Darkstars Fantasy News


2. April 2018

Interview mit Elisabeth Waters
Assistentin von Marion Zimmer Bradley

Category: Interviews – Darkstar – 17:09

Tigerclan von MerinaVor zehn Jahren an Ostern erschien auf diesem Blog das erste Interview!

Elisabeth Waters, langjährige Assistentin und Freundin von Marion Zimmer Bradley stellte sich sehr ausführlich meinen Fragen.

Zur Feier des Tage gibt’s deshalb heute nochmal einen Repost. Viel Spaß! 

Elisabeth Waters war zwei Jahrzehnte lang die Assistentin von Marion Zimmer Bradley (MZB).

Im Interview erzählt sie nicht nur über ihre eigenen Bücher und Kurzgeschichten, sondern auch viel über die Zusammenarbeit mit der Erfolgsautorin und verrät einige Anekdoten aus ihrer beider Leben.

Vor nicht allzu langer Zeit ist SWORD & SORCERESS 22 in den USA erschienen. Du bist die Herausgeberin. Vielen Dank für die Fortführung dieser Reihe. Für frühere Ausgaben hast du selbst einige Geschichten geschrieben. Wie war das für dich, nun eine neue Ausgabe zu editieren?

Es war ein bisschen seltsam. Ich habe ungefähr bei der vierten Ausgabe angefangen, Marion Zimmer Bradley (MZB) beim Editieren zu helfen, also tu ich das schon seit einer langen Zeit. Ich habe die Ausgaben Nr. 18, 19 und 20 nach ihrem Tod herausgegeben, aber für diese stand mir ein Stapel Kurzgeschichten zur Verfügung, unter denen sie selbst eine letzte Auswahl treffen wollte.
Diesmal war es das erste Mal, dass ich den Prozess von Anfang an durchführen musste. Nachdem ich jedoch all diese Jahre mit ihr zusammen gearbeitet habe, verrät mir eine Stimme in meinem Kopf, was sie gemocht hätte und was nicht – tatsächlich wurde in einer der Besprechungen der Anthologie darauf hingewiesen, wie sehr diese an die Arbeit von ihr (MZB) erinnert.

Marion Zimmer Bradley schrieb – zumindest in den frühen Bänden – dass sie jedes Jahr eine überraschende Anzahl Geschichten erhielt, denen ein bestimmtes Thema zu Grunde lag, dass offenbar zur Zeit in Mode war. Gibt es auch ein bestimmtes Thema in SWORD AND SORCERESS 22 – und, falls ja, welches ist es?

Dieses Jahr gab es wirklich kein Thema. Als SWORD AND SORCERESS ein jährliches Ereignis war, erhielten wir sehr viele Geschichten, aber aufgrund der Tatsache, dass zwischen der vorherigen Ausgabe und dieser eine Pause von mehreren Jahren lag, stand uns keine riesige Ansammlung von Kurzgeschichten zur Verfügung, die die üblichen Teilnehmer für “die nächste SWORD & SORCERESS-Ausgabe” geschrieben hatten.

MZB hatte in der Regel am Ende eines Lese-Zeitraums so viel Geschichten, dass sie für drei gute Anthologien gereicht hätten – sie nannte die Zeit “die quälende End-Auswahl-Zeit”, in der sie rundherum gute Geschichten zurückschicken musste, die sie sehr gern verwendet hätte, wenn sie nur hätte kaufen können, was sie wollte anstatt gezwungen zu sein, darauf zu achten, wieviel Platz sie in einem Buch haben würde.

Eine solch große Anzahl Geschichten zu haben bedeutete auch, dass sie ein Thema auswählen konnte; tatsächlich konnte man die Geschichten, die für SWORD AND SORCERESS 18 eingeschickt wurden, in drei Hauptthemen unterteilen, was mir dabei half zu entscheiden, welche in Nr. 18, 19 und 20 erscheinen würden.

Bei der kleineren Anzahl an eingereichten Geschichten (wobei ich trotzdem Geschichten zurückschicken musste, die ich gerne behalten hätte) konzentrierte ich mich vor allem auf Originalität.

Ich hatte bisher nicht die Möglichkeit, deinen ersten eigenen Roman CHANGING FATE zu lesen. Allerdings habe ich viele ziemlich gute Kritiken darüber gefunden.

