit den Schwefelhölzern – (c) rbb/Daniela Incoronato

Wie entstehen Märchenfilme?

Das erfahrt ihr z. B. in den Interviews, die ich in den vergangenen Jahren mit der „Märchenverantwortlichen der ARD“ Sabine Preuschhof, den Drehbuchautoren Dieter & Leonie Bongartz und Regisseur Wolfgang Eißler geführt habe.

Zudem gibt es in der „Nautilus Nr. 81“ aus 2010 einen Set-Bericht zu der Verfilmung der ARD-Märchen.

Eine Review zu den beiden anderen neuen Märchenfilmen 2013 folgt bald.

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1 Kommentar »

  1. […] Vorgestern habe ich zwei der vier diesjährigen Märchen-Neuverfilmungen der ARD hier auf dem Blog vorgestellt. […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Preview ARD-Märchen 2013 (Teil 2)Von Meerjungfrauen und Höllenfürsten | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 17. Dezember 2013 @ 12:00

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