Darkstars Fantasy News


30. Juli 2011

Interview mit Juliet Marillier
Sevenwaters-Special 2011

Category: Interviews – Darkstar – 07:00

Die Erben von SevenwatersWie könnte man ein Sevenwaters-Special besser abschließen als mit einem Interview mit der Autorin selbst. Gemeinsam mit Lynn Flewelling gehörte Juliet Marillier zu den zwei Autorinnen, mit denen ich seinerzeit die Interview-Rubrik auf Darkstars Fantasy News eröffnet habe. Deshalb freue ich mich besonders, dass sie auch heute wieder auf einige Fragen zu ihren Romanen Rede & Antwort gestanden hat!

Viel Spaß beim Lesen des Interviews!

Interview mit Juliet Marillier zu „Die Erben von Sevenwaters“

Liebe Juliet, was erwartet die Leser in „Die Erben von Sevenwaters“?

Ein schreckliches Ereignis stellt die geordnete Welt von Clodagh auf den Kopf. Um diese wieder zu richten, muss sie sich auf eine Quest begeben, die sie an die eigenen Grenzen bringt und ihre Zukunft für immer verändern wird.

Inwiefern unterscheidet sich der Roman von den vorhergehenden Sevenwaters-Büchern?

In „Die Erben von Sevenwaters“ reisen einige Charaktere in die Anderswelt, Heimat der Tuatha de Danann (dem Feenvolk) und der Fomhoire (den Alten) sowie einiger anderer unheimnlichen Wesen. Ein großer Teil der Handlung spielt dort. Die Figuren der Anderswelt spielen eine viel größere Rolle in dieser Geschichte als in den vorangegangenen.

Zudem ist der Roman ein wenig kürzer als die ersten drei Sevenwaters-Romane. Herausgeber sind von dicken Büchern heutzutage nicht mehr so begeistert wie früher, und das hat Auswirkung darauf, wie man eine Geschichte strukturiert.

Wie bist Du darauf gekommen, im vierten Sevenwaters-Roman eine Wechselbalg-Geschichte zu erzählen?

Die traditionellen Wechselbalg-Geschichten faszinieren mich. Die meisten Menschen, die an Stelle ihres eigenen Babys einen Wechselbalg finden sind entweder wütend oder am Boden zerstört. Ich habe mich gefragt, was geschehen würde, wenn jemand einen Wechselbalg nicht als die Travestie eines Babys sehen würde, sondern als ein Kind, dass es ebenfalls wert ist, geliebt zu werden. Was wäre, wenn der Wechselbalg nur dieser einen Person als lebendig erscheinen würde? Und wenn diese Person für das Recht des Kindes, am Leben zu bleiben, kämpfen müsste?

Deine Heldinnen sind keine mächtigen Zauberinnen oder Kriegerinnen, sondern zumeist normale Frauen, die in sich die Stärke finden, ihre eigene Quest zu erfüllen. Ist es dir wichtig, Frauen in deinen Büchern mit traditionellen Fähigkeiten auszustatten und sie nicht zu den Amazonen und Hexen der epischen Fantasy zu machen?

Das Kind der Stürme (Neuausgabe 2011)Ich liebe es, realistische Frauen in den Mittelpunkt meiner Geschichten zu rücken. Ich bin der Kick Ass-Heldinnen, die heutzutage im Genre so beliebt sind, ein wenig müde. Eine weibliche Protagonistin hat es eigentlich nicht nötig, sich wie ein Mann zu verhalten, um den Tag zu retten, ebenso wenig, wie sie eine Königin oder Zauberin sein muss.
Ich mag Balance, und da es nicht viele feminine Frauen als Hauptfigur in Fantasy-Romanen gibt, tendiere ich dazu, sie zu meinen Heldinnen zu machen.

Im mittelalterlichen Irland gab es vermutlich einige Kriegerinnen, aber nicht unbedingt viele. (Es lohnt sich, sich daran zu erinnern, dass Sevenwaters in unserer realen Welt angesiedelt ist, nicht in einer Fantasy-Welt). Im Interesse historischen Realismus‘ sollten zumindest einige meiner Heldinnen vom Typ her Hausfrauen sein.

