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27. Oktober 2012

Interview mit Annina Braunmiller

Category: Interviews – Darkstar – 09:00

Nach dem SommerIn der neuen „Nautilus“ stelle ich nicht nur Maggie Stiefvaters Werwolf-Romantasy „Die Wölfe von Mercy Falls“ vor, sondern interviewe auch die Sprecher der Hörbuchversion, bei denen es sich zudem um Synchronsprecher aus den Twilight-Filmen handelt.

Die Hauptrolle – sowohl in „Twilight“ (Bella) als auch in „Die Wölfe von Mercy Falls“ (Grace) – spricht Annina Braunmiller. Und als Special anlässlich des Erscheinens der „Nautilus 104“ und ihrer Titelverteidigung als „Bestes Sekundärwerk“ beim diesjährigen Deutschen Phantastik Preis gibt’s heute hier auf dem Blog ein Interview mit der gefragten Sprecherin:

Nautilus-Special: Interview mit Annina Braunmiller

Annina Braunmiller wurde 1985 in Augsburg geboren, absolvierte an der Stage School in Hamburg eine mehrjährige Ausbildung als Bühnendarstellerin – und ihre Stimme ist Deutschlandweit bekannt, seit sie seit 2008 Kristen Stewart als Bella in den Twilight-Filmen synchronisiert. Seither ist sie fest mit dem phantastischen Genre verwachsen, sprach zum Beispiel Kahlan in Legend of the Seeker. Nachdem sie 2010 die ungekürzten Hörbuchversion von Stephenie Meyers Biss-Reihe einlas, etablierte sie sich zudem als eine der derzeit gefragtesten Sprecherinnen im phantastischen Bereich. Ob mit Dystopien, Nahzukunftsromanen, romantischer Fantasy oder Urban Fantasy: Annina Braunmiller überzeugt. Wie sie das schafft, darauf gibt das folgende Interview Antwort.

Bella aus Twilight, Grace aus der Mercy Falls-Trilogie und diverse Rollen in Gruselhörspielen – haben Sie manchmal die Nase voll von Vampiren und anderen Nachtgestalten?

Sagen wir, ich freu mich immer, wenn ich zwischendurch „echte“ Menschen spreche (grinst).

Aber die Nase voll habe ich eigentlich nicht. Die Rollen sind alle sehr, sehr unterschiedlich! Allein Grace und Bella unterscheiden sich charakterlich sehr, das heißt, dass ich die beiden Figuren völlig verschieden anlege; und diese Abwechslung ist das Spannende an meinem Beruf. Wenn mich die Figur interessiert, ist es nebensächlich, ob es eine Fantasyfigur oder eine „Sterbliche“ ist.

Was hat Sie überzeugt, Nach dem Sommer einzusprechen?

Als der Verlag mir das Script angeboten hat, gab es nur eine Zusammenfassung der Geschichte, aber sie klang vielversprechend. Schon während der Vorbereitung habe ich mich dann sehr darauf gefreut, Grace einzulesen, weil sie eine viel stärkere Persönlichkeit hat als viele andere Figuren, die ich sonst eingelesen habe. Mir gefällt auch der ganz neue Ansatz, den Maggie Stiefvater für ihre Werwölfe gefunden hat.

Sowohl Bella und Edward als auch Grace und Sam sind tragische Liebende. Warum faszinieren uns Ihrer Meinung nach immer wieder solch dramatische Konstellationen?

Wir lesen, um dem Alltag zu entfliehen, sehnen uns nach ein bisschen Aufregung und Abenteuer; und jeder träumt irgendwann von der großen Liebe. Es wäre keine spannende Geschichte, wenn die Protagonisten sich sofort kriegen und glücklich in den Sonnenuntergang reiten – das wäre keine packende oder inspirierende Unterhaltung. Außerdem wünschen wir (zumindest wir Mädchen) uns, dass uns jemand so sehr liebt, dass er (oder sie) bereit ist, alle Widrigkeiten auf sich zu nehmen, um mit seiner wahren Liebe zusammen sein zu können.

Um bei dem Menschen zu sein, den sie lieben, nehmen sowohl Grace als auch Bella den Bruch mit ihren Familien in Kauf. Ist dieser Preis nicht zu hoch?

Ruht das LichtMir persönlich ist Familie sehr, sehr wichtig. Meine Eltern sind toll und ich käme erst gar nicht in die Situation, zwischen ihnen und einem Mann wählen zu müssen. Aber ich weiß, dass nicht jeder so viel Glück hat wie ich. Einen solchen Bruch sollte man sich dennoch wirklich gut überlegen, denn auch wenn man kein perfektes Verhältnis zu seiner Familie hat, gibt sie einem doch oft Halt; vor allem, wenn eine Beziehung scheitert.

Eine Garantie dafür, dass eine Beziehung ewig dauert, gibt es nun mal nie, Menschen ändern sich. Trotzdem lohnt sich für die Liebe so manches Opfer. Bella bricht ja nur mit ihrer Familie, um sie zu schützen und natürlich kann man das nie genau wissen, aber ich glaube, die wenigstens von uns müssen sich im echten Leben zwischen einem Vampir und ihrer Familie entscheiden.

Obwohl Sie auch Schauspielerin sind, sind Sie deutschlandweit vor allem aufgrund Ihrer Synchrontätigkeit bekannt. Wünschen Sie sich manchmal, das wäre anders herum?

