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2. September 2008

Interview mit Urban Hofstetter vom Penhaligon Verlag

Category: Interviews – Darkstar – 19:54

KönigsmacherIm August hat mit Penhaligon ein Verlag die Pforten geöffnet, der es sich auf die Fahne geschrieben hat, den hiesigen Blätterwald um gute und ansprechend verpackte „All Age Fantasy“ zu erweitern.

Programmleiter und Lektor Urban Hofstetter hat sich freundlicherweise die Zeit genommen und zahlreiche Fragen rund um den neuen Verlag, sein Programm und All Age Fantasy im Allgemeinen zu beantworten.

Interview

Mit Penhaligon haben Sie lt. eigener Aussage den ersten deutschen Verlag für „All Age Fantasy“ gegründet. Was ist der Vorteil daran, dass Sie sich ausschließlich auf diese Untergattung konzentriert?

In den letzten Jahren ist die Fantasy bei einem gleichzeitig leicht schrumpfenden Buchmarkt insgesamt erfreulich stark gewachsen. Der Großteil dieses Wachstums verdankt sich bei genauerer Betrachtung der so genannten All-Age-Fantasy, vor allem natürlich gigantischen Erfolgsgeschichten wie „Eragon“, „Harry Potter“ und „Biss zum Morgengrauen“, um nur ein paar zu nennen. Allerdings wurden bislang viele Chancen verschenkt, da all diese Bestseller in Jugendbuchverlagen erschienen sind, jedoch zu einem erheblichen Teil von jungen Erwachsenen zwischen 17 und 30 Jahren gekauft wurden, diePenhaligon 03 ihre Lektüre nur noch sehr selten in den Kinder- und Jugendbuchabteilungen der Buchhandlungen suchen. Und so sind über die Jahre leider viele potenzielle All-Age-Bestseller gar nicht erst bis zu ihren Lesern gelangt. Penhaligon geht nun einen anderen Weg und wendet sich an die Einkäufer für erwachsene Belletristik und Fantasy im Buchhandel, die die Fantasykompetenz von Blanvalet, dem Mutterverlag von Penhaligon, bereits seit vielen Jahren kennen und schätzen. Und damit platzieren die Buchhändler unsere All-Age-Fantasy-Romane so in ihren Läden, dass sie von ihren Lesern auf jeden Fall entdeckt werden.

Wie würden Sie „All Age Fantasy“ definieren und wie grenzen Sie sie beispielsweise im Vergleich zur Jugendliteratur ab? Was macht gute „All Age Fantasy“ aus?

Wirklich gute All-Age-Fantasy muss – wie der Name schon sagt – alle Altersgruppen ansprechen. Von der Jugendliteratur grenzt sie sich ab, indem sie auf die für Erwachsene oftmals allzu genauen Erklärungen von ihnen vertrauten Dingen verzichtet. Im Englischen nennt man das „show, don’t tell“. Kinder und Jugendliche müssen beim Lesen natürlich noch viel stärker geführt werden, da ihnen viele Konzepte einfach noch nicht bekannt sind. Das Hauptmerkmal der All-Age-Fantasy ist ganz sicher, dass in ihrem Mittelpunkt ein Charakter steht, der mit den Schwierigkeiten und Fragestellungen des Erwachsenwerdens beschäftigt ist, mit den ewigen Themen wie Freundschaft, der Freiheit des Einzelnen, der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, aber natürlich auch der Liebe.

Weshalb haben Sie sich für den Namen „Penhaligon“ entschieden? Was ist seine Bedeutung?

Penhaligon ist ein in Cornwall weit verbreiteter Nachname, der uns von Anfang an sehr gut gefiel, da in ihm die große angelsächsische Erzähltradition mit anklingt, die insbesondere die Fantasy sehr stark geprägt hat.

Vielleicht können Sie uns auch ein bisschen darüber erzählen, was Ihre Aufgaben bei Penhaligon sind?

Penhaligon 01Die erste und schönste Aufgabe eines Lektors ist es natürlich, Geschichten zu entdecken, von denen man glaubt, das sie möglichst vielen Lesern Vergnügen bereiten, sie zum Nachdenken bringen oder in einer anderen Weise berühren. Diese Aufgabe teile ich mir vor allem mit meinem Kollegen Holger Kappel, der mit mir gemeinsam auch die Fantasy bei Blanvalet betreut. Darüber hinaus ist es meine Aufgabe, das Profil des Verlags zu definieren und zu schärfen, ihn also insgesamt so zu gestalten, dass Buchhändler und Leser gleichermaßen darauf vertrauen, mit dem Kauf eines Penhaligon-Romans auf keinen Fall etwas falsch machen zu können. Dabei stelle ich – gemeinsam mit meiner Verlegerin Silvia Kuttny-Walser – programmatische Weichen, die zum Teil schon mehrere Jahre in die Zukunft weisen. Das ist wohl die größte, aber auch die spannendste Herausforderung in meiner Position als Programmleiter.

Wie werden Sie auf neue Titel für Ihr Verlagsprogramm aufmerksam?

Zum einen vor allem durch Literaturagenten, die uns ihre neuesten Titel anbieten, zum anderen aber auch durch das Internet- oder Printmedien.

Werden Sie sich nur auf bisher unveröffentlichte Romane konzentrieren oder auch bereits hierzulande erschienene Bücher neu auflegen?

