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29. August 2010

Interview mit Oliver Plaschka

Category: Interviews – Darkstar – 10:51

Der KristallpalastFeinsinnig und mit viel Gespür hat Oliver Plaschka in „Die Magier von Montparnasse“ über Bühnenzauberer und echte Magier, Illusion und Wahrheit im Paris des anbrechenden 20. Jahrhunderts geschrieben. Mit dem Roman hat er bewiesen, dass er ein deutscher Phantastik-Autor ist, mit dem man rechnen muss.

Bei einem sehr netten und informativen Event des Klett Cotta-Verlags im vergangenen Frühjahr hatte ich dann die Gelegenheit, dem Autor persönlich zu begegnen. Ich war sehr angetan, und zwar sowohl von der Buchvorstellung als auch von Oliver selbst. Da damals im Netz bereits zahlreiche Interviews zu den „Magiern“ kursierten und ich Oliver nicht damit langweilen wollte, ihm die gleichen Fragen zu stellen wie schon fünf Kollegen vor mir, entschloss ich mich, auf eine bessere Gelegenheit für ein Interview mit ihm zu warten. Mit dem aktuellen Erscheinen von „Der Kristallpalast„, einem neuen Roman, dass er gemeinsam mit zwei Freunden verfasst hat, ist dieser Zeitpunkt jetzt gekommen!

Im folgenden Interview verrät Oliver Plaschka u. a., wie er zum Schreiben gekommen ist, wie man einen Roman zu dritt schreibt und wie er die Entwicklung des phantastischen Genres wahrnimmt. Viel Spaß beim Lesen!

Interview mit Oliver Plaschka

Lieber Oliver, gerade ist bei Feder & Schwert der Roman „Der Kristallpalast“ erschienen, den du als Co-Autor verfasst hast. Gib uns doch ein Gefühl dafür, worum es in dem Buch geht, ohne zu viel zu verraten.

Es handelt sich um ein Steampunk-Abenteuer im viktorianischen London. Eine verführerische Dame, ein tatkräftiger Captain und ein niederländischer Spezialagent jagen geheimnisvollen Kristallen hinterher. Die Jagd endet … na ja, genau dort, wo eigentlich Queen Victoria die erste Weltausstellung eröffnen möchte.

Wie würdest du jemandem, der noch nichts von dir gelesen hat, deine Bücher beschreiben?

Ich glaube, ich schreibe eigentlich ganz altmodische Phantastik. Nur heute eben. Ausgefallene Schauplätze, Figuren und Sprache sind mir in der Regel wichtiger als „Action“.

Den „Kristallpalast“ hast du mit zwei Freunden, Alexander Flory und Matthias Mösch, zusammen geschrieben. Wie schreibt man ein Buch zu dritt?

Mit einem Szenenplan und einer sehr klaren Arbeitsteilung. Wir hatten die Figuren, aber auch die Kapitel unter uns aufgeteilt.

Wie lange habt ihr an dem Buch gearbeitet?

Wie häufig bei meinen Büchern klaffen reine Arbeitszeit und komplette Entstehungsgeschichte sehr weit auseinander. Ersteres dauert meistens ein knappes Jahr, letzters alles zwischen 2-7 Jahre … Die ersten Treffen zum „Kristallpalast“ fanden vor gut 3 Jahren statt.

Die Magier von MontparnasseDas Cover erinnert stilistisch stark an deinen Solo-Roman „Die Magier von Montparnasse„. Fühlt sich da Klett Cotta nicht auf den Schlips getreten?

Ich hoffe nicht. Aber ich bin bei keinem meiner drei Romane bisher vorab nach meiner Meinung zum Cover gefragt worden. Es war auch nie nötig – ich fand sie immer schön. Lustigerweise sehen die Bücher auch nebeneinander ganz gut aus, obwohl sie bei verschiedenen Verlagen erschienen sind.

Wann und wodurch entstand bei dir der Wunsch, Schriftsteller zu werden?

Es gab bei mir kein Schlüsselerlebnis. Wie die meisten Autoren schreibe schon viel länger, als ich veröffentliche. Je größer der Stapel unveröffentlichter Bücher dann wurde, desto intensiver habe ich mich um Kontakte zur Verlagswelt bemüht. Zunächst vergebens. Mit der Gründung von Schmidt&Abrahams, meiner Agentur, bot sich schließlich ein gangbarer Weg – dass er zum Erfolg führen würde, wussten wir damals aber auch noch nicht.

Wie wichtig ist Deine Agentur für Dich und Deine Arbeit? Und würdest Du sagen, sie hat Einfluß auf deine Werke?

Meine Agentur ist mir sehr wichtig, denn das sind die Menschen, mit denen ich mich hauptsächlich über meine Texte und das ganze Drumherum unterhalten kann. Inhaltlichen Einfluss auf meine Bücher nimmt die Agentur eigentlich nicht. Ihre Existenz verdanken sie ihr gelegentlich dagegen schon.

