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20. Oktober 2016

Eva Völler: Zeitenzauber (1)
Die magische Gondel

Category: Hörbücher,Rezensionen – Darkstar – 12:00

Die magische GondelWährend ihrer Sommerferien in Venedig stolpert die 17jährige Anna zunächst über einen wunderschöne Maske – und dann über Bord einer Gondel direkt hinein ins 15. Jahrhundert.

Anders als Gwen, die Heldin von Kerstin Giers „Edelsteintrilogie“, springt sie aber nicht nach einigen Minuten wieder zurück in die eigene Zeit, sondern steckt im venezianischen Mittelalter fest. Und davon ist sie gar nicht begeistert.

Da kann sie auch der attraktive Sebastiano nicht beruhigen, der sich als Zeitreisender herausstellt und verspricht, sie zurück in ihre eigene Zeit zu schicken, sobald die Sterne dafür wieder günstig stehen. Bis es soweit ist, bringt er Anna zunächst im Kräuterladen der resoluten Mathilda und ihres Mannes Jacopo unter. Dort ist ebenfalls Clarissa untergebracht – wie Anna eine in der Zeit Gestrandete; allerdings stammt Clarissa aus der Zeit der Französischen Revolution.

Widerwillig richtet sich Anna darauf ein, bis zur Zeit ihrer Rückreise Böden zu schruppen, Wasser zu schleppen und sich daran zu gewöhnen, dass es statt eines Badezimmers nur ein Plumpsklo gibt. Sie ahnt nicht, dass der fehlende Fortschritt das geringste ihrer Probleme ist. Denn höhere Mächte haben bestimmt, dass sie im Venedig des Jahres 1499 noch eine ganz bestimmte Aufgabe erfüllen muss …

Die Regeln der Zeitreise

Um Eva Völlers „Zeitenzauber“-Romane habe ich bisher einen Bogen gemacht, weil ich davon ausging, dass sie ein blasser Abklatsch von Kerstin Giers „Edelsteintrilogie“ seien.

Zu unrecht, wie ich nun sagen muss. Eva Völler schreibt nicht nur humorvoll und unterhaltsam, sondern auch absolut glaubwürdig. Und das ist etwas, dass gerade bei einer Zeitreise-Geschichte eine große Rolle spielt. Annas Reaktionen waren für mich absolut überzeugend, nicht überzogen, und dadurch konnte ich mich voll und ganz auf „Die magische Gondel“ einlassen.

Geschadet hat es sicher auch nicht, dass Annina Braunmiller die aus der Ich-Perspektive erzählte Geschichte als Sprecherin auch wunderbar einfängt, für mich im Ohr praktisch zu Anna wurde.

Zeitreise-Geschichten sind immer tricky. Eva Völler ist es gut gelungen, das magischen Element ihrer Romane mit einem überzeugenden Regelwerk zu unterfüttern. Anna kann Begriffe, die es im 15. Jhd. noch nicht gab, zum Beispiel nicht aussprechen (aus Kinofilm wird z.B. Kostümstück) und eine magische Sperre hindert sie außerdem daran, Uneingeweihten zu offenbaren, dass sie aus der Zukunft kommt.

Für mich lebt „Die magische Gondel“ aber weniger von Annas Versuchen, in das Jahr 2009 zurückzukommen, als vielmehr von Eva Völlers schöner Beschreibung des venezianischen Mittelalters. Dass sie das aus den Augen einer Schülerin aus dem 21. Jahrhundert tut, macht das ganze nur noch gelungener. Anna lernt viel über das Mittelalter – nicht nur über mangelnde Zahnhygiene und Aberglauben. Vielmehr stellt sie fest, dass die Mädchen in einem Nonnenkonvent nicht weniger gern Partys feiern als die Kurtisanen der Stadt.

Die Nebenfiguren sind gut gezeichnet und amüsant. Besonders Clarissa ist mir ans Herz gewachsen, trotz all der Fehler, die sie haben magt.

Die magische Gondel“ ist zwar in sich abgeschlossen, lässt sich aber ein Hintertürchen für potentielle Fortsetzungen offen. Die es auch gibt. Wer Reihen nicht mag, kann „Die magische Gondel“ hören, genießen und sich am Ende zufrieden zurücklehnen. Wer mehr will, freut sich sicher darüber, dass Eva Völler ihren Roman mit „Die goldene Brücke“ und „Das verborgene Tor“ fortgesetzt hat.

Zur Hörprobe und zum Hörbuchdownload: klicken!

 

 

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