Darkstars Fantasy News


19. November 2009

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes
Audioversion gelesen von Rufus Beck

Category: Hörbücher,Rezensionen – Darkstar – 19:00

Harry Potter und die Heiligtümer des TodesVor ein paar Monaten erst sind im Kino die Hogwarts-Schüler wieder auf ihre Besen gestiegen und haben ein sechstes Mal die Leinwand unsicher gemacht. Obwohl die Verfilmung des vorletzten Potter-Bandes durchaus als gelungen bezeichnet werden kann, bleiben bei einer Laufzeit von rund zwei Stunden natürlich zahllose Romandetails auf der Strecke. Das ist bei einer Hörbuchumsetzung natürlich ganz anders.

Auf satten 22 CDs präsentiert Der HörVerlag noch einmal in einer neuen Slimcase-Auflage seit August diesen Jahres die von Rufus Beck eingelesen Version von Harry Potter und die Heiligtümer des Todes. Mit einer UVP von 39,95 Euro ist diese Sonderausgabe gute 50,- Euro günstiger als die ursprüngliche Originalausgabe. Eine tolle Alternative also für diejenigen, die entweder zum Lesen zu faul sind, rechtzeitig vor dem Start der Verfilmung aber wissen wollen, was auf sie zukommt, oder jene, die den Roman bereits kennen und die einzelnen Details nochmal nebener Revue passieren zu lassen.

Ein paar (spoilerhaltige) Worte zur Handlung für jene, die den siebten Band noch nicht kennen

Die Zeit der Abrechnung ist gekommen. Die Anhänger des Dunklen Lords verstecken sich nicht länger und rüsten zum Krieg. Angst herrscht innerhalb der Zauberergemeinde. Für Harry, Ron und Hermine steht es außer Frage, nach Hogwarts zurück zu kehren. Ausgerechnet Professor Snape, der Mörder von Dumbledore, hat man zum Leiter der Zaubererschule gemacht. Stattdessen machen sich die drei Freunde auf, die verbleibenden Horcruxe zu finden, mit deren Hilfe sie Voldemort vernichten könnten. Ihre Suche führt sie nicht nur durch halb England, sondern auch an die Grenzen ihrer Freundschaft. Bald kommt es innerhalb der kleinen, verschworenen Gemeinschaft zum Streit und es stellt sich die Frage, ob Harry auch gegen seinen Erzfeind und die Todesser bestehen kann, wenn er seine besten Freunde nicht auf seiner Seite hat …

Meisterstück oder Missraten – Der Abschlussband in der Qualitätskontrolle

Es geht rasant zu in Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – zunächst jedenfalls! Gleich zu Anfang verzaubert J. K. Rowling wieder gewohnt mit einigen sehr schönen Einfallen – und überrascht und begeistert gleichermaßen mit einem sehr hohen Bodycount. Im vollen Bewusstsein dessen, dass sie in die vollen gehen kann, lässt Rowling eine ganze Menge vielgeliebter Charaktere über die Klippe springen. Und dafür wartet sie nicht erst bis zum dramatischen Finale, sondern schockt noch innerhalb der ersten Kapitel.

Dann wird es allerdings leider erstmal sehr zäh. Die Suche nach den Horcruxen, die den Hauptteil des Buches ausmacht, gestaltet sich als mitunter recht langweilig. Da nutzen auch die Einschübe aus der fiktiven Biografie Dumbeldores nicht, die die magische Journalistin Rita Kimmkorn samt ihrer fiesen Feder ohne Rücksicht auf Verluste ans Tageslicht zerrt. Denn so sehr diese Abschnitte auch gefallen, sie gleichen die sterbenslangweiligen Szenen nicht aus, in denen Harry, Ron und Hermine zunächst zu dritt, dann zu zweit, mit dem Zelt durch England stiefeln. Diese Passagen waren bereits im Buch sehr öde. Trotz Rufus Beck unbestrittenenem Erzähltalent wird das in der Hörbuchversion nicht besser. Im Gegenteil, mitunter wirkt es hier noch einschläfernder. Wohl denen, die die Geschichte kennen und mutig ein paar Tracks überspringen können.

