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27. April 2016

Kino-Tipp: Captain America: Civil War

Category: Filme/Serien,Rezensionen – Darkstar – 21:27

Ab morgen schickt MARVEL die „Avengers“ erneut in den Kampf: gegeneinander!

Nachfolgend meine weitgehend spoilerfreie Kritik zu „Captain America: Civil War“. Ich verspreche, ich verrate inhaltlich nichts, was nicht bereits aus den Trailern bekannt ist.

Worum geht’s:

So dankbar ein Großteil der Menschheit für den heldenhaften Einsatz der AVENGERS auch ist – einige Individuen beklagen die teils beträchtlichen Kollateral-Schäden, die beim Kampf von Iron Man, Thor & Co. gegen Superschurken und verbrecherische Organisationen entstanden sind. Die UN hat deshalb beschlossen, dass es so nicht weiter geht, und fordert die AVENGERS dazu auf, sich in den Dienst einer Regierungsorganisation zu stellen und nur noch auf deren Anweisungen tätig zu werden.

Während ein Teil der Helden, allen voran IRON MAN, dieses Vorgehen befürwortet, sträuben ich CAPTAIN AMERICA und ein paar andere dagegen. Nachdem der CAPTAIN erst in CAPTAIN AMERICA: WINTER SOLDIER die bittere Erfahrung machen musste, dass die vermeintlich rechtschaffende Organisation SHIELD von der menschenfeindlichen Terrorgruppe HYDRA unterwandert war, ist er nicht bereit, sich von einem politischen Organ sagen zu lassen, wann er helfen darf – und wann nicht.

Als auch noch sein ehemals bester Freund Bucky auftaucht, der als fremdgesteuerter WINTER SOLDIER in der Vergangenheit terroristische Anschläge verübt hat, verhärten sich die Fronten zusehends – und die AVENGERS spalten sich auf und stehen sich auf unterschiedlichen Fronten gegenüber …

Captain America 3 oder Avengers 2.5?

Das war die große Frage, die sich die Fans stellten, nachdem die ersten Trailer online gingen.

Nach bisher einmaligem Schauen des Films haben es die Russo-Brüder (Regie) von meiner subjektiven Wahrnehmung her geschafft, jedem auftretenden Avengers-Charakter seine Momente im Film zu geben. Für meinen Geschmack hätte aber, da es ein Captain America-Film ist, Steve bzw. Captain America ein ganzes Stück stärker im Mittelpunkt stehen können. Er und Tony haben ungefähr gleichwertig viel Screentime, was mich gestört hat, weil es eben kein AVENGERS-Film und auch kein IRON MAN-Film ist. Ebenfalls sehr wesentliche Momente bekommen hat Black Widow (für mich der Star des Films), womit ich jedoch gut leben kann, denn sie ist im Franchise von CAPTAIN AMERICA seit dem WINTER SOLDIER gut etabliert.

Großes Figurenensemble

Akzeptiert man, dass CIVIL WAR ein Franchise-Film ist, der sämtliche Einzelfilmreihen miteinander verknüpft, dann hat man Spaß. Sehr, sehr schön, dass sowohl Scarlet Witch als auch Vision mehr Profil bekommen. Elisabeth Olsen als Scarlet Witch gefällt mir sehr gut, die Chemie mit Vision stimmt – auch wenn ich ihr nicht so recht abnehme, dass sie noch ein Teenager sein soll.

Sharon

Ebenfalls viel Screentime bekommt Sharon (Emily van Camp), die im WINTER SOLDIER leider nur eine kleine Rolle spielte. Die Entwicklung, die sie im Film durchmacht und ihr Verhältnis zu Steve hat mir sehr, sehr gut gefallen.

Überraschend für einen Marvel-Film: der „Bösewicht“ Daniel Brühl hatte ebenfalls angenehm viel Screentime und eine große Rolle. (Weniger schön, dass man schon wieder zu einer Motivation tendiert hat, die man jetzt schon Duzentmal gesehen hat). Und wer den Film im US-Original sieht: Natürlich haben es die Amis wieder nicht geschafft, einen deutschsprachigen Schauspieler normal sprechen zu lassen – nein ein gefakter deutscher Akzent musste her.