Gemäß deiner Website arbeitest du gerade an einer Fortsetzung. Gibt es bereits Pläne, CHANGING FATE neu aufzulegen? Und gibt es bereits Pläne für eine deutsche Übersetzung?

Changing FateZur Zeit arbeite ich an MENDING FATE. (Anmerkung 2018: Inzwischen erschienen). Wenn ich damit fertig bin, werde ich es meinem Agenten schicken und er wird versuchen, ihn so zu verkaufen, dass CHANING FATE ebenfalls neu aufgelegt wird.

Ich habe noch nichts von Plänen für eine deutsche Ausgabe gehört; die Abteilung für Auslandsrechte meines Agenten würde sich darum kümmern.

Ich glaube, ein deutscher Verleger würde wollen, dass ich bekannter bin oder Beweise dafür verlangen, dass die Nachfrage nach dem Roman stark genug wäre, um mit einer Veröffentlichung Gewinn zu erzielen.

Ich vermute, du kannst uns zu diesem Zeitpunkt nicht allzu viel verraten, aber vielleicht könntest du uns dennoch ein bisschen über MENDING FATE erzählen?

MENDING FATE spielt ungefähr 15 Jahre nach CHANGING FATE und die Hauptcharaktere sind Akila und Ranulfs Sohn Kyril sowie Briams zwei Töchter: Zalina, die nun nach dem Tod ihrer Mutter Königin ist, und Zora, Drucillas Tochter.
Kyril und Zora sind beides Gestaltwandler, und wahrscheinlich ist auch Zalina eine ohne es zu wissen.

Das Buch heißt MENDING FATE, weil die Charaktere in CHANGING FATE Dinge getan haben, die mehrere Gottheiten verärgert haben, und nun liegt es an der nächsten Generation, wieder alles ins Lot zu bringen.

Was glaubst du ist der Grund, weshalb so viele Fantasy Autoren ihre Geschichten gern als Trilogie erzählen?

Es ist leichter, Bücher zu verkaufen, die Teil einer Serie sind. Die Leser möchten oftmals wissen, was nach dem Ende eines Romans, der ihnen gefällt, passiert. Hat ihnen also das erste Buch gefallen, kaufen sie wahrscheinlich auch weitere Bücher dieser Reihe. Professionelle Autoren tendieren dazu, das zu schreiben, was sie auch verkaufen können, entweder weil sie ihren Lebensunterhalt damit verdienen oder weil sie ihren Lebensunterhalt durch das Schreiben verdienen möchten.

Trilogien sind populär – Mercedes Lackey hat die meisten ihrer “Valdemar-Romane” als Dreiteiler geschrieben – aber andere Romananzahlen werden auch genutzt. Tamora Pierce, eine weitere Lieblingsautorin von mir, schreibt gern Vierteiler.

Ich habe versucht, die FATE-Serie als Trilogie zu schreiben, aber der Mittel-Band, den ich SHAPING FATE nannte, wollte nicht so recht gelingen, also nehme ich an, es sollte einfach nicht sein.

Womit fühlst du dich wohler: Romanen oder Kurzgeschichten? Und woran erkennst du, welcher Plot sich besser für einen Roman und welcher besser für eine Kurzgeschichte eignet?

Ich nehme an, mir liegt das Schreiben von Kurzgeschichten mehr, weil ich eher daran gewohnt bin, sie zu schreiben und sie in ungefähr einer Woche fertig geschrieben werden können. Für einen Roman braucht man Monate, wenn nicht Jahre.

Das kann besonders heikel sein, wenn man einer jener Autoren ist, die während des Schreibens zu ihrem Protagonisten werden.

Marion Zimmer Bradley hat mir meine Ausgabe der NEBEL VON AVALON signiert mit der Widmung “für Lisa, die zwei Jahre lang mit Morgaine le Fay zusammen lebte, ohne sich zu beschweren” – und ihre Kinder haben sich noch mehr als fünf Jahre, nachdem sie HASTURS ERBE fertig geschrieben hatte, darüber beschwert, mit Lew Alton zusammenleben zu müssen.

Das ist der Grund, weshalb Akila, die Hauptprotagonistin von CHANGING FATE, eine solch souveräne Person ist. Wenn ich schon für mehrere Monate jemand anderes sein würde, dann musste diejenige dazu fähig sein, sich um das Geschäftsleben und den Haushalt von Marion Zimmer Bradley zu kümmern.

