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11. Dezember 2016

Naomi Novik: Das dunkle Herz des Waldes

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 18:30

Das dunkle Herz des WaldesNiemand verschwand im Dunklen Wald und kam wieder zurück, jedenfalls nicht unversehrt und so wie vorher.
Manchmal kamen die Verschwundenen blind und schreiend zurück, manchmal so verunstaltet, dass sie nicht mehr zu erkennen waren. Am schlimmsten war es jedoch, wenn sie äußerlich unverändert heimkehrten, in ihrem Inneren jedoch das Böse lauerte. (Seite 68).

Agnieszka lebt am Rand eines riesengroßen Waldes – eines Dunklen Waldes, vor dem sich die Leute zu Recht fürchten. Jahr um Jahr versucht er, sich auszudehnen und den Menschen mehr Land abzutrotzten. Und die Gefahren, die zwischen den Baumstämmen lauern, sind ebenso unergründlich wie schrecklich.

Der Einzige, der gegen die Magie des Waldes etwas ausrichten kann, ist der Drache: ein mürrischer Zauberer, der in einem Turm lebt und die Bewöhner der umliegenden Dörfer vor der verderbten Macht des Waldes schützt. Doch seine Hilfe hat einen Preis: Alle zehn Jahre kommt er in das Dorf und fordert ein junges Mädchen als Tribut.

Alle im Dorf wissen, dass die Wahl des Drachen in diesem Jahr auf Agnieszkas beste Freundin Kasia fallen wird – sie gilt als das schönste, strahlendste Mädchen ihrer Generation. Als der Drache deshalb statt ihrer Agnieszka erwählt, überrumpelt das alles.

Und als Agnieszka mit ihm geht, beginnt für sie ein Leben, das so ganz anders ist als alles, was sie sich je erhofft hat. Denn auch in ihr schlummern magische Kräfte. Kräfte, die sie bereit ist zu nutzen, um ihre Lieben vor der Gefahr zu schützen, die unerbittlich vom Dunklen Wald ausgeht …

Das dunkle Herz des Waldes” ist das erste Jugendbuch der US-Autorin Naomi Novik, die sich in den letzten Jahren mit ihrer phantastischen Alternativ-History-Reihe „Die Feuerreiter Seiner Majestät“ einen Namen gemacht hat – eine Reihe, mit der ich ehrlich gesagt nicht so recht warm geworden bin. Band 1 habe ich schließlich abgebrochen.

Aber ich war sehr gespannt, wie mir Noviks „Märchenroman“ gefallen würde. Denn auch wenn sie hier kein klassisches Märchen adaptiert, so spinnt sie ihre Romanhandlung doch aus Motiven osteuropäischer Märchen. Das verleiht dem Buch einen eigenen, wunderschönen Charme. Ich bin gespannt, wie es sich auf der großen Leinwand schlägt, denn zumindest haben Warner Bros. die Rechte an einer Kinoverfilmung erworben und Ellen DeGenres möchte das Projekt produzieren.

Das ist kein Liebesroman!

Wer aufgrund des ursprünglichen Klappentextes befürchtet (oder hofft), dass im Buch vor allem eine Liebesgeschichte zwischen dem Drachen und Agnieszka eine Rolle spielt, ist auf dem Holzweg. “Das dunkle Herz des Waldes” ist ein klassisches Coming of Age-Märchen, in dessen Mittelpunkt ein Mädchen steht, in dem das Potential schlummert, eine große Zauberin zu werden. Sie hält sich nicht das ganze Buch über beim Drachen und im Turm auf, sondern erlebt ihre eigene Quest, die sie schließlich in die Reichshauptstadt an den Königshof führt, wo sie sich mit politischen Intrigen und einem drohenden Krieg auseinander setzen muss.

Agnieszka selbst fand ich sehr sympathisch. Ein bisschen unsicher und ungeschickt, aber mutig und nicht auf den Mund gefallen. Sie spricht manchmal, bevor sie denkt, und sie macht Fehler, aber sie rappelt sich nach Tiefschlägen wieder auf. Zu Beginn erleben wir sie noch etwas unsicher, aber umso plastischer ist ihre Wandlung im Verlauf des Abenteuers.

Novik beschreibt zudem Agnieszkas Welt sehr greifbar: ein mittelalterliches Fantasy-Polen wie aus dem Märchenbuch. Auch die große Baba Yaga wird zumindest erwähnt und spielt in gewisser Weise eine Rolle in der Geschichte. Im Mittelteil gibt es zwar einige Längen, aber aufgrund des packenden Anfangs und des spannenden letzten Drittels kann ich darüber großzügig hinweg sehen.

Zumindest ist “Das dunkle Herz des Waldes” ein Buch, das im Gedächtnis haften bleibt.

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