In einem Hardcover-Verlag wie Penhaligon werden in den allermeisten Fällen deutsche Erstausgaben veröffentlicht, aber zum jetzigen Zeitpunkt kann und möchte ich noch gar nichts ausschließen.

Welche Highlights erwarten uns in den nächsten Monaten? Auf welche Romane und Autoren dürfen wir uns freuen?

Penhaligon 02Wir haben gerade unser Startprogramm ausgeliefert und sind buchstäblich überwältigt davon, wie sehr wir die Buchhändler mit unserer großen Begeisterung für den neuen Penhaligon-Verlag infizieren konnten. Sie haben die Penhaligon-Romane nämlich in so großer Anzahl bestellt, dass wirklich jeder Fantasy-Leser fündig werden wird. Unser erster Spitzentitel ist „Das Lied von Malonia“ von Catherine Banner, einer neunzehnjährigen Engländerin, die einen äußerst gefühlvollen und sehr nachdenklichen Roman geschrieben hat, der auch lange nach der Lektüre noch in seinen Lesern nachwirken wird. Unser zweiter Spitzentitel ist „Dämliche Dämonen“ von Royce Buckingham, ein witziger und rasanter Grusel-Spaß, der vor allem Fans von Filmen wie „Shrek“ oder „Monster AG“ in seinen Bann schlagen wird. Außerdem haben wir gleichzeitig die beiden epischen Fantasy-Romane „Königsmacher“ und „Königsmörder“ von Karen Miller veröffentlicht, die in England und ihrem Heimatland Australien bereits jetzt die erfolgreichste Autorin neben Trudi Canavan ist. Und die Leser können sich über „Die Söhne der Insel“ von der jungen Amerikanerin Jean Johnson freuen, einem wunderbar romantischen Fantasy-Roman, der vor allem die Leserinnen von Diana Gabaldon und Nora Roberts begeistert.

Deutsche Fantasy-Autoren sind ja gerade im Bereich der Jugendliteratur / All Age-Fantasy populär. Man denke nur an Kai Meyer, Nina Blazon, Christoph Marzi, Cornelia Funke und einige andere. Plant Penhaligon zur Zeit, auch deutsche Autoren zu veröffentlichen?

Das werden wir auf jeden Fall tun.

Im Zusammenhang mit diesem Thema: Ausländische Autoren, die ins Deutsche übersetzt werden, kommen ja zu einem ganz großen Teil aus dem englischen Sprachraum. Haben Sie auch den einen oder anderen Schriftsteller aus den europäischen Nachbarstaaten im Auge?

Auch das ist geplant. Ich habe unter anderem gerade die deutschen Rechte am ersten Roman einer spanischen Autorin namens Fedra Egea erworben. Wir beschränken uns übrigens nicht nur auf den europäischen Kontinent. So bereiten wir gerade die Veröffentlichung zweier Romane der Japanerin Nahoko Ueahashi vor, die in ihrer Heimat eine Star-Autorin wie bei uns Cornelia Funke ist.

Wie hat sich das Fantasy-Genre Ihrer Meinung nach in den letzten zehn Jahren verändert? Und wie denken Sie, wird es sich in den nächsten Jahren noch verändern?

Die Fantasy ist vor allem aufgrund „Harry Potter“ bei viel mehr Lesern als früher bekannt und beliebt. Dank dem jungen Zauberschüler ist eine ganze Generation von Lesern herangewachsen, für die Fantasy das wichtigste Genre ist. Verstärkt wurde diese Entwicklung natürlich auch noch durch die großartigen „Herr der Ringe“-Verfilmungen. Und ich bin mir sicher, dass sich dieser Trend noch fortsetzen wird.

Flamme und HarfeWie findet man für ein Buch den idealen Übersetzer? Und ist es deiner Meinung nach notwendig, bestimmte Stellen des Romans bei der Übersetzung unter den Tisch fallen zu lassen, vielleicht auch gerade, um sie in der „All Age“-Schiene unterbringen zu können?

In der Blanvalet-Fantasy konnten wir über die Jahre hinweg einige extrem gute Übersetzer für uns gewinnen, deren individuelle Stärken und Vorlieben wir inzwischen natürlich sehr gut kennen, so dass die Auswahl nicht sehr schwer fällt. Ich glaube nicht, dass man einen Fantasy-Roman für ein junges Publikum entschärfen darf. Wenn man wirklich das Gefühl hat, das sei nötig, sollte man sich vielleicht besser nach einer anderen Geschichte umsehen.

Werden Bestseller gemacht? Was braucht ein Buch, um erfolgreich zu sein? Und woran liegt es, ob sich Erfolg einstellt oder nicht.

Es würde die Arbeit eines Lektors, der die Zukunft seines Verlags möglichst genau planen möchte, zwar ungeheuer erleichtern, aber ehrlich gesagt, bin ich sehr froh, dass sich ein Bestseller nicht einfach „machen“ lässt. Egal wie viel Geld und Hoffnung wir auch immer in einen Roman stecken mögen, die letzte Entscheidung liegt in jedem Fall bei den Lesern.

Vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit und dafür, dass Sie so nett waren, meine Fragen zu beantworten. Vielleicht können wir das ja eines Tages wiederholen. Alles Gute sowohl für Ihr Arbeits- als auch Ihr Privatleben und natürlich für Penhaligon.

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1 Kommentar »

  1. Gutes Interview!
    Mal gucken,ob der Verlag auch so groß wie Blanvelt wird….

    Comment by Van — 15. September 2008 @ 10:18

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