Ja und Nein. Ja, ich würde gern selbst mehr spielen; auch wenn ich derzeit mit der Sprecherei so ausgelastet und ausgefüllt bin, dass ich nicht das Gefühl habe, dass mir etwas fehlt. Und nein, denn ich mag mein Privatleben! Es ist gut zu wissen, dass ich im Pyjama zum Bäcker gehen könnte und alle würden sich nur denken, ich hab einen Knall; ohne dass ich am nächsten Tag in der Zeitung lese, dass ich einen Knall habe.

Hilft Ihnen Ihre Schauspielausbildung beim Vorlesen?

Natürlich, sehr sogar! Man lernt in der Schauspielausbildung, Rollen zu entwickeln, was bei einem Hörbuch sehr wichtig ist, damit man nicht den Überblick verliert und dann alle Figuren gleich klingen.

Um den Ton für die jeweilige Rolle zu finden, lese ich mir die Texte vor den Hörbuchaufnahmen mindestens einmal durch; vorher überfliege ich das Buch, damit ich die Figuren schon ein bisschen kenne.

Dann bekommt jede Rolle ihre eigene Farbe zugeteilt und ich leuchte die direkte Rede an. So weiß ich immer gleich, wer spricht. Die Bösen sind z.B. oft Rot, da ich die Farbe aggressiv finde, die Zicken pink etc.

Um den Erzählton zu treffen, tauche ich einfach ganz in die Situation bzw. Geschichte hinein – das ist ja das Wunderbare an Büchern – und dann rutscht meine Stimme von selber dahin, wo sie hin soll.

Wie wichtig ist ein Regisseur bei Hörbuch-Aufnahmen?

In Deinen AugenSehr! Ich gehe nicht ohne Regie ins Studio! Man ist zwar recht frei beim Hörbuch einlesen, dennoch hört der Regisseur mehr als man selbst und kann so Unsauberkeiten korrigieren. Er behält auch den Aussprache-Überblick und vor allem fällt einem Regisseur im Idealfall noch eine weitere Interpretationsmöglichkeit ein, die dem Stoff oder einer Figur mehr Tiefe gibt. Es gibt einen Grund, warum das ein eigener Beruf ist!

Es ist sehr traurig, dass es immer mehr Hörbuchproduktionen gibt, bei denen an der Regie gespart wird. Das hört man beim Endergebnis einfach!!

In den letzten Jahren haben Sie im Hörbuchbereich vor allem phantastische und dystopische Stoffe vertont. Haben Sie auch privat etwas für dieses Genre übrig?

Zum Glück schon (grinst). Ich lese gern und viel. Im echten Leben bevorzuge ich allerdings definitiv sterbliche Männer. Aber wer weiß, wenn ich tatsächlich mal einen Vampir kennenlerne, ändere ich vielleicht meine Meinung.

Gibt es eine Rolle, die sie unheimlich gerne einmal sprechen oder spielen würden?

Das ist schwierig, denn immer, wenn man sich denkt, „man, das hätte ich gern eingelesen“ gibt es das Projekt ja schon. Aber ich würde z.B. wahnsinnig gern mal etwas von Kerstin Gier aufnehmen! Da ich ein Star Trek-Fan bin, würde ich für eine Rolle im nächsten Film einiges auf mich nehmen. Egal ob ich im roten Dress sofort sterben würde oder sogar ein paar Sätze sagen dürfte!

Und ich träum davon, dass es im Kleinen Hobbit eine Hobbit- oder Elbenfrau gibt, die durchs Bild hüpft und für die ich vielleicht atmen darf.

Der letzte Twilight-Film kommt bald in die Kinos. Werden Sie Bella vermissen?

Jein. Bella ist, auch wenn das jetzt abgedroschen klingt, ein Teil von mir geworden. Ich kenne sie sehr, sehr gut und bin froh und dankbar, dass sie mich die letzten Jahre „begleitet“ hat. Es wird mir fehlen, so schmachten zu dürfen (lacht). Aber es ist Zeit für etwas Neues! Und Bella bleibt mir persönlich ja trotzdem erhalten…

Welche Projekte stehen als Nächstes an?

Aktuell spreche ich in der Serie Suborgatory die wundervolle Rolle der Dalia; wir synchronisieren die dritte Staffel von Victorious, wo ich Jade spreche – eine meiner wenigen nicht-netten-Rollen, die ich aber sehr liebe.

Außerdem bin ich jetzt ein „richtiger“ Vampir in der Serie True Blood, die wir gerade aufnehmen. Und im Oktober läuft On the Road mit Kristen Stewart im Kino an. Im Hörbuch habe ich vor kurzem Pandemonium von Lauren Oliver eingelesen, sowie die Tryll-Trilogie von Amanda Hocking. Im Herbst stehen zudem die Fortsetzungen zu Starters und Touched auf dem Programm.
Und dann beginnen jetzt die Proben für ein Weihnachtsmärchen für Kinder, eine moderne Adaption von Das Gespenst von Canterville, worauf ich mich sehr freue. Langweilig wird mir zum Glück also erstmal nicht!

Vielen Dank!

Annina Braunmillers Facebook-Fanpage findet ihr hier!

Einen Blick in die aktuelle „Nautilus“ könnt ihr hier werfen.

Meine Rezension zu „In deinen Augen“ findet ihr hier.

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