Bei MENDING FATE, obwohl Zora die Hauptfigur ist, schreibe ich genug über Zalina, als dass diese Teil meiner derzeitigen Persönlichkeit ist. Das führt zu gelegentlichen Problemen, da Zalina ziemlich schüchtern und ängstlich ist, was bedeutete dass es Tage gibt, an denen ich beinahe Angst davor habe, mein Zimmer zu verlassen. (Die Tatsache, dass ich jahrelang mit Platzangst zu kämpfen hatte, hilft da nicht gerade.)

Ein Plot kann entweder für eine Kurzgeschichte oder für einen Roman verwendet werden – oder, in manchen Fällen, für beides. CHANGING FATE fand seinen Anfang in einer Kurzgeschichte mit dem Titel “A Women’s Privilege” in SWORD & SORCERESS 3 (dt. “Frauenvorrecht” in “Wolfsschwester – Magische Geschichten 3”) und Mercedes Lackeys Roman CHILDREN OF THE NIGHT entstand aus ihrer Kurzgeschichte “Nightside” heraus, die in Ausgabe Nr. 6 von MARION ZIMMER BRADLEY’S FANTASY MAGAZINE erschienen war.

Du hast an mehreren Romanen sehr eng zusammen mit Mariom Zimmer Bradley gearbeitet, zum Beispiel an DIE ERBIN VON RUWENDA und DER TIGERCLAN VON MERINA. Wie hat das funktioniert? Wie habt ihr die Arbeit untereinander aufgeteilt?

Ich hatte bei DIE ZAUBERIN VON RUWENDA geholfen, dem ursprünglichen Buch der Serie, welches von Julian May, Andre Norton und MZB geschrieben worden war.

Julian schrieb eine Fortsetzung, dann schrieb Andre auch eine und so wandt sich der Verleger an Marion, um das Set zu komplettieren. Sie war nicht gerade Feuer und Flamme für die Idee, also sagte ich, ich würde es mit ihr zusammen schreiben.

Wir beschlossen, das Buch einige Generationen in der Zukunft spielen zu lassen, so dass wir uns nicht darum kümmern mussten, Details aus den anderen Fortsetzungen zu widersprechen und entschieden, dass das Buch von Haramis und ihrer Nachfolgerin handeln sollte.

Der ursprüngliche Plan sah vor, dass Marion die Teile der alten, weisen Zauberin Haramis schreiben sollte und ich aus Sicht von Mikayla, dem sich sträubenden Mädchen, das Haramis zu ihrer Nachfolgerin ausbilden wollte. Wir wollten uns jeweils in den Kapiteln abwechseln. Wir hatten kaum mit der Arbeit am Buch begonnen, als Marion wieder einen Schlaganfall erlitt, was dazu führte, dass ich fast das ganze Buch allein schrieb.

Marion las die Kapitel, die ich für Haramis schrieb, die ebenfalls einen Schlaganfall hatte, um ihr noch mehr Probleme zu bereiten (Figuren brauchen immer Probleme, oder die Handlung würde völlig langweilig) und kontrollierte, dass die Symptome und Gefühle, die ich beschrieb, für das Opfer eines Schlaganfalls auch stimmig waren. Mikayla war viel mehr mein Charakter, ein Teenager, die nichts mit Haramis oder deren Aufgabe zu tun haben wollte.

Marion beschwerte sich über eine Szene, die ich geschrieben hatte, in der Mikayla Haramis anschrie: “Meine Charaktere schreien niemals so herum!” Ich ging ihre Arbeiten im Geiste durch und musste feststellen, dass sie recht hatte: Wenn ihre Figuren wütend wurden und nicht schrien, dann ermordeten sie jemanden.

Da es nun einmal eine Tatsache war, dass Haramis zu diesem Zeitpunkt der Handlung unmöglich ermordet werden konnte, gab Marion ihr OK für die Szene.

Als der Verleger für das Buch dann um einige Änderungen bat, beschloss allerdings der komplette Haushalt (der einem Leben mit Mikayla nicht gerade enthusiastisch gegenüber stand), dass ich für die Überarbeitung ins Ice Castle gehen sollte, einem Trainingscenter für Eiskunstläufer bei Lake Arrowhead.

Dies sorgte dafür, dass Mikayla MZBs Haushalt verliess und sich in eine Umgebung begab, wo die meisten Leute um sie herum entweder Teenager-Mädchen waren oder Menschen, die Erfahrung damit hatten, mit Teenager-Mädchen umzugehen.

