Darkstars Fantasy News


2. Juni 2017

Ich kauf‘ Band 1 erst, wenn die Trilogie komplett ist

Category: News – Darkstar – 12:30

oder: Warum es keinen Sinn macht, den ersten Band einer Buch-Reihe erst dann zu kaufen, wenn alle Bände erschienen sind

Neulich bin ich über folgendes Zitat auf Facebook gestolpert, das ein User unter der Ankündigung eines Verlags für einen Debütroman gepostet hat:

Erinnert noch mal daran, wenn alle Bücher dieser Trilogie zu kaufen sind. Vorher fange ich nicht mit dem Lesen an.

Ein Satz, wie ich ihn im Netz schon oft gelesen habe.

Viele Leser sind genervt davon, wenn sie zu einem Buch greifen, das sich als Reihe entpuppt (oder schon so angekündigt war), und nach dem Beenden feststellen, dass sie ein halbes Jahr / ein Jahr / wer weiß wie lange auf die Fortsetzung warten müssen.

Besonders schlimm ist das natürlich dann, wenn man etwa eine Trilogie angefangen, Teil 1 und 2 für gut befunden hat – und dann der abschließende Teil nicht veröffentlicht wird.

Versteht mich nicht falsch, ich kann das gut verstehen. Auch ich möchte gern wissen, wie es weiter geht; möchte, wenn ich eine Serie lese, nicht lang auf den nächsten Band warten müssen.

Der Witz an der Sache ist aber, dass sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass eine Reihe nicht fortgesetzt wird, wenn zu wenig Leute sie kaufen.

Das heißt für mich, dadurch, dass man vermeiden will, eine Reihe anzufangen, die dann eingestellt wird, unterstützt man genau den Prozess, den man eigentlich verhindern will.

Literatur – ja, auch Popliteratur – zählt als Kulturgut. Aus diesem Grund mag der eine oder andere Leser auch gern ausblenden, dass ein Verlag ein Wirtschaftsunternehmen ist. Und wenn man aufgrund der Verkaufserlöse der vorhergehenden Bände einer Reihe bereits prognostizieren kann, dass man mit dem Verlegen eines neuen Buches Geld verbrennt, dann scheint es mir einleuchtend, dass man darauf nicht gerade wild ist.

In so manchem Fall mag man das dennoch tun – also das Buch drucken und in den Handel schicken. Aber Spaß macht das in so einem Fall vermutlich nicht sonderlich.

(Inzwischen ist die Situation ja dahingehend etwas besser geworden, dass in so manchem Fall immerhin noch eine ebook-Version herauskommt, so dass man die Geschichte auf einem Reader zu Ende lesen kann.)

Wie kommt also ein Verlag darauf, dass sich Band 3 nicht verkauft?

Ich vermute mal stark, er orientiert sich an den Verkaufszahlen von Band 1 und Band 2. Wenn die zu schlecht waren, ist eben essig.

Und wer darauf wartet, dass eine Reihe vollständig vorliegt, ehe er Band 1 kauft … ihr wisst, was ich meine.

Bevor ich jetzt falsch verstanden oder zitiert werde:

Ich meine damit nicht, dass ihr, falls ihr so vorgeht, daran Schuld seid, dass eine Reihe eingestellt wird. Natürlich ist die Situation wesentlich komplexer. Es spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle, als die, die ich weiter oben beschrieben habe.

(Sicher kommt es auch darauf an, wie groß ein Verlag ist oder wieviel Geld er im Vorfeld für die Rechte ausgegeben hat – von einem Buch, für das man 1.000,- EUR hingeblättert hat, erwartet man vermutlich weniger als von einem Buch, für das man 50.000,- EUR hingeblättert hat usw.)

Ich meine damit nur, man selbst ist ein kleines Rädchen in dieser komplexen Maschinerie.

Mal davon abgesehen, dass ich jetzt auch nicht unbedingt hundertprozentig verstehe, was man damit meint, wenn man sagt, man wartet mit dem Kaufen bis eine komplette Reihe vorliegt.

Ich meine, heißt das, man kauft dann drei Romane auf einen Schlag? Und fängt dann mit dem ersten Band an und merkt nach 50 Seiten, dass die Geschichte / der Schreibstil / das Setting so gar nicht das ist, was man erwartet hat bzw. was einem gefällt? Und dann schmeißt man das Buch genervt in die Ecke und hat schon das Geld für einen kompletten Drei-, Fünf- oder Zehnteiler ausgegeben?

