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14. Januar 2018

Interview mit S. Jae-Jones zu WINTERSONG

Category: Interviews – Darkstar – 13:00

WintersongWenn das alte Jahr stirbt und der Winter beginnt, zieht der König der Kobolde aus, um sich eine neue Braut zu suchen …

Im Dezember erschien S. Jae-Jones mystischer Fantasy-Roman WINTERSONG auf Deutsch. Darin geht es um Liesl, eine junge Frau im 19. Jahrhundert, die sich aufmacht, gegen den gleichsam faszinierenden wie finsteren König der Kobolde anzutreten, bevor ihre Welt in einen ewigen Winter fällt.

Wintersong ist ihr Debütroman. Die Amerikanerin hat auch asiatische Wurzeln, bezeichnet sich selbst als Adrenalinjunkie und spricht im nachfolgenden Interview sowohl über die Entstehung ihres Romans als auch darüber, woran sie gerade arbeitet – und was sie beim Schreiben nicht ausstehen kann.

Interview mit S. Jae-Jones

Welche Farben und Schlagworte beschreiben die Atmosphäre von Wintersong am besten?

Was die Farben angeht: dunkel und kräftig, wie Brombeeren, Purpur oder ein Rot, das so dunkel ist, das es fast schwarz erscheint.

Als Schlagworte würde ich wählen: gothisch, romantisch und musikalisch.

Was mögen Sie an am meisten an Ihrer Protagonistin?

Wenn ich ehrlich bin, war es sehr schwierig, über Liesl zu schreiben.

Sie muss emotional mit Vielem umgehen; wie ich ist sie bipolar. Was ich an ihr aber am meisten liebe ist ihre Hingabe an ihre Familie, ebenso wie ihre Sehnsucht danach, ihrer künstlerischen Identität treu zu bleiben.

Liesls Reise ist hart. Sie weiß, dass sie sehr talentiert ist, aber dennoch quälen sie Selbstzweifel. Auch was ihre Wirkung auf Männer angeht. Und sie ist frustriert, was ihren Platz in der Welt angeht. Sie behandeln diese Themen sehr glaubhaft und berührend. Wie schwer war es, darüber zu schreiben?

In vielerlei Hinsicht war es unglaublich leicht über diese Dinge zu schreiben, so traurig das auch ist.

Ich bin eine asiatisch-amerikanische Frau, die im Amerika der Trump-Zeit lebt. Die Schwierigkeiten, meinen Platz in meinem eigenen Land zu finden, ist eine Realität, mit der ich mich jeden Tag herumschlagen muss.

Ich liebe die Unterwelt, die Sie erschaffen haben. Wie sah Ihre Recherche aus?

Ich habe mich sehr viel mit europäischen Kobold-, Elfen- und Feenmythen beschäftigt, habe recherchiert, wie sie sich ähneln und unterscheiden.

Aber ich habe mich auch von Dingen beeinflussen lassen, die mich als Kind fasziniert haben: Geschichten über die Unterwelt, den Mythos um Hades und Persephone, aber auch Jim Hensons Labyrinth-Film mit David Bowie als Koboldkönig.

Mit Shadowsong wird ein Sequel zu Wintersong erscheinen. Haben Sie die Geschichte beider Bände bereits komplett durchgeplottet, als sie Liesls Geschichte begannen?

Shadowsong

Shadowsong knüpft direkt da an, wo Wintersong endet. Nachdem ich den ersten Band beendete, hatte ich eine sehr wage Idee davon, welche Richtung Liesls Geschichte einschlagen und wie Shadowsong enden würde. Aber die tatsächliche Geschichte des zweiten Buches entdeckte ich erst, als ich es schrieb.

Ich halte in Fantasy-Romanen immer nach LGBT-Charakteren Ausschau, und in Wintersong begegnen wir einigen queeren Figuren. Wie sieht das mit Band 2 aus?