DER TIGERCLAN VON MERINA wurde gleich im Anschluss daran geschrieben, und ich habe den größten Teil der Arbeit auch in ICE CASTLE erledigt: es gab zahlreiche eMails (mit Anhängen) zwischen mir, Andre Norton und Misty Lackey und auch eine nicht unwesentliche Anzahl Telefonkonferenzen zwischen mir und Misty, in denen wir uns gegenseitig Ideen vorschlugen. Marion las das Manuskript und segnete es ab, aber tatsächlich hat sie nichts davon geschrieben, da sie sich immer noch von ihrem letzten Schlaganfall erholte.

Du warst für eine lange Zeit Marion Zimmer Bradleys Assistentin. Sie wird sehr vermisst. Könntest du uns ein bisschen über eure Zusammenarbeit erzählen? Und vielleicht eine kleine Anektode mit uns teilen?

Ich habe ja bereits MZBs Hang dazu, sich in ihre Charaktere zu verwandeln, erwähnt. Als sie DIE FEUER VON TROIA schrieb, verbrachte ich ungefähr zwei Jahre damit, ihren Haushalt zu führen und Leuten, die mit ihr sprechen wollten, zu erklären, dass es gerade schwierig sei, ihr Interesse auf irgend etwas zu lenken, was nach dem Untergang von Troja passiert ist.

Sie nahm an vielen Neo-Paganistischen Ritualen teil in diesen Jahren und eines Nachts steckte sie ihre Robe in Brand, als sie eine Kerze streifte. (Ich war am anderen Ende des Zimmers halb eingeschlafen, erwachte jedoch recht schnell, als das Mädchen, welches die Jungfrau repräsentierte, zu Schreien begann).

Ich brachte Marion zurück ins Haus und leistete Erste Hilfe, danach fuhr uns einer der Jungs ins Krankenhaus.

Ich weiß nicht, welche Medikamente sie ihr gaben, aberr als sie am nächsten Morgen erwachte, wusste sie nicht, wer sie war – und, was das angeht, auch nicht, wer ich war.

Und wenn man all die Bücher in Betracht zieht, die sie geschrieben hat und die sie für Research-Zwecke benutzt hatte, hatte sie eine Großzahl von Identitäten zur Auswahl.

Offensichtlich entschied sie sich dann für die von Captain Bligh; sie hatte bereits seit Jahrzehnten immer mal wieder an einem Roman über ihn und die Bounty-Meuterei gearbeitet.
Sie versuchte aus dem Bett aufzustehen, während sie noch ganz verschlafen war, und ich fragte: “Wohin willst du?”
Sie antwortete: “Sie brauchen auf Deck jede Hand.”
Ich hielt mich nicht damit auf, ihr zu erklären, dass sie nicht auf der Bounty war, ich drückte sie einfach zurück auf die Matraze und teilte ihr mit: “Du bist jedoch nicht gemeint. Du stehst auf der Krankenliste.”
Sie schlief sofort wieder ein.

Hat die Zusammenarbeit mit dir Einfluss auf deine Art zu Schreiben genommen – sowohl was den Stil anbelangt als auch Gewohnheiten?

Das meiste, was ich über das Schreiben weiß, habe ich von ihr gelernt (ich nahm jedes Mal an ihrem Kurzgeschichten-Workshop teil, wenn sie ihn anbot) und ich lebte in ihrem Haushalt für ungefähr zwei Jahrzehnte, so dass sie gewaltigen Einfluss ausübte sowohl auf mein Schreiben als auch auf mein Leben.

Zweifellos haben sich unsere Schreibstile stark geähnelt, vor allem, wenn ich unter ihrem Namen schrieb und versuchte, ihren Stil genau zu treffen. Je länger ich jedoch schreibe, desto mehr werden die Ähnlichkeiten wohl verschwinden.

Erbin von RuwendaWas Gewohnheiten angeht, wir teilen die Tendenz dazu, in unsere Arbeit so tief einzutauchen, dass wir beginnen, uns wie unsere Protagonisten zu verhalten. Marion schrieb immer früh am Morgen, ehe jemand anderes aufwachte, zwischen 5:00 und 8:00 Uhr morgens.

