Darkstars Fantasy News


12. Januar 2013

Interview mit Susanne Picard zu „Dunkelmond“

Category: Interviews – Darkstar – 22:00

Dunkelmond von Susanne PicardElben, die eine Welt mit Krieg überzogen und die Menschheit versklavt haben – in ihrem frisch erschienenen Roman „Dunkelmond“ bricht Susanne Picard mit einem klassischen Klischee der Fantasy.

Über Stereotypen, den Zusammenhang zwischen Worldbuilding und Charakterentwicklung und natürlich über ihren neuen Roman hat sie sich die Autorin („Die Leichen des jungen Werther„) mit mir im Interview unterhalten:

Interview mit Susanne Picard 

Gerade läuft der Hobbit im Kino. Dank Tolkien und Peter Jackson haben viele Leser ein ganz bestimmtes Bild vor Augen, wenn es um Elben geht. Entsprechen die Elben in „Dunkelmond“ diesem Bild?

Es wird sicher Ähnlichkeiten geben. So leben die Elben bei mir und auch bei Tolkien wesentlich länger als die Menschen und haben eine Vorliebe für Bäume, Wasser und Sprache. Aber diese Ähnlichkeiten sind bei mir ganz anders begründet und haben eine andere Geschichte als bei Tolkien. In Mittelerde spielt Magie eine ungleich kleinere Rolle, in Vyranar ist sie jedem Wesen, jeder Landschaft, jedem Ding immanent. Sie durchdringt alles und wird sowohl von Elben als auch Menschen wie der Geruchssinn oder Geschmackssinn verwendet und empfunden.

Ich denke, wer in „Dunkelmond“ eine Welt wie Mittelerde – und Elben wie Elrond oder Galadriel – erwartet, wird mit der Handlung in meinem Roman enttäuscht sein. In die Welt Vyranar und ihren Aufbau floss vielmehr meine Erfahrung mit ostasiatischer Philosophie und deren Vorstellungen der Welt und der Elemente von Feuer, Wasser, Erde und Luft mit ein, während Mittelerde von Tolkien explizit entworfen wurde, um ein mythisches Europa bzw. England zu beschreiben.

Man hätte sicher auch andere Namen als „Elben“ und „Menschen“ für die beiden Völker erfinden können, die sich die Welt Vyranar teilen müssen.

Wenn Du Dein Buch mit drei Schlagworten beschreiben würdest, welche wären das – und warum?

Gerade drei?! Das finde ich schwer. Am ehesten fällt mir Yin und Yang ein (haha, da haben wir ja doch drei Worte. *g*)
Die Welt Vyranar ist nämlich geteilt in Gegensätze: Zwei Völker, zwei Sonnen, Feuer und Wasser, Sprache und Musik, zwei Schöpfergeister, Zwillingsmonde, zwei Protagonisten, Leben und Tod. Gegensätze, die überwunden werden wollen.

Das begann ganz am Anfang, der Schöpfung der Welt: Die beiden Schöpfergeister Ys und Syth, erschufen die Welt im und durch ihren Streit. Sie kann nur existieren, wenn diese beiden nebeneinander existieren. Die Protagonisten müssen das lernen und verinnerlichen.

Verrätst Du uns bitte etwas über Deine Hauptfiguren?

Sie sind völlige Gegensätze. Sanara ist sommersprossig, blond, steckt ihre Haare hoch und unter eine Art Turban. Sie entscheidet spontan, aus dem Bauch heraus. Telarion ist schwarzhaarig, eher blass und trägt die Haare kurz. Er ist kühl und bewertet sich selbst und seine Umwelt gewissenhaft an seinen moralischen Vorstellungen.

Wo Sanara, die Menschenfrau, aufbrausend, von Gefühlen beherrscht und darin manchmal sogar kindisch ist (ein Zeichen der Feuermagie, die sie in sich hat), ist Telarion, der Elb, zurückhaltend, ja, beinahe kalt und damit für Sanara schwer zu erfassen wie die Luft, die sein Element ist.

