Darkstars Fantasy News


25. Oktober 2008

Uschi Zietsch Interview

Category: Interviews – Darkstar – 16:30

Uschi Zietsch 2Obwohl das Genre zur Zeit in gewisser Weise boomt, haben es deutschsprachige Fantasy-Autoren nicht immer unbedingt leicht. Uschi Zietsch dürfte zu jenen gehören, die davon ein Lied singen können: Ihr erster Roman erschien Mitte der 80er, und obwohl sie Zuspruch seitens ihrer Leser bekam, berichtet sie auf ihrer Website davon, dass ihr Verleger sich dann doch dazu entschied, „keine Deutschen mehr“ zu veröffentlichen.

Das Schöne an dieser Geschichte ist, dass sich die Autorin dadurch nicht hat entmutigen lassen – inzwischen kann sie auf eine respektable Karriere zurückblicken, hat viele Romane und Heftromane geschrieben und gar einen eigenen Verlag gegründet. Bei Lübbe ist jüngst der Abschlußband ihrer „Waldsee-Trilogie“ erschienen. Erfreulicherweise hat Uschi Zietsch Zeit gefunden, über all das mit mir zu plaudern – und über mehr. Viel Spaß mit dem Interview!

Interview mit Uschi Zietsch

Gerade ist „Perlmond“, der dritte Teil der Waldsee-Chroniken erschienen. Auf deiner Website hast du jedoch bereits angekündigt, dass du bereits im November mit dem Schreiben an einem neuen Roman, der in der Träumenden Welt spielt, beginnen wirst. Magst du uns ein bisschen darüber verraten? Und was hat dich zu diesem neuen Abenteuer inspiriert?

Uschi Zietsch 1Der neue Band, der im Oktober 2009 erscheinen soll, heißt „Nauraka“. Die Handlung spielt etwa 1000 Jahre nach dem Ende von „Perlmond“ und beginnt tief im Meer, wo die Nauraka leben. Rowarn, der Held der Trilogie, entstammt ja zur Hälfte diesem Volk, und nun erfahren wir, dass es die Nauraka immer noch gibt, die selbst unter den magischen Landbewohnern Waldsees als mystisch gelten. Ich schicke ein Geschwisterpaar auf eine lange Reise, unter und über Wasser. Natürlich ist es auch wieder eine Reise durchs eigene Ich, man wird sich mit alten Feinden herumschlagen müssen, und Bannflüchen, und Legenden begegnen.. Was die Inspiration betrifft, so gibt es noch jede Menge Geschichten hierüber zu erzählen …

Wie würdest du jemandem, der noch keinen deiner Romane gelesen hat, beschreiben, worum es in deinen Büchern geht?

Jedes Buch erzählt eine andere Geschichte, insofern kann man das nicht pauschal sagen. Ich schreibe ja in verschiedenen Genres – Science Fiction, Fantasy, Kinderbücher, Krimis, und so weiter. Allerdings sind mir immer die Personen wichtig, die sich mit Konflikten auseinandersetzen müssen, deren Entwicklung und Charakter. Sei es nun in einer fremden Welt oder in einer vertrauten.

Kannst du uns erzählen, wie du zum Schreiben gekommen bist? Wann hast du bemerkt, Talent dafür zu haben? Und weißt du noch, worum es in deiner ersten Geschichte ging?

Ich erzähle Geschichten, seit ich sprechen kann, und lege sie schriftlich nieder, seit ich schreiben kann. Ich habe nie darüber nachgedacht, ob ich Talent habe, da es immer schon mein hauptsächlicher Antrieb war. Meine erste Geschichte schrieb ich bereits in der Grundschule, wir sollten irgendeinen Aufsatz schreiben „Mein spannendstes Urlaubserlebnis“, und ich habe völlig frei fabuliert (weil mein eigenes Leben ziemlich langweilig war) und ein fantasievolles Abenteuer dargeboten. Wegen Themaverfehlung bekam ich eine 6, da schließlich alles erstunken und erlogen war und außerdem sprechende Tiere vorkamen, aber ich bekam eine 1 für die Geschichte, die der Klasse vorgelesen wurde. Ab da hielten meine Mitschüler mich wohl für etwas seltsam. Meine erste längere Geschichte mit einem Umfang von etwa 60 Druckseiten schrieb ich mit 11, das war eine Pferdegeschichte, die ich auch selbst illustrierte. Ich habe sie heute noch.

Wie lange hast du gebraucht, um deinen Debütroman zu schreiben?

