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24. März 2011

Interview mit Gerd Ruebenstrunk

Category: Interviews – Darkstar – 08:00

Gerd Ruebenstrunk in Leipzig mit dem “echten” Wörterbuch des Viktor VauGerd Ruebenstrunk wusste bereits früh, dass er Autor werden wollte. Mit zwanzig Jahren begann er an der Arbeit an einem Roman – vollendete ihn aber nie. Über 30 Jahre später versuchte er es noch einmal und traf ins Schwarze: „Arthur und die Vergessenen Bücher“ wurde ein großer Erfolg.

Mit „Das Wörterbuch des Viktor Vau“ ist nun Gerd Ruebenstrunks erster Roman für ein erwachsenes Publikum erschienen. Im folgenden Interview verrät der Autor, inwiefern sich das neue Buch von denen für eine jüngere Leserschaft unterscheidet, warum es so lange gedauert hat, bis er sich wieder an einem Roman versucht hat, wie er den Umgang mit Fans & Lesern findet und vieles mehr!

Interview mit Gerd Ruebenstrunk

Wer ist Viktor Vau?

Ein zurückgezogen lebender Privatgelehrter, der keine Freunde hat (und sie auch nicht haben will). Sein nahezu autistischer Charakter schlägt sich auch in seinem großen Vorhaben nieder: die Entwicklung einer Sprache, die jedes Missverständnis ausschließt, jedes Objekt in der Welt exakt bezeichnet. Diese Ordnung der Dinge beherrscht auch sein eigenes Leben, in dem alles strengen Gesetzmäßigkeiten folgt. Doch dann wird Viktor unvermittelt aus seinem Alltag gerissen und in eine Welt voller Ungewissheiten und Gefahren geschleudert. Auf einmal braucht er Freunde – und er findet sie dort, wo er sie niemals vermutet hätte …

Wann und wo sind Sie ihm begegnet?

Irgendwann 2009 ist er mir über den Weg gelaufen, an einem friedlichen  Sommernachmittag. Seitdem befürchte ich, dass ich ihn vielleicht schon viel, viel länger mit mir herumtrage … ;-)

Warum ist das Buch das Gefährlichste, das einem jemals unterkommen wird?

Wenn ich das jetzt beantworten würde, wäre das ein gewaltiger Spoiler. Deshalb sollte das jeder lieber selbst herausfinden.

Arthur 1Das Wörterbuch des Viktor Vau richtet sich – anders als ihre Arthur-Reihe – primär an ein etwas älteres Publikum. Inwiefern hat das Ihre Arbeit am Roman und Ihre Art zu Schreiben beeinflusst?

Die Geschichte um Viktor Vau ist weitaus komplexer als es bei einem Jugendbuch möglich wäre. Ich konnte verschiedene Erzählperspektiven wählen, differenzierter formulieren, den Charakteren mehr Ambiguität verleihen und zudem Themen wie beispielsweise einen Serienmörder einbinden, die im Jugendbuch vielleicht etwas deplatziert wären.

Sie haben bereits als Sprachlehrer, Diskjockey, Kneipenwirt, Texter und Tellerwäscher gearbeitet. Wann – und wie – haben Sie festgestellt, dass Sie Schriftsteller werden wollten?

Irgendwann hatte sich ein solcher Fundus an Ideen angesammelt, dass ich einfach anfangen musste, sie niederzuschreiben. Vor zehn Jahren habe ich mir ein Jahr Auszeit in Palma de Mallorca gegönnt. Damals habe ich begonnen, aus diesen Ideen Geschichten zu entwickeln. Nach meiner Rückkehr war das Schreiben dann fast ganz automatisch die Folge.

Auf Ihrer Website verraten Sie, dass Sie 20 Jahre alt waren, als Sie ihr erstes Manuskript begonnen – und aufgegeben – haben. Über 30 Jahre später hat es dann doch klick gemacht. Was lief im zweiten Anlauf anders?

Ich hab mich ganz einfach durchgebissen. Dazu muss man wissen, dass ich im Grunde ein fauler Mensch bin – nicht umsonst bin ich Mitglied in Tom Hodginsons Society of Idlers ;-). Die Disziplin, ein Buch zu beenden, hatte ich mit 20 Jahren noch nicht.

Inwiefern wirkt sich Ihre Erfahrung als Skriptautor fürs Fernsehen auf Ihre Arbeit als Romanautor aus?

Ich schreibe nicht sequenziell, sondern szenisch. Dabei springe ich zwischen verschiedenen Stellen hin und her und füge das Ganze erst zum Schluss zusammen.

Hätten Sie damit gerechnet, dass Arthur und die Vergessenen Bücher so einschlagen würde? Was bedeutet Erfolg für Sie?

Erfolg bedeutet für mich, die Freiheit und die Zeit zu haben, meine Geschichten zu erzählen. Ob und wie erfolgreich sie später sind, darüber denke ich nicht nach.

