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29. August 2010

Sylvia Hörner: Morrigans Vögel

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 13:41

Morrigans VögelEin silberner See, umgeben von Hügeln. Ein kleines Haus, fernab der Straße. Eine Familie, die ein Geheimnis hütet. Ein Großvater, der die alten Geschichten erzählt und ein Junge, der zu sehr glauben will …

Die kleine Maeve wächst zusammen mit ihren beiden Brüdern und ihren Eltern an einem idyllischen Fleckchen in Irland auf. Sie liebt es, den Erzählungen ihres Großvaters zu lauschen, der sich noch daran erinnert, wie die Menschen einst die Natur verehrten. Doch dann bricht ein kalter, erbarmungsloser Herbst an und für Maeve verändert sich alles: Raben ziehen in Schwärmen über das Land und stürzen sich auf neugeborene Lämmer. Während die Bewohner der Gegend zornig jagt auf die Vögel machen, ergreift Maeve die Angst, dass mehr an den Geschichten ihres Großvaters ist als sie bisher dachte: Hat die dunkle Göttin Morrígan ihre Vögel geschickt, um die Menschen daran zu erinnern, wem sie Verehrung schulden?

Ganz anders geht es ihrem Bruder Ruairí: Er fühlt keine Angst. Die Erzählungen seines Großvaters haben ein Feuer in ihm entfacht, eine Leidenschaft für die ungezähmte Kraft der Natur, für eine Lebensphilosophie, die die meisten Menschen heutzutage nicht mehr verstehen können. Entsetzt beobachtet Maeve, wie sich ihr Bruder immer mehr von ihr entfernt. Wohin verschwindet Ruairí, wenn er sich auf seine einsamen Streifzüge in die Hügel begibt? Mit wem spricht er nachts heimlich? Welche Geheimnisse raunen im der Wind und die Blätter an den Bäumen zu? Maeve macht sich daran, es herauszufinden – und merkt erst viel zu spät, dass sie für die Antwort vielleicht gar nicht gewappnet ist …

Morrigans Vögel“ ist ein Buch, dass atmosphärisch gerade jetzt zum anbrechenden Herbst wunderbar passt! Sylvia Hörner verrät in einem Interview, dass die ursprüngliche Idee, die dem Buch zu Grunde liegt, die war, die keltischen Jahresfeste ins „jetzt” zu transportieren. “Ich wollte anhand der Geschichte einer Familie in Irland Möglichkeiten aufzeigen, wie man ohne viel Aufhebens und großen Aufwand auch heute die Feste des Jahreskreises begehen kann.”, erinnert sie sich. Dass sie sich mit der Materie – mit dem alten keltischen Brauchtum, den Märchen vergangener Zeiten und was wir aus ihnen lernen können – auskennt, beweißt “Morrigans Vögel” eindrucksvoll. Ohne weltfremd zu werden, erzählt sie die Geschichte eines jungen Außenseiters, dem es aufgrund seiner Naturverbundenheit und seines Wesens schwer fällt, sich in der hektischen, von Mauern aus Stahl und Beton begrenzten Welt zu integrieren. Er will dem Ruf seines Herzens folgen, auch wenn das für seine Familie, allen voran für Maeve, die Ich-Erzählerin, zunächst schwer zu verstehen ist.

Eingewoben in dieser Rahmenhandlung finden sich Passagen, die von alten keltischen Ritualen, Glaubensvorstellungen und Geschichten handeln. Sie machen, vor allem in der ersten Hälfte, den Reiz des Buches aus. Zunächst dauert es nämlich eine Weile, bis die Geschichte den Leser richtig packt. Sie plätschert – nach einem stimmungsvollen Auftakt – im ersten Drittel ruhig dahin.

Dann aber nimmt “Morrigans Vögel” Fahrt auf: Das übernatürliche Element stiehlt sich in die Handlung. Maeves Suche nach der Entschlüsselung des Geheimnisses, das ihren Bruder umgibt, und den Kampf darum, ihn in der wirklichen Welt zu verankern, sind äußerst spannend, mitunter richtig unheimlich. Wenn sich fremde Gesichter in Fensterscheiben spiegeln oder ein Weg da auftaucht, wo es keinen geben dürfte, schleicht sich eine Gänsehaut über den Rücken des Lesers. Die Spannung hält Sylvia Hörner bis zum Schluss aufrecht, denn erst dann verrät sie, ob Maeve Ruairí an die Geisterwelt  verliert oder nicht – und der Leser rätselt bis zum Ende mit.

Alles in allem fällt es schwer, “Morrigans Vögel” in ein bestimmtes Genre einzuordnen. Ich möchte es “Stimmungsbuch” nennen, denn Atmosphäre ist in ihm sehr wichtig. Es setzt nicht auf eine reißerische Handlung, sondern erzählt: von einem kleinen Haus im Fuße der irischen Hügeln und am Rand eines silbernen Sees; von der Kraft, der Macht und der Erbarmungslosigkeit der Natur: hereinbrechenden Herbststürmen, dem unheimlichen Gekrächze von Raben, aber auch goldenem Sonnenschein; von alten keltischen Glaubensvorstellungen; von Geistern im Nebel – und vom Wert der Liebe einer Familie, die zueinanderhält.

Fakten:

Titel: Morrigans Vögel
Autorin: Sylvia Hörner
Verlag: Andreas Leffler Medienverlaug
Aufmachung: Taschenbuch, 245 Seiten
Preis: 13,90 €

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1 Kommentar »

  1. […] Meine Rezension findet ihr hier. […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Halloween-Unterhaltung (Lese-Tipps) | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy — 25. Oktober 2010 @ 07:52

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