Darkstars Fantasy News


12. Mai 2014

Interview mit Robert Corvus

Category: Interviews – Darkstar – 08:00

Schattenkult kleinDark & gritty soll Fantasy derzeit für viele Leser sein – und düster und hart ist auch Robert Corvus „Schattenherren“-Trilogie, die im Piper Verlag erschienen ist: Die titelgebenden Schattenherren stürzen Götter und knechten die Welt.

Jetzt legt der in Köln lebende Autor nach und veröffentlicht mit „Schattenkult“ einen Einzelband, der in der gleichen Welt wie die „Schattenherren“ spielt – ebenfalls ein düsterer Roman, der in einer einzigen Nacht und an einem einzigen Ort spielt.

Kammerspiel statt Heldenqueste? Im Interview verrät Robert Corvus u. a. mehr über „Schattenkult„, über die Herausforderungen eines solchen Projekts, wie er zum Schreiben gekommen ist und ob sich deutsche Fantasy von amerikanischer unterscheiden sollte.

Interview mit Robert Corvus

Schattenkult spielt an einem einzigen Ort und im Verlauf einer einzigen Nacht. Was hat Dich zu diesem interessanten Konzept inspiriert?

Ich tausche mich gern mit Kolleginnen und Kollegen über das Schreiben aus, manchmal auch über Schreibratgeber. Als eine Art Ceterum Censeo kommt dann häufig, dass im Grunde alles schon seit der griechischen Antike bekannt und in der Poetik des Aristoteles nachzulesen sei. Darauf folgt feierliches Nicken, schwelgendes Seufzen und der Gang zur Theke. Nun hatte ich zwar einen Regalmeter Schreibratgeber gelesen, nicht aber eben jene viel gerühmte Poetik.

Als ich es tat, versuchte ich, die dort dargelegten Prinzipien auf meine Arbeit zu übertragen. Nicht alle auf einmal, aber einen wesentlichen Aspekt wollte ich umsetzen: die Einheit von Ort, Zeit und Handlung. Aristoteles empfiehlt, die Zeit auf einen Tag zu begrenzen und weitgehend auf Nebenhandlungen zu verzichten. Eine konsequente Fortführung seiner Lehre fordert auch die Einheit des Schauplatzes.

Die Entscheidung für diese kompakte Form war also zunächst ein schriftstellerisches Experiment, das sich aber überreichlich ausgezahlt hat.

Können sich in einem solchen Umfeld Charaktere überhaupt glaubhaft weiter entwickeln? Vor welche Herausforderungen hat Dich das Konzept gestellt?

SchattenkultIch glaube, dass die meisten radikalen Entwicklungen sehr schnell ablaufen. Man kann sich binnen eines Wimpernschlags verlieben, eine einzige Bemerkung kann Grundlage für eine lebenslange Feindschaft sein, eine Unterschrift macht uns zum Bettler oder zum Millionär. Gerade in der dramatischen Zuspitzung entfaltet die Literatur ihre Wucht. Von allen meinen Geschichten ist Schattenkult diejenige, die am stärksten von den Figuren und ihren Umschwüngen geprägt wird. Da wirkt die ›Laborsituation‹ als Brandbeschleuniger.

Die Herausforderung liegt darin, dass ich den Leser nicht mit der Alltagswelt der Figuren bekanntmachen kann, die Figuren aber dennoch umfassend charakterisieren möchte. Deswegen habe ich die Konstellation besonders sorgfältig komponiert. So kommt es zu Interaktionen, die viel zur Charakterisierung beisteuern, und das Dramatis Personae am Ende des Buchs ist besonders ausführlich.

Verrätst Du uns etwas über die Hauptfiguren des Romans?

Die eigentliche Hauptfigur ist keine Person, sondern die Finsternis selbst, eine Urkraft ungezügelter, meist zerstörerischer Kreativität, das Reich der Möglichkeiten. Niemand versteht diese Kraft wirklich. Die Figuren beschreiben sie auf unterschiedliche, teils widersprüchliche Weise. Dennoch ist sie die stärkste Verbündete des Schattenkults, der sie verehrt, und übt eine Faszination auf alle Menschen aus.

