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15. Mai 2012

Interview mit Christiane Spies

Category: Interviews – Darkstar – 12:00

MondherzEin geheimnisvoller Titel und ein faszinierendes Cover: Christiane Spies gibt ihr Autoren-Debüt mit „Mondherz„, einem historisch-phantastischen Roman, der den mittelalterlichen Krieg zwischen Christen und Osmanen mit Werwolfssagen verbindet.
Wie Mara Lang zählt sie zu den Autorinnen, mit denen ich beim Literaturfest Meißen auf der Bühne stehen werde. Bevor ich sie dort mit meinen Fragen überfalle, habe ich sie hier für den Blog um ein Interview gebeten. Die Nürnberger Wirtschaftsjournalistin (geb. 1981) stand mir erfreulicherweise bereitwillig Rede und Antwort:

Interview mit Christiane Spies

Was erwartet den Leser in “Mondherz” – und wie würdest Du die Atmosphäre deines Romans beschreiben?

Mondherz“ ist eine Mischung aus historischem Roman und Fantasy – genauer gesagt geht es um Werwölfe im Mittelalter. Die junge Adelige Veronika beobachtet einen Mord und stößt dabei auf das Geheimnis der Werwölfe. Dabei wird sie gebissen und selbst zu einer Werwölfin. Von nun an ist sie Teil einer verborgenen Welt, von der normale Menschen nicht einmal etwas ahnen. Gleichzeitig tobt der Krieg zwischen den Christen und den Osmanen, und Veronika droht, zwischen die Fronten zu geraten. Die Atmosphäre ist eher düster und geheimnisvoll, es gibt eine finstere Prophezeiung und einen Geheimbund, allerdings auch eine Liebesgeschichte.

Was hat Dich zu dieser Geschichte inspiriert?

Der Roman spielt zu einem großen Teil im mittelalterlichen Ungarn, und die Idee dazu kam mir, als ich während des Studiums ein Semester in Budapest verbrachte. Einen eisigen Winter lang lebte ich damals am Fuße des Burgbergs und fand Stadt und Leute so interessant, dass ich unbedingt mal eine Geschichte dort spielen lassen wollte.

Schon immer hat es mir Spaß gemacht, mich mit der Historie einer solchen Stadt zu beschäftigen. Wenige hundert Meter von meiner damaligen Wohnung entfernt bin ich zum Beispiel in einer Kirche auf ein altes Gemälde gestoßen, auf dem zwei Mitglieder der Familie Hunyadi abgebildet sind. Das Schicksal dieser Familie ist ganz eng mit der Geschichte meiner Hauptfiguren verknüpft. Die ganze Kirche ist sogar nach einer Persönlichkeit benannt, die in meinem Buch eine wichtige Rolle spielt – und die Kirche selbst kommt auch darin vor. ;-)

Da ich selbst aber auch ein totaler Fantasy-Fan bin, hat mir die historische Geschichte nicht gereicht. Ich wollte unbedingt noch etwas Außergewöhnliches einbauen, einen übermenschlichen Aspekt, der der Geschichte eine besondere Note gibt. Die Entscheidung fiel mir nicht schwer: Werwölfe fand ich schon immer die faszinierendsten Kreaturen unter den Fantasy-Wesen, und in keine Welt passen sie wohl besser als in die kriegerischen Zeiten des Mittelalters.

Verrätst du uns ein wenig über die Hauptfiguren des Buches?

Veronika und Gábor sind die beiden Hauptfiguren von Mondherz, und aus ihrer Perspektive wird die Geschichte erzählt.

Veronika ist behütet und unwissend aufgewachsen, und dann wird sie mit dem Wolfsbiss gegen ihren Willen in die fremde Männerwelt der Werwölfe katapultiert. Dort muss sie erst lernen, sich zu behaupten und zu einer selbstbewussten Frau heranzureifen. Sie kämpft gegen den Geheimbund, der ihr Leben bestimmen will, und dieser Kampf führt sie mitten in den Krieg hinein, über die ungarischen Grenzen hinaus durch halb Osteuropa. Und sie will endlich den Mann für sich gewinnen, den sie liebt.
Gábor ist ein düsterer, ernster Mann mit einigen Geheimnissen in seiner Vergangenheit. Außerdem ist er ein Mörder, ein williges Werkzeug des Geheimbunds der Werwölfe. Sein Stolz und sein Ehrgefühl stehen ihm lange im Weg, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Und welchen Nebencharakter sollten wir genau im Auge behalten – und warum?

Mein liebster Nebencharakter ist Solana, die Veronikas Freundin wird. Sie entstammt dem Volk der Roma, das zu dieser Zeit sowohl von den Christen als auch von den Osmanen verfolgt wurde. Trotz dieser Gefahren ist sie stolz und unabhängig. Ihr fröhliches Wesen hilft auch Veronika zu neuer Stärke.

Gab es etwas bei der Arbeit an dem Roman, was Dir besonders schwer gefallen ist und / oder was Du besonders gemocht hast?