Ich schreibe immer in der Zeit, ehe ich zu Bett gehe, denn das erlaubt mir, mich als mein Charakter schlafen zu legen, aber als ich selbst am nächsten Morgen zu erwachen.

Eines Morgens, als ich in Ice Castle war, hatte ich eine großartige Idee und schrieb ein bisschen an DIE ERBIN VON RUWENDA – und verbrachte den restlichen Tag als Mikayla, was sich sehr seltsam anfühlte.

Marion Zimmer Bradley war eine der führenden Kräfte im Fantasy und Science Fiction-Genre und ihr Einfluss ist noch immer spürbar. Woran liegt es deiner Meinung nach, dass die Fans ihre Arbeiten so sehr lieben?

Ich denke dafür gibt es viele individuelle Gründe. MZB schrieb eine Vielzahl verschiedener Dinge, selbst innerhalb ihrer einzelnen Serien wie DARKOVER, so dass es wahrscheinlich für nahezu jeden etwas gibt, mit dem er sich identifizieren kann.

Als HASTURS ERBE herauskam, erhielt sie sehr viele Briefe junger schwulder Männer, die ihr mitteilten, dass sie jetzt erkannt hätten, dass es möglich sei, schwul zu sein und trotzdem ein anständiger Mensch und nun nicht mehr das Bedürfnis hätten, sich umzubringen.

(Man muss dabei im Hinterkopf behalten, dass das circa 1975 war, als man sich nicht einfach so ins Internet einloggen und sich eine Community suchen konnte, zu der man passte; sehr viele dieser jungen Männer fühlten sich komplett allein.)

Es gibt viele Frauen, die sich mit den Freien Amazonen identifizieren und einige davon nahmen die Gildenform ihrer Namen an (und verbrachten ein paar Jahre damit zu erklären, dass “n’ha” nicht ihr zweiter Vorname sei und keine Abkürzung für Nina). Eine gewisse Anzahl von Leuten identifizierte sich mit den Comyn Familien -– zumeist mit den Ridenows – und es gab sogar einige rechtlich durchgesetzte Namensänderungen.

Marion sagte immer, eine Geschichte sollte “sich nach dir ausstrecken und dich schon auf der ersten seite bei der Kehle packen und dich nicht eher wieder loslassen, bis sie zu ihrem Ende gekommen ist”. Die meisten ihrer Werke tun genau das.

Ich erinnere mich daran, dass ich TRAPEZ gelesen habe, als es noch ein Manuskript war. Es war ungefähr 1.000 Seiten lang und ich brauchte zwei Nächte, um es zu lesen, und die Zirkuswelt, die darin geschildert wird, war so wirklich, dass es sich seltsam anfühlte, meine Tage auf dem Boden zu verbringen und zu Arbeiten anstatt Trapez-Kunststücke einzustudieren.

Wenn es einen generellen Grund dafür gibt, weshalb Fans ihre Arbeit so lieben, dann denke ich ist es der, dass ihre Werke so *wirklich* sind – sie führen dich woanders hin, weg aus deinem täglichen Leben.

Hast du das Gefühl, das Fantasy Genre hat sich seit ihrem Tod verändert?

Marion zitierte gelegentlich etwas, was von Christopher Wren stammt: „si monumentum requires, circumspice“ was ungefähr übersetzt werden kann als “Wenn du ein Denkmal brauchst, schau dich um.”

Autoren wie Marion Zimmer Bradley haben einen Einfluss auf ihr Genre, der ihr Leben überdauert.

Marions Denkmäler sind nicht nur ihre Bücher, wenngleich sie natürlich ein Teil davon sind. Ihr Denkmal besteht auch aus all jenen Schriftstellern, die sie ermutigt hat. Wenn man einen Blick in das Inhaltsverzeichnis von SWORD & SORCERESS wirft, bemerkt man, dass sie häufig Geschichten kaufte – oftmals waren es deren zu allererst veröffentlichte Geschichten – von Leuten, die heutzutage bekannte Schriftsteller sind: Robin Wayne Bailey, Emma Bull, Charles de Lint, Diana L. Paxson, Jennifer Roberson, Deborah Ross, Vera Nazarian (die nun das Verlagshaus gründete, welches SWORD & SORCERESS 22 veröffentlicht hat), Mercedes Lackey, Elizabeth Moon, Josepha Sherman, Dave Smeds und viele mehr.