Das Finale hingegen gerät Rowling ein weiteres Mal sehr spannend. Hier wurde mir persönlich auch klar, was für mich den Zauber der Harry Potter-Bücher ausmacht: Hogwarts! Die skurillen, witzigen und phantastischen Szenen und Details, die den Schulalltag von Harry & Co. ausmachen, vermisst man schmerzlich. Rowling versucht, dieses Manko durch actionreiche Ideen auszugleichen: etwas, dass ihr mal besser, mal schlechter gelingt. Ein bisschen drängt sich der Verdacht auf, als ob die Autorin die letzte Gelegenheit beim Schopf hat ergreifen wollen, noch einmal alle Ideen, die ihr gekommen sind, verbraten zu wollen: ein Einbruch in Gringotts, der Ritt auf einem Drachen … weniger wäre hier mehr gewesen!
Trotz der zahlreichen Actionsequenzen kann sie außerdem nicht übertünchen, wie sehr sie mitunter den Zufall bemühen muss, um ihre Handlung voranzutreiben.

Das dramatische Finale – endlich wieder in Hogwarts – hinterlässt auch einen sehr zwiespältigen Eindruck. Einiges ist gut gelungen (z. B. die Snape-Auflösung, bei der Rowling beweißt, wie vorausschauend sie ihr ganzes Werk von Anfang an geplant hat). Anderes enttäuscht (die Rede ist von der sehr unglaubwürdigen, Deux Ex Machina anmutenden Reaktion von Narcissa Malfoy sowie vom unsagbaren letzten Kapitel, ohne dass das Buch – und der Leser – besser drann gewesen wäre).

Unter’m Strich wird Harry Potter und die Heiligtümer dadurch zu seinem sehr durchwachsenen Vergnügen, dass an die Qualität von Harry Potter und der Gefangene von Askaban und Harry Potter und der Orden des Phoenix (m. A. nach die besten Romane des Zyklus’) lange nicht herankommt.

Wie gelungen ist aber die Audio-Umsetzung

Die damalige Entscheidung des HörVerlags, die Harry Potter-Romane von Rufus Beck einlesen zu lassen, war Gold wert und hat Maßstäbe gesetzt. Beck ist ein begnadeter Vorleser und dadurch machen die guten Sequenzen des siebten Bandes noch einmal doppelt so viel Spaß. Seine stimmlichen Qualitäten trösten auch über die mitunter etwas durchwachsene Übersetzung hinweg. Einzig seine Entscheidung, fast jeder Figur einen recht eigenen Dialekt bzw. eine eigene Art zu Sprechen zu geben, nervt mitunter etwas. Überraschend ist es allerdings, wie gut er sich daran erinnern kann, welcher Figur er in früheren Hörbüchern welche Klangfarbe mitgegeben hat.

Insgesamt betrachtet eine solide Umsetzung in die Audio-Version. Sie kann die Schwächen des siebten Bandes leider nicht überspielen, lässt aber die Zauberwelt von J. K. Rowling noch einmal in ganz eigenem Glanz erstrahlen.

Fakten:

Titel: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes
Autorin: J. K. Rowling
Originaltitel: Harry Potter and the Deathly Hallows
Sprecher: Rufus Beck
Verlag: Der HörVerlag
Aufmachung: Sonderausgabe, 22 CDs
Preis: 39,95 Euro

Bei Amazon bestellen: hier!

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1 Kommentar »

  1. Ich möchte Dir zustimmen, Rufus Beck als Vorleser für die HP-Romane war hervorragend.

    Was Du bemängelst, finde gerade ich toll: Er gibt jeder Figur eine eigene Stimme, fast wie ein Hörspiel. Man weiß immer, wen er gerade spricht.

    …und mal so ganz nebenbei: Einen tollen Blog hast Du hier und ab heute einen weiteren Leser mehr.

    Alles Gute!

    Kommentar by Melanie — 20. November 2009 @ 13:14

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