In der Geschichte findet man eine Schattenherrin, die um den Preis ihres Herzens die Unsterblichkeit erlangt hat. Ihr ergeben sind die Seelenbrecher des Kults, während die Adeptae noch am Beginn ihres Wegs in die Finsternis stehen. Sie müssen aber schnell lernen, wenn sie in dieser Nacht bestehen wollen – vor allem Tynay, die eigentlich als Opfer vorgesehen war und die Abenddämmerung nur wegen der Unberechenbarkeit der Finsternis überlebt. Es gibt auch einen Magier, der außerhalb der klerikalen Hierarchie steht und die Finsternis benutzen will, um sein ganz persönliches Ziel zu erreichen.

Auf der anderen Seite stehen acht göttergetreue Gesandtschaften, die von Gûndûr, dem Sohn des Stiergottes, angeführt werden. Von ihm erwartet man, dass er die Gläubigen mit Mut und Stärke inspiriert – eine Rolle, in der er sich oft seinen eigenen Priestern ausgeliefert fühlt. Er ist der archetypische Feind des Kults, und dennoch wird er in dieser Nacht mit der Schattenherrin tanzen.

Gastgeber ist das Orakel von Æterna, das demjenigen, der ihm die gefälligste Gabe bringt, einen Spruch gewähren wird. Es steht unter dem Schutz der Æsol, ätherischer Wesen mit fürchterlichen, unsichtbaren Waffen.

Welche drei Schlagworte beschreiben die Atmosphäre des Romans Deiner Meinung nach am besten?

Dichte. Es ist eine kompakte Geschichte. Alles hängt miteinander zusammen, alles bedingt einander.

Tiefe. Schattenkult ist meine psychologischste Geschichte. Die Handlung wird durch die Figuren, ihre Sehnsüchte und Ängste geprägt. Würde man nur eine Figur austauschen, hätte man eine andere Geschichte.

Finsternis. Der Roman ist sehr düster, selbst für meine Verhältnisse. Schon mit den Schattenherren verliehen mir einige Rezensenten das Prädikat, der finsterste Autor Deutschlands zu sein. Schattenkult geht weit darüber hinaus.

War es eine Erleichterung, eine Geschichte zu verfassen, die sich nur über einen Roman erstreckt, oder liegen Dir mehrbändige Zyklen mehr?

Schattenherren 01Form und Inhalt sind eins. Das ist größte Lehre, die ich aus der Arbeit an Schattenkult gezogen habe. Diese Geschichte funktioniert nur in dieser Form mit der Einheit von Schauplatz, Zeit und Handlung und auch nur in dieser Länge.

Auf diese Weise betrachtet stellt sich die Frage nicht. Es gibt Geschichten, die müssen in einem Mehrteiler erzählt werden und andere, die nach einer kompakteren Form verlangen. Ich möchte immer diejenige Geschichte erzählen, die mich gerade am meisten fasziniert. Daraus ergibt sich dann, ob es ein Einzeltitel oder ein Mehrteiler wird.

Vom Arbeitsaufwand her sind Mehrteiler ökonomischer – viele Grundlagen brauche ich nur einmal festzulegen und kann mich danach auf Erweiterungen beschränken. Andererseits mache ich am liebsten Dinge, die für mich neu sind, was dann wieder für die Einzeltitel spricht.

Dein neuer Roman spielt in der gleichen Welt wie Deine Trilogie um die Schattenherren. Was fasziniert Dich als Autor an dieser Welt?

Als Fantasyfan mag ich die klassischen High-Fantasy-Settings mit einem mittelalterlichen Technologieniveau, einer antiken (Viel-)Götterwelt und neuzeitlich denkenden Protagonisten, die auf Logik und das Prinzip von Ursache und Wirkung vertrauen. Zusätzlich ist Fantasy Abenteuerliteratur, und das Abenteuer beginnt jenseits des Bekannten. Darum sucht man in meiner Welt die klassischen Fantasy-Völker vergeblich und kann stattdessen den geisterhaften Fayé begegnen oder natürlich den Schattenherren, Magiern, die ihre Macht gegen den Willen der Götter erlangt haben und so (beinahe) unsterblich geworden sind.

