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10. Juli 2013

Atalante (4) Die Flügel der Boreaden

Category: Comics,Rezensionen – Darkstar – 12:00

Atalante Band 4Griechenland in einem mythischen Zeitalter. Die Heldentruppe der Argonauten ist auf dem Weg quer durchs Mittelmeer, um nach Kolchis zu reisen, wo Prinz Iason, Anführer der Schiffsbesatzung, das Goldene Vlies in seinen Besitz bekommen möchte. Ihm angeschlossen haben sich Helden wie der sagenhafte Sänger Orpheus, der gealterte Herakles, die geflügelten Söhne des Boreas – und die Kriegerin Atalante, die einzige Frau an Bord der Argo. Aufgewachsen unter Tieren und Nymphen im Hain der Göttin Artemis, und beschenkt und verflucht von den Göttern, ist sie eine wunderschöne, sturköpfige Frau, die davon träumt, Amazone zu werden, ohne zu ahnen, dass sie in Wirklichkeit eine Königstochter ist.

Drei Bände über „Atalante“ waren bereits Anfang des neuen Jahrtausends bei Carlsen auf Deutsch erschienen. Trotz der kecken, phantasievollen Geschichte und den umwerfenden Zeichnungen des Belgiers Crisse war 2004 allerdings leider Schluss. Jetzt, fast zehn Jahre später, legt Splitter nicht nur die ersten Bände der Reihe im schmucken Hardcover noch einmal auf, sondern veröffentlicht auch hierzulande erstmals die Folgebände.

In Band 4 unterbrechen die Argonauten ihre Seereise auf der Insel des Königs Phineus. Dessen Volk leidet unter einer schrecklichen Heimsuchung: Wann immer ein Bewohner der Inselstadt etwas Essen möchte, stürzt sich ein Schwarm Harpyien aus den Lüften auf sie und vereitelt dies. Die Harpyien sind magische Zwitterwesen, halb Frau, halb Vogel, und mit ihren rasiermesserscharfen Krallen für die Menschen eine schreckliche Gefahr. Als die Argonauten Phineus Soldaten dabei helfen, die Stadt vor den geflügelten Ungeheuern zu beschützen, geraten zwei von Atalantes Gefährten in deren Gefangenschaft. Gemeinsam mit Herakles, dem kleinen Faun Pyros und einem sprechenden Ziegenwesen bricht die Kriegerin deshalb auf, um Zetes und Kalais aus den Fängen der Harpyien zu befreien …

Atalante Band 4 Preview-SeiteBand 4 steht im Zeichen der geflügelten Wesen: Bereits zu Beginn des Comicalbums versucht Atalante, eines geflügelten Pferdes habhaft zu werden. Im Verlauf des Abenteuers begegnet der Leser zudem geflügelten Wildkatzen, den mythologischen Harpyien. Zetes und Kalais, die Söhne des Nordwinds, aus deren Rücken riesige, wunderschöne Schwingen wachsen und die in den bisherigen Bänden eher untergeordnete Rollen gespielt haben, rücken mehr ins Zentrum des Geschehens.

Sie sind jedoch nicht die einzigen mythologischen Mischwesen, denen sich Crisse in seinem vierten Atalante-Band widmet. Darüber hinaus trifft die blondgelockte Kriegerin noch auf die schlangenhäuptigen Gorgonen und natürlich treten auch die drei Göttinnen Eris, Artemis und Aphrodite, die heimlich über Atalante wachen, wieder in Erscheinung.

Didier Crisses charmante Interpretation der griechischen Mythologie macht Spaß: Er bedient sich an klassischen Elementen, scheut jedoch nicht, sie in neuen Kontext zu setzen, umzudeuten oder um eigene Einfälle anzureichen. Er entstaubt die Helden von einst, macht sie weniger heroisch, dafür wesentlich frecher, und erzählt so ein phantastisches Abenteuer, an dem sowohl Kenner der griechischen Mythologie Spaß haben, als auch solche Leser, für die das Neuland ist.

Zwar ist es nicht zwingend notwendig, die vorhergehenden Atalante-Bände zu kennen, es erweist sich aber als vorteilhaft. Im neuen Band gibt es nicht nur einige Referenzen auf vorangegangene Ereignisse, sondern darüber hinaus erfahren wir einige neue Details über Atalantes Vergangenheit: ein Mosaik, das sich von Band zu Band nur stückweise zusammen fügt.

Atalante Band 4 Preview-Page 2Natürlich ist es aber nicht nur die flotte Geschichte, mit der die Comicreihe punktet, sondern auch die wunderbaren Bilder, mit denen Crisse seine Reihe inszeniert. Mit schwungvollen Linien und leuchtenden Farben erweckt er die griechische Mythologie zum Leben. Nicht zuletzt aufgrund der Vielzahl niedlicher sprechender Tiere, vor allem aber aufgrund der charmanten Zeichnungen und der üppigen Farbgebung erinnert Crisses Zeichenstil hier ein wenig an eine Art Disney, das nicht für Kinder zensiert wurde, sondern mit Begeisterung auch Frauen in Szene setzt, die weitaus kurviger und knackiger sind als die klassischen Disney-Prinzessinnen. Auch wenn Busenansätze und knackige Hinterteile hier und da aufblitzen, wird es nie vulgär!

Im Vergleich zu den vorangegangenen Bänden ist nun nicht mehr Anuk für die Farbgebung verantwortlich, sondern Fred Besson. Im Prinzip hält er sich an das vorgegebene Farbschema der Reihe, Besson scheint jedoch stärker mit Computerkolorationen zu arbeiten, wodurch die Zeichnungen ein klein wenig Charme einbüßen. Nichtsdestotrotz ist „Atalante“ immer noch ein phantastischer, lupenreiner Fantasy-Comic, der visuell und inhaltlich überzeugt.

Anders als die ersten drei Bände kann „Die Flügel der Boreaden“ nicht für sich stehen, sondern endet mit einem Cliffhanger. Wie gut, dass wir auf die Fortsetzung diesmal nicht allzu lange warten müssen. Band 5, „Kalais und Zetes„, ist für Oktober angekündigt. Dann werden wir fahren, welche Opfer Atalante und ihre Freunde bringen müssen, um den Zorn der Harpyien zu besänftigen und die Kinder des Boreas zu befreien.

„Atalante“ bei Amazon bestellen: hier!

Eine Leseprobe zum Band gibt es auf der Verlagswebsite.

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