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2. Januar 2017

Halo Summer: Aschenkindel

Category: Hörbücher,News,Rezensionen – Darkstar – 15:00

AschenkindelKann man einem so berühmten und viel adaptierten Märchen wie „Aschenputtel“ wirklich noch etwas Neues abgewinnen?

Halo Summer schreibt von überforderten Feen, verzauberten Grabsteinen, Flugwürmern – und einem „Aschenkindel„, das überhaupt kein Interesse daran hat, auf den königlichen Ball zu gehen. Experiment gewagt und gelungen, muss ich deshalb sagen. „Aschenkindel“ ist eine ganz eigene Interpretation des klassischen Märchens und hat mir beim Hören richtig Spaß gemacht. (Was auch an der gekonnten Lesung durch Sabina Godec gelegen hat).

„Du bist schon ein komisches Mädchen“

Seit dem Tod ihres Vaters lebt Claerie wie eine Dienstmagd bei ihrer Stiefmutter und ihren zwei ebenso biestigen wie schrägen Stiefschwestern. Die stecken den gesellschaftlichen Absturz nach dem Bankrott des Familienbetriebs weit weniger gut weg als Claerie. Trotz aller Widrigkeiten hat sich Claerie ihr sonniges Gemüt bewahrt – und treibt damit ihre gute Fee in den Wahnsinn, die verzweifelt versucht, ihren Schützling zum königlichen Ball zu bugsieren. Claerie hat daran kein Interesse. Sie hat den Prinzen bereits in ihrer Kindheit kennengelernt, und da hat er nicht gerade den besten Eindruck auf sie gemacht.

Da sucht sie doch lieber im Verbotenen Wald nach Morcheln und setzt sich der Gefahr aus, von einem Vampir gebissen zu werden, als sich einem eingebildeten Prinzen an den Hals zu werfen. Dort kommt es jedoch zu einer unerwarteten Begegnung, die ihren Entschluss, das Schloss keinesfalls zu betreten, gefährlich ins Wanken bringt …

„Aber ich sehe auf deinem Kopf die Krone!“ (Fee)

„Hör gefälligst auf, mich zu verwünschen!“ (Aschenkindel)

Aschenkindel – Das wahre Märchen“ spielt zwar in der gleichen Welt wie Halo Summers „Sumpfloch-Saga„, allerdings rund 3.000 Jahre früher und es ist nicht notwendig, die anderen Romane der Autorin zu kennen, um dieses Hörbuch zu hören. „Aschenkindel“ steht auf eigenen Füßen und macht herrlich viel Spaß. Auch bzw. weil das Märchen in einer Fantasy-Welt spielt, in der es Flugwürmer und Vampire gibt. Dadurch bekommt das Buch nochmal einen eigenen Dreh.

Claerie reiht sich ein in die inzwischen lange Reihe selbtbewusster Aschenbrödel, die sich nicht unterkriegen lässt, die ihr Schicksal in die eigene Hand nimmt und die man deshalb ins Herz schließen muss. Besonders gefallen hat mir auch die gelungene Schilderung ihres ambivalenten Verhältnisses zu ihrer Stieffamilie. Ihre Stiefmutter und ihre -schwestern mögen ihr gehörig auf den Senkel gehen, aber sie hasst sie nicht. Teilweise tun sie ihr leid. (Und ich mochte es, dass Claerie ihre Stiefmutter in Gedanken immer als „Mutter“ bezeichnet).

Die Liebesgeschichte entwickelt sich unerwartet und vor allem nebensächlich. Andere Dinge sind genau so wichtig, wie etwa ein Mysterium um den Tod von Claeries leiblicher Mutter direkt nach deren Geburt.

Mir hat „Aschenkindel“ sehr gut gefallen. Es ist direkt, schnörkellos und keck geschrieben und macht beim Hören einfach Spaß – vor allem, aber sicher nicht nur, jetzt in der Winterzeit.

Da hoffe ich doch, Halo Summers erzählt uns eines Tages auch das „wahre Märchen“ vom „Froschröschen„.

Das Hörbuch bzw. eine Hörprobe gibt’s bei Audible.

Ein Interview mit Halo Summer gibt’s auf dem Hörbücher Blog.

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