Bei der Entwicklung einer Fantasywelt gibt es einige entscheidende Fragestellungen. Die vielleicht wichtigste von ihnen lautet: Wie funktioniert Magie? Wenn jedermann mit einem Fingerschnippen Berge versetzen kann, ist das wenig reizvoll. Magie muss einen Preis haben. In meiner Fantasywelt ist das Lebenskraft – entweder die eigene oder fremde. Das durchdringt das Setting. In Ondrien, dem Imperium der Schattenherren, gilt es als höchstes Ziel, selbst ein unsterblicher Magier zu werden. Die Schattenherren werden an Stelle der Götter in Kathedralen verehrt, in denen dem Volk die Lebenskraft entzogen wird. Damit wirken die Schattenherren ihre Magie und erhalten insbesondere den Zauber, der ihnen ihre unsterbliche Existenz schenkt.

Ich möchte aber auch einen Faktor in der Geschichte haben, den sie nicht beeinflussen können und von dem ihre Macht abhängt. Dabei dachte ich sofort an ein Himmelsphänomen, etwa den Mondzyklus. Da ein einzelner Mond mir zu regelmäßig war, habe ich drei Monde an den Himmel meiner Fantasywelt gehängt. Je mehr Mondlicht, desto stärker dämpfen die Götter die Magie.

Schattenkult spielt in einer Nacht dreifachen Neumonds, wenn die Magie entfesselt ist …

Muss man die Schattenherren gelesen haben, um Schattenkult folgen zu können?

Schattenkult teilt sich mit der Schattenherren-Trilogie lediglich den Hintergrund. Figuren und Handlung sind so vollständig getrennt, dass man Schattenkult vor, während oder nach der Trilogie lesen kann. Eine Chronologie der beiden Geschichten ist nicht definiert.

Warum glaubst Du, ist derzeit düstere Fantasy besonders beliebt?

Schattenherren 02Auf der einfachsten Ebene denke ich, dass diejenigen Leser, die mit der Glanzzeit der märchenhaften Fantasy zum Genre gekommen sind, inzwischen etwas älter sind und sich auch für erwachsenere Stoffe interessieren (was nicht heißt, dass ich nicht selbst trotzdem noch ab und zu gern zu märchenhafter Fantasy greife).

Ich glaube auch, dass Dark Fantasy uns erlaubt, ein Stück weit tiefer ins Abenteuer vorzudringen, indem wir nicht nur im Buch lesen, sondern auch in uns selbst. Wenn Gut und Böse eindeutig zugeteilt sind, ist auch klar, wem man seine Sympathien schenkt.

Bei den Schattenherren gibt es aber keine eindeutig guten Figuren. Wer in den Krieg zieht, und seien seine Motive noch so edel, wird Schuld auf sich laden müssen, um zu siegen, und wer in Ondrien aufwächst, lebt ein gänzlich anderes Wertesystem als wir. Immer wenn ich einen Leserbrief bekomme, in dem steht: »eigentlich tun diese Figuren verabscheuungswürdige Dinge, aber dennoch fiebere ich die ganze Zeit mit«, weiß ich, dass ich etwas richtig gemacht habe.

Dark Fantasy kann uns zeigen, wie verführbar wir alle sind. Das an sich selbst zu beobachten, finden bestimmt viele Leser spannend. Gerade bei Schattenkult wird es sicher einige geben, die darüber erschrecken, was die Figuren tun, denen sie die Daumen drücken …

Der Piper Verlag empfiehlt Deine Trilogie allen Fans von George R. R. Martins. Ist so ein Vergleich eher schmeichelhaft oder belastend?

Da ich selbst ein großer Martin-Fan bin – nicht nur, was Das Lied von Eis und Feuer angeht -, ist es für mich ein großes Kompliment.

