Darkstars Fantasy News


5. März 2017

Von Drachen und Träumen
Interview mit Akram El-Bahay

Category: Interviews – Darkstar – 10:00

Henriette und der TraumdiebDie Träume der Wunschträumerin sind wild, atemlos und gefährlich.

Welche Träume träumt der Autor Akram El-Bahay, Seraph-Gewinner für seinen Debütroman Flammenwüste und Verfasser des vor kurzem erschienenen Kinder- und Jugendbuchs Henriette und der Traumdieb?

Im Interview haben wir uns u. a. über Traum- und Bücherwelten unterhalten, über Märchen und darüber, ob man ein Jugendbuch anders schreibt als einen High Fantasy-Roman.

Interview mit Akram El-Bahay

Lieber Akram, wie gut kannst Du Dich an Deine Träume erinnern?

Oh, leider sehr schlecht. Also ganz klar: In meinem Kopf steckt ein Traumdieb.

Nur manchmal, wenn ich gegen vier Uhr wach werde und wieder einschlafe, träume ich ziemlich verrückte Sachen, an die ich mich auch immer gut erinnern kann. Vielleicht ist der Traumdieb dann bereits weitergezogen.

Welche Stichworte und Farben fangen für Dich die Atmosphäre von HENRIETTE UND DER TRAUMDIEB am besten ein?

Sonnengelb für den Sand in der Wüste, tintenschwarz für die Bäume im Nachtschattenwald und silberhell für den Schlüssel, den Henriette sucht.

Die Träume der Wunschträumerin sind wild, atemlos und gefährlich.

Was macht für Dich Henriette und Nick zu den perfekten Protagonisten für Dein Jugendbuchdebüt?

Die beiden können sich zu Beginn des Abenteuers nicht besonders leiden. Und dennoch sind sie einander näher, als sie es sich eingestehen würden.

Sie sind wie Spiegelbilder. Laut und nachdenklich, übermütig und vorsichtig. Dass sie sich, wenn es darauf ankommt, hervorragend ergänzen, ist für beide eine Riesenüberraschung.

Ohne Nick hätte Henriette die ganze Sache nie gemeistert.

Zu Beginn des Romans graust es deine jugendlichen Helden vor dem öden Besuch bei der „schwarzen Tante“. Kennst du solche Erlebnisse aus deiner eigenen Kindheit?

Der Besuch bei der schwarzen Tante ist tatsächlich die Essenz aus allen langweiligen Familienbesuchen, die scheinbar nie enden wollen und ewig lange dauern. Ich schätze, jeder hat sie als Kind hinter sich bringen müssen. Vor allem in Ägypten werden solche Zusammentreffen sehr lang.

Früher fand ich das nicht zum Aushalten. Heute mag ich so etwas. Sehr zum Schrecken meiner eigenen Kinder übrigens.

Und was sagen deine schwarzen Tanten zu dieser Szene?

Eine echte schwarze Tante gibt es bei mir allerdings nicht. Meine Tanten sind und waren sehr freundlich!

Und selbst wenn sich jemand angesprochen fühlen könnte: So lange es keine arabische Lizenz für Henriette und der Traumdieb gibt …

Schreibt man ein Kinder- und Jugendbuch anders als einen Erwachsenenroman?

Henriette und der TraumdiebNa ja, wahrscheinlich geht es bei Henriette nicht so brutal zu. Keiner verliert einen Arm oder eine Hand, sondern höchstens das Leben.

Außerdem konnte ich bei Henriette etwas märchenhafter schreiben.

Aber was den Anspruch an die Ideen und die Geschichte selbst anbelangt, unterscheiden sich Kinder- und Erwachsenenroman nicht voneinander. Man darf Kinder ebenso wenig wie Erwachsene an der Nase herumführen und als Erklärung Magie anbieten, wenn man nicht mehr weiter weiß.

Es muss alles in sich stimmig sein.

Würdest Du gern noch weitere Bücher für diese Zielgruppe schreiben?

Ehrlich gesagt, stecke ich mitten in einem neuen Manuskript. Aber ich kann nichts darüber sagen, gar nichts. Überhaupt nichts.

Außer, dass es wieder ein Ueberreuter-Roman wird.

Und fantastisch.

Und es geht um besondere Worte. Und Magie.

Aber es wird niemand an der Nase herumgeführt. Ehrlich!

Was war das für eine Herausforderung, eine Welt aus Träumen zu erschaffen?

Die Herausforderung? Ich weiß schon nicht, was ich träume. Wie soll ich da wissen, was Henriette träumt?

Ich musste mir also Träume ausdenken, die einer Wunschträumerin würdig sind. Und diese Träume auch noch auf eine Weise beschreiben, die so klingt, als hätte es sie wirklich gegeben, und die dennoch so verrückt ist, dass der Leser oder die Leserin ihnen gerne folgt.

Sie durften aber nicht zu verrückt sein, sonst sind sie gewissermaßen überwürzt.

Und nicht zu langweilig, sonst sind sie zu fad.

Schreiben hat schon sehr viel von kochen.

Flammenwüste 3Wie in Deinen FLAMMENWÜSTE-Romanen begegnen wir in HENRIETTE UND DER TRAUMDIEB Märchenmotiven. Was fasziniert Dich an Märchen?

Märchen erzählen ja nur vordergründig die Geschichte von Prinzessinnen, Hexen oder verwunschenen Königreichen.

Dahinter steckt in der Regel eine zweite Geschichte, die viel über die Zeit und Menschen erzählt, die in ihr gelebt haben.

Ganz egal, ob das Märchen „Rumpelstilzchen“ oder „Der Fischer und der Geist“ heißt. Wenn du in deinem Roman Märchenmotive einsetzt, kannst du über sie sehr gut auf einer zweiten Ebene erzählen.

Was inspiriert Dich?

Bilder.

Ich bin sehr optisch. Manchmal reicht ein Motiv aus, und ich stecke in einem Roman.

Bilder sind auch wichtig, um die Figuren und die Orte zu entwickeln. Zu jedem Roman fertige ich ein kleines Bilderarchiv an, aus dem ich mich dann bediene.

Was war das coolste oder absurdeste Thema, über das Du bisher recherchiert hast?

Nebelfänger.

Sie kommen in Flammenwüste – Der Gefährte des Drachen vor. Und es gibt sie wirklich!

Es ist doch verrückt, dass Menschen einen Apparat bauen, der den Nebel aus der Luft holt, oder?

Was darfst Du uns heute bereits über Dein nächstes Buchprojekt verraten? Wird es auch wieder orientalisch werden?

Bücherstadt 1Das nächste Projekt ist Die Bibliothek der flüsternden Schatten – Bücherstadt (Lübbe, 25.8.2017), der Auftakt zu einer neuen Trilogie.

Es geht um Samir, einen Dieb, der nicht lesen kann und zum Wächter eines gewaltigen Bibliothekslabyrinths wird.

Und um Fabelwesen, die lebendig werden.

Und ja, es wird auch orientalisch.

Die Stadt, in der das Abenteuer spielt, liegt auf der Nahtstelle zwischen Orient und Okzident. Und Samir steht genau zwischen beiden Welten.

Vielen Dank!

Akram El-Bahay findet ihr auf Facebook.

Meine Reviews zu Akrams Romanen:

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