Darkstars Fantasy News


24. April 2011

Kurz-Interview mit Kai Meyer zu den Nibelungen

Category: Interviews – Darkstar – 08:30

Nautilus 86Für den Artikel über nordische Sagen im Fantasy-Roman, den ich gemeinsam mit Daniel Bauerfeld und Diane Hegmann für die aktuelle Nautilus verfasst habe, habe ich auch einige Autoren interviewt, die die Nibelungensage in Romanen verarbeitet haben, so z. B. Stephan Grundy und Viola Alvarez. Ihre Antworten sind als Zitate in den Artikel eingeflossen.

Ebenfalls interviewt hatte ich Kai Meyer, aber aus zeittechnischen Gründen haben seine Antworten keinen Eingang mehr in den Artikel gefunden. Deshalb gibt’s die heute als Oster-Goody und Nautilus-Zusatzgimmick hier auf dem Blog:

Kurz-Interview mit Kai Meyer zum Romanzyklus „Die Nibelungen“

Hintergrund: Kai Meyer hat Ende der 90er Jahre eine Reihe konzipiert, die im Rahmen mehrerer, von verschiedenen Autoren (neben Meyer u. a. Bernhard Hennen) verfasster Romane die Lücken des Nibelungenlieds nutzte, um eigene Sagas zu schaffen, die im Dunstkreis der Vorlage angesiedelt sind und unterschiedliche Protagonistin daraus in den Mittelpunkt rücken.

Lieber Kai, wie entstand die Idee zu dem Romanzyklus „Die Nibelungen“?

Ich habe mich damals gewundert, dass es zwar zig Bearbeitungen des Artus-Stoffes gibt – Einzelromane, Trilogien, ganze Serien, von zig Autoren -, aber nur ganz wenige des Nibelungenliedes. Wolfgang Hohlbeins „Hagen von Tronje“ war eine der wenigen Ausnahmen.

Meine Grundidee war, das Nibelungenlied selbst als eine Art Serienbibel zu benutzen und diverse Autoren Geschichten schreiben zu lassen, die vor, nach oder parallel zur Hauptgeschichte spielen und dieser auf gar keinen Fall widersprechen durften. Ähnlich, wie man es etwa von Reihen wie den „Star Wars“-Romanen kennt.

Wie schwierig war es, die unterschiedlichen Romane sowohl untereinander als auch im Bezug zum Nibelungenlied konsistent zu halten?

Wir haben kurze Exposés geschrieben, die alle anderen zu lesen bekamen. Aber damit hörte die Koordination dann auch schon auf. Der Lektor Reinhard Rohn hat sicherlich im Nachhinein noch auf bestimmte Punkte geachtet.

Der RabengottAnsonsten sind wir alle paar Wochen mal zusammen essen gegangen, teilweise waren auch Autoren dabei, die dann nie mitgeschrieben haben. Hohlbein war auch ein Kandidat, er wollte ursprünglich einen Siegfried-Roman schreiben. Ich kann aber verstehen, dass er letztlich abgesprungen ist – das Ganze war von Anfang an ein Projekt, das keine großen Erfolgsaussichten hatte. Fantasy aus Deutschland war damals einfach noch kein Thema für die breite Masse.

Was hat Dir am Projekt den meisten Spaß gemacht?

Ich habe die Bücher sehr schnell geschrieben, jedes in rund vier Wochen, und ich habe sie als eine Art Ferienprojekt zwischen meinen umfangreicheren Romanen angesehen.

Vor allem hat es mir Spaß gemacht, echte High Fantasy zu schreiben – das war Mitte der Neunzigerjahre für deutsche Autoren sonst ja so gut wie unmöglich, Hohlbein ausgenommen.

Du hast Hagen zu einer Deiner Hauptfiguren in Deinen Nibelungen-Romanen gemacht. Warum reizt die dunkle Figur der Sage heutige Autoren oft viel mehr als der strahlende Held?

NibelungengoldMeine Vorbilder bei allen Nibelungenbänden waren die Fantasyromane, die ich in den frühen bis späten Achtzigern als Teenager gelesen habe. In den Alberich-Büchern steckt natürlich eine Portion Tolkien, im Hagen vor allem Moorcocks „Elric“ und Karl Edward Wagners „Kane“.

Dunkle, geheimnisvolle Figuren sind in der Regel immer viel interessanter als alle anderen, und Elric und Kane waren meine eigenen Lieblingshelden im Bereich der Sword & Sorcery.

Vielen Dank!

Worum es in den Romanen geht – und was für Nibelungen-Romanadaptionen ich sonst noch empfehlen kann, könnt ihr bei Interesse in der aktuellen Nautilus nachlesen.

Und natürlich: FROHE OSTERN!

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