Woher weißt Du, dass sich eine Idee dazu eignet, zu einem Roman ausgearbeitet zu werden?

Eine gute Frage. Einerseits braucht es genügend inhaltliche und literarische Substanz, andererseits muss mich das Thema genug faszinieren, dass ich mich ihm lange Zeit widmen möchte. Verrückte kleine Experimente macht man lieber als Kurzgeschichte, wenn überhaupt – denn auch Kurzgeschichten sind viel Arbeit.

Geisterhafte GroteskeUnd hast Du Angst davor, dass Dir eines Tages die Ideen ausgehen?

Angst keine. Es kann sein, dass sie mir irgendwann ausgehen, aber ich stelle mir das momentan eher als befreiendes Gefühl vor. Wird die nächsten zehn bis zwanzig Jahre aber kein Thema sein.

Was macht dir am meisten Spaß, wenn du einen neuen Roman entwirfst oder das Setting für eine neue Geschichte – und was kannst du dabei nicht ausstehen?

Am meisten Spaß macht das zwanglose Rumspinnen mit Möglichkeiten, beim Autofahren, beim Einkaufen, nachts vor dem Fernseher … am schwierigsten finde ich den Punkt, zu dem man einzelne Optionen dann wieder verwerfen muss, weil nicht alles mit allem zusammenpasst.

Wenn Du an einem neuen Buch arbeitest, was ist da zuerst da: die Figuren oder die Handlung?

Meistens die Figuren, oder das Setting, oder eine eher diffuse Idee. Auch das Ende kenne ich meist recht früh. Die eigentliche Geschichte mit ihren plot points und Höhepunkten kommt dann eher später.

Was ist dein Geheimrezept, auch dann am Ball zu bleiben, wenn Du mit einem Roman einmal nur schleppend voran kommst?

So lange guten Gewissens etwas anderes machen wie möglich. Wenn der Zeitdruck einen dann einholt, die Gedanken klären und harte Entscheidungen treffen. Gerne mache ich das im Rahmen eines Spaziergangs, den ich erst beende, wenn das Problem gelöst ist.

In „Die Magier von Montparnasse“ wechseln sich mehrere Charkatere mit dem Erzählen der Geschichte ab. Ihre individuelle Sichtweisen machen einen großen Teil des Reizes des Romans aus. Wie erarbeitest Du dir Charaktere?

Ich sehe es eigentlich nicht als erarbeiten. Ich stelle mir eine Rolle vor und führe sie ihrem Charakter entsprechend, ähnlich wie im Rollenspiel. Ich-Perspektiven finde ich aus diesem Grund fast einfacher als 3. Person, aber mein nächster Roman wird auf jeden Fall anders erzählt werden.

FairwaterWelche Rolle spielt für Dich Recherche beim phantastischen Roman?

Kommt darauf an. Fairwater z.B. war eine fiktive Stadt, bei der ich alle Freiheiten hatte, und es war mir auch nicht wichtig, ein realistisches Maryland zu zeichnen. Für Montparnasse dagegen habe ich massenweise Biographien und Bildbände gewälzt. Es sind meist diese historischen Hintergründe, die den Recherchewahn in mir auslösen. Ich wundere mich selbst darüber, denn eigentlich bin ich kein Geschichtsfreak.

Was ist das seltsamste Thema, zu dem Du bisher recherchiert hast?

Wahrscheinlich war das mein Versuch, am Rande meiner Dissertation auch herauszufinden, was James Branch Cabell mit den Tauben und Spiegeln meinte, die immer wieder in seinen Geschichten auftauchen. Es gibt eine Ausgabe eines alten Fanzines, in dem das Rätsel angeblich geklärt wird. Mittlerweile glaube ich aber, dass es eher ein Rätsel ohne Antwort ist. Wer sie kennt, kann sich ja bei mir melden – ich wäre ihm sehr verbunden.

Warum Fantasy? Deine ganz persönliche Meinung: Was macht dieses Genre so attraktiv für Leser und Autoren?

Ich bin einfach damit groß geworden und liebe das Gefühl des Staunens, den „sense of wonder“, den gute fantastische Literatur in einem auslöst. Der allgemeine Hype der letzten Jahre hat meines Erachtens aber wenig damit zu tun. Ich will dennoch nicht klagen, schließlich haben wir Fantasyautoren verglichen mit vor zwanzig Jahren heute traumhafte Bedingungen in Deutschland.

Wie hat sich Deiner Meinung nach das Genre in den letzten Jahren verändert?