Christiane Spies (c) privatManche Szenen waren mühsamer als andere zu schreiben, aber das geht glaube ich jedem Autor so. Besonders am Anfang, als ich meine Figuren noch nicht so gut kannte, musste ich meine Szenen immer wieder überarbeiten, bis sie stimmig waren.
Besonders Spaß hat es mir gemacht, beim Schreiben stets zu überlegen, ob die historischen Ereignisse, die ich beschreibe, tatsächlich auf diese Weise stattgefunden haben könnten. Meine Werwölfe leben ja im Geheimen, und deshalb würde man in keinem Geschichtsbuch etwas über sie finden. Wer weiß also schon, ob sie damals nicht tatsächlich bei Kriegen und Intrigen mitgemischt haben?

Wie kommt es, dass eine Wissenschaftsjournalistin einen Fantasy-Roman schreibt, oder anders gefragt: Wann – und wie – hast Du festgestellt, dass Du Schriftstellerin werden wolltest?

Geschichten schreiben will ich schon, seit ich ein Kind war. Mit zwölf habe ich mir selbst einmal einen Brief geschrieben, den ich mit 24 öffnen durfte. So lange habe ich es nicht ausgehalten, ich habe ihn mit neunzehn, als ich bei meinen Eltern auszog, aufgemacht – und darin stand, dass ich mit 24 hoffentlich Schriftstellerin bin, einen Hund und ein Pferd habe und auf einem Bauernhof wohne. Den Brief habe ich immer noch, und zumindest der erste Traum hat sich mittlerweile mit ein bisschen Verspätung erfüllt. ;-)

Worum ging es in der ersten Geschichte, die du je geschrieben hast?

Meine erste Geschichte steht in einem Schreibheft aus der dritten Klasse und ist gespickt mit Rechtschreibfehlern. Es geht um zwei sprechende Schmetterlingskinder, die ihre Eltern vor einem bösen Zauberer retten wollen. In der zweiten Geschichte spielen Elfen eine große Rolle. Man könnte sagen, das Erfinden von Fantasy-Wesen ist eine alte Angewohnheit von mir.

Deine Geschichte spielt im Ungarn des 15. Jahrhunderts. Wie viel Recherche war nötig, um den Romanschauplätzen ein authentisches Feeling zu verleihen – und wie sah diese aus?

Ich habe viele Stunden in der Unibibliothek verbracht und einige Ordner mit Material gefüllt. Außerdem habe ich mir alte Bücher über Antiquariate besorgt und war in dem einen oder anderen Museum. Der Zeitpunkt, an dem ich mir sagte „jetzt ist die Recherche zu Ende, jetzt schreibst du nur noch“, der kam eigentlich nie. Spätestens beim Beschreiben der Kleidung, der Gebäude, der Alltagswelt, habe ich die Details wieder in Büchern nachgeschlagen. Allerdings empfand ich das nur selten als mühsam und meistens als schöne Abwechslung.

Hast du irgendwelche seltsamen Angewohnheiten beim Schreiben?

Gerade bei Bewegungsabläufen, zum Beispiel bei Kämpfen oder Gesten, fehlt mir manchmal die Vorstellungskraft. Dann laufe ich durch die Wohnung und kämpfe mit imaginären Gegnern, oder ich stehe vor dem Spiegel und probiere die Mimik meiner Figur selbst aus – und hoffe, dass mich niemand dabei beobachtet. ;-)

Gelten deiner Meinung nach hierzulande andere Regeln bezüglich eines (guten) Phantastik-Romans als in Übersee?

Ein guter Roman ist ein guter Roman, gleichgültig, wer ihn geschrieben hat. Daran glaube ich fest. Wenn ich Bücher kaufe, achte ich eigentlich weniger darauf, aus welchem Land der Autor stammt, sondern ob mir die Geschichte zusagt. Was mich allerdings ärgert, sind lieblose Übersetzungen, da greife ich dann lieber zum (englischen) Original. Oft ist das aber nicht nötig, denn gerade in den letzten Jahren sind viele erstklassige Fantasy-Bücher von deutschen Autoren erschienen.

Wenn Du eine fiktive Figur Deiner Wahl auf einen Kaffee treffen könntest, für wen würdest Du Dich entscheiden und warum?

Oh je, diese Frage stellt mich vor eine schwierige Herausforderung!

Kennst du „Good Omens“ von Terry Pratchett und Neil Gaiman? Spontan würde ich gerne mal mit dem Dämon Crowley und seinem Widersacher, dem Erzengel Aziraphale, einen Kaffee trinken gehen. Die Wortgefechte und Nörgeleien zwischen den beiden müssen live einfach noch mehr Spaß machen!

Wie Crowley schon über Aziraphale sagt: „The Enemy, of course. But an enemy for six thousand years now, which made him a sort of best friend.”

Woran arbeitest Du gerade?

In meinem nächsten Buch werden wieder die Werwölfe eine große Rolle spielen – und ich stecke gerade inmitten einer blutigen Kampfszene, die sogar nachts wachhält. Ich hoffe, dass es den Lesern später genauso geht.

Vielen Dank!

Die Website von Christiane Spies findet ihr: hier!

„Mondherz“ bei Amazon bestellen: hier!

Eine Leseprobe findet ihr auf der Website des Verlags: hier!

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