In diesem Zusammenhang deshalb: Nein, ich habe nicht das Gefühl, dass sich das Fantasygenre seit ihrem Tod großartig verändert hat; in vielerlei Hinsicht ist sie immer noch unter uns.

Gibt es noch jenen Autorenzirkel namens “Greyhaven”?

Greyhaven ist das Haus in Berkeley, in dem Marions Brüder Paul und Don mit ihren Ehefrauen und Kindern gelebt haben. Mit Ausnahme von Pauls Frau Tracy haben sie alle geschrieben, und Tracy war Literaturagentin.

Paul ist inzwischen gestorben und die meisten der anderen sind fortgezogen. Ich weiß nicht, wer immer noch dort lebt und ich habe nicht gehört, dass irgend jemand von dort aus einen Autorenzirkel leitet.

Diana L. Paxson hat noch einige Avalon-Romane geschrieben und Deborah Ross ein paar neue Darkover-Bücher. Du hast selbst in der Vergangenheit einige Darkover-Kurzgeschichten geschrieben. Wird es also eines Tages von dir auch einen Darkover-Roman geben? Oder hast du vielleicht Pläne, eine Darkover-Anthologie zu verlegen?

Deborah Ross ist diejenige, die von MZB dazu auserwählt wurde, die Darkover-Saga weiterzuführen, und ich finde, sie macht das ganz wundervoll. Ich ziehe es vor, über meine eigenen Welten zu schreiben und nicht nach Darkover zurückzukehren. Es gibt definitiv keine Pläne für eine weitere Darkover-Anthologie; Deborah ist der EINZIGE Mensch, der die Erlaubnis hat, etwas zu schreiben, dass auf Darkover spielt. Jeder andere, der eine Geschichte über Darkover schreiben würde, würde das Gesetz brechen.

Wenn ich das richtig verstanden habe, bist du die Hauptverantwortliche für den MZB Literary Works Trust. Was sind diesbezüglich deine Aufgaben und Verantwortungsbereiche?

Ich bin nicht verantwortlich für den Marion Zimmer Bradley Literary Works Trust; Ann Sharp ist die Treuhänderin.

Der Trust hat mich engagiert, SWORD & SORCERESS 22 herauszugeben.

Ich helfe Ann, wenn sie danach fragt, was sie manchmal tut, da ich noch viele Dinge im Kopf habe, die ich aus der Zusammenarbeit mit Marion gelernt habe – Dinge wie der tatsächliche Name von jemandem, der vor zwanzig Jahren eine Geschichte an eine von MZBs Anthologien verkauft hat und seitdem zwei Namensänderungen und fünf Adressänderungen hinter sich gebracht hat.

Gibt es noch unveröffentlichte Manuskripte oder Fragmente von Marion Zimmer Bradley? Und, falls dem so ist, glaubst du, ihre Fans kommen eines Tages in den Genuss, diese zu lesen?

Marions ganze Unterlagen befindet sich im Howard Gotlieb Archival Research Center Archiv der Boston Universität (Link hier).

Einige dieser Unterlagen sind verschlossen bis 50 Jahre nach ihrem Tod und die Sammlung ist nur zugänglich für “einen qualifizierten Gelehrten”, der sich physisch im Bibliotheksgebäude in Boston aufhalten muss.

Glaubst du, ein Autor trägt Verantwortung für seine Arbeit? Können Romane etwas im Leser ändern?

Ich denke, die größte Verantwortung eines Autors besteht darin, beim Schreiben das beste zu geben, zu dem er fähig ist. Ich glaube nicht, dass ein Autor verantwortlich ist für einige wahnsinnige Aktionen oder kriminelle Aktivitäten, die auf sein Werk zurückgeführt werden sollen (unglücklicherweise passiert das manchmal).

Ich glaube nicht, dass MZB verantwortlich ist für Menschen, die den Unterschied zwischen Fiktion und Realität nicht erkennen und sich dafür entscheiden, die Christliche Kirche zu verlassen und ihren eigenen Kult zur Verehrung der Göttin gründen. Ich glaube nicht, dass George Lucas für eine Gruppe Leute verantwortlich ist, die bei der letzten Volskumfrage in Großbritannien als ihre Religion “Jedi Ritter” angegeben haben.