Uschi Zietsch 5Mein „echter“ Erstling, den ich zum ersten Mal Verlagen anbot, ist bis heute unveröffentlicht, eine 1000-seitige Fantasygeschichte. Das ist jetzt (2008) fast 30 Jahre her. Ich schrieb daran drei Jahre und entwickelte darin und darum herum als Hintergrund das „Träumende Universum“, das die Grundlage für die „Waldsee-Trilogie“ darstellt. Die Welt Waldsee selbst erscheint zum ersten Mal im „Stern der Götter“. Der tatsächliche Debütroman, also mein erstes veröffentlichtes Buch, „Sternwolke und Eiszauber“, spielt auf einer anderen Welt, aber im selben Universum. „Sternwolke und Eiszauber“ schrieb ich innerhalb drei Monaten.

Inwiefern unterscheidet sich deine neue Trilogie von deinen vorhergehenden Romanen (falls sie das tut)?

Sie ist sicherlich meine aufwendigste und dadurch reifste Geschichte, die mich zu meinen Ursprüngen zurückgeführt hat und mir deshalb mehr am Herzen liegt als die anderen Bücher.

Beim Verlag Fabylon hast du ja die Zügel in der Hand, aber deine Bücher sind ja auch in externen Verlagshäusern erschienen – und du hast Auftragsarbeiten für Perry Rhodan und Co. erledigt. Hat einer deiner Verleger jemals von dir verlangt, drastische Änderungen in einem Roman vorzunehmen?

Nein.
Änderungen an sich kommen selbstverständlich vor, schließlich hat der Lektor eine objektivere Sicht auf meine Geschichte als ich mit dem zwangsläufigen „Tunnelblick“. Solche Vorschläge können das Buch nur besser machen, ich bin immer sehr dankbar dafür. Aber das sind nur einzelne Szenen, keine Veränderung der Geschichte.
Meine Bücher bei Fabylon werden genauso lektoriert wie alle anderen meiner Arbeiten auch.

Kannst du uns eine kleine Vorschau darüber geben, was Fantasyleser von „Fabylon“ in den kommenden Monaten erwarten dürfen?

Zur Buchmesse in Leipzig im März 2009 wird eine von Alisha Bionda herausgegebene Fantasy-Anthologie in zwei Bänden erscheinen, aufwendig illustriert, mit Geschichten passend zu den jeweiligen Bildern. Die Anthologie trägt den Titel „Dark Ladies“ und hat jede Menge faszinierende, düstere, natürlich dementsprechend auch erotische Frauengestalten zu bieten, über die von internationalen Autorinnen und Autoren erzählt wird, von denen einige zu den besten und bekanntesten des Genres zählen. Dazu arbeiten wir mit Hochdruck an der zweiten Staffel von „SunQuest“, die im Frühsommer 2009 startet; damit sind wir fürs erste Halbjahr 2009 erst mal ausgelastet – und was im zweiten Halbjahr erscheint, werden wir noch sehen.

Uschi Zietsch 6Was hat dich eigentlich dazu bewegt, Teilweise unter Pseudonym zu schreiben?

Den Künstlernamen „Susan Schwartz“ habe ich seinerzeit für Perry Rhodan kreiert, um von Auftragsarbeiten und eigenen Arbeiten als „Uschi Zietsch“ zu unterscheiden. Dazu trennten sich auch die beiden Genres Science Fiction (Susan Schwartz) und Fantasy (Uschi Zietsch) auf. Allerdings ist die Trennung nicht ganz so eng zu sehen, inzwischen werden bei amazon schon beide Autorinnen bei ein- und demselben Roman angezeigt, was durchaus skurril ist.

Ab Oktober wird „Elfenzeit“ im Bertelsmann Buchclub erscheinen. Das Konzept der Reihe klingt interessant: „eine moderne Fantasy-Serie, die Mythen und Märchen stimmungsvoll und atmosphärisch mit der Gegenwart verbindet“. Du bist ja nicht die einzige Autorin bei „Elfenzeit“. Wie darf man sich die Arbeit an der Reihe vorstellen?

“Elfenzeit“ ist meine eigene Serie, die ich im Auftrag des Pabel-Moewig Verlags, genauer gesagt, der Perry Rhodan-Redaktion, konzeptioniert habe. Ich schreibe auch sämtliche Exposés dazu und gebe den Co-Autoren die Vorgaben. Da die Serie monatlich erscheint, kann ich natürlich nicht alle Romane selbst schreiben; außerdem finde ich gerade hierbei den Reiz der Abwechslung sehr wichtig. Denn die Autorinnen und Autoren können sich anhand der Rahmenhandlung innerhalb ihrer Story richtiggehend „austoben“ und sich ungeniert bei den Mythen und Sagen dieser Welt bedienen, sie neu definieren und fantastische und fantasievolle Geschichten erzählen. Angesiedelt in der heutigen Zeit und in unserer Welt, schreiben wir eine neue Mythengeschichte mit unseren eigenen Interpretationen. Der hauptsächliche Reiz ist die Verbindung von Moderne und Fantasy, dazu die Orte, die bereist werden, und die wir entsprechend vorstellen: die Leserschaft kann damit ebenfalls reisen, zurückgelehnt im bequemen Sessel.