Josef und Francois spielen eine viel, viel größere Rolle in Shadowsong. Es gibt sogar einige Stellen, die aus ihrer Sicht erzählt werden.

Was mögen Sie am meisten, wenn Sie mit der Arbeit an einem neuen Roman beginnen, und was mögen Sie am wenigsten?

Die IDEE selbst begeistert mich am meisten, also die Premisse des Romans. Ich liebe es zudem, über die Figuren und ihre Beziehung zueinander nachzudenken, ebenso wie darüber, wie sich diese im Lauf des Romans verändern.

Was ich beim Schreiben nicht ausstehen kann, ist … alles andere. ;-)

Ich mache natürlich nur Spaß, aber der Prozess, eine Geschichte aus meinem Kopf auf das Papier zu bekommen, ist unglaublich anstrengend. Und manchmal auch nervtötend und immer, immer hart.

Woran erkennen Sie, dass eine Idee dazu taugt, zu einem Roman ausgearbeitet zu werden?

Wenn ich nicht mehr aufhören kann, über sie nachzudenken.

Wie haben Sie bemerkt, Talent für das Schreiben zu besitzen?

Ich habe schon immer Geschichten geliebt. Meine Eltern haben mir als Kind viel vorgelesen und ich habe jedes Buch, das ich in die Hände bekommen habe, verschlungen. Außerdem bin ich Einzelkind und habe viel Zeit damit verbracht, „So-tun-als-ob“ zu spielen.

Irgendwann begann ich damit, mir die Geschichten, die ich mir erzählte, aufzuschreiben, damit ich mich daran erinnern konnte, wo ich stehengeblieben war, wenn ich später weiterspielte.

Mit acht Jahren entdeckte ich, dass es andere Leute mochten, mir beim Geschichtenerzählen zuzuhören. Mein Lehrer gab uns die Aufgabe, einen Aufsatz darüber zu schreiben, wie es wäre, wenn wir aufwachen würden und ein anderes Geschlecht besäßen. Ich schreib eine kurze witzige Geschichte, die ich laut vorlas und meine Klassenkameraden lachten genau an den richtigen Stellen. Das war wahrscheinlich der Moment, an dem mir klar wurde, dass ich Talent für’s Schreiben hatte.

Viele Autoren sind auch selbst begeisterte Leser. Was für Bücher mögen Sie und wie wählen Sie Lesestoff in der Buchhandlung aus?

WintersomgIch lese so ziemlich alles: Sachbücher, Kriminalromane, Science Fiction, Fantasy, Graphic Novels und Comics usw. Meine erste und meine größte Liebe sind aber Kinderbücher, vor allem Fantasybücher für Kinder. Ich liebe die Romane von Philip Pullman, Cornelia Funke und Kerstin Gier, so wie die vieler älterer Autorinnen wie L. M. Montgomery und Frances Hodgson Burnett.

Viele meiner Freunde schreiben Jugendbücher, unter anderem Roshani Chokshi, Leigh Bardugo, Marie Lu, Sabaa Tahir und Renee Ahdieh.

Was das Aussuchen neuer Bücher im Laden angeht, da bin ich altmodisch: Ich stöbere in den Regalen und zieh mir zufällig Titel dabei heraus. Wenn ich die ersten paar Seiten mag, kaufe ich das Buch vielleicht.

Dürfen Sie uns schon verraten, woran Sie gerade arbeiten?

Derzeit schreibe ich an meiner nächsten US-Serie, die den Titel Guardins of Dawn trägt.

Es geht um vier Mädchen mit magischen Fähigkeiten und ist in einer Fantasy-Version von Ostasien angesiedelt.

Wenn Sie fiktive Figuren zum Abendessen oder zum Tee einladen könnten, für wen würden Sie sich entscheiden (und warum)?

Ich bin eine furchtbare Gastgeberin. Aber ich würde auf alle Fälle den Koboldkönig zum Tee einladen!

Vielen Dank!

Website der Autorin: S. Jae-Jones

Link zur Rezension: Wintersong

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