Bücher können natürlich etwas im Leser verändern, aber die meisten Romanschriftsteller, die ich kenne, ziehen es vor, dass (1) dies Veränderungen zum Besseren sind und (2) sie ihren Bezug zur Realität haben. Mercedes Lackey, die über pferdeähnliche Gefährten und geistige Verbindungen zwischen Menschen und Falken schreibt, fügt ihren Büchern eine Warnung hinzu, dass Pferde nicht so intelligent sind wie die Gefährten des Buches und dass sie viel Arbeit machen, und dass man Falken niemals aus der Wildniss mitnehmen sollte, es sei denn, man ist lizenzierter Falkner und weiß, was man tut.

Ich versuche, religiöse Rituale in meinen Büchern entweder sehr vage und harmlos darzustellen oder als undenkbar (Menschenopfer sind ungesetzlich und Eine Wirklich Schlechte Idee.)

Die besten Veränderungen, denke ich, die aus Romanen entstehen können, sind jene wie solche, die ich von Andre Nortons Werken her erhalten habe: Einige ihrer Romane (vor allem die “Magic Books”) haben mir dabei geholfen, den Mut zum Reisen zu finden, als ich unter Platzangst litt und Angst hatte, das Haus zu verlassen.

The Keepers PriceWeißt du noch, worum es in deiner ersten Kurzgeschichte (oder deinem ersten Roman) ging? Und wie hast du bemerkt, dass du Talent für das Schreiben besitzt?

Damals, 1977, schrieb ich eine Darkover-Geschichte über Hilary Castamir. Eine meiner Freunde kannte MZB und gab sie ihr weiter, und sie schrieb sie um in “Der Preis des Bewahrers”. Schlussendlich wurd sie die Titelgeschichte der ersten Darkover-Anthologie.

Meine zweite Geschichte war “Die Alton Gabe” – ich schrieb sie für einen Wettbewerb, den Marion abhielt und drei von fünf Juroren gaben ihr die volle Punktzahl. Einer der Juroren hasste sie, also gewann ich nicht den Wettbewerb, aber das Ganze überzeugte mich, dass ich ein Talent zum Schreiben habe.

Weshalb Fantasy? Was ist deine persönliche Meinung – was macht das Genre so attraktiv für manche Leser (und Autoren)?

Das Großartige an Fantasy ist, dass du fast alles Schreiben kannst: Alternative Geschichte: “Was wäre, wenn Richard I von England am Leben geblieben und John niemals König geworden wäre und wenn Magie anstelle der Wissenschaft funktionieren würde?” (Randall Garrett’s “Lord Darcy”-Reihe); oder “Was wäre, wenn eine kleines Bergbau-Örtchen aus West Virgina plötzlich versetzt würde nach Deutschland zur Zeit des Dreissigjährigen Krieges (Eric Flints “1632”, “1633” etc.).

Du kannst Märchen zu einem Roman umschreiben (Mercedes Lackeys “Elemental Masters”-Reihe) oder Opern (MZBs TOCHTER DER NACHT (“Die Zauberflöte”) und DIE WÄLDER VON ALBION (“Norma”) …) oder ein Ballet (Mercedes Lackeys THE BLACK SWAN (“Schwanensee”).

Deine Geschichte kann zu jeder Zeit spielen: THIS SCEPTER’D ISLE und seine Nachfolgebände spielen im England während der Regentschaft der Tudors, aber es gibt ebenfalls Bücher über die gleiche Elfenfamilie, die moderne Urban Fantasy sind und in der Gegenwater spielen, die “Serrated Edge”-Reihe – sie stammen alle von Mercedes Lackey mit verschiedenen Co-Autoren.

“Was wäre wenn” ist ein wunderbares Spiel und ich denke, dass die Fantasy das Genre ist, dass es einem erlaubt, das meiste daraus herauszuholen.

Als Herausgeberin musst du wahrscheinlich sehr viel lesen. Aber welche Bücher liest du einfach aus Spaß. Welche Autoren kannst du uns empfehlen? Und wie suchst du dir einen Roman in der Buchhandlung aus? Nur indem du auf das Cover schaust…?

Nur zum Spaß lese ich Fantasy, Romance, Science Fiction und Jugendliteratur. Umschlagsgestalter hassen wahrscheinlich Leute wie mich – ich achte kaum, wenn überhaupt, auf Umschlagsbilder. Das erste, dass ich mir anschaue, ist der Name des Autors, das zweite sind die Empfehlungen von anderen Autoren. Gestern habe ich mir ein Buch von einem Autor ausgesucht, von dem ich noch nichts zuvor gelesen habe, aber zwei meiner Lieblingsautoren geben auf der Rückseite eine Empfehlung ab. Ich nehme an, wenn ich das mag, was sie schreiben, wird mir wahrscheinlich auch das gefallen, was sie gern lesen.

