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26. Oktober 2014

Akram El-Bahay: Flammenwüste

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 14:00

FlammenwüsteDrachen. In ihnen brennt dasselbe Feuer, das noch heute tief im Inneren der Erde lodert und das am Anfang aller Tage das Land zum Schmelzen brachte.

„Nicht schon wieder ein Drachenroman“, mag der eine oder andere denken, der über Akram El-Bahays „Flammenwüste“ stolpert. Deshalb sage ich es gleich vorab: Man sollte diesen Debütroman nicht zu vorschnell beurteilen. Denn der deutschsprachige Autor, der als Kind eines ägyptischen Vaters und einer deutschen Mutter von zwei Kulturkreisen beeinflusst wurde, legt mit „Flammenwüste“ ein ungewöhnliches Buch vor: einen klassischen Quest-Roman im Setting von 1.001 Nacht.

Held der Geschichte ist der jugendliche Anûr, Lehrling seines Großvaters, einem Geschichtenerzähler. Gemeinsam haben sie die Wüste durchquert und sind in die Hauptstadt des Reiches gereist, um dort mit alten Märchen über Drachen gutes Geld zu verdienen.

Denn seit mehrere Karawansereien von Drachenfeuer niedergebrannt wurden, redet man allerorts wieder über die feuerspeienden Fabeltiere, die seit hunderten von Jahren als spurlos verschwunden galten. Anûr glaubt nicht recht an die Existenz der mythischen Wesen; als er aus Langeweile aber eines Tages vorgibt, jemand anderes zu sein, wird er in ein aufregendes Abenteuer verwickelt, in dem er mehr sagenhaften Gestalten begegnet, als ihm lieb ist. Unvorbereitet findet er sich selbst wieder als Held seines eigenen, orientalischen Märchens …

Ungewöhnliche High Fantasy aus Deutschland – das gibt’s eigentlich kaum. Ob das nun an den Autoren, den Verlagen oder am Lesegeschmack liegt, sei mal dahin gestellt. Flammenwüste ist da anders, und schon deshalb gebührt Akram El-Bahay Lob.

Zugegeben, das Konzept der Geschichte, das Gerüst, mit dem sie aufgebaut wurde, ist klassisch-bewährt. Es ist aber das fabelhafte Setting, das „Flammenwüste“ besonders macht. Immer nur über den klassischen jugendlichen Helden zu lesen, der natürlich heterosexuell und kaukasischer Abstammung ist und ein Abenteuer in einer Art pseudo-mittelalterlichen England erlebt (oder Deutschland, oder Frankreich), das ist zu eindimensional. Die Zeit für andere Welten, andere Helden, ist längst gekommen, auch wenn man sie hierzulande leider mit der Lupe suchen muss. Da ist es nicht schlimm, dass Anûr sich vom Wesen her nicht groß vom klassischen Fantasy-Helden unterscheidet. Es genügt schon, dass sein Aussehen und die Welt, in der er lebt, anders ist.

Wüsten, Wasserpfeifen, Kaffeestuben und Sultanspaläste. Wüstenkrieger, Luftgeister und verblasste Legenden. Ifrite, Dschinne und Ghoulas … das sind Zutaten aus der Welt der Scheherazade und sie machen dieses Buch lesenswert.

Hinzu kommt, dass El-Bahay stilistisch sehr sicher schreibt. Seine Hauptfigur ist ein Geschichtenerzähler, und so spielen auch Märchen in diesem südländischen Fantasyabenteuer immer wieder eine große Rolle.

Und was die Drachen angeht. Auch sie sind gut beschrieben:

Das Wesen öffnete sein Maul, lang gezogen und mit eisenharten Schuppen besetzt, und er glaubte, hinter den spitzen Zähnen tief im Rachen des Ungeheuers sein Feuer lodern zu sehen.

„Flammenwüste“ ist nicht perfekt. Akram El-Bahays Geschichte ist packend, das Setting ist ungewöhnlich und es ist dem Autor sehr gut gelungen, Atmosphäre zu erzeugen. Mitunter zieht sich die Geschichte aber etwas und manchmal kam ich den Figuren emotional nicht ganz so nahe, wie ich das gerne mag. Das mag aber nur an mir liegen.

Insgesamt halte ich das Buch aber für ein beachtliches Debüt, und ich hoffe sehr, dass es viele Leser findet und Akram El-Bahay dadurch die Gelegenheit bekommt, uns noch öfter in phantastische Welten zu entführen, die dann hoffentlich ebenfalls etwas anders sind als die Standard-Settings, die wir zwar lieben, aber oft bereits allzu gut kennen!

Fakten:

Titel: Flammenwüste
Autor: Akram El-Bahay
Aufmachung: Taschenbuch mit Klappbroschur, 525 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
Preis: 9,99 EUR (oder 8,49 EUR als ebook)

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