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5. Juni 2016

Mary Rickert: Sommergeister

Category: Rezensionen,Romane – Darkstar – 10:00

SommergeisterEin Haus, umgeben von einem Garten im Blütenrausch; das Wochenend-Treffen dreier Freundinnen, die sich seit Jahren nicht gesehen haben und die unterschiedlicher nicht sein könnten, und ein uraltes Geheimnis …

Bay hat ihr Leben lang gespürt, dass sie ein tiefes Geheimnis umgibt, etwas, das man ihr verschweigt

Längst hat sich die 16jährige daran gewöhnt, dass auf dem Grundstück, auf dem sie lebt, seltsame Dinge vor sich gehen: Ihre Mutter Nan zieht Blumen in Schuhen, die die Leute aus der Stadt in ihren Vorgarten werfen, Pflanzen blühen zur falschen Jahreszeit und Bay selbst weiß immer verlässlich, wie das Wetter am nächsten Tag sein wird. Bay hat sich auch daran gewöhnt, dass die meisten Stadtbewohner ihre Mutter eine Hexe nennen, und dass trotzdem im Schutz der Dunkelheit viele Frauen zu ihr kommen, um sie um Hilfe zu bitten. Sie weiß, dass ihre Mutter ein gutes Herz hat, egal, was andere Leute hinter vorgehaltener Hand murmeln.

Wie schrecklich und traurig das Geheimnis, dass Nan in ihrem Herzen bewahrt, tatsächlich ist, erfährt Bay jedoch erst an einem denkwürdigen Sommerwochenende, an dem zwei seltsame Frauen auf der Veranda auftauchen. Vor vielen Jahrzehnten waren die beiden Nans beste Freundinnen. Doch ein furchtbares Ereignis und ein verzweifelter Schwur hat die Freundinnen auseinander gerissen …

Sommergeister“ von Mary Rickert ist ein leiser Roman, eher „Magischer Realismus“ als „Fantasy“, aber deshalb auch für Genre-Fans nicht weniger lesenswert. Er wird abwechselnd aus der Sicht von Bay und ihrer Mutter Nan erzählt, und Mary Rickert findet für ihre ruhige, getragene Geschichte einen ruhigen, nachdenklichen Stil, der nicht selten poetisch anmutet und viel vom Charme des Buches ausmacht. Deshalb würde ich auch jedem dringend ans Herz legen, in das Buch hineinzulesen, ehe er es sich zulegt. Wem der Stil nicht zusagt, wird sich mit dem Buch schwer tun.

Nan nennt das die blaue Stunde, diese Zeit an einem Sommertag, wenn der Himmel sich herabzusenken und alles in seinem Netz einzufangen scheint.

Zumal das Buch kein Actiongewitter zündet, sondern ebenso Charakterstudie und Momentaufnahme ist wie eine Erzählung. Nan ist bereits 79 Jahre alt. Sie hat Bay adoptiert und könnte vom Alter her eher ihre Großmutter sein. Und deshalb ist „Sommergeister“ auch ein Buch über das Älterwerden und den körperlichen Herausforderungen, die damit einhergehen.

Der Verlagsbeschreibung nach hätte ich eine Geschichte erwartet, die düsterer und spannungsgeladener und magischer/hexischer ist und in dem Bay als Handlungsträgerin wesentlich aktiver ist. Mit dieser Vermutung ist man auf dem Holzweg.

Obwohl es inhaltlich um andere Dinge geht, hat er mich von der Atmosphäre an Filme wie „Ein amerikanischer Quilt“ oder „Das göttliche Geheimnis der Ya Ya Schwestern“ erinnert. Mit solchen Erzählungen ist „Sommergeister“ meines Erachtens viel verwandter als mit klassischen Urban Fantasy-Stoffen.

Wer solche Filme mag, findet in Mary Rickerts Roman sicher eine wunderbare Sommerlektüre. Ich für meinen Teil habe es genossen, ganz in diese Geschichte einzutauchen, durch die sich Seite für Seite der opulente Duft von Geißblatt und Lavendel, Mohn und Fingerhut zieht und die mehr ein stiller Teich ist als ein reissender Bach  …

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