Clodagh hat ein besonders ausgeprägtes Talent für häusliche Arbeiten, und als sie sich den Prüfungen in der Anderswelt unterzieht, nutzt sie diese Fähigkeiten, um die Tests zu bestehen. Ich glaube, sie ist eine Protagonistin, mit der sich normale Leser leicht identifizieren können.

Und inwiefern unterscheidet sie sich von den anderen Sevenwaters-Heldinnen?

Zu Beginn des Romans verfügt Clodagh über ziemlich begrenzte Interessen. Sie ist, wie ihre Mutter, eine vorbildliche Hausfrau, und aus Gründen, die im Verlauf des Romans klar werden, geht sie davon aus, ihr ganzes Leben in Sevenwaters verbringen zu werden. Eine unerwartete Krise katalputiert sie aus ihrer bequemen Welt und zwingt sie dazu, ihre eigenen Fähigkeiten zu erforschen und ihre Weltansichten und Werte in Frage zu stellen.

Daughter of the Forest (US-Cover)Während Sorcha, Liadan und Fainne allesamt auf jeweils eigene Art und Weise aussergewöhnlich sind, ist Clodagh eine sehr gewöhnliche junge Frau, deren größte Stärke es ist, dass sie erkennt, dass selbst ein von zahlreichen Mängeln behaftetes Individuum es noch wert ist, geliebt zu werden. Diese Fähigkeit uneingeschränkter Liebe ist der Schlüssel zu ihrer Quest.

Muss man die ersten drei Romane gelesen haben, um zu verstehen, worum es in „Die Erben von Sevenwaters“ geht?

Nein, wenngleich Leser, die die ersten drei Bücher kennen, sich über gewisse Details sicher besonders freuen. „Die Erben von Sevenwaters“ kann für sich allein stehen. Es treibt die Familie von Sevenwaters in eine neue Richtung – das Feenvolk der vorhergehenden Geschichten haben sich gegenüber den Menschen immer sehr positiv verhalten. Das hat sich jetzt geändert, nachdem ein mächtiger neuer Spieler den Plan betritt. Die übernatürlichen Elemente der Geschichte sind düsterer als in den vorangegangenen Bänden.

Hat der Roman Dich auf eine Art und Weise herausgefordert, wie das zuvor nicht der Fall war?

Tochter der WälderEs war eine Herausforderung, nach acht Jahren nach Sevenwaters zurück zu kehren. In der Zwischenzeit hatte ich acht andere Romane geschrieben, einige davon in einem völlig anderen Stil. Ich war ursprünglich nicht davon ausgegangen, die Sevenwaters-Reihe fortzusetzen, aber sie war so beliebt, dass ich es meinem Herausgeber und meinem Agenten erlaubte, mich dazu zu überreden.

Ich hatte Angst davor, dass das neue Buch sich in den Augen der Leser nicht mit den ersten drei messen könnte, weil sich meine Art zu Schreiben mit den Jahren auch verändert hat. Aber als ich erst einmal mit dem Schreiben angefangen hatte, fiel es mir leicht, in’s Sevenwaters-Setting zurückzukehren und die Charaktere wuchsen mir sehr ans Herz.

Ich glaube, „Die Erben von Sevenwaters“ unterscheidet sich ein bisschen von der ursprünglichen Trilogie, aber ich bin mit dem Ergebnis glücklich – es hat richtig Spaß gemacht, das Buch zu schreiben.

Die Liebe spielt eine große Rolle in Deinen Romanen. Aber Du erzählst auch davon, wie deine romantischen Paare schließlich durch den Tod getrennt werden: Der Rote verliert Sorcha, Ciaran sieht Niamh sterben und in „Die Erben von Sevenwaters“ bangt Sean um Aislings Leben. Warum ergreifst Du immer wieder die Chance, auch die tragischen Seiten des Lebens und der Liebe in Deinen Romanen zu zeigen?

Child of the Prophecy (US-Cover)Ich bin mir immer dessen bewusst, dass das Happy End der Märchen kein Happy End für alle sein kann, oder ein Happy End auf ewig. Das Leben beinhaltet Glück und Tragik, Trauer und Freude, Erfolge und Fehlschläge.

