Darkstars Fantasy News


12. September 2013

Liebe Frau Honisch: Einhörner – echt jetzt?!?
Auf ein Wort mit Ju Honisch

Category: News – Darkstar – 19:30

Die Quellen der MalicornBei Heyne ist gerade Ju Honischs Fantasy-Roman „Die Quellen der Malicorn“ erschienen.

Der Verlag nennt ihn „Die große Saga über die Magie der Einhörner“. Nun bin ich zwar Einhorn-Fan, aber ich gebe zu, ich war doch ein bisschen erstaunt: Einhörner gelten zwar als ätherische Zauberwesen aus Märchen und Mythen. Aber es sind auch Kreaturen, die von Fantasy-Fans nicht selten ein wenig belächelt werden. Wie kam es also, dass eine deutsche Autorin sich ausgerechnet mit diesem Mythos in einem über 600 Seiten dicken Buch beschäftigt? Und warum nennt sie ihre Wesen „Malicorns“.

In einem ausführlichen Gastbeitrag beantwortet Ju Honisch deshalb heute meine Frage:

„Liebe Frau Honisch, Einhörner – echt jetzt?!?“

Ich heiße Ju Honisch, und ich bin Gast hier. Vielen Dank an Christian, der mich auf seinen Blog losgelassen hat. Das war sehr mutig von ihm. Denn mit Einhörnern kann man sich als Erwachsener schon ganz schön lächerlich machen.

Leser der Romane, die ich vor „Die Quellen der Malicorn“ geschrieben habe, waren denn auch nicht wenig erstaunt, als ich damit rausrückte, ich wolleeinen Einhorn-Roman schreiben. Sie quittierten mein Vorhaben oft genug –phonetisch passend –mit lautem Gewieher. Einhörner, das passte nicht zu Steampunk Fantasy-Thrillern und Damen in Krinolinenkleidern, zu wohlrecherchiertem historischen Ambiente oder zu bitterbösen, sarkastischen Kurzgeschichten.

Warum also Einhörner?

Ein Freund von mir hat einmal auf die Frage, wie es denn sein könne, dass er mit seinem Dudelsack sowohl bei der Wahlveranstaltung der DKP, als auch bei der CSU spiele, den weisen Satz geprägt: Ich bin Künstler – ich bin käuflich.

Die Idee, über Einhörner zu schreiben, kam denn auch nicht ursprünglich von mir. In der deutschen Phantastik hat die „Völker-Fantasy“ einen ziemlich hohen Stellenwert. Ich glaube nicht, dass es in der englisch(sprachig)en Fantasy ein vergleichbares Phänomen gibt. Aber wir haben „Die Zwerge“, „Die Elfen“, „Die Orks“, „Die Drachen“ etc. – alles mehrbändige Fantasy-Romane, die sich sehr gut am Markt behauptet haben. Das ist wichtig für Verlage. Und somit auch für Autoren, wenn sie denn ihre Geschichten an den Mann bzw. Verlag bringen möchten.

Inzwischen waren allerdings die Sagengestalten ein bisschen knapp geworden. Über „Die Einhörner“ hatte noch keiner geschrieben. Als das Angebot von HEYNE kam, einen Einhörner-Roman zu verfassen, habe ich zugegriffen, wie weiland mein alter Freund, der Dudelsackspfeifer.

Klischees waren irgendwann mal noch keine Klischees. Ich begann also zu graben, nachdem ich selbst – zugegeben etwas mühsam – das Bild von rosa/weiß-glitzernden Einhörnern mit Disney-Augenaufschlag aus meinem Kopf gedrängt hatte. Und tatsächlich, sie haben nicht immer geglitzert und glitzern das ganze Buch hindurch nicht ein bisschen.