Elfenzeit 1Werden irgendwann auch interessierte Leser, die nicht Mitglieder im Buchclub sind, in den Genuss von „Elfenzeit“ kommen?

Natürlich. Schon im November starten die Hörbücher, außerdem wird bald die Elfenzeit-Homepage (www.elfenzeit.com) online gehen, wo man auch als Nicht-Mitglied Bestellmöglichkeiten hat. In ein paar Jahren ist außerdem eine Buchhandelsausgabe geplant. Zunächst aber hat natürlich Bertelsmann als Auftraggeber die Exklusivität.

Erzählst du uns ein bisschen darüber, wie einer deiner Romane entsteht? Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag für dich aus? Hast du irgendwelche seltsamen Angewohnheiten?

Sobald ich eine Idee habe, erschaffe ich ein Grundgerüst über die handelnden Personen, Schauplätze etc., dann schreibe ich ein Exposé, gehe eine Weile in mich, um mich hineinzufinden, die Welt und die Figuren zu fühlen und lebendig werden zu lassen, und dann geht es los mit dem Schreiben.

Mein Arbeitstag beginnt um 7.30, wenn ich in den Stall gehe, die Pferde zu füttern, die Hunde und Katzen zu versorgen, dann sehe ich mir die eMails an und beantworte schon einen Teil der Tagespost, erledige die Haus- und Hofarbeiten, gehe einkaufen etc., zwischendurch esse ich was, dann arbeite ich den Rest der Verlags- und sonstigen Verwaltungsarbeit ab, und ca. 16 Uhr fange ich dann intensiv mit dem Schreiben an, bis ca. 00.30, manchmal auch später. Das ist jetzt der Regelfall. Je näher aber ein Abgabetermin rückt und je tiefer ich in der Geschichte drinstecke, desto früher fange ich an zu schreiben, das kann schließlich 6 Uhr morgens sein, und dann geht es von wenigen notwendigen Unterbrechungen abgesehen durch bis nachts. Für seltsame Angewohnheiten bleibt da kein Raum. (Es reicht ja auch, wenn ich seltsam bin oder zumindest meiner Umgebung so erscheine.)

Uschi Zietsch 3 Was macht dir am meisten Spaß, wenn du an einem neuen Roman arbeitest – und was kannst du nicht ausstehen?

Es gibt natürlich Szenen, die liegen einem nicht so, sind aber unerlässlich für die Geschichte. Damit kann man sich schon mal herumquälen. Aber ich weiß inzwischen, wie ich diese gefährlichen Grate umschiffe, sodass mir alles an einem Roman Spaß macht. Was ich nicht ausstehen kann, ist, wenn ich das Ende des Romans kaum mehr erwarten kann, und dann, wenn er tatsächlich zu Ende ist.

Woran erkennst du, dass sich eine Idee dazu eignet, zu einem Romanplot ausgearbeitet zu werden?

Man kann aus allem etwas machen. Die Entscheidung liegt darin, ob man es will.

Hast du einen Lieblingsprotagonisten aus all deinen Büchern? Für welche Figur fiel dir das Schreiben am leichtesten – und mit welcher hattest du die größten Probleme?

Die Distanz zu den Figuren ist unerlässlich, denn ansonsten erschafft man sich sein persönliches überstilisiertes Idealbild, mit dem kein Leser mehr etwas anfangen kann. Dann schreibt man nur noch für sich selbst.
Meine Figuren machen sowieso ab dem erzählerischen Schreibprozess alle, was sie wollen und entwickeln ihr Eigenleben. Das gefällt mir manchmal und manchmal nicht. Oft bin ich gespannt, wie sie sich aus einer prekären Lage wieder herauswinden werden. Ich respektiere sie alle als eigenständige Charaktere, ob ich sie nun mag oder nicht. Probleme bereitet mir eine Figur beim Schreiben nie, denn sonst würde sie nicht funktionieren und sollte gar nicht in Erscheinung treten.

Gibt es eine Stelle in einem deiner Romane, auf die du besonders stolz bist?

In allen.