Macht für mich nicht viel Sinn.

Da kauf ich mir doch lieber ein Buch, das mich interessiert, zu einem früheren Zeitpunkt, der mir passt – auch wenn die Nachfolgebände noch nicht erschienen sind, und probier es aus. Wenn’s mir gefällt: super. Wenn’s mir nicht gefällt, brauch ich zumindest die anderen Romane nicht zu kaufen.

(Mir macht es allerdings auch nichts aus, ein paar Jahre auf einen neuen Roman zu warten. Und nein, ich lese dann auch nicht nochmal alle Bände, die zuvor kamen, sondern steige auch nach mehreren Jahren in den neuen Roman einfach ein. Die meisten Autoren schaffen es, mir die Handlung und alles Wichtige wieder ins Gedächtnis zu rufen, und zwar ohne mich mit langwierigen Infodumps zu langweilen).

Tja, und wenn ich das nicht will, dann kaufe ich mir Band 1 und stelle ihn mir halt ins Regal. Dann steht er da zwar vielleicht drei Jahre, aber zumindest habe ich dem Verlag damit signalisiert: Es gibt Interesse an dieser Reihe.

(Und ich hab ohnehin so viele ungelesene Bücher im Regal stehen, die teils seit fast einem Jahrzehnt darauf warten, gelesen zu werden, dass es darauf jetzt wirklich nicht mehr ankommt).

Ach ja, und dann erinnere ich mich an Reihen, von denen es Band 1 gar nicht mehr neu zu kaufen gab, als z. B. Band 7 herausgekommen ist. Da hat man dann ein ganz anderes Problem. Aber das führt zu weit. (Und ist auch in Zeiten der ebooks nicht mehr so dramatisch.)

Natürlich verstehe ich auch die, die das anders sehen. Ist natürlich auch eine Kosten- und Platzfrage – aber das Buch wird ja nicht billiger, nur weil ich länger warte (außer natürlich, es war mal ein Hardcover und ist dann ein Taschenbuch oder so).

Aber ich hab gedacht, ich gebe dazu jetzt mal meinen Senf ab, weil ich Sätze wie den eingangs zitierten immer wieder lese. Und ich finde, das ist zu oberflächlich gedacht.

Irre ich mich da? Wie seht ihr das?

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11 Comments »

  1. Hallo,

    da bin ich ganz bei Dir. Bei mir ist es so, dass ich ein Buch entdecke und mir denke, gut, probieren wir es erst einmal miteinander. Dann sehen wir weiter. Und häufig ist es wirklich so, dass Band 1 mir völlig ausreicht. Wenn ich da auf die anderen Bände gewartet hätte, das eine oder andere Mal hätte ich mir dabei durchaus in den Allterwertesten gebissen. Denn das Buch hatte mich durchaus enttäuscht.

    Auf der anderen Seite habe ich die Reihe „Das Rad der Zeit“ von Robert Jordan sehr gern gelesen. Hier hatte der deutsche Verlag sehr lange auf den nächsten Band warten lassen. Zudem hatte der Autor auch noch lange gebraucht, bis er den nächsten Roman geschrieben habe.

    Trotzdem hab ich ihm die Treue gehalten. Ich habe diese Reihe geliebt und daher hab ich mich auch jedes Mal wie eine Schneekönigin auf den nächsten Band gefreut. Und in diesem Fall hab ich nicht die vorherigen Bände immer neu gelesen, obwohl es manchmal das Beste gewesen wäre. Denn der deutsche Verlag hat die amerikanischen Bände unschön zertückelt.

    Auf alle Fälle würde ich nie darauf warten, bis alle Bände erschienen sind, nur um diese dann zu kaufen. Dazu hätte ich auch keine Geduld. Aber Deine Argumentation kann ich auch nachvollziehen. Ein Verlag muss ja auch irgendwie rechnen. Und wenn sie sehen, dass die Vorbände Geld einbringen, sind sie eher geneigt, die weiteren zu übersetzen.

    Denn vor kurzem hab ich mal bei einem Verlag nachgefragt, warum Band 1 nicht als E-Book gibt, aber dafür Band 2 und 3 (das hatte mich dann doch gewundert). Sie antworteten mir, dass die Lizent ausgelaufen ist und sie daher kein Interesse mehr daran haben, die Bücher weiter aufzulegen.