Sowohl in den Arthur-Romanen als auch in Das Wörterbuch des Viktor Vau spielen Bücher prominente Rollen. Ein Dankeschön an dieses Medium – oder steckt hinter dem Gegenstand „Buch“ etwas ganz Besonderes, das Sie inspiriert?

Arthur 2Das wäre jetzt natürlich eine hervorragende Gelegenheit, eine Legende aufzubauen, aber ich bleibe lieber bei der prosaischen Wahrheit: Es ist Zufall, dass es sich in meinen ersten Romanen um Bücher und ihre Wirkungen dreht. Der Titel, an dem ich gerade schreibe, hat mit Büchern nichts zu tun, und die nachfolgenden wohl auch nicht, wie es derzeit aussieht.

Davon einmal abgesehen liebe ich Bücher natürlich und könnte mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen. Und ich glaube in der Tat, dass Bücher eine magische Kraft besitzen, indem sie die Leser entweder in eine ganz eigene Welt entführen (und das ganz ohne technischen Schnickschnack) oder Meme freisetzen, die die Welt verändern können (oder zumindest das Leben der Leser).

Was macht Ihnen, wenn Sie an einem neuen Romanprojekt arbeiten, am meisten Spaß – und was hassen Sie?

Gerd Ruebenstrunk zeigt uns eine Seite aus dem wahren Wörterbuch des Viktor Vau! Man, das nenne ich Plan-Arbeit!Am meisten Spaß machen mir die Entwicklung der Idee und das Schreiben selbst. Was ich hasse, ist die Ausarbeitung des Kapitelplans. Ich bin ein ungeduldiger Mensch und würde nach der Idee am liebsten loslegen. Der Kapitelplan stört diesen Impuls. Aber ich weiß inzwischen, dass sich damit viel besser und einfacher schreiben lässt und die vor einem liegende Aufgabe  etwas an Schrecken verliert … ;-)

In ihren bisherigen Büchern spielen Städte mit reicher Historie signifikante Rollen. Besuchen Sie Ihre Schauplätze zu Recherchezwecken?

Bei der Arthur-Reihe habe ich, bis auf Sanaa im Jemen, alle Schauplätze besucht. Zum einen, um die Atmosphäre zu spüren, die Geräusche und  Gerüche, den Nebel und die Sonne, die Enge und die Weite. Und zum anderen, weil man vor Ort immer mehr Informationen über geheimnisvolle Orte und Begebenheiten in der betreffenden Stadt erhält als über das Internet. Nur bei Viktor Vau hatte ich dieses Vergnügen leider nicht …;-)

Gibt es Orte, die in Das Wörterbuch des Viktor Vau von besonderer Bedeutung sind?

Für mich schon. Die Hauptstadt der Union hat sich im Verlauf der Erzählung so konkret entwickelt, dass ich den Schauplatz sicherlich in weiteren Romanen noch einmal verwenden werde.

Wird es auch eine Leserunde in der realen Welt geben?

Das weiß ich noch nicht. Um diese Sachen kümmert sich zum Glück mein Verlag. So kann ich mich aufs Schreiben konzentrieren.

Sie haben das Buch auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt und dank des Internets fällt es Lesern heutzutage verhältnismäßig leicht, mit Autoren in Kontakt zu treten. Ist dieser Kontakt etwas, das Sie schätzen, oder hat das aus Ihrer Sicht – vielleicht weil arbeitsintensiv – auch Schattenseiten?

Arthur 4Im Augenblick ist es noch nicht so viel, dass es mich stören würde. Und gerade die Rückmeldungen vieler junger Arthur-Leser sind etwas, das ich nicht missen möchte. Weil ich da ganz direkt und ungefiltert merke, dass ich mit meinen Büchern anderen eine große Freude mache.

Diese Blogtour, Ihre Website – ist der Umgang mit dem Internet zur Promo von Büchern etwas, das Sie selbst mögen?

Ich bin Internet-Nutzer der ersten Stunde, schon seit der Zeit, als es noch keine grafischen Oberflächen gab und man textbasiert chatten und gophern musste. Von daher habe ich eine gewisse Affinität zum Medium.

Wenn Sie eine fiktive Figur Ihrer Wahl auf einen Kaffee treffen könnten – ob nun aus Ihren Büchern oder denen eines anderen Autors – für wen würden Sie sich entscheiden und warum?

Aus Büchern anderer Autoren fällt mir spontan John Rebus ein. Mit dem würde ich gerne mal eine Nacht in den Pubs von Edinburgh verbringen und über Musik, Politik, Bürokraten, Männer und Frauen und die Welt im Allgemeinen reden.

Woran arbeiten Sie gerade?

An einem Thriller mit Science-Fiction-Elementen für Jugendliche, der 2012 erscheinen wird.

Vielen Dank!

Die Website von Gerd Ruebenstrunk findet ihr hier!

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