Zu Anfang war ich etwas skeptisch, ob der Vergleich trifft. Schließlich habe ich keinen Thronstreit zum Thema, in meiner Welt ist Magie viel präsenter und insgesamt ist alles ein paar Graustufen dunkler als bei Martin. Aber wenn ich mich mit Leuten unterhalte, die nicht so bewandert im Genre sind, und ihnen erzähle, dass ich Fantasy schreibe, kommt manchmal die Frage: »Ist das so wie Der Herr der Ringe, wie Harry Potter, wie Twilight oder wie Game of Thrones?« Wenn diese Kategorien zur Auswahl stehen, bin ich bei Game of Thrones/George R. R. Martin richtig einsortiert.

Warum hast Du Dich dazu entschlossen, unter Pseudonym zu veröffentlichen?

Ich habe meine ersten Texte als Teenager veröffentlicht. Das war zwar im nichtkommerziellen Bereich, aber ich fand es damals trotzdem cool, einen englisch klingenden Autorennamen zu haben. Da mich der Film The Crow stark beeindruckt hatte, habe ich eine lautmalerische Abwandlung vorgenommen und nannte mich Bernard Craw.

Das habe ich mehrere Jahre durchgehalten, auch als ich für BattleTech und Das schwarze Auge schrieb. Es war immer ein offenes Pseudonym, aus meinem bürgerlichen Namen habe ich nie ein Geheimnis gemacht. Letztlich hat es sich zu einer Marke für meine fiktionalen Texte entwickelt, während ich Sachtexte als Bernd Robker schreibe.

Das Pseudonym hat aber den entscheidenden Nachteil, dass man Schwierigkeiten hat, es zu buchstabieren, wenn man in der Buchhandlung einen Roman von mir bestellen möchte. In den Vornamen mogelt sich ein h, Craw schreibt man gern mit einem o oder hängt ein e an. Das ist ärgerlich, wenn der Buchhändler in seinem Bestellsystem dann keinen Treffer findet. ›Robker‹ wäre in dieser Hinsicht aber noch eine Verschlechterung ? an einem von mir reservierten Meetingraum war der Name einmal ›Rüpga‹ geschrieben.

Deswegen habe ich meine erste Veröffentlichung bei Piper genutzt, um mit Robert Corvus eine neue Marke aufzubauen. Robert ist lautmalerisch ähnlich zu meinem bürgerlichen Nachnamen, und da Corvus das lateinische Wort für Rabe ist, kann ich damit auf meiner Homepage schön spielen, indem ich entsprechende Motive verwende.

Wie viele Fantasy-Autoren warst / bist Du auch leidenschaftlicher Rollenspieler. Hilft ein solcher Background beim Schreiben eigener Fantasy-Romane, ist er total unrelevant oder sogar eher hinderlich Deiner Meinung nach?

Bernard Craw - Türme im NebelIn meiner Gymnasialzeit habe ich tatsächlich exzessiv Rollenspiel betrieben, sowohl als Spieler als auch als Spielleiter. Heute spiele ich nicht mehr, schmökere aber noch immer gern in Hintergrundbänden.

Natürlich ist ein Roman kein Rollenspiel, er funktioniert anders. Man braucht zum Beispiel nicht darauf zu achten, dass die Hauptfiguren gleichmäßig viel Bühnenzeit bekommen, was bei einem Rollenspiel sehr wichtig ist, damit sich keiner der Spieler langweilt. Man braucht auch nicht fair zu sein, was die Fähigkeiten der beteiligten Personen angeht – da kann schon mal jemand exorbitant überlegen sein und die anderen sind nur Mitläufer. Dafür müssen in einem Roman die Spannungsbögen sorgfältiger komponiert werden.

Dennoch hilft ein solcher Hintergrund, denke ich. Als Rollenspieler versetzt man sich in die Figuren hinein, die man spielt, und das ist auch für einen Autor sehr wichtig. In beiden Fällen denkt man in der Logik einer Fantasywelt, was ebenfalls wesentlich ist. So lernt man, Logikbrüche zu erkennen und zu vermeiden, wenn man eigene Welten entwirft oder Teile einer vorgegebenen Welt ausarbeitet.

