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12. Januar 2017

Edith Nesbit: Der Ebenholzrahmen
Gruselkabinett (112) Hörspiel

Category: Hörbücher,Rezensionen – Darkstar – 17:30

Der Ebenholzrahmen wurde nicht von Menschenhand geschaffen

Nachdem ich in meinen letzten beiden Besprechungen zu Gruselkabinett-Folgen leider keine Kaufempfehlung aussprechen konnte, geht’s mir diesmal erfreulicherweise ganz anders: „Der Ebenholzrahmen“ ist eine spannende, atmosphärische Folge, die zu Hören sich wirklich lohnt!

London in den 1920er Jahren: Unerwartete erbt der junge Philipp (Herbert Schäfer) ein herrschaftliches Anwesen in einer der nobelsten Gegenden der Stadt. Das viktorianische Haus seiner verstorbenen Tante mag zwar mit altbackenen Möbeln eingerichtet sein, ansonsten aber sehr beeindruckend. Philipp fühlt sich sofort wohl – ein Dorn im Auge ist ihm nur der billige Kunstdruck, der in einem prächtigen Ebenholzrahmen direkt über dem Kamin hängt. Warum hat seine Tante einen offensichtlich derart kostbaren Rahmen ein so erbärmliches Bild gehängt?

Gemeinsam mit Jane (Beate Gerlach), der Vorsteherin der Dienerschaft, begibt er sich auf die Suche nach dem Gemälde, das ursprünglich im Ebenholzrahmen hing. Und macht dabei nicht nur eine, sondern gleich zwei unglaubliche Entdeckungen …

Edith Nesbit (Der verzauberte Garten; Fünf Kinder und zehn Wünsche) war mir bis dato ausschließlich als Kinderbuchautorin geläufig. Der Ebenholzrahmen beweißt eindrucksvoll, dass die Autorin auch viel Gespür für die Schauerromantik hatte – und diese Gruselkabinett-Episode ist endlich wieder eine, die die Bezeichnung „Schauerromantik-Hörspiel“ vollauf verdient:

Ein altes Herrenhaus, ein dunkles Geheimnis, eine geheimnisvolle Schönheit, mysteriöse Bilder und eine Liebe, die in ihrer Leidenschaft bereit ist, einen hohen Preis zu bezahlen – Edith Nesbit baut aus klassischen Versatzstücken des sanften Horrors eine tolle, spannende Geschichte, die sich inhaltlich wohltuend von anderen Erzählungen abhebt und deshalb frisch und anders wirkt als viele Vorgänger-Episoden der Gruselkabinett-Reihe, die inzwischen ja auf 112 Folgen angewachsen ist. Da ist es gar nicht so leicht, noch zu überraschen. Dem Ebenholrahmen gelingt das. Und ich bin begeistert davon, dass es vor allem düster und unheimlich zugeht, nicht aber brutal und bluttriefend.

Die tolle Atmosphäre wird von der gelungenen Inszenierung eingefangen und noch unterstrichen. Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist opulent und gut gelungen, die Sprecher agieren durch die Bank sehr glaubwürdig. Das sorgt für Kopfkino. Neben Matthias Lühn in einer kleinen Rolle glänzt vor allem Janina Sachau als Philipps selbstbewusste Verlobte Mildred.

Ganz ehrlich: Die 58 Minuten vergehen wie im Flug und den Ebenholz-Rahmen hat man nicht nur einmal gehört. Da verschmerze ich sogar, dass ich mir das Ende ein ganz klein wenig raffinierter vorgestellt habe. Aber so oder so kann man sagen: Ein kleines Highlight innerhalb der Reihe.

 

1 Kommentar »

  1. Danke, Christian, für die schöne Besprechung. Gruselkabinett ist die einzige Hörspielserie, die ich wirklich sammle. Ich habe seit einiger Zeit aber keinen Nachschub mehr besorgt, das sollte ich wohl ändern 😉

    LG,
    Sandra (booknapping.de)

    Comment by Sandra Wiegratz — 13. Januar 2017 @ 07:56

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