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5. April 2015

Interview mit Christiane Spies zu Zwillingsmond

Category: News – Darkstar – 18:55

ZwillingsmondFantasy meets History: Werwölfe im Mittelalter.

Vor ungefähr drei Jahren gab die deutsche Autorin Christiane Spies ihr Debüt mit dem Roman „Mondherz„, für den sie den mittelalterlichen Krieg zwischen Christen und Osmanen mit Werwolfssagen verband.

Jetzt ist unter dem Titel „Zwillingsmond“ ein in sich abgeschlossenes Sequel erschienen. Im Zentrum der Handlung stehen diesmal Ildiko und Janko, die Kinder des Werwolfpaares Veronika und Gábor.

Mitte des 15. Jhd. wachsen die beiden in den wilden Karpaten auf – und unterscheiden sich wie Sonne und Mond. Janko ist scheu und vorsichtig, Ildiko wild und kampflustig. Als ein geheimer Werwolf-Bund versucht, die Herrschaft über Werwölfe und Menschen an sich zu reissen, schlägt die Stunde einer geheimnisvollen Prophezeiung, in deren Zentrum das Zwillingspaar steht.

Im Interview verrät die Autorin uns mehr über ihre beiden jungen Protagonisten, inwiefern sich „Zwillingsmond“ von „Mondherz“ unterscheidet und wie viele schlaflose Nächte ihr ihr zweiter Roman beschert hat.

Interview mit Christiane Spies zu „Zwillingsmond“

Liebe Christiane, welche Farbe und welche drei Schlagworte drücken die Atmosphäre von Zwillingsmond Deiner Meinung nach am besten aus?

Farbe: Dunkelblau, wie das Cover
Schlagworte: düster, wölfisch, orientalisch.

Im Mittelpunkt steht diesmal nicht ein Liebes-, sondern ein Geschwisterpaar. Hattest Du von Romantik die Nase voll?

Von Romantik habe ich niemals die Nase voll! ? Aber du hast Recht, während Mondherz vor allem eine Liebesgeschichte erzählt, kann man Zwillingsmond vielleicht am ehesten als Coming of Age-Geschichte bezeichnen.

Die siebzehnjährigen Werwolf-Zwillinge, die im Mittelpunkt stehen, werden nicht nur auseinandergerissen, sondern auch aus der geschützten Welt ihres Rudels schutzlos hinauskatapultiert in die Welt der Menschen. Dort müssen sie beide auf ihre eigene Weise über sich hinauswachsen und reifen, um den Gefahren zu trotzen und wieder zusammenzufinden.

Insgesamt ist Zwillingsmond deutlich düsterer und auch actionreicher als sein Vorgänger. Auf Romantik habe ich aber nicht vollständig verzichten können. ;-)

Mal abgesehen davon, dass man sich als Autorin sicher freut, wenn Leser zu sämtlichen Büchern aus der eigenen Feder greifen: Muss man Mondherz gelesen haben, um Zwillingsmond zu verstehen?

Nicht unbedingt. Ich habe mich bemüht, alle Informationen, die der Leser aus Mondherz braucht, nach und nach einzuflechten.

Allerdings lohnt Mondherz dennoch, um die Hintergründe besser zu verstehen.

Verrätst Du uns bitte etwas über Ildiko und Janko, die Hauptfiguren des Buches.

Die beiden Zwillingsgeschwister sind so verschieden wie Sonne und Mond. Oder wie Mensch und Wolf?

Ildiko ist wild und widerspenstig. Sie sehnt sich danach, aus der strengen Rudelhierarchie auszubrechen, gleichzeitig tötet sie ohne zu zögern, wenn es darum geht, ihre Familie zu schützen. Vor allem für ihren Bruder hat sie einen ausgeprägten Beschützerinstinkt.

Janko, der Erstgeborene, ist das genaue Gegenteil seiner Schwester. Er ist unsicher und grüblerisch, hadert mit den hohen Erwartungen, die seine Eltern für ihn hegen, und er liebt seine Schwester zwar, doch vor allem schüchtert sie ihn ein.

Das Mädchen wild und impulsiv, der Junge grüberlisch – warum war es Dir wichtig, aus traditionellen Rollenbildern auszubrechen? Bedienen moderne Romane noch immer viel zu oft althergebrachte Klischeevorstellungen?

Ich fand es sehr spannend, die typisch männlich/weiblichen Rollen zwischen den Geschwistern umzudrehen – nicht unbedingt, weil das heutzutage ungewöhnlich ist, sondern vor allem vor der historischen Kulisse der Geschichte. In dieser männerdominierten, religiös geprägten Welt sorgt Ildikos Charakter für Konflikte und Janko fühlt sich als Schwächling. Und beide sind unglücklich damit – was einen von ihnen dazu bringt, eine folgenschwere, falsche Entscheidung zu treffen.

