Darkstars Fantasy News


21. November 2008

Libba Bray: Circes Rückkehr
Der Geheime Zirkel – Teil 2

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 12:30

Circes RückkehrZwei Monate liegt Pippas Tod zurück und in das Spence Internat hat die Vorweihnachtszeit Einzug gehalten. Gemma, die potentielle Erbin des Magischen Reiches, traut sich nicht, mit ihren Freundinnen Felicity und Ann die zauberhafte Anderswelt zu betreten, denn sie weiß, dass Circe auf der Suche nach ihr ist: eine dunkle Zauberin, die vor nichts zurückschreckt, um die Magie des Magischen Reiches an sich reißen zu können.

Als eines Nachts unangekündigt eine neue Lehrerin vor den Pforten von Spence auftaucht, ist Gemma sofort misstrauisch. Sie spürt, dass mit der Fremden etwas nicht stimmt, und als sie immer wieder von den Geistern dreier in Weiß gekleideter junger Mädchen heimgesucht wird, erhärtet sich ihr Verdacht.

Dann rücken jedoch die Weihnachtsferien näher und die Mädchen verlassen Spence und reisen zu ihren Familien nach London. Auf Bällen und zum Tee will man sich möglichst oft treffen. Die Rätsel und Geheimnisse allerdings, von denen Gemma gehofft hat, sie eine Weile hinter sich gelassen zu haben, holen sie auch in London wieder ein. Die Geistermädchen erscheinen immer wieder und versuchen ihr, etwas mitzuteilen. In der Nervenheilanstalt, in der ihr Bruder arbeitet, sitzt ein Mädchen, das behauptet, zu der Schwesternschaft des Magischen Reiches zu gehören. Der geheimnisvolle Kartik taucht wieder auf und bittet Gemma um Hilfe bei der Erfüllung einer wichtigen Mission – und auch ihre neue Lehrerin scheint die Ferien in London zu verbringen. Mehr noch, als Gemma, Felicity und Ann schließlich das Magische Reich wieder betreten, um Antworten auf die vielen Fragen zu finden, müssen sie feststellen, dass auch hier schreckliche Dinge vor sich gehen und eines wird den Mädchen immer klarer: Es ist überlebenswichtig, dass es ihnen gelingt, die Rätsel und Mysterien, die sie umgeben, schneller zu lösen als Circe, die ihnen immer näher zu kommen scheint.

Circes Rückkehr“ umfasst noch einmal ein paar hundert Seiten mehr als sein Vorgänger. Dass der Roman trotzdem durchweg atmosphärisch dicht ist und ohne Längen daher kommt, ist Libba Brays angenehmen Stil und ihrer gut durchkonstruierten Geschichte zu verdanken, die mühelos die Fäden, die in „Gemmas Visionen“ gelegt wurden, wieder aufnimmt und weiter spinnt. So phantastisch und beeindruckend die Szenen im Magischen Reich übrigens sind, das Buch erweist sich vor allem dann als besonders stark, wenn es ans Rätselraten und –knacken geht, wenn Gemma, Felicity und Ann sowohl auf den verschneiten Straßen von London, in prunkvollen Ballsälen, alten Buchhandlungen oder sogar in einer Nervenheilanstalt versuchen herauszufinden, wer Circe ist und wie sie sie aufhalten können. Die Handlungsstränge um Gemmas erste romantische Erfahrungen oder um Anns ständiger Angst davor, dass jemand ihre Scharade durchschaut – sie gibt sich als Erbin eines altrussischen Adelsgeschlechts aus, um in den Augen der versnoppten Upper Class als akzeptabler Umgang zu gelten – sind zwar nur Beiwerk, bringen den Charme des viktorianischen Londons dem Leser jedoch nur um so näher.

Anders als so viele andere Schriftsteller-Kollegen lässt Libba Bray übrigens für ihre Figuren aus dem ersten Teil der Trilogie um den „Geheimen Zirkel“ kein ganzes Jahr verstreichen, ehe sie sich wieder zu einem neuen Schuljahr auf der Spence-Akademie treffen. Im Gegenteil, seit dem tragischen Ende von „Gemmas Visionen“ sind nur wenige Wochen vergangen und die komplette Handlung von „Circes Rückkehr“ spielt im Dezember 1895. Obwohl die Geschichte ihren Anfang im Spence Internat für junge Damen nimmt, wechselt dieser Schauplatz bald zu Gunsten von London: Mit Gespür und Einfühlungsvermögen lässt die Autorin den Zauber der historischen Metropole mitten in der Vorweihnachtszeit lebendig werden. Das sorgt zusätzlich für ein anheimelndes Setting.

Libba Brays große Stärke ist allerdings ihr Gespür dafür, glaubhafte und mehrdimensionale Figuren zu erschaffen. Selbst ihre Nebenfiguren sind plastisch, haben mehr als eine einzige Facette, wie man im Verlauf der Handlung gerade am Beispiel der Schuldirektorin Mrs Nightingale wunderbar feststellen darf. Besonders vielschichtig sind natürlich Gemma, Felicity und Ann – die drei Hauptcharaktere. Bereits zu Beginn von „Gemmas Visionen“ hat Bray deutlich gemacht, dass ihr Titelcharakter nicht nur ein liebenswertes, selbstbewusstes junges Mädchen ist, sondern auch durchaus sehr selbstbezogen daher kommen kann – von ihrem zynischen Ton übrigens, der mich beim Einstieg in die Trilogie ziemlich genervt hat, ist diesmal nichts zu spüren. Auch im vorliegenden Roman beschönigt Bray nichts: die bemitleidenswerte Ann kann manchmal eine ganz schöne Nervensäge sein, Felicity gefällt sich ohnehin als Biest, erhält diesmal allerdings deutlich mehr Profil und zeigt sich oft überraschend liebevoll. Auch Gemma selbst verzichtet gelegentlich darauf, das Richtige zu tun – einfach, weil es bequemer für sie ist. Dadurch sinken die Mädchen jedoch nicht im Ansehen ihrer Leserschaft, sie werden nur glaubhafter, menschlicher. Bray geht jedenfalls damit deutlich über das Maß dessen hinaus, was man sonst vom Groß der Jugendliteratur gewohnt ist.

Genau das – die bestechend realistischen Handlungsträger, der Plot um das Knacken der mysteriösen Rätsel und Geheimnisse, die sich von Seite zu Seite mehr vor dem Leser – und den Mädchen – entblättern, die düsteren Geistererscheinungen, der charmante Schauplatz und Libba Brays angenehmer Stil machen „Circes Rückkehr“ zu einem fesselnden Lese-Abenteuer, perfekt für lange Winterabende!

Fakten:

Titel: Circes Rückkehr
Autorin: Libba Bray
Reihe: Der Geheime Zirkel, Band 2 (von 3)
Original-Titel: Rebel Angels
Übersetzung: Ingrid Weixelbaumer
Verlag: DTV, Dezember 2007
Aufmachung: Taschenbuch, 652 Seiten
Preis: € 12,95

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1 Kommentar »

  1. […] nur zufällig gestoßen. Ihre Trilogie um den “Geheimen Zirkel” (Gemmas Visionen, Circes Rückkehr und Kartiks Schicksal) haben mir aber richtig gut gefallen und die Bände haben es auch in meine […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Libba Bray bewirbt ihren neuen Roman im Kuh-Kostüm | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy — 28. Oktober 2010 @ 10:04

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