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9. Juni 2017

Holly Black: Der Prinz der Elfen

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 07:30

Der Prinz der ElfenAm Ende eines Waldweges, hinter einem Bach und einem ausgehölten Baumstamm mit Asseln und Termiten, stand auf dem Erdboden ein Sarg aus Glas. Darin schlief ein Junge mit Hörnern und Ohren, so spitz wie Messer. (Der Prinz der Elfen)

Seit Jahrzehnten – vielleicht sogar noch länger – liegt der schlafende Feenprinz in seinem Gefängnis aus Glas mitten im Wald von Fairfold. Und beinahe ebenso lange schon kommen Sommer für Sommer die Jugendlichen der Kleinstadt hierher, um ihre Parties zu feiern, laute Musik zu hören und auf dem Sarg zu tanzen.

Hazel ist eine von ihnen. Sie erinnert sich aber auch noch an die Zeit, in der sie und ihr Bruder Benn als Kinder hierhergekommen sind, ihre Nasen am Glassarg plattgedrückt haben und beide davon träumten, den schönen Feenprinz mit einem Kuss zu wecken. Das ist natürlich nie passiert. Der Feenprinz schläft weiter und inzwischen durchstreift Hazel nicht mehr als Ritter verkleidet den Wald und auch Ben spielt nicht mehr den Barden.

Sie sind erwachsen geworden, jedenfalls fast, und glauben nicht mehr an Märchen. Aber an Elfen, immerhin geht ja ein Wechselbalg mit ihnen zur Schule. Für die Bewohner von Fairfolk ist die Welt der Elfen etwas, das existiert, über das man aber nicht spricht.

Bis eines Tages etwas Außergewöhnliches geschieht: Der Prinz der Elfen erwacht und hat seinen Glassarg verlassen. Und ein Ungeheuer stiehlt sich aus den Wäldern in die Stadt, bestehend aus Ranken und Ästen und Erde, mit Ästen als Zweigen und Moos als Haar. Hazel ahnt, sie muss wieder zum Ritter werden, um das Monster zu besiegen und den Elfenprinzen zu finden …

Einfach nur wunderbar

Holly Blacks Jugendroman Der Prinz der Elfen begeistert mich wirklich auf ganzer Linie, denn es ist nahezu perfekt: Die Atmosphäre, der Beginn, sämtliche Charaktere – selbst das Ende: hervorragend!

Ich mochte bereits Blacks Roman Elfentochter, aber dieses Buch liebe ich.

Nicht nur, weil es der Autorin gelingt, auf atemberaubende Art und Weise die wunderschöne und gefährliche Welt der Feen und Elfen zum Leben zu erwecken. (Der Wald hinter Fairfold ist bevölkert von blutrünstigen Rotkappen, tödlichen Nixen und charismatischen Elfenrittern.).

Sondern vor allem von der Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit, mit der sie sowohl die magische Anderswelt beschreibt, sondern auch die Gefühlswelt der Jugendlichen an der Highschool. Hazel und Ben sind beides absolute Sympathieträger. Vielleicht auch, weil sie beide nicht perfekt sind. Und die Selbstverständlichkeit, mit der Black Ben als offen schwulen Jugendlichen zeichnet, zu dem seine sexuelle Orientierung ganz natürlich gehört, ohne dass es für Hazel und ihre Eltern oder für Bens besten Freund Jack (das Wechselbalg) ein Problem ist.

Jack ist überhaupt ein Nebencharakter, in den man sich augenblicklich verliebt. Er ist eigentlich ein Elfenkind, wurde aber von seiner Menschenmutter liebevoll aufgezogen – und nimmt in der zweiten Hälfte des Romans eine zentrale Position ein.

In dieser Hälfte gelingt es Holly Black, ihre Handlung nochmal mehrere unerwartete Hacken schlagen zu lassen. Das ist spannend und überraschend bis zum Schluss und macht – auch wenn „Der Prinz der Elfen“ ein für sich stehender Roman ist – Lust auf mehr!

Für Elfen- und Feenfans ist dieses Buch jedenfalls Pflichtlektüre. Und macht Lust auf mehr, mehr, mehr! Fünf Sterne!

2 Comments »

  1. Ich finde das Buch, da gebe ich dir vollkommen recht, allerdings gibt es zwei Dinge, die mir nicht so gut gefallen und daran ist der Verlag Schuld.

    Da ist erstmal das Cover, dass mich eher an romantische High Fantasy erinnert und nicht an einen Roman, der in der Gegenwart spielt.

    Und dann ist da noch der Titel, „The Darkest Part of the Forrest“ ist selbst in der simpelsten Übersetzung besser als „Der Prinz der Elfen“. Sie hätten ihn „Das dunkle Herz des Waldes“ nennen sollen und Naomi Noviks „Uprooted“ „Entwurzelt“.

    Soweit zu meinen beiden Wermutstropfen.

    Comment by Mats — 10. Juni 2017 @ 17:46

  2. Ja, das mit dem Titel des Novik-Buchs ist mir auch aufgefallen. Hätte mir auch besser gefallen, man hätte den hier „Das dunkle Herz des Waldes genannt“ – das Cover finde ich aber total schön. (Gefällt mir besser als das US-Original)

    Comment by Darkstar — 11. Juni 2017 @ 14:14

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