    Sprich, keine Verkäufe, keine Lizenten, kein was auch immer. Darüber sollten sich die Leser*innen durchaus bewusst sein. Daher, danke für die Erinnerung 🙂

    lg

    Comment by frau schreibseele — 3. Juni 2017 @ 19:04

  2. Danke für dein ausführliches Statement! ,-)
    Und mir geht’s auch manchmal so, dass mir Band 1 reicht …

    Comment by Darkstar — 3. Juni 2017 @ 22:22

  3. Gerne. Gestern hatte ich den Beitrag auf meiner FB-Seite geteilt und da kam der kluge Kommentar, was die Leser*innen von George R.R. Martin machen? Der hat immer noch nicht seine Reihe beendet 😉

    Comment by frau schreibseele — 4. Juni 2017 @ 20:57

  4. Stimmt ,-)
    Und das gilt auch noch für einige andere Autorinnen und Autoren.

    Tatsächlich gehe ich sogar so weit, dass es Mehrteiler gibt, die so gut sind, dass ich sie sogar Lesern ans Herz legen würde, auch wenn ich wüsste, dass der Abschlussband nie erscheinen würde. Aber das ist Geschmackssache.

    Comment by Darkstar — 6. Juni 2017 @ 07:10

  5. Ich seh das anders.

    Ich hab jetzt mehrere Reihen die Stehen und Stehen und Stehen und es geht mir tierisch auf den Sack.

    Da wären:

    Game of Thrones (bei dem ich den nächsten Band eh nicht zu lesen brauche, weil die Serie alles vorweggenommen hat).

    Die Gentleman-Bastards von Scott Lynch (bei denen ich seit JAHREN auf den nächsten Band warte und er sich immer weiter verschiebt und ich eigentlich einen kompletten Re-Read der Reihe machen müsste, aber das ist bei drei Bänden mit jeweils fast 1000 Seiten schwer realisierbar)

    Die Königsmörder Chroniken von Patrick Rothfuss. Auch da … kein Abschluss in Sicht.

    Dazu kommt auch noch die Tales of Kin Reihe von der der Autor gesagt, hat, dass es den finalen Bd. 3 nicht geben wird. Nun ja, hätte ich das gewusst … hätte ich sie nicht angefangen. Denn jetzt ist alles was in Bd. 1-2 passiert eh optional und hängt in der Luft.

    Mich macht das sehr wohl ärgerlich, weil ich Zeit und Geld und Emotionen in Geschichten stecke, und wirklich gern mal wüsste, wie sie ausgehen, und bei manchen werde ich es wohl nie erfahren. Bei anderen darf ich drauf warten, bis ich … keine Ahnung ich in Rente gehe, oder muss drauf hoffen, dass der Autor nicht vorher das Zeitliche segnet.

    Ich warte neuerdings auch, bis alle Bände erschienen sind und ja, ich weigere mich auch etwas anzufangen, was über eine Trilogie hinausgeht. Will nicht wieder in der Luft hängen.
    Das etwas nicht übersetzt wird, tangiert mich meist nicht, weil ich viel auf englisch lese.

    Dann kaufe ich mir Bd. 1 und wenn mir der gefällt den Rest. Nie alle drei auf einmal. So konnte ich z.b. Brian McClellans Powder Mage Trilogie in zwei Monaten komplett lesen, ohne warten zu müssen. Kann ich übrigens nur empfehlen.

    lg
    Nadine

    Comment by Nadine — 6. Juni 2017 @ 09:24

  6. Verstehen tu‘ ich dich ja schon, so ist das nicht. Auch wenn ich eine andere Einstellung habe.
    Aber wie gesagt, ich finde es zwar Schade, wenn Reihen nicht zu Ende gehen, aber das würde mich trotzdem nicht davon abhalten, sie jemandem zu empfehlen.

    Vielleicht ist das dann auch das *Geschichtenerzähl-Gen* in mir. Ich mache mir dann selbst Gedanken, wie es ausgehen könnte. Was freilich nicht das gleiche ist, aber es hilft ,-)