Ach ja: Und natürlich sterben Figuren in Captain America 3. Aber ich verrate nicht, welche. ,-)

Dass sie aufeinander losgehen, macht Spaß – aber funktioniert’s überhaupt?

Positiv hervorheben möchte ich, dass es dem Team hinter der Kamera  gelungen ist, dass sich der Zuschauer (wie auch einige der Avengers selbst) zwischen den Lagern hin- und hergerissen fühlt. Für beide Positionen haben die Macher nachvollziehbare Gründe gefunden. So sehr man im ersten Moment auch verstehen mag, weshalb IRON MAN sich für die Unterzeichnung des von der UN geforderten Vertrags stark macht, so schnell erkennt man, was für ein Fehler das wäre, wenn Captain America seine Argumente in Bezug auf die Aufgabe der Freiheit der eigenen Entscheidungen (und damit zum Stück auch die Aufgabe eines individuellen Gewissens) auf den Tisch bringt.

Die große Schwäche (gerade im Vergleich zu Superman vs Batman, der im Grunde das gleiche Thema aufgreift) ist für mich: Warum kommt denn eigentlich niemand auf die Idee zu sagen: „Lasst uns mal mit der UN treffen und über unsere Bedenken sprechen. Vielleicht kann man ja noch das eine oder andere aus der Welt schaffen.“

Tony gegen Steve

Aber klar, dann hätten wir keinen Plot gehabt – bzw. es wäre kniffliger für die Drehbuchautoren geworden. Stattdessen haben sie sich dafür entschieden, die Handlung schnell actionreich voranzutreiben, und dann vergisst man diese Bedenken auch gleich wieder. Und was soll’s, sei es drumm, ich schlucke es im Anbetracht des (von mir geliebten) Genres.

Es wurde auch sehr nachvollziehbar geschildert, warum sich welcher Held auf welche Seite schlägt. Am stärksten konnte ich mich persönlich mit Black Widow identifizieren, die wirklich zwischen den Lagern steht: Sie kann das Bedürfnis der Regierungen der Welt verstehen, andererseits ist Steve einer ihrer besten Freunde und sie weiß genau, wie leicht es HYDRA gelungen ist, SHIELD zu unterwandern.

Folglich ist es auch spannend, ihre Entscheidungen im Verlauf des Films nachzuverfolgen. Sie ist vermutlich die Figur, die stellevertretend für den Zuschauer steht.

Captain America 3 im Vergleich zu Superman vs Batman

Die Parallelen zwischen Superman vs Batman und Captain America 3 sind schon sehr augenfällig: in beiden Streifen gehen Superhelden aufeinander los, beide werfen die Fragen auf, inwiefern Superhelden (aufgrund der Tatsache, dass bei ihren Kämpfen Kollateralschäden entstehen) sich einer weltlichen Macht bzw. Organisation unterordnen sollten; in beiden werden neue Ensemble-Charaktere eingeführt.

Jetzt kann man sich lang und breit darüber auslassen, dass „die bösen DC-Studios“ einfach nur „den guten Marvel-Studios“ eins Auswischen und ihnen zuvorkommen wollten, und der Plot von CIVIL WAR ja schon ach so lange fest stand. Das mag alles stimmen, letztendlich möchte ich aber darauf eingehen, wie die beiden rein inhaltlich / qualitativ im direkten Vergleich miteinander abschneiden.

Fraglos ist CIVIL WAR insgesamt der bessere Film der beiden. Es gibt aber durchaus so manches, das aus meiner Sicht Superman vs Batman besser macht. Die Notwendigkeit des politischen Eingreifens ist in beiden Fällen gleich nachvollziehbar, im DC-Film allerdings runder und differenzierter inszeniert. Das Einführen der neuen Figuren – einmal Wonder Woman, einmal Spider-Man bzw. Black Panther – ist in beiden Fällen gleich gut gelungen; übrigens etwas, dass ich nicht gedacht hätte, machte mir das Einführen eines Teenager-Spidermans (again!) höchste Sorge. Tatsächlich stelle ich fest: das hat Spaß gemacht, und das junge Alter der Figur bringt nochmal eine neue Dynamik in die Gruppe, was ich sehr gut heiße. (ein weiteres, überraschendes Highlight: Tante May!)