Ich könnte mir selbst als Geschichtenerzählerin nicht treu sein, wenn ich das nicht alles reflektieren würde – auch wenn die romantischen Pärchen in meinen Romanen für gewöhnlich ein „glücklich für jetzt gerade“-Ende bekommen.

Viele Deiner Figuren sind – wie Du selbst – großartige Geschichtenerzähler. Dadurch sind in Deine Romane auch viele kleine traditionelle Geschichten verwoben. Sind das immer Volksmärchen und Folklore, oder hast Du auch einige davon selbst erfunden?

Ich habe ein paar mal traditionelle Geschichten eingeflochten, wenngleich ich diese mit meinen eigenen Worten nacherzählt habe. Viel öfter erfinde ich neue Geschichten in der Tradition von Volksmärchen. Es fällt mir nicht schwer, geeignete Geschichten zu finden oder neue zu erschaffen, weil ich Folklore, Mythologie und Märchen liebe und sie ständig lese. Das tue ich bereits seit ich ein kleines Mädchen war.

Für alle meine Romane recherchiere ich sehr viel, vor allem für jene, die besonders historisch sind, wie z. B. die „Unter dem Nordstern“-Saga. Davon abgesehen behaupte ich jedoch nicht, dass die Sevenwaters-Romane historisch authentisch sind. Als ich „Tochter der Wälder“ schrieb, war es meine Intention, eine reale Familie in die Umgebung eines Märchens zu versetzen und herauszufinden, welchen Einfluss das auf sie nehmen würde. Der mittelalterlichen irischen Hintergrund kam erst in einer späteren Überarbeitung hinzu – die Geschichte spielte zunächst in einer erfundenen Welt. Das Ergebnis ist, dass einige historische Details ein bisschen mangelhaft sind. Im Q&A-Bereich meiner Website habe ich dazu ausführlicher Stellung genommen.

Wie würdest Du jemandem, der noch keines Deiner Bücher gelesen hat, beschreiben, welcher Art sie sind?

Meine Romane sind eine Mischung aus folkloristischer Fantasy, Geschichte, Romantik und Familiensaga. Ich schreibe oft in der ersten Person und meine Hauptfigur ist für gewöhnlich eine junge Frau. Meine Bücher sprechen nicht nur Fantasyleser an, sondern auch Leser historischer Liebesromane, die keltische Settings mögen und einen Touch folkloristischer Magie.

Wenn Du eine fiktive Figur (aus einem Deiner Bücher oder aus den Werken eines anderen Autors) treffen könntest: Wer wäre das und warum?

Sohn der SchattenIch würde mich für Jane Eyre aus Charlotte Brontës gleichnamigen Roman entscheiden. Jane Eyre ist der Prototyp einer Gothic Romance; und Jane ist eine wunderbare Figur, eine leidenschaftliche, romantische Seele im Körper einer unscheinbaren kleinen Gouvernante.

Wenn ich unter meinen eigenen Charakteren wählen müsste, ware es Liadan aus „Sohn der Schatten„. Sie kommt dem Idealbild, das ich gern sein würde, am nähesten.

Gibt es bereits Pläne für weitere Sevenwaters-Geschichten?

Ja! Der nächste Teil, „Seer of Sevenwaters„, wurde bereits in Australien und Amerika veröffentlicht. Derzeit arbeite ich an einem weiteren Sevenwaters-Roman mit dem Arbeitstitel „Return to Sevenwaters“. Dieser will im Original irgendwann Ende 2012 herauskommen.

Seer of SevenwatersNatürlich hoffe ich, dass beide Bücher auch auf Deutsch herauskommen werden. Liebe Leser: Bitte ermutigt eure Freunde, „Die Erben von Sevenwaters“ zu kaufen, so dass mein Herausgeber sich dafür entscheidet, auch die Fortsetzungen zu veröffentlichen! ,-)

Meine Fans könnte es interessieren, dass ab 2012 auch eine neue Serie von mir erscheinen wird: Shadowfell. Die Reihe spielt in einer magischen Adaption des alten Schottlands.

Vielen Dank!

Juliet Marilliers Website findet ihr hier!

Link zu meinem Juliet Marillier-Interview von 2008: hier!

Mehr zu ihrer neuen Serie Shadowfell: hier!

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