Einige meiner Lieblingsautoren sind: Margaret Ball, Lois McMaster Bujold, Meg Cabot, Loretta Chase, Rick Cook, Bruce Coville, Eric Flint, Esther M. Freisner, Randall Garrett, Dorothy J. Heydt, Georgette Heyer, Diana Wynne Jones, Jayne Ann Krentz, Lynn Kurland, Madeleine L’Engle, Mercedes Lackey, Stephanie Laurens, Sharon Lee and Steve Miller, C.S. Lewis, C.E. Murphy, Charlotte MacLeod, Sharon McCrumb, Andre Norton, Naomi Novik, Elizabeth Peters, Susan Elizabeth Phillips, Tamora Pierce, Julia Quinn, Nora Roberts, Dorothy L. Sayers, Maria V. Snyder, Zilpha Keatley Snyder, Wen Spencer, Noel Streatfeild, David Weber und James White.

Gibt es eine Frage, die du schon immer gern in einem Interview gestellt bekommen hättest, die bisher aber noch nicht aufgetaucht ist? Jetzt hast du die Gelegenheit: Welche Frage wäre das und bitte gib uns auch eine Antwort darauf.

Die Frage, von der ich vermute, dass sie wahrscheinlich jeder Autor gestellt bekommen möchte, ist: Wo erfahre ich, was du geschrieben hast und wo kann ich es kaufen?

Auf meiner Website www.elisabethwaters.com ist alles aufgelistet, was ich bisher geschrieben habe – oder woran ich momentan arbeite – mit Links, wo man es kaufen kann.

Bis auf zwei Ausnahmen sind alle meine Kurzgeschichten auf Fictionwise erhältlich, und ich gehe davon aus, dass die beiden dieses Jahr ebenfalls noch hinzugefügt werden.

Ich habe außerdem zwei Artikel über das Schreiben verfasst: “Der Tod, die Steuern und der Autor” und “Was habt ihr mit meinem Manuskript angestellt?”, welche umsonst erhältlich sind über MZBs Website (www.mzbworks.com) unter „Articles on Writing.“

Die Frage, die Autoren meistens gefragt werden, ist: Welche Tipps würdest du einem unveröffentlichten Schriftsteller geben?

(1) Lern, eine Tastatur zu benutzen
(2) Lern Rechtschreibung und Grammatik – die automatische Rechtschreibprüfung deines PCs macht dich nicht darauf aufmerksam, dass du “Floh” geschrieben hast, obwohl du “floh” schreiben wolltest.
(3) Lerne, wie man sich professionell verhält und tu es auch. Du kannst damit anfragen, die “Articles on Writing” auf MZBs Website zu lesen und danach ein oder zwei Bücher, am besten von entweder einem bekannten Autor oder einem bekannten Agenten. Verhalte dich immer höflich und professionell in der Korrespondenz mit Herausgebern und Verlegern.
(4) BEVOR du etwas einreichst, hol dir von der entsprechenden Stelle die Einreich-Richtlinien und befolge sie.
(5) Schreibe mindestens fünf bis sechs Tage die Woche. Kümmere dich nicht darum, ob das, was du schreibst, gut ist oder nicht, setz dich einfach hin und schreibe. Ich setzte jeden Abend an meinem Computer und sage mir, dass ich nur ein paar Sätze schreiben muss. Das nächste, was ich realisiere, wenn ich wieder hochschaue, ist meine Uhr und ich frage mich: “Wie kommt es, dass es schon 1:30 Uhr nachts ist?”
(6) Nimm dir wenigstens einen Tag in der Woche frei. Die Zehn Gebote erzählen dir das auch, und es ist wirklich eine gute Idee. Schreiben ist viel anstrengender für den Körper als man denkt.
(7) Mache Übungen – und dehne deine Glieder – an jedem Tag, an dem du schreibst. Stundenlang ohne Bewegung am PC zu sitzen verursacht Steifheit und Übergewicht.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast für das Interview! Alles gute sowohl für dein berufliches als auch dein privates Leben! Vielleicht können wir so etwas in Zukunft nochmal wiederholen …

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