Sollte man als deutscher Fantasy-Autor anders schreiben als als Fantasy-Autor als Übersee?

Dafür sehe ich keinen Grund. Die fiktiven Welten, in denen wir uns bewegen, sind von Boston ebenso weit entfernt wie von Köln.

Du schreibst auch für Perry Rhodan NEO – muss man bei Science Fiction-Geschichten – abgesehen vom Setting – auf andere Dinge achten als bei Fantasy-Geschichten?

Fantasy und Science Fiction haben jeweils eine genre-typische Stimmung. Bei der Fantasy ist diese Geprägt von Holz, Lagerfeuer, Schwertern, Nutztieren und Mystik. Bei der Science Fiction von Plastik, Beton, Maschinen und Logik. In der Fantasy schwingt immer mit, dass die innersten Dinge, die die Welt zusammenhalten, nicht nur unbekannt, sondern prinzipiell der menschlichen Erkenntnis entzogen sind. Bei der Science Fiction wird eine grundsätzliche Erklärbarkeit des Kosmos vorausgesetzt, auch wenn die Menschheit vielleicht noch lange forschen muss, um auf diese Wissensstufe zu gelangen. Obwohl das meist nicht konkret benannt wird, hilft es mir sehr, mir beim Schreiben diesen fundamentalen Unterschied bewusst zu halten. Das ist so etwas wie eine Hintergrundstrahlung, die alles durchdringt.

Die Schwesterwissenschaft der Science Fiction ist die Soziologie. In der ein oder anderen Form geht es eigentlich immer um gesellschaftliche Entwicklungen, die im Labor der Literatur untersucht werden. Das ist bei der Dystopie besonders offensichtlich, aber auch bei der Space Opera oder im Cyberpunk unverkennbar. Ein Science-Fiction-Autor muss sich immer fragen, wie eine Technologie oder ein anderes Novum, das seine Handlung trägt (etwa der Erstkontakt mit Fremdwesen), die Gesellschaft verändern wird.

Die Schwesterwissenschaft der Fantasy dagegen ist die Tiefenpsychologie. Das Monster, der Magier, die Hohepriesterin, der Held … das sind Archetypen, wie sie auch bei C.G.Jung, im Tarotspiel und in verwandten Bereichen Verwendung finden. Entsprechend grundlegend sind die Themen der Fantasy: Was bedeuten Ehre, Verbundenheit, Feindschaft, wenn man sie ins Extrem zieht?

Wobei ich durchaus ein Freund davon bin, Science Fiction ein wenig so zu schreiben wie Fantasy und Fantasy ein wenig so wie Science Fiction. Die bereits angesprochene Logik der Magie, die sich aus menschlicher Lebenskraft nährt, prägt zum Beispiel die Gesellschaft der Schattenherren.

Wann und wie hast Du gemerkt, dass Du Schriftsteller werden wolltest?

Schattenherren 03Im Grunde war ich schon seit der Grundschule Schriftsteller, weil ich immer in der einen oder anderen Form Geschichten erzählt habe. Als Teenager bin ich in einen Fantasyclub eingetreten und habe in der Vereinszeitschrift Kurzgeschichten und später meinen ersten Roman mit dem markigen Titel Angriffskrieg veröffentlicht. Als Unternehmensberater und Projektleiter habe ich an meinen Manuskripten gefeilt, während die Kollegen an der Hotelbar die Nationalmannschaft anfeuerten, und bin eine Stunde früher aufgestanden, um meiner Schriftstellerei zu frönen, bevor es an den Hauptberuf ging.

Lange war ich nebenberuflich Autor, und dass ich seit 2013 keinen anderen Beruf mehr ausübe, liegt primär daran, dass ich inzwischen genug Einkommen aus der Schriftstellerei erziele, um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren.

Weißt Du noch, um was es in Deiner allerersten Geschichte ging?