Diese Unterschiede irritieren sie aneinander, ziehen sie aber unwiderstehlich an. Die Umstände haben Sanara und Telarion zu Todfeinden gemacht. Jeder glaubt vom Anderen, er sei am Tod eines oder mehrerer Familienmitglieder schuld. Doch sie lieben sich von dem Augenblick an, in dem sie sich das erste Mal bewusst begegnen – einem Augenblick, in dem sie sich mit Magie gegenseitig umbringen wollen.

Doch es kommt anders. Beide glauben, es ist einer der beiden Schöpfergeister, der ihren Tod verhinderte, aber können nicht sicher sein. Vielleicht ist ihre Liebe auch etwas, das sie nur mit Magie und ihrer Religion zu erklären versuchen, weil es gerade für diese beiden so unerklärlich ist, dass sich ausgerechnet zwischen ihnen diese Verbundenheit entwickelt. Die ganze Welt, alle Umstände, alle, mit denen sie etwas zu tun bekommen, halten diese Liebe für unmöglich, ja moralisch verwerflich.

Sie ist ein Tabu in ihrer Welt und bei ihren jeweiligen Völkern. Und doch ist sie notwendig, um beide zu retten.

Goldmond (Susanne Picard)Baut der im Herbst erscheinende Folgeband „Goldmond“ auf „Dunkelmond“ auf oder kann man beide unabhängig voneinander lesen?

Die beiden Bände bauen aufeinander auf. „Dunkelmond“ hat aber einen Abschluss.

Ohne viel verraten zu wollen: Eine der Figuren weiß nun genau, auf was es beim Kampf um das Siegel der Welt ankommt und wird im Folgeband „Goldmond“ (erscheint im September) auch so handeln.

Wolltest Du bestimmte Klischees beim Schreiben Deines Romans umschiffen?

Natürlich bin ich wie jeder Autor auch von meiner Umwelt und dem, was ich an Geschichten lese, beeinflusst. Ich bin mir über bestimmte Parallelen im Klaren, aber ich habe sie weder bewusst angestrebt noch vermieden. Diese Welt entwickelte sich aus meinen eigenen Vorstellungen.

Eine der Vorab-Kritiken bei Bastei-Lübbe sagte, dass ich wohl versuche, Tolkien zu kopieren – die Karte, die ein lieber Freund für mich gemacht hat, die Bezeichnungen Elben und Menschen und so weiter. Ich bin ein großer Fan vom Herrn der Ringe und dem Silmarillon, aber ich hatte, um ehrlich zu sein, am Anfang sogar Bauchschmerzen damit, den Elben Vyranars die Herrschaft über Luft, Wasser und Sprache zu geben, weil sie damit eben zu sehr in die Nähe der Elben Tolkiens geraten.

Auf der anderen Seite: Das Fantasy-Genre ist alles andere als neu, wenn ich alles umschiffen wollte, was in diesem Genre Klischee ist, könnte ich’s gleich lassen. Irgendeine Parallele wird sich wohl immer finden.

Insofern: Ich habe es einfach so gemacht, wie ich wollte. Und versucht, diese Welt so Susie-like zu gestalten, wie es ging.

Was war das Nervenaufreibendste in Zusammenhang mit der Veröffentlichung dieses Buchs? Von der Idee bis zum Erscheinen?

Jeder Autor wünscht sich Erfolg mit dem, was er schreibt. Ich auch. Heute ist der 2. Januar – in 9 Tagen erscheint das Buch. Ich bin sehr nervös, weil ich natürlich will, dass es den Leuten gefällt, ich aber andererseits auch weiß, dass „Dunkelmond“ nicht das ist, was die meisten erwarten.

Das kann was ganz Tolles sein (und ich hoffe, dass die Leser das erkennen), aber es kann auch zu großer Enttäuschung führen (Was natürlich sehr traurig wäre!! Nicht nur für mich, auch für die Leser. Sowas will keiner).

