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6. April 2018

Leigh Bardugo: Wonder Woman
Kriegerin der Amazonen

Category: News – Darkstar – 13:00

Wonder Woman - Kriegerin der AmazonenDiana ist die Tochter der Königin der Amazonen. Auf der vor der Außenwelt verborgenen Insel Themyscira wächst sie als einziges Kind der Schwesternschaft auf. Ihr Zuhause ist durch und durch magisch: Subtropische Dschungel wechseln sich mit weiten Steppen und hellen Sandstränden ab.

Nicht alle Amazonen sind jedoch von Dianas Existenz begeistert: Von einem lebendigen Mädchen, geformt aus Ton und von göttlichen Kräften ins Leben gerufen. Als Diana die gleichaltrige Alia aus New York nach einem Schiffsunglück das Leben rettet, erhält die Prinzessin der Amazonen die Chance, sich zu beweisen. Denn dem Orakel von Themyscira zufolge ist Alia eine Kriegsbringerin: eine Frau, deren bloße Existenz Hass und Krieg unter den Menschen auslöst. Um diesen schrecklichen Fluch von Alia zu nehmen, folgt ihr Diana ins moderne New York …

Ich bin ein riesengroßer Wonder Woman-Fan. Die Comicserie habe ich bereits Mitte der 80er Jahre lieben gelernt. Ich mag den Mix aus Moderne, griechischer Mythologie und Magie und gleichzeitig Dianas sanfte und starke Art. Sie kämpft unerbittlich, ist aber in erster Linie eine Botschafterin von Wahrheit, Liebe und Frieden.

Leigh Bardugo hingegen konnte mich zwar seinerzeit mit dem ersten Band ihrer Grischa-Serie nur bedingt überzeugen, ihr großartiger Roman Das Lied der Krähen erwies sich dann für mich aber überraschend als genialer Hit. Er war vermutlich mein Lieblingsbuch im vergangenen Jahr: hervorragend geschrieben, tolle, intelligente Charaktere, spannendes Abenteuer, stilistisch top. Das hat man nicht alle Tage.

Ich war extrem gespannt, was Bardugo, die als Autorin offensichtlich Quantensprünge nach vorne gemacht hat, mit dem Stoff Wonder Woman machen würde.

Einer Ikone neue Seiten abzugewinnen und dennoch dem Geist des Originals treu zu bleiben ist nicht einfach. Regisseurin Patty Jenkins und Drehbuchautor Alan Heimberg ist das im Kinofilm Wonder Woman hervorragend gelungen. Auch hier war einiges anders als in den Comics, die Figuren, die Welt und die Geschichte atmeten jedoch den Geist des Originals.

Etwas, das meiner Ansicht nach Leigh Bardugo nur bedingt gelungen ist. Wonder Woman – Kriegerin der Amazonen hat mich als Wonder Woman-Fan leider nicht überzeugt. Die Autorin hatte viele gute Ideen. Man merkt dem Roman an, dass sie die Figur sehr mag und sich mit dem Quellmaterial gut auskennt. Das ist defintiv ein Pluspunkt. Die Idee um die Figur der Kriegsbringerin fand ich ebenfalls gelungen.

Rund um Themyscira und die Lebensweise der Amazonen hat sich Leigh Bardugo sehr viel Neues einfallen lassen. Das mag einerseits begrüßenswert sein; andererseits möchte ich, wenn ich zu einem Wonder Woman-Buch greife, auch das Gefühl haben, ein Wonder Woman-Buch zu lesen. Hier war mir zu viel anders als im etablierten Comic-Universum. Vielleicht hätten wir als Leser noch mehr Zeit auf der Insel verbringen müssen, damit das Gefühl für mich stärker geworden wäre, mich in einem bekannten Universum zu bewegen.

Die Geschichte an sich ist nett, hält einen unerwarteten Twist und viele tolle Einfälle bereit. Mein größtes Problem mit dem Roman war allerdings der Schreibstil von Bardugo. Der ist so anders als in Das Lied der Krähen, dass das nicht nur an der Übersetzung liegen kann. (Zumal dtv meiner Erfahrung nach immer mit sehr guten Übersetzern zusammen arbeitet). Bardugo schreibt hier weniger raffiniert, sehr straight-forward, und oft, auch hier muss ich leider so direkt sein, so einfach, dass bei mir in vielen Momenten einfach keine Stimmung aufgekommen ist. Es gibt Stellen, die sind wirklich toll geschrieben, ja. Aber die meisten Beschreibungen sind so unspektakulär, dass ich mich einfach nicht auf das Abenteuer einlassen konnte.

So fällt es mir nicht leicht, das Buch zu beurteilen. Vielleicht lagen meine Erwartungen einfach zu hoch. Obwohl Wonder Woman – Kriegerin der Amazonen objektiv betrachtet Schwächen hat, ist es im Grunde solide.

Und trotzdem: Selbst für Leser, die die Figur Wonder Woman kaum bis gar nicht kennen, halte ich das Buch nur bedingt geeignet. Denn auch wenn sie es mochten und dann zu den Comics greifen, wird ihnen das Universum, das dort geboten wird, ganz anders vorkommen, als Leigh Bardugos Version. Und als Wonder Woman-Fan habe ich mich mit einem Abenteuer konfrontiert gesehen, dass für mich nicht in die Chronologie sowohl der Serie als auch der Charakterentwicklung von Diana passt.

So leid es mir deshalb tut: Wirklich empfehlen kann ich euch das Buch leider nicht.

Falls ihr neugierig auf Wonder Woman und ihre Welt seid. Letztes Jahr habe ich einen Artikel geschrieben, welche Comics und Graphic Novels sich gut zum Einsteigen in das Wonder Woman-Universum eignen.

Das Buch gibt es als Hardcover und ebook.

 

 

1 Kommentar »

  1. Ach, Mensch. Ich lese bei dem Buch ständig, dass es den einen entweder unheimlich gut gefällt oder, dass es eher so „mäh“ war. Deswegen bin ich total unsicher, ob mir das Buch nun gefallen könnte oder nicht. Letzten Endes werde ich es wohl einfach riskieren müssen, aber nach deinen Eindrücken wandert es erstmal wieder ein wenig nach unten auf der Prioritätenliste …

    Liebe Grüße,
    Sam

    Comment by Sam — 6. April 2018 @ 15:40

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