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14. August 2009

Jennifer Fallon: Der unsterbliche Prinz

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 18:20

Der unsterbliche PrinzDie Legenden, die sich um die mythischen Gezeitenfürsten ranken, sind so alt wie die Zeit selbst. Die junge Lady Arkady glaubt deshalb zunächst an einen schlechten Scherz, dann an eine ausgeklügelte Intrige, als ein junger Mann auftaucht, der behauptet, ein leibhaftiger Gezeitenfürst zu sein. Aufgrund ihres Hintergrundwissen über die alten Legenden – Arkady ist Wissenschaftlerin – wird sie darauf angesetzt, die Wahrheit hinter dem Lügengespinnst des Fremden herauszufinden, der sich für den unsterblichen Prinzen Cayal ausgibt. So sehr sich die junge Herzogin jedoch bemüht, es gelingt ihr nicht, die vermeintliche Fassade Cayals zu durchbrechen. Immer mehr zieht sie die Geschichte, die er ihr erzählt, in seinen Bann …

Obwohl der Auftakt der Gezeitenstern-Saga einen epischen Flair verströmt – immerhin erzählt Jennifer Fallon eine Äonen umspannende Geschichte und von Ereignissen, die von Bedeutung für ihre ganze Welt Amyrantha sind – sind es vor allem die Figuren und deren Interaktion untereinander, die Der unsterbliche Prinz so lesenswert machen. Der Roman entpuppt sich als wahrhaftig süchtig machend, zumindest wenn man es über den etwas zähen Einstieg hinweggeschafft hat. Denn wenngleich der titelgebende Fremde zum zentralen Punkt in der Handlung wird, sind es vor allem die politischen und persönlichen Intrigen der unterschiedlichen, faszinierenden Charaktere, die den Reiz des Buches ausmachen. Jennifer Fallon hat für ihre neue Reihe ein kleines Ensemble an schillernden Gestalten entworfen, die hohen Unterhaltungswert garantieren, wenn man auf ein Lesevergnügen dieser Art steht. Der gleichsam überhebliche wie charismatische Cayal und die kopflastige, aber rundherum sympathischen Arkady sind nämlich keinesfalls die einzigen Personen, deren Schicksal hier erzählt wird: Da gibt es noch Arkadys Gemahl, Herzog Stellan, der mit der jungen Frau aus armen Verhältnissen eine heimliche Zweckehe eingegangen ist, die sich jedoch zu einer aufrichtigen Freundschaft entwickelt hat: Stellan ist schwul, ein Umstand, den die königliche Verwandtschaft auf keinen Fall erfahren darf. Arkady hat damit keine Probleme und hütet das Geheimnis vertrauensvoll, sichert es doch ihren neuen Lebensstandard. Ein Dorn im Auge ist ihr da allenfalls Stellans aktueller Liebhaber, der leichtsinnige Schürzenjäger Jaxyn, der den Herzog zwar charmant um den Finger wickelt, gleichzeitig aber auch dessen Nichte und auch Arkady selbst schöne Augen macht. Zu weiteren faszinierenden Nebenfiguren zählen eine exzentrische adelige Witwe, die ihren Mitmenschen die Zukunft gern aus Tarotkarten liest, Stellans naive Nichte, der rebellierende Sohn des Königs, ein talentierter Spion – und eine ganze Rasse Mensch-Tier-Hybriden, die von den Menschen als billige Diener gehalten werden, von denen jedoch stets die Gefahr ausgeht, dass sie sich in reissende Killer verwandeln.

Die spritzigen Dialoge, die sich die unterschiedlichen Figuren fortwährend liefern, sorgen für kurzweilige Stunden und sind die große Stärke des Romans. Da macht es gar nichts, dass die epische Geschichte rund um die Gezeitenfürsten sich nur sehr langsam entwickelt. Die eigentliche Handlung kommt – für ein Epos ungewöhnlich – übrigens ohne große Schlachtszenen aus. Sie präsentiert vielmehr epische Unterhaltung im Mikrokosmos um eine Herzogsfamilie – und das funktioniert sehr gut. Etwas Abwechslung schafft die Autorin dadurch, dass sie Cayal seine eigene Geschichte in Rückblenden erzählen lässt. Dafür schiebt sie Kapitel ein, die in der Ich-Form erzählt werden. Versuche, zwei Handlungsstränge auf unterschiedlichen Zeitebenen parallel zu erzählen, glücken nicht immer. Jennifer Fallon erweist sich jedoch als respektable Erzählerin. Die Australierien kann bereits auf zwei komplette Trilogien zurückblicken (z. B. die Dämonenkind-Saga), die ich allerdings nicht kenne. Ein Umstand, den ich nach der Lektüre von Der unsterbliche Prinz, unbedingt ändern muss.

Alles in Allem ist der Auftakt ihrer neuen Reihe von der Idee her zwar nicht bahnbrechend, aber so nett erzählt, dass bei rund 650 Seiten und trotz kleiner Schrift kaum Langeweile aufkommt! Ein besonderes Lob an dieser Stelle außerdem an den Verlag. Lyx hat sich ein weiteres Mal bei der Gestaltung des Romans wirklich Mühe gegeben. Die für Taschenbuchverhältnisse edel wirkende Klappbroschur und die Seitenzahl rechtfertigen den Preis von 14,95 EUR, von der Qualität der Geschichte natürlich einmal ganz abgesehen.

Fakten:

Titel: Der unsterbliche Prinz
Reihe: Die Gezeitenstern-Saga (Band 1 von 4)
Autor: Jennifer Fallon
Originaltitel: The Immortal Prince
Übersetzung: Katrin Kremmler und Rene Satzer
Verlag: Lyx
Aufmachung: Taschenbuch mit Klappbroschur, 652 Seiten
Preis: 14,95 EUR

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1 Kommentar »

  1. […] (Hier findet ihr übrigens meine Rezension). […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Linktipp der Woche: Jennifer Fallon | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy — 28. November 2009 @ 21:04

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