    Comment by Darkstar — 6. Juni 2017 @ 09:32

  7. So intensiv habe ich noch nie darüber nachgedacht, aber du hast recht.
    Natürlich signalisiert man dem Verlag mangelndes Interesse, wenn man erst mal abwartet, was noch kommt – ob noch etwas kommt.
    Ich selbst tendiere manchmal dazu, erst mal abzuwarten. Gerade bei HC bin ich anfangs vorsichtig, da ich Taschenbücher nicht nur lieber mag, sondern sie finanziell auch eher in meinem Budget liegen. Allerdings gilt das nur für Bücher, bei denen ich sowieso schon skeptisch bin. Wenn ich glaube, dass mir etwas gefällt, dann kaufe ich es auch direkt (was mein Regal voller Bücher erklärt, die darauf warten, gelesen zu werden, und meinen ständig niedrigen Kontostand).
    Bisher habe ich noch keine Reihe abbrechen müssen, weil sie nicht fortgesetzt wurde. Es hat sich höchstens mal das Format geändert („und sah dann im Regal nicht mehr so schön aus“, den Satz hast du bestimmt auch schon das eine oder andere Mal gelesen), aber damit habe ich kein allzu großes Problem. Ich lese tatsächlich sehr gern Reihen, gern auch mit mehr als drei Bänden. Ich mag einfach das Gefühl, Charaktere schon gut zu kennen und sie über einen längeren Zeitraum zu begleiten (Mercy Thompson von Patricia Briggs ist da ein gutes Beispiel, oder Cat & Bones von Jeanine Frost). Wenn ich mir vorstelle, dass die Reihen abgebrochen worden wären, weil es zu wenig „Interesse“ am Anfang gegeben hätte – da graust es mich ja! 😉
    Das ist übrigens ein schöner Artikel und ich überlege, ob ich ihn bei mir verlinke – darf ich?
    LG, Henrike

    Comment by Henrike — 6. Juni 2017 @ 14:15

  8. @Henrike:

    Klar, du darfst gern verlinken – danke sogar dafür!

    Ich liebe ja auch Mercy Thompson und bin froh, dass die nicht eingestellt wurde. Auf Band 7 haben wir ja glaub ich ziemlich lange warten müssen hier in Deutschland.

    Mit Seanan McGuires October Daye-Reihe hat es damals leider meine Lieblings-Urban Serie erwischt. Gott sei Dank lese ich auch viel auf Englisch. Und natürlich kann das auch andere Gründe gehabt haben, dass die hierzulande nicht ankam.

    Übrigens: Schöner Blog – habe gerade gesehen, dass Du vor kurzem Buffy fertig geguckt hast. Als einer der größten Buffy-Nerds weltweit würd ich mich freuen, mich mit dir auszutauschen, wenn du noch Bedarf hast ,-))

    Comment by Darkstar — 6. Juni 2017 @ 14:21

  9. Ja, Mercy hat ein bisschen auf sich warten lassen, aber wirklich nervös wurde ich nicht: Im Original gab es ja noch ein paar Bände, die ich mir notfalls auch auf Englisch zugelegt hätte.

    Die October Daye-Reihe sagt mir gerade gar nichts. Den Namen muss ich mir merken. 🙂

    Danke! Der dringendste Redebedarf ist schon etwas abgeebbt, aber was spricht dagegen, sich auch so darüber zu unterhalten? 😉
    Welche Kriterien muss man denn so erfüllen, um als „einer der größten Buffy-Nerds weltweit“ zu gelten?

    LG!

    Comment by Henrike — 9. Juni 2017 @ 11:38

  10. Ich liebe es, wenn ich Bücher hintereinanderweg lesen kann und habe das auch schon mehrfach so gemacht. Dabei stelle ich mir oft die Bücher ins Regal und warte, bis die Reihe vollständig ist, bis ich anfange zu lesen. Entweder ich achte darauf, dass die Serie schon älter ist, also bereits alle Bücher zu haben sind (notfalls über Tausch oder Gebrauchtkauf) oder ich kaufe brav – dann allerdings nur, wenn ich den Autor schon kenne. Zu groß ist die Gefahr, dass ich umsonst kaufe. Da die meisten Übersetzungen aus dem englischen stammen, gehen die meisten Leser ohnehin dazu über, im Original weiterzulesen, da sind die Bücher auch oft etwas preiswerter. Lösungen für Verlage liegen hier eigentlich einige vor, warum es nicht praktiziert wird, erschließt sich mir seit Jahren nicht. Klar müsste man im Vorfeld vielleicht ein bisschen mehr Geld in die Hand nehmen, aber es könnte sich lohnen und zumindest einen Versuch wäre es wert.

    Comment by Soleil — 23. Juni 2017 @ 11:22

  11. @Soleil:
    Was meinst du mit Lösungen?
    Die Bücher zeitgleich auf den Markt bringen?

    Comment by Darkstar — 30. Juni 2017 @ 12:29

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