Uschi Zietsch 7Was ist für dich persönlich wichtiger: Worldbuilding oder Charakter-Entwicklung?

Charakter. Das Ambiente verschafft Stimmung und Atmosphäre und muss entsprechend ausgearbeitet werden, aber es ist nicht mehr als der Hintergrund, der Zucker in den Kaffee.

Glaubst du, dass ein Autor Verantwortung trägt für seine Werke? Und kann ein Buch einen Menschen verändern?

Zur ersten Frage: Sicher, er will schließlich etwas aussagen. Zur zweiten Frage: Ja, natürlich. Bücher zeigen neue Perspektiven über den Tellerrand hinaus.

Was macht deiner Meinung nach das Genre Fantasy so attraktiv?

Es ist ein wunderbares Medium für den Eskapismus, um für ein paar Stunden in eine ganz fremde, fantastische Welt einzutauchen, Träumen nachzuhängen, zu fantasieren, zu entspannen und sich zu erholen. Und dabei so ganz nebenbei vielleicht hinterher auch Parallelen zur realen Situation zu ziehen.

Du schreibst ja jetzt schon mehrere Jahrzehnte. Wie hat sich deiner Meinung nach das Genre verändert? Und würdest du sagen, dass diese potentiellen Veränderungen auch Auswirkungen auf deine Art zu Schreiben hat(te)?

Das Fantasy-Genre hat sich insofern verändert, dass heutzutage mehr Männer als Frauen Fantasy lesen, und dementsprechend auch mehr Männer in dem Genre schreiben. Früher wurde Fantasy ein wenig anrüchig als „romantische Frauenromane“ abgetan, doch durch die Herr der Ringe-Verfilmungen und die PC-Games hat sich das total gewandelt. Auswirkungen auf mein Schreiben hat das nicht im Geringsten.

Hand auf’s Herz: Hast du jemals Fanfiction geschrieben?

Nein.

Was ist marketingtechnisch deiner Meinung nach wichtiger bei einem Roman: Ein tolles Cover oder ein genialer Titel?

Ein tolles Cover, ein genialer Titel und ein klasse Klappentext.

Hast du bereits über den nächsten Roman hinaus Pläne, über was du schreiben möchtest?

Ja, jede Menge, innerhalb und außerhalb der Fantasy. Ich werde allein nächstes Jahr eine neue Serie und (mindestens) drei neue Projekte konzeptionieren.

Hast du literarische Vorbilder? Und welche Autoren liest du gern, einfach zum Spaß?

Es gibt viele Autoren, die ich literarisch toll finde, die nehme ich mir aber nicht zum Vorbild. Denn wenn ich wirklich endlich einmal lesen kann, also die dafür trotzdem nur knapp bemessene Zeit finde, dann will ich nur zum Vergnügen und zur Erholung lesen. Zu meinen sehr geschätzten Autoren gehören Armistead Maupin, Salman Rushdie, Dan Simmons, Haruki Murakami, Michael Crichton und viele mehr. Ich lese so ziemlich alles.

Uschi Zietsch 4 Stehen Termine für Lesungen fest, wo man dich treffen bzw. dir zuhören kann?

Im November: 14.11.2008 in Langenargen (Bodensee, bei Friedrichshafen), lese ich aus „Stern der Götter“ (www.luubooks.de, unter LuuReport). Und dann lese ich natürlich im März in Leipzig. Eine Geschichte von mir hören kann man auf dem „Fremde Welten Channel“, es handelt sich um „Der perfekte Friede“, eine Kurzgeschichte (hier!).

Wenn du einen fiktiven Charakter (aus deinen Werken oder denen eines anderen) treffen könntest: Wer wäre das und weshalb?

Niemand, denn das würde mir meine Illusion rauben.

Liebe Uschi, vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast! Für die berufliche und private Zukunft alles Liebe und viel Erfolg!

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3 Comments »

  1. […] Darkstars Fantasy News ist gerade ein Interview mit mir erschienen. Dieses Blog beschäftigt sich mit allem rund um […]

    Pingback by Uschis Blog » Interview — 28. Oktober 2008 @ 12:58

  2. […] sie zudem eine eigene weibliche Hauptfigur ein, die durch das Miniabenteuer führen wird, das Uschi Zietsch als Gastbeitrag zur Perry Rhodan-Serie […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Uschi Zietsch kehrt zu Perry Rhodan zurück! | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy — 22. September 2010 @ 18:49

  3. […] Interview mit Uschi Zietsch findet ihr hier. Tags: « And the winner is […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Waldsee-Chroniken als Hardcover-Sammelband | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 25. Juni 2013 @ 19:08

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