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15. November 2013

George R. R. Martin: Die Heckenritter von Westeros

Category: Hörbücher,News,Rezensionen – Darkstar – 16:00

Heckenritter 1George R. R. Martin zählt nicht gerade zu den schnellsten Fantasy-Schreibern Amerikas. Auf den vierten Band seiner Bestsellerserie warteten die Fans fünf Jahre, auf den fünften Band von „A Song of Ice and Fire“ sogar sechs. Und seit 2011 warten die Leser sehnsüchtig auf „The Winds of Winter“, den vielleicht vorletzten Roman seines High Fantasy-Epos um Weiße Wanderer, feuerspeiende Drachen und den Kampf um den Eisernen Thron.

Ein klein wenig wird die Wartezeit versüßt durch „Der Heckenritter von Westeros: Das Urteil der Sieben„, eine Novellensammlung aus der Feder des Autors, deren Beiträge ebenfalls in den Sieben Königslanden spielen – allerdings fast hundert Jahre vor der Haupserie.

Im Mittelpunkt stehen jeweils der Heckenritter Duncan und sein Knappe Ei, durch deren Augen die Leser Einblicke in die Regierungszeit der Targaryen-Könige erhalten, deren Linie auch Daenerys Stormborn entstammt:

In der ersten Erzählung lernen wir Duncan kennen, ein Waisenknabe, der die letzten paar Jahre seines Lebens bei einem aufrechten, bettelarmen Heckenritter in die Lehre ging. Als dieser ins Grab beißt, beschließt der Junge, selbst als Heckenritter durch die Lande zu ziehen. Um seinen Geldbeutel etwas aufzubessern, beschließt er, an einem Turnier teilzunehmen. Bald schon muss er allerdings erkennen, dass er im Kreis adeliger Recken nicht gerade willkommen ist. Einzig ein starrköpfiger, kleiner Junge mit kahlrasiertem Schädel und violetten Augen, der sich an seine Fersen geheftet hat, gibt ihn nicht auf. Mit seiner Unterstützung kann Dunk die Schwierigkeiten, in die er sich während des Turniers bringt, bewältigen.

In „Das verschworene Schwert“ hat Dunk Ei zu seinem Knappen gemacht. Gemeinsam sind sie in die Dienste eines kleinen Adeligen getreten, der seine letzten Tage damit zubringt, der Vergangenheit und dem Tod seiner Kinder hinterher zu weinen. Während der großen Sommerhitze trocknet plötzlich der Burggraben und der Fluss auf Osgraus Land aus. Die benachbarte Adelige, aufgrund zahlreicher toter Ehemänner als die Rote Witwe bekannt, soll dafür verantwortlich sein. Dunk zieht aus, mit der Dame zu verhandeln – und ahnt nicht, in welche Schwierigkeiten er sich damit bringt.

In der dritten Geschichte, „Der geheimnisvolle Ritter“, nimmt Ser Duncan schließlich erneut an einem Turnier teil. Dem Sieger winkt ein unglaublicher Preis: ein echtes, versteinertes Drachenei – ein Gut von unermesslichem Wert. Bald schon sieht sich der Heckenritter jedoch in eine infame Intrige verstrickt …

Die erste Novelle um Dunk & Ei hat George R. R. Martin bereits 1998 veröffentlicht, die zweite folgte 2013 und die dritte und bisher letzte 2010. Der Autor hat aber bereits bekannt gegeben, dass er noch Ideen für mindestens sechs weitere Geschichten hat, in denen er das Leben seiner beiden Protagonisten nachzeichnen will. Eine vierte, „The She-Wolves of Winterfell“, soll in nicht allzu ferner Zukunft erscheinen. Doch ich konzentriere mich besser auf die drei Novellen, die innerhalb dieses ersten Bandes der „Heckenritter von Westeros“ abgedruckt wurden. Die ersten beiden, „Der Heckenritter“ und „Das verschworene Schwert“, erschienen bereits zuvor in deutscher Sprache in Anthologien. Die abschließende war bis zum Erscheinen des Sammelbandes in deutscher Sprache unveröffentlicht. Jede Geschichte umfasst ca. 120 Seiten umfangt und im Hörbuch ca. jeweils vier Stunden Laufzeit. Eingelesen werden die Geschichten von Reinhard Kuhnert, der auch die Hörbücher zu „Das Lied von Eis und Feuer“ einliest. Dadurch wird die Verbindung zur Hauptserie noch einmal schön unterstrichen.

Positiv an den Geschichten selbst ist, dass sie alle auf eigenen Beinen stehen können, und je ein rundes Abenteuer erzählen, in dessen Verlauf Fans der Hauptserie einiges über die Adelshäuser und das Leben von Westeros erfahren. Sie sind weniger komplex und vielschichtig als die Romanreihe und direkter als das opulente Epos. Leider gelingt es Martin dennoch nicht, sich etwas kürzer zu halten als in den Büchern, und so gibt es auch im Hörbuch so manche etwas langatmige Stelle, an der ein etwas großzügerer Ansatz des Rotstifts nicht verkehrt gewesen wäre. Allesamt sind sie aber sehr klassische Rittergeschichten, und als solche funktionieren sie gut – auch trotz der Tatsache, dass man den Ausgang der zweiten Geschichte bereits nach wenigen Minuten ahnt.

Der Heckenritter von Westeros“ richten sich deshalb vor allem an Westeros-Fans, die sich für die komplexen Verflechtungen der Adelshäuser interessieren und sich an Details erfreuen, welcher Ritter welches Wappen führt und warum, und weniger an Gelegenheits-Leser bzw. –Hörer. Für Fans der Buchreihe ist das Hörbuch eine gute Möglichkeit, die Wartezeit auf den nächsten Band der Hauptserie zu verkürzen. Fantasy-Fans, deren Herz nicht so stark für „Das Lied von Eis und Feuer“ schlägt, kommen aber mit einem anderen Titel vermutlich eher auf ihre Kosten.

Das Hörbuch bei Audible downloaden: hier!

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