Dass ich diesen Gegensatz wohl nie abschließend werde lösen können (darin gleiche ich wohl meinen Protagonisten!!), finde ich schon sehr nervenaufreibend. :-)

Worldbuilding oder Charakterentwicklung – was macht Dir mehr Spaß und warum?

Kann man das trennen?

„Man“ vielleicht, mir selbst fällt es im Zusammenhang mit „Dunkelmond“ schwer. Da Vyranar – wie die Menschen und Elben dort auch – von Magie durchdrungen ist, hängt das für mich zusammen. Magie zeigt sich in „Dunkelmond“ in der Landschaft: Die Wüste ist eine Feuerlandschaft, in der Menschen leben, die Küste und der Wald sind eher Wasser– oder Luftlandschaften, in denen sich Elben niedergelassen haben. Magie zeigt sich überhaupt in allem, was es gibt. Natürlich zeigt sich das auch in den Menschen und Elben, Magie bestimmt ihren Charakter. Feuermagier sind hitzig, Wassermagier sprunghaft, Erdmagier stur.

Mir hat es großen Spaß gemacht, zu beschreiben, wie die Elemente, die die Protagonisten beherrschen, (Feuer, Luft, Tod, Leben, Sprache, Musik und und und) ihre Charaktere beherrschen, wie ihre Welt aussieht und wie die ihnen eigene Magie ihre Handlungen leitet und sich damit auch die Handlung des Buches entwickelt.

Mit welchem Fantasy-Autor oder welchem Fantasy-Buch würdest Du selbst Dein Buch am ehesten vergleichen?

Das kann ich wirklich nicht sagen. Ich mag solche Vergleiche nicht, weil man da etwas wählen muss, was allgemein bekannt ist – und dann wirkt man gleich größenwahnsinnig: Was, mit Tolkien vergleicht die sich!?

Dazu kommt: So viel Fantasy lese ich nicht, und wenn, dann eigentlich eher Urban Fantasy, weil ich interessant finde, mir zu überlegen, welche Auswirkungen Magie und fantastische Elemente auf alltägliches Leben haben.

Aber da ein Vergleich gefragt ist: Am ehesten könnte man „Dunkelmond“ und „Goldmond“ mit den großen Fantasy-Epen vergleichen (z. B. mit „Das Baumlied“ von Alison Croggon oder der „Sonea“-Reihe von Trudi Canavan), aber bei denen ist auch immer etwas dabei, was ich grundsätzlich anders machen wollte.

Sollte sich Deiner Meinung nach Fantasy aus deutscher Feder von Fantasy von amerikanischen Autoren unterscheiden?

Ob sich das unterscheiden sollte? Nein. Warum sollte es eine Rolle spielen, aus welchem Land Fantasy stammt? Bücher – und das beschränkt sich durchaus nicht nur auf Fantasy – sollen in erster Linie interessant sein. Viele sagen, deutsche Fantasy sei es nicht, anglo-amerikanische schon. Ich kann mir verschiedene Gründe vorstellen, warum man zu diesem Schluss kommen kann. (Die etwas blödsinnige, deutsche Unterscheidung von U- und E-Literatur ist eine davon, da sie beinahe automatisch zu einer Unterscheidung von trivialer Massenware (=> dumme Leser) und gehobener Literatur (=> intelligente Leser) führt. Völliger Schwachsinn!) Aber daraus umgekehrt zu schließen, dass sich beides unterscheiden sollte – nö.

Wenn Du selbst eine fiktive Figur auf einen Kaffee treffen könntest – wer wäre das und weshalb?

Ich glaube, mit Tony Stark könnte man viel Spaß haben. Allerdings würde ich mit dem wohl eher einen schottischen Single-Malt Whisky trinken gehen als Kaffee. (lacht)

Vielen Dank!

„Dunkelmond“ bei Amazon als Print-Ausgabe oder als Kindle-Ausgabe bestellen.

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