Wandbehang Einhorn und Quelle (c) Ju HonischEinhörner begannen ihr Dasein als kuriose Details in Reiseberichten aus der Antike. So wie sie da beschrieben sind, könnte einem der Verdacht kommen, der Reisende wäre in Afrika auf Nashörner gestoßen, aber wir wollen mal nicht so sein. Jedenfalls war eine Idee geboren und schien allen zu gefallen. Einhörner – edle Rösser mit wehrhaftem Horn.

Das Einhorn legte denn auch eine ziemliche Karriere hin. Es wurde Wappentier, es wurde christliches Symbol für Frieden und Reinheit. Tatsächlich erhält man – wenn man ein bisschen surft – sehr genaue Beschreibungen, verfasst von Menschen, die sich sicher sind, Einhörnern schon begegnet zu sein. Oder Engeln. Oder Aliens. Einhörner sind Wesen der Lichtebenen, ebenso wie Engel, und zählen zu den Wesen der 7. Sphäre, wird einem da ganz genau erklärt.

Ich habe noch kein Einhorn getroffen. Ich muss aber auch zugeben, dass ich schon froh bin, wenn ich es in den zweiten Stock schaffe – die siebte Sphäre wäre mir zu anstrengend. Darf man über Einhörner schreiben, wenn man noch keins getroffen hat? Nun, darf man einen Krimi schreiben, wenn man noch niemanden ermordet hat? Klar darf man. Und es macht sogar ziemlichen Spaß, mit den Klischees aufzuräumen, dass sie rechts und links nur so davonfliegen. Ja, es hat Spaß gemacht, über Einhörner zu schreiben.

Ich habe mir meine Einhörner gebastelt. Sie sind edel und rein, aber auch fies und böse. Sie sind gerecht und charaktervoll, und sie sind grausam und rassistisch. Sie sind – wie Kreaturen eben so sind – alle unterschiedlich. Ganz ehrlich: 600 Seiten über edle Einhörner, die lebenslang nur rein sind – daswäre ziemlich langweilig geworden. Und langweilig sind meine Hörnis nicht. Um die Kommunikation zu vereinfachen, können sie sichin Menschengestalt wandeln. Und schon ist die Sache kein Pferdebuch mehr.

Die Malicorn – das ist übrigens kein Name für die Einhörner. Sie sind die Tyrrfholyn und die Mardoryx, je nach Volk und politischer Ausrichtung. Wer die Malicorn ist – und was sie plant – und was es mit den Quellen auf sich hat: dazu muss man dann doch das Buch lesen.

© Ju Honisch

Mehr zum Buch erfahrt ihr übrigens auf der Verlagswebsite und mehr über Ju Honisch und ihre Romane auf ihrer Seite.
Surft mal vorbei
!

„Die Quellen der Malicorn“ bei Amazon bestellen: Print bzw. Kindle

4 Comments »

  1. Tja was soll ich sagen. Mit dem Text bin ich mal wieder zielsicher neugierig gemacht worden. 🙂

    Comment by Rabin — 13. September 2013 @ 09:22

  2. Ich gebe es zu, zuerst dachte ich auch – Einhörner? WTF? Aber da mich die Frau Honisch bisher sehr gut unterhalten hat, werde ich mir natürlich auch dieses Buch nicht entgehen lassen.

    Comment by Caro — 13. September 2013 @ 15:22

  3. […] Geplauder unter dem Titel “Einhörner – echt jetzt?!?” findet ihr bei Darkstars Fantasynews. Und bei Wortwellen meldet sich Ju Honisch mit einem […]

    Pingback by [Aus dem Nähkästchen] Ju Honisch zu “Die Quellen der Malicorn” “Schwingen aus Stein” & Covergestaltung | Biblio Fantastica — 22. September 2013 @ 09:02

  4. […] Zu Ju Honischs Gastblog zu ihrem Roman “Die Quellen der Malicorn”: hier! […]

    Pingback by Darkstars Fantasy News » Interview mit Ju Honisch(nicht nur) zu “Schwingen aus Stein” | News & Interviews aus der wunderbaren Welt der Fantasy - ein Fantasy Blog — 25. Dezember 2013 @ 11:01

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