Team Captain

Schlussendlich hab ich das Gefühl, dass die meisten Kritiker schon, bevor sie in „Superman vs Batman“ gegangen sind, den Film sch*** finden wollten und es dann auch getan haben, und ich wäre nicht überrascht, überragend tolle „Civil War“ Kritiken überall zu lesen, einfach schon aufgrund der Tatsache, dass im Netz die Begeisterung allein aufgrund der Trailer schon so groß ist.

Mein persönliches Highlight: Berlin!

Ein ganz persönliches Film-Highlight: dass gefühlt die Hälfte der Screentime in Berlin spielt! Wir sehen das Kanzleramt, den Hauptbahnhof, Regierungsgebäude – hach, wunderbar! Ich habe die ganze Zeit gewartet, dass Angela Merkel hinter Captain America auftaucht und sehr diplomatisch, aber bestimmt, ein ernstes Wort mit ihm redet. Tat sie aber nicht. Stattdessen gab der „Hobbit“ Martin Freeman eine Stipvisite.

Was mir nicht so gut gefallen hat …

… war das arg klischeehafte Ereignis, das die ganze Handlung überhaupt erst triggert. Das war der erste Moment im Film, in dem ich „oh no!“ gesagt habe. Und der kam ziemlich früh.

Gleiches gilt für die große Offenbarung, was es mit einem Ereignis aus 1991 auf sich hat, das im Film eine wichtige Rolle spielt. Hier war mir die Auflösung leider wirkich zu billig und aufgesetzt und von den beteiligten Figuren, die darauf reagieren, hätte ich mehr erwartet. Da hat den Drehbuchautoren doch eindeutig ein bisschen das Fingerspitzengefühl gefehlt, das „Avengers 1“ nach wie vor zu dem für mich besten Film des Franchises macht.

Die Story selbst ist spannend, hatte aber kontinuierlich einen leicht stolpernden Rhythmus. Ich hab mich (wie bei Superman vs Batman) ein paar Mal dabei ertappt, auf die Uhr zu gucken und mir einen Szenenwechsel zu wünschen. Witzigerweise nicht in den Actionsequenzen, die ja normalerweise die Szenen sind, die ich meist als zu ausführlich inszeniert erachte.

Special Effects & Action Szenen

In CIVIL WAR sind es interessanterweise vor allem die dynamischen Action-Szenen, in denen der Film gut unterhält. Die Kämpfe sind gut choreographiert (wenn jetzt auch nicht so umwerfend, wie ich in der einen oder anderen Review bereits gelesen habe). Die Kampfdynamik-Sequenzen gerade der ersten großen Kampfszene fand ich nicht so gut, weil da die Russos immer zu sehr und zu lang auf ein oder zwei Charakteren verharren und es zu lange dauert, bis man auch mal die anderen sieht. Schade.

Team Tony

Für mich waren da die Kampfsequenzen in Avengers 1 und 2 definitiv gelungener. Die große Gruppenschlacht gegen Ende des Films ist sehr gut gelungen – auch wenn man hier ebenfalls bemerkt, dass es den Russos schwer gefallen ist, einen ausgewogenen Rhythmus zwischen den einzelnen Figuren zu finden. Ich kann nur hoffe, dass sie da noch eine ganze Kante besser werden, was Avengers: Infinity War angeht.

Ebenfalls überrascht war ich, dass vieles in den Action Sequenzen – und dabei meine ich eindeutig nicht die Kräfte von Scarlet Witch – sehr nach CGI aussehen. Das mag aber vor allem an der Qualität der Kinoleinwand gelegen haben und sowas stört mich ja Gott sei Dank auch nicht so. Aber wenn es mir auffällt, heißt das andererseits auch schon wieder was.

Mein Fazit:

CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR ist nicht der beste Marvel- oder Captain America-Film bisher, aber auch nicht der schlechteste. An „Avengers 1“, „Ant-Man“ und den „Winter Soldier“ kommt er nicht heran.

Ehe ich mich allerdings festlege, ob ich Avengers: Age of Ultron besser fand als Civil War oder doch nicht, müsste ich wohl Captain America 3 noch einmal schauen.

Mit ca. 70 von 100 möglichen Punkten macht der Streifen allerdings mehr richtig als falsch und unterhält gut. Und das muss manchmal auch reichen!

Ab ins Kino.

Bilder (c) Disney/Marvel

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