Wenn ich mich in der modernen Fantasy so umblicke, sehe ich vor allem im Jugendbuch und Young Adult viele starke weibliche Hauptfiguren, was ich klasse finde. Und selbst in den eher traditionellen High-Fantasy-Heldengeschichten dürfen immer mehr Frauen die Streitaxt schwingen. Während die weiblichen Hauptfiguren also allmählich aufholen, ist es vielleicht eher Zeit, dass die männlichen Hauptfiguren etwas komplexer werden – und nicht immer nur ihre düstere Seite, sondern auch mal ihre zarte Seite entdecken. :-)

Welche Nebenfigur ist Dir besonders ans Herz gewachsen?

Adem. Er hat die dritte Perspektive in dem Buch. Er ist ein türkischer Hauptmann, und er besitzt die Fähigkeit, Werwölfe von Menschen zu unterscheiden. Dadurch wird er im Auftrag des Sultans zu einer Art „Van Helsing“ – er bekommt den Geheimauftrag, Werwölfe zu jagen. Doch im Laufe der Geschichte hinterfragt er diesen Befehl – denn er ahnt, dass sein Schicksal auf ganz besondere Weise mit dem der wölfischen Zwillinge verbunden ist.

MondherzIm Interview zu Mondherz hast Du gesagt: „In meinem nächsten Buch werden wieder die Werwölfe eine große Rolle spielen – und ich stecke gerade inmitten einer blutigen Kampfszene, die sogar nachts wachhält.“ Wie viele schlaflose Nächte hat Dir Zwillingsmond beschert?

So einige, vor allem zum Schluss hin ;-) Doch das lag weniger daran, dass das Buch relativ blutig ist, sondern vor allem daran, dass die Deadline verstrich, der Sommer 2013 wahnsinnig heiß war, und der Geburtstermin meiner Tochter immer näher rückte. Vier Tage, nachdem ich das fertige Manuskript an die Lektorin schickte, kam sie zur Welt.

Du hast für deinen Debütroman viel Recherche betrieben. Konntest Du Dir deshalb diesmal viel Recherche-Zeit sparen?

Nicht unbedingt – Mondherz spielt im europäischen Spätmittelalter, vor allem in Ungarn. Zwillingsmond spielt 18 Jahre später im Osmanischen Reich, dort herrschte eine ganz andere Kultur, in die ich mich einarbeiten musste.

Was hat Dich zu dieser Geschichte inspiriert?

In beiden Büchern spielt als historische Kulisse der Krieg zwischen christlichem Abendland und osmanischem Reich eine große Rolle.

In Mondherz bewegten sich meine Figuren auf der Seite der Christen, doch bei meinen Recherchen fand ich damals schon die orientalische/osmanische Welt wahnsinnig faszinierend. Den Menschen hier in unseren Breitengraden war diese Welt damals nicht nur fremd, sie hielten sie für barbarisch – dabei war das osmanische Reich den westlichen Königreichen weit voraus. Nicht nur, dass es eine Zentralgewalt gab, Rechtssicherheit und Landfrieden, auch in Wissenschaft und Kultur waren die Türken fortschrittlich, und im religiösen Bereich relativ tolerant.

Ich mir wuchs der Wunsch, diese Welt ebenfalls darstellen zu können – und deshalb wollte ich unbedingt, dass ein Sequel dort spielt.

Vor welche besonderen Herausforderungen hat Dich die Arbeit am Buch gestellt?

Eine Fortsetzung zu schreiben, fiel mir anfangs wahnsinnig schwer. Ich wollte ja, dass das Buch sowohl spannend war für jene, die Mondherz schon gelesen hatten, als auch verständlich für Leser ohne Vorkenntnisse. Welche Informationen musste ich also einfügen, um die Neueinsteiger an Bord zu haben – ohne dabei die Leser zu langweilen, die den ersten Band schon kannten? Daran habe ich lange geknabbert.

Nach dem Buch ist vor dem Buch: Darfst Du uns schon verraten, woran Du gerade arbeitest?

Mein nächstes Manuskript ist gerade fertig geworden. Es ist ein High-Fantasy-Projekt für Bastei Lübbe, das im nächsten Winter erscheint. Es wird unter dem Pseudonym Natalie Speer erscheinen und voraussichtlich den Titel „Frostseelen“ tragen. Und darum geht es: Eine eisige Welt voller Magie, zwei verfeindete Völker und eine unheimliche Seuche.

Vielen Dank!

Ein Interview mit Christiane Spies zu „Mondherz“ findet ihr hier!

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