Darkstars Fantasy News


22. März 2013

Kierca Cass: Selection

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 09:00

Selection35 Mädchen. Eine Krone. Die Chance ihres Lebens …

Nach dem Vierten Weltkrieg sind die Vereinigten Staaten wieder eine Monarchie. Die Bevölkerung ist in sieben Klassen eingeteilt und die Kluft zwischen Arm und Reich ist gewaltig. America Singer gehört zu einer Künstlerfamilie und damit der Klasse Fünf an. Sie führen ein sehr einfaches Leben und kommen gerade so über die Runden. Zumindest haben sie (fast) immer genug zu Essen – anders als Americas heimliche große Liebe Aspen, dessen Familie der Klasse Sechs angehört, schwer schuftet, und dennoch nicht genug Geld nach Hause bringt, um alle satt zu bekommen.

Da bekommt America eine einmalige Chance: Gemeinsam mit 34 anderen Mädchen aus unterschiedlichen Distrikten wurde sie auserkoren, vor den aufmerksamen Augen der Presse und der Öffentlichkeit beobachtet das Herz des Prinzen zu erobern. Da der Thronfolger wie schon seit Vater ein Mädchen aus dem Volk heiraten soll, um die Moral zu stärken, hat man 35 junge Frauen im Alter zwischen 16 und 22 ausgelost, für eine Weile in den Palast zu ziehen, damit der Prinz sie kennenlernen kann und unter ihnen eine Ehefrau wählt.

Zunächst will America die Chance ausschlagen, doch da die Teilnahme an der ungewöhnlichen Kuppler-Show ihrer Familie viel Geld einbringt, sagt sie zu. Ihr Plan ist es, nur eine Weile im Palast zu bleiben, damit ihre Familie davon profitieren kann. Doch dann entwickeln sich die Dinge anders als geplant:

Nicht alle der 34 anderen Mädchen scheinen sie als Feinbild zu betrachten, auch wenn so manche von ihnen beim Kampf um die Aufmerksamkeit des Prinzen ihre Krallen ausfährt. America findet sogar zum ersten Mal in ihrem Leben so etwas wie eine echte Freundin. Und dann ist da Prinz Maxon, der so ganz anders ist, als sie sich das vorgestellt hat. Ehe sie es sich versehen kann, ist America sich ihrer eigenen Gefühle nicht mehr sicher …

Unterhaltsames Popkorn-Kino

Kiera Cass‘ „Selection“ ist eine Popkorn-Dystopie: Wir erfahren (zumindest in diesem ersten Band der Trilogie) nicht allzu viel über das Zukunftsszenario, in dem der Dreiteiler angesiedelt ist. Auch wenn es einige Hinweise darauf gibt, dass die politischen Verhältnisse in den Folgebänden eine größere Rolle spielen werden, gibt die Autorin in Band 1 nur vage Infos. Wir wissen um das unbefriedigende Kastensystem, darum, dass die Monarchie nicht ganz so stabil ist, wie es zunächst scheint, um Rebellen, die die Regierung stürzen oder ihr schaden wollen und dass man der Bevölkerung das Wissen um die eigene Geschichte vorenthält. Das war es auch schon.

Ansonsten konzentriert sich Cass ganz auf Americas Erlebnisse im Palast und auf den Kampf der 35 Bewerberinnen um Maxons Hand. Das klingt ein wenig nach einer Mischung aus Cinderella und dem Bachelor – und genau das ist es auch. Der Roman ist aus Americas Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben, und Kiera Cass gelingt das sehr süffig, auch wenn die Übersetzung hier und da ein wenig holpert und m. E. nicht ganz ins Schwarze trifft. Das Potential hat auch Hollywood bereits erkannt und noch vor Veröffentlichung des ersten Bandes die Verfilmungsrechte erworben. Der Jugendsender CW („Vampire Diaries“) arbeitet gerade an einer Serienumsetzung.

Normalerweise gehe ich in Rezensionen selten auf Titelbilder ein, aber dieses hier ist sehr gelungen, denn es spiegelt genau das wieder, was man im Buch auch bekommt: Verwirrte Gefühle, große Hoffnungen, ein wenig Zickenkrieg. Mehr will „Selection“ nicht sein, und genau darin liegt der Reiz. Die Autorin konzentriert sich auf die Geschichte, die sie erzählen will, und punktet damit auf ganzer Linie: America ist eine sympathische junge Frau, die sich erfreulicherweise nicht Hals über Kopf in den reichen Schönling verliebt, sondern diesem stattdessen selbst einen selbstbewussten Vorschlag macht, mit dem ich so nicht gerechnet hätte.

Insgesamt hat mich „Selection“ sehr gut unterhalten und ich freue mich schon jetzt auf den zweiten Teil, der hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lässt. Ab und an hätte es unter den Mädels sicher etwas fieser werden können – genau wegen der Zickereien funktionieren ja Formate wie The Bachelor oder Germanys Next Topmodel – aber im großen und ganzen will ich mich nicht beklagen.

„Selection“ ist nicht „Die Tribute von Panem“. Es geht (noch) nicht um Leben und Tod, sondern um echte und falsche Gefühle, Glamour, Intrigen und eine unerwartete Liebe. Der Roman liefert genau das, wass der Klappentext verspricht – und wer das mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

Fakten:

Titel: Selection
Autorin: Kiera Cass
Originaltitel: The Selection
Aufmachung: Hardcover, 368 Seiten
Verlag: Sauerländer
Preis: 16,99 EUR

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7 Comments »

  1. Ich habe nur Deine Inhaltszusammenfassung gelesen und bin erschüttert, dass man so etwas jungen Mädchen in die Hand drückt. Der Bachelor ist schon ein Rückschritt sondersgleichen, aber jetzt auch noch so ein Pseudobuch … na ja. Ich sage immer noch, unabhängig davon, wie es geschrieben ist, dass man am besten die Hände weg lässt von so etwas.

    Comment by Soleil — 22. März 2013 @ 18:21

  2. Ich muss jetzt echt lachen, weil – ich war mir zu 99,99% sicher, dass Du genau das sagen würdest ,-)

    Comment by Darkstar — 22. März 2013 @ 19:55

  3. Kuhl, dann kennst Du mich ja ziemlich gut. :)

    Comment by Soleil — 23. März 2013 @ 19:28

  4. Wobei ich dir natürlich in diesem Fall trotzdem gar nicht zustimmen kann – ich kann zwar nachvollziehen, was du meinst, aber a) sehe ich das etwas relaxter als du und b) ist es ja nicht so, als würde in „SELECTION“ das Bachelor-Model glorifiziert, sondern es geht ja eben darum, dass die Mädels da *nicht* daran teilnehmen, weil sie die große Liebe suchen – sondern Macht.

    Comment by Darkstar — 24. März 2013 @ 13:40

  5. […] US-Sender The CW hat sich jedoch dagegen entschieden, aus Keira Cass‘ Cinderella-Dystopie “The Selection” eine Serie zu […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Nun doch keine TV-Serie zu “The Selection” | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 14. Mai 2013 @ 20:01

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