Als Kind habe ich gern Tierfilme gesehen. Der schwarze Panther war mein Liebling. Entsprechend wurde diese Raubkatze zum Protagonisten meiner ersten Story, die ich allerdings nicht schrieb, sondern auf Kassette aufnahm. Vermutlich war ich damals sechs Jahre alt. Man mag mir verzeihen, dass die Dramaturgie hinter der überschwänglichen Sympathie für den schwarzen Panther zurückstand. Auch auf Nebenhandlungen wurde verzichtet. Im Wesentlichen schlich der Panther durch den Dschungel und erlegte sämtliche Tiere, denen er begegnete.

Woran merkst Du, dass sich eine Idee dazu eignet, zu einem Roman ausgearbeitet zu werden?

Sie muss mich selbst beschäftigen. Ein gutes Indiz dafür ist, wenn das Erste, woran ich nach dem Aufwachen denke, diese Idee ist.

Dann müssen weitere Ideen an dieser ersten kleben bleiben. So ähnlich wie bei Schnee: Mancher Schnee eignet sich, eine Kugel daraus zu rollen, während anderer zu pulverig dafür ist. Wenn die Idee gut ist, entsteht ein Konglomerat von Motiven, die sich später in eine Handlung einordnen.

Sehr wichtig für einen Roman ist auch eine Figur (oder mehrere Figuren), die die Geschichte erlebbar macht. Das ist einer der Hauptunterschiede zwischen Kurzgeschichte und Roman: Im Zentrum einer Kurzgeschichte steht eine Idee, im Zentrum eines Romans eine Figur.

Auf Deiner Website gibt es eine kostenlose Kurzgeschichte aus der Welt der Schattenherren; ein Figurenquiz und Videoblogs. Außerdem trittst Du auf diversen Messen auf und führst dort Lesungen. Wie wichtig ist heutzutage eine starke Präsenz im Internet und auf Messen, um erfolgreich zu sein?

Ob das für den Erfolg wirklich wichtig ist, weiß ich nicht. Inzwischen bezweifle ich es eher. Manche Kollegen schreiben unter verdeckten Pseudonymen und tauchen nirgendwo auf, verkaufen sich aber sehr gut. Andere trifft man auf jedem Con und virtuell sowieso, sie haben sehr hohe Like-Zahlen bei Facebook, sind aber bislang noch nicht bei einem Verlag untergekommen. Zudem benötigen diese Aktivitäten Zeit – Zeit, die man auch in den nächsten Roman stecken könnte, was vielleicht mehr zum Erfolg beitrüge.

Nur ist das Schreiben an sich eine einsame Tätigkeit. Letztlich sitzt man monatelang vor der Tastatur, Familie und Freunde bekommen einen kaum zu Gesicht, man verpasst sämtliche Kino-Neustarts, verschwindet manchmal sogar aus einem Freundeskreis, weil man dauernd Verabredungen ausschlägt – und niemanden interessiert’s. Da tut es gut, ab und zu Leute zu treffen, die es eben doch interessiert. Die sich in eine Lesung setzen, zuhören und Fragen stellen.

Was meine Webseiten angeht (www.robertcorvus.net und www.bernardcraw.net), so ist das ein Hobby von mir. Ich war Gründungsmitglied der Informatik-AG an unserer Schule und bin Diplom-Wirtschaftsinformatiker. Es entspannt mich, wenn ich mich mit HTML, CSS, PHP und mySQL beschäftigen kann. Deswegen bastele ich immer wieder an meinen Homepages und habe auch vor, diese zunehmend interaktiv zu gestalten. Beispielsweise habe ich die Idee zu einer interaktiven Kurzgeschichte, die den Werdegang einer Hauptfigur aus Schattenkult thematisiert. Vielleicht kann ich das irgendwann umsetzen, aber meine Romanprojekte gehen natürlich vor.

Wenn Du in einer (nicht von Dir erdachten) Fantasy-Welt Urlaub machen dürftest oder müsstest: Welche wäre das und warum?