Ich würde sagen, dass es sich durch den Erfolg bekannter Kinoreihen stark auf bestimmte Themen reduziert, dabei aber auch abgeflacht hat. Ein Haufen Kinder tragen heute spitze Hüte oder „Team Jacob“-Shirts, aber eigentlich stehen reden wir immer noch bei Bibi Blocksberg und dem kleinen Vampir, nur die Effekte sind besser geworden. Das ist aber nicht schlimm, denn dazwischen gibt es immer noch Neil Gaiman, Matt Ruff, Peter Beagle und andere.

Es wird geunkt, dass nach den sehr erfolgreichen letzten Jahren das Interesse deutscher Leser an der Fantasy in den kommenden Jahren wieder stark abnehmen wird. Wie siehst Du das?

Müsste erfahrungsgemäß eigentlich so kommen und bietet für mich weder Anlass zum Unken noch zur Panik. Was ich mir wünschen würde, ist, dass die Science Fiction dadurch wieder mehr Auftrieb erhält.Oliver Plaschka beim Signieren

Du bewegst Dich in der deutschen Fantasy-Szene und interagierst dort auch mit Deinen Lesern. Öffentliche Lesungen, Auftritte auf Conventions und Messen: Ist das Pflichtprogramm, Spaßveranstaltung oder beides?

Beides.

Ich habe mittlerweile viele gute Bekannte, die ich nur zwei, drei Mal im Jahr auf Conventions treffe. Ich bin aber auch ein sehr reisefauler Mensch. Manchmal wünsche ich mir, Cons auch einfach mal wieder nur konsumieren zu können, statt dort zu „arbeiten“. Spaß macht es trotzdem.

Die Online-Plattformen machen es dem Leser heute leicht, die eigene Meinung über ein Buch ausführlich breitzutreten. Wie gehst du mit negativer Kritik um? Und liest du prinzipiell alle Rezensionen zu deinen Büchern, oder hältst du mitunter auch bewusst Abstand?

Ich versuche immer, Abstand zu halten, aber natürlich klappt das mal besser, mal schlechter. Ich lese eigentlich schon fast alles, über das ich so stolpere. Aber nur, wenn ich die Argumentation einer Kritik nachvollziehen kann, nehme ich sie mir auch zu Herzen, egal, ob sie positiv oder negativ ist. In Geschmacksfragen versuche ich mich nicht einzumischen.

Deine Bücher erscheinen bei einem kleinen Verlagen bzw. bei einem Verlag mit einem vergleichsweise überschaubaren, aber ausgewähltem Fantasy-Programm. Und deine Romane sind (das meine ich ausdrücklich als Kompliment) keine Fließbandware, bestehend aus gängigen Fantasy-Versatzstücken. Fühlst Du dich in dieser nicht ganz so breitgetretenen Ecke des Genres wohler?

Auf jeden Fall. Ich halte mich gern an Terrain, das ich als sicher empfinde, und das Maß an Exposition, das einige meiner Kollegen genießen, würde mir auch ziemlich zu schaffen machen. Und so unterschiedlich meine Verlage auch sein mögen: Mit beiden verband mich schon als Leser eine lange und enge Beziehung, und ich bin sehr glücklich, ausgerechnet bei Feder&Schwert und dann bei Klett-Cotta gelandet zu sein.

NarniaDeine bisherigen Werke sind alles für sich stehend, in sich abgeschlossen. Das ist in einem Genre, in dem sich Zyklen und Serien gut verkaufen, ungewöhnlich. Willst Du dem treu bleiben oder trägst auch du dich mit der Idee zu einem Mehrteiler?

Man soll nie „nie“ sagen, aber ich will dem eigentlich treu bleiben. Eine Geschichte ist für mich in erster Linie eine geschlossene Einheit, wie ein guter Film.

Natürlich gibt es auch gute Fortsetzungen (z.B. Indiana Jones, oder Aliens); das sind meines Erachtens aber Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Häufig erscheinen Bücher auch einfach aus wirtschaftliche Gründen in mehreren Bänden, wie beim „Herrn der Ringe“; das heute gern zitierte Paradebeispiel der Trilogie ist eigentlich keine.

Wenn Du eine fiktive Persönlichkeit – aus Deinen eigenen Werken oder denen eines anderen – treffen könntest: Wer wäre es und weshalb?

Ford Prefect aus dem „Anhalter“: Ich wollte immer schon mal im Bademantel die Galaxis durchreisen.

Last but not least, verrate uns doch bitte, woran Du gerade schreibst (auch wenn wir das Ergebnis, wie du selbst sagst, vermutlich nicht vor 2012 zu Gesicht bekommen werden)?

Es ist noch zu früh, darüber zu reden, aber soviel kann ich wohl sagen: An einem Fantasyroman. In einer Fantasywelt. Der in der 3. Person erzählt ist …

Vielen Dank dafür, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast und alles Gute und viel Erfolg sowohl für Deine berufliche wie auch private Zukunft!

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Oliver Plaschkas Website findet ihr hier!

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