Falls Das schwarze Auge zählt, würde mich Taladur reizen. Das ist ein iberisches Setting innerhalb von Aventurien, eine Stadt, die von Familias beherrscht wird, die in stolzen Streittürmen leben. Sonne, Degen, Fächer, gute Umgangsformen ? da würde ich gern einmal ausspannen. Es hat großen Spaß gemacht, den Sechsteiler Die Türme von Taladur zu betreuen, der dort spielt.

Bei den Welten, an denen ich nicht mitgearbeitet habe, fallen mir spontan die Splitterwelten von Michael Peinkofer ein. Dort treiben verschiedene Weltensplitter umher, zwischen denen man mit fliegenden Schiffen oder Tieren reist. So kann man vormittags über einen Gletscher schlittern, mittags in einem Dschungelrestaurant in einem Baumhaus speisen und abends die Grillen in einem Garten zirpen hören. Außerdem begegnet man Tiermenschen und stolpert eher früher als später in ein Abenteuer.

Wird es weitere Romane aus der Welt der Schattenherren geben? Woran arbeitest Du gerade?

Robert Corvus - Perry Rhodan NeoMit Schattenkult habe ich einen Pflock eingerammt, an dem ich vorerst nicht vorbeikomme. Ich kann mir gut vorstellen, in die Welt der Schattenherren zurückzukehren, aber dafür brauche ich einen frischen Blick auf die Thematik, sprich: Zunächst steht anderes an.

Die Rohfassung von Grauwacht habe ich gerade fertig, sie liegt im Vorlektorat des Piper-Verlags. Diese Geschichte spielt auf einer Welt, auf der ein Tag ein Menschenleben lang dauert. Ein uralter Pakt regelt, dass die Menschen in der Nacht leben, während das Tageslicht den Sasseks gehört, einer amphibischen Spezies. Die lange Nacht führt dazu, dass das Land unter einem dicken Eispanzer liegt. Die Menschen leben an heißen Quellen oder in den Zufluchten, in denen ein geheimnisvolles Geflecht für Licht und Wärme sorgt. Wenn sie es sehr gut treffen, leben sie sogar in einer der elf Metropolen, in denen ihnen dienstbare Geister allerlei Annehmlichkeiten bereiten. Wenn allerdings die Morgendämmerung naht, sorgt die Grauwacht dafür, dass sie weiterziehen und so in der Nacht bleiben. Seit jeher gehen auf dieser Welt die Monde als Halbmond auf, werden auf ihrer Bahn zum Vollmond, nehmen dann wieder ab und gehen als Halbmond unter. Was den Menschen Angst macht: Seit Kurzem wechseln sich beim Untergehen die Farbe – sie sind nicht mehr gelb, sondern werden zunächst grün und dann blau! Ein böses Omen? In jedem Fall ein Rätsel, und um dieses Rätsel dreht sich Grauwacht.

Diese Geschichte braucht ein bisschen Ruhe, bis ich sie überarbeiten kann. Inzwischen bin ich zurück im Perry-Rhodan-Kosmos, diesmal allerdings abseits der Serie Perry Rhodan NEO.

Bei der Fantasy tauchen die nächsten Projekte aus dem Nebel auf, aber sie sind noch zu undeutlich, als dass man Konkretes dazu sagen könnte.

Vielen Dank!

Robert Corvus‘ Website findet ihr: hier!

2 Comments »

  1. […] und sehr interessantes Interview mit Robert Corvus geführt. Bis zum 18ten Mai habt ihr auf Darkstars Fantasy News die Chance, ein Exemplar dieses grandiosen Romans zu gewinnen ;). Und auch als Teilnehmer der […]

    Pingback by SCHATTENKULT-Illustration | Timo Kümmel — 16. Mai 2014 @ 09:53

  2. […] über Robert Corvus und den “Schattenkult” erfahrt ihr hier und hier! Tags: Gewinnspiel, Piper, Piper Verlag, Robert Corvus, Schattenkult « Gay […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » And the winner is … | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 8. Juni 2014 @ 17:26

RSS feed for comments on this post. | TrackBack URI

Leave